Die göttlichen Attribute zwischen den Vertretern der Ahl al-Tanzih und den Ahl al-Tashbih
Erstes Kapitel: Die Erhabenheit Gottes (Tanzih) über jegliche Ähnlichkeit mit den Geschöpfen in jedweder Hinsicht
Sowohl die überlieferten (naqlī) als auch die rationalen (ʿaqlī) Beweise belegen die Unmöglichkeit jeglicher Art von Ähnlichkeit zwischen dem Schöpfer – Erhaben ist Er – und den Geschöpfen.
Der Beleg aus der Überlieferung (al-Naql):
Die Aussage des Erhabenen: „Nichts ist Ihm gleich“ (Laysa ka-mithlihi shay’, Sure ash-Shura: 11).
Die Art der Beweisführung daraus ergibt sich wie folgt:Das Zusammentreffen zweier Vergleichspartikel (das „Kaf“ und das Wort „Mithl“) im Kontext der Verneinung bewirkt die Negierung selbst der geringsten Ähnlichkeit. Ein Vergleich (Tashbih), bei dem die Vergleichspartikel weggelassen wird, nennt man im Arabischen „bestärkt“ (muʾakkad); wird die Partikel genannt, heißt er „ausdrücklich“ (mursal).
Je mehr Vergleichspartikel man weglässt, desto stärker wird der Grad der Ähnlichkeit; je mehr man sie explizit einfügt, desto schwächer und geringer wird der Grad der Ähnlichkeit.
Beispiel:
- Die Aussage „Zayd ist ein Löwe“ ist in der Ähnlichkeit stärker als „Zayd ist wie (ka) ein Löwe“, weil du im zweiten Satz die Vergleichspartikel (Kaf) eingefügt hast.
- Die Aussage „Zayd ist wie (ka) ein Löwe“ ist wiederum stärker als „Zayd ist wie das Gleichnis (ka-mithl) eines Löwen“, da du hier zwei Vergleichspartikel eingefügt hast (Kaf und Mithl).
Somit ist die Ähnlichkeit in der Formulierung „wie das Gleichnis“ (ka-mithl) am schwächsten ausgeprägt. Wenn nun das Negationspartikel „Nicht“ (laysa) auf einen Vergleich angewandt wird, der bereits die schwächste Form der Ähnlichkeit beinhaltet, so hast du damit selbst die minimalste Ähnlichkeit negiert. Da das „Laysa“ in der Ayah auf einen Vergleich trifft, der die geringste Stufe der Ähnlichkeit umfasst, bedeutet dies die Verneinung der Ähnlichkeit in jeder nur erdenklichen Hinsicht.
Betrachtet man das Vergleichszeichen (Kaf) als einen (rhetorischen) Zusatz, so verneint die Ayah die Gleichheit (al-Mumāthalah). Betrachtet man das Wort Mithl als Zusatz, verneint sie die Ähnlichkeit (al-Mushābahah). Betrachtet man beide als feststehend, verneint die Ayah Ähnlichkeit und Gleichheit zugleich. Somit hat die Ayah durch das „Laysa“ beides zusammen negiert.
Sagt man: „Zayd ist nicht wie der Löwe“, so bedeutet dies, dass er ihm in manchen Aspekten nicht gleicht. Sagt man: „Zayd ist nicht das Ebenbild des Löwen“, bedeutet dies, dass er ihm nicht in allen Aspekten gleicht. Wenn man jedoch die vollkommene Verneinung jeglicher Gemeinsamkeit, selbst in einem fernen Aspekt ausdrücken will, sagt man: „Zayd ist nicht wie das Gleichnis (ka-mithl) des Löwen“. Dies impliziert die Verneinung von Ähnlichkeit und Gleichheit gleichermaßen. Da Gott die absolute Verneinung von Ähnlichkeit und Gleichheit beabsichtigte, sagte Er: „Nichts ist Ihm gleich“ (Laysa ka-mithlihi shay’).
Wenn wir sagen, dass Mithl hier „Attribut“ (Sifah) bedeutet, so liegt darin ein Hinweis darauf, dass Er – gepriesen sei Er – zwar mit vielem beschrieben wird, mit dem auch Menschen beschrieben werden, dass diese Gemeinsamkeit jedoch nur eine Übereinstimmung im Wortlaut und keine tatsächliche ist.
