Dr. Sayf Ali al-Asri sagte:
Dies ist eine haltlose Behauptung gegen die Ahl as-Sunna der Asha’irah. Diese These, die ich von Safar al-Hawali zitieren und anschließend widerlegen werde, steht in engem Zusammenhang mit dem Takfir (der Ungläubigerklärung), wie der folgende Artikel verdeutlichen wird.
Safar al-Hawali schreibt in seinem Buch Manhaj al-Asha’ira fi l-Aqida („Die Methode der Asha’irah in der Glaubenslehre“) auf Seite 203:
فالأشاعرة في الإيمان مرجئة جهمية، هذا هو صريح مذهبهم في مصنفاتهم
„Die Asha’irah sind im Bereich des Iman (Glauben) Murji’a der Jahmiyya; dies ist die explizite Aussage ihrer Lehre in ihren Schriften.“
Weiter heißt es auf Seite 204:
وكونهم على رأي جهم في أن الإيمان هو مجرد التصديق القلبي، يجعلهم في مرتبة أشد بدعة من مرجئة الحنفية الذين يطلق عليهم (مرجئة أهل السنة)، أو (مرجئة الفقهاء
„Die Tatsache, dass sie der Meinung von Jahm (ibn Safwan) folgen, dass der Iman lediglich die Bestätigung im Herzen (at-tasdiq al-qalbi) sei, macht sie in ihrer Stufe zu schlimmeren Neuerern (ashadd bid’a) als die Murji’a der Hanafiten, die man auch ‚Murji’a der Ahl as-Sunna‘ oder ‚Murji’a der Fuqaha‘ nennt.“
Und auf Seite 205 führt er aus:
وبناءً على هذا؛ أنكروا مسألة زيادة الإيمان ونقصانه، ولهم في النصوص الواردة في ذلك مسلكان:
الأول: ردها، والتصريح بنقيضها، وعليه كلام الجويني.
الثاني: تأويلها، ولهم في التأويل وجهان، نص عليها الباقلاني:
„Darauf aufbauend haben sie die Angelegenheit der Zunahme und Abnahme des Iman geleugnet. Sie haben zwei Wege bezüglich der Texte, die darüber berichten:
Erstens: Ihre Zurückweisung und die explizite Aussage des Gegenteils; darauf fußt die Rede von al-Juwayni.
Zweitens: Ihre Interpretation (Ta’wil); für die Interpretation haben sie zwei Aspekte, die al-Baqillani festlegte:
– قال: «إما أن يكون ذلك راجعًا إلى القول والعمل دون التصديق؛ لأن ذلك يتصور فيهما مع بقاء الإيمان». أي: أن حقيقة الإيمان التي هي التصديق لا يعتريها شيءٌ من ذلك، وإنما يكون في المكملات الزائدة عن الحقيقة.
(1) Er sagte: ‚Entweder bezieht sich dies auf das Wort und die Tat, nicht auf die Bestätigung (tasdiq), da dies (Zunahme/Abnahme) bei ihnen vorstellbar ist, während der Iman bestehen bleibt.‘ Das heißt: Die Essenz des Iman, die die Bestätigung ist, wird von nichts dergleichen betroffen, sondern dies geschieht bei den vervollkommnenden Zusätzen, die über die Essenz hinausgehen.
قال: «أو يتصور ذلك من حيث الحكم، لا من حيث الصورة، ويكون المراد بذلك في الزيادة والنقصان راجعًا إلى الجزاء والثواب، والمدح والثناء، دون نقص وزيادة في التصديق»
(2) Er sagte: ‚Oder man stellt sich dies hinsichtlich des Urteils vor, nicht hinsichtlich der Form; die Zunahme und Abnahme beziehen sich dann auf die Belohnung und Vergeltung, das Lob und die Preisung, nicht auf eine Abnahme und Zunahme in der Bestätigung selbst.‘“
Der Kommentar:
Diese Behauptung ist falsch und ihre Nichtigkeit wird durch mehrere Gesichtspunkte bewiesen:
Erster Gesichtspunkt: Die Werke der Asha’irah sind voll von Widerlegungen der Murji’a. Dies bleibt niemandem verborgen, der auch nur die geringste Kenntnis von den Büchern der Sunniten der Asha’irah besitzt.
Zweiter Gesichtspunkt: Die Bücher der Asha’irah sind voll von der Bestätigung der Zunahme und Abnahme des Iman. Dies ist eine bekannte und feststehende Tatsache in den Schriften der Gelehrten