Wenn wir sagen, dass Mithl hier „Ähnliches“ bedeutet, so ist dies ein Hinweis darauf, dass Ihm nichts ähnelt. Imam al-Kafawi sagt in al-Kulliyat (S. 851):
وَاعْلَم أَن الْمثل الْمُطلق للشَّيْء هُوَ مَا يُسَاوِيه فِي جَمِيع أَوْصَافه، وَلم يتجاسر أحد من الْخَلَائق على إِثْبَات الْمثل الْمُطلق لله، بل من أثبت لَهُ شَرِيكا ادّعى أَنه كالمثل لَهُ، يَعْنِي يُسَاوِيه فِي بعض صِفَات الإلهية، فالآية ــ يعني قوله تعالى لَيْسَ كَمِثْلِهِ شَيْءٌ ــ رد على من زعم التَّسَاوِيَ من وَجه دون وَجه
„Wisse, dass das absolute Gleichnis (al-Mithl al-Mutlaq) für eine Sache dasjenige ist, das ihr in all ihren Eigenschaften entspricht. Kein Geschöpf hat es gewagt, ein absolutes Gleichnis für Gott zu behaupten. Vielmehr behauptete derjenige, der Ihm einen Partner beigegeben hat, dieser sei wie ein Gleichnis für Ihn, das heißt, er entspreche Ihm in einigen göttlichen Eigenschaften. Die Ayah ist somit eine Widerlegung derer, die eine Gleichheit in manchen Aspekten behaupten.“
Das Wort „Ding/Etwas“ (Shay’) in der Ayah ist ein unbestimmter Ausdruck (Nakirah). Dieser steht hier im Kontext einer Verneinung. In der Sprachwissenschaft ist bekannt, dass ein unbestimmter Ausdruck in einer Verneinung eine umfassende Verallgemeinerung (al-ʿUmūm) bewirkt. Die ehrenwerte Ayah verneint somit restlos alle Arten der Ähnlichkeit zwischen dem Schöpfer und den Geschöpfen – sei es im Wesen (Dhāt), in den Attributen (Sifāt) oder in den Handlungen (Afʿāl).
Hinzu kommt, dass das Wort Mithl der umfassendste Begriff für Ähnlichkeit ist. Imam al-Fayruzabadi sagt in al-Tamyiz:
وهو يعني لفظ المثل- أعم الألفاظ الموضوعة للمشابهة , وذلك أن الند يقال فبما يشاركه في الجوهرية فقط , والشكل يقال فيما يشاركه في القدر والمساحة , والشبه يقال فيما يشاركه في الكيفية فقط , والمساوي يقال فيما يشاركه في الكمية فقط , والمثل عام في جميع ذلك , ولهذا لما أراد الله نفي التشبيه من كل وجه خصه بالذكر , فقال تعالى في سورة الشورى : „ليس كمثله شيء
„Der Begriff Mithl ist der allgemeinste Ausdruck für Ähnlichkeit. Denn Nidd wird verwendet bei Übereinstimmung in der Substanz (Jawhar), Shakl (Gestalt) bei Übereinstimmung im Maß und der Ausdehnung, Ähnlichkeit bei Übereinstimmung in der Modalität (Kayfiyyah) und Musāwī (Gleichwertig) bei Übereinstimmung in der Quantität (Kammiyyah). Mithl hingegen ist allgemein für all das. Deshalb hat Gott, als Er die Ähnlichkeit in jeder Hinsicht verneinen wollte, diesen Begriff gewählt und sprach: ‚Nichts ist Ihm gleich‘.“
Ähnliches erwähnte auch der Sprachgelehrte Imam al-Raghib al-Asfahani in seinen Mufradat.
Die Ayah beweist also, dass Gott erhaben darüber ist, irgendeinem der Geschöpfe in irgendeiner Weise zu ähneln. Eine Gemeinsamkeit zwischen den Attributen Gottes und denen der Geschöpfe ist daher eine rein namentliche Übereinstimmung und nichts weiter.
Der rationale Beleg (al-ʿAql):
Dies ist, was Imam al-Bayhaqi in seinem einfachen Stil in seinem Buch al-Iʿtiqad (S. 37) sagte:
ثم يعلم أن صانع العالم لا يشبه شيئا من العالم لأنه لو أشبه شيئا من المحدثات بجهة من الجهات لأشبهه في الحدوث من تلك الجهة , ومحال أن يكون القديم محدثا أو يكون قديما من جهة حديثا من جهة
„Zudem muss man wissen, dass der Schöpfer der Welt nichts aus der Welt ähnelt. Denn würde Er etwas Erschaffenem (Muhdath) in irgendeiner Hinsicht ähneln, so würde Er ihm in eben jener Hinsicht auch im ‚Erschaffen sein‘ (Hudūth) ähneln. Es ist jedoch unmöglich, dass das Ewige (al-Qadīm) erschaffen ist, oder dass es in einer Hinsicht ewig und in einer anderen erschaffen ist.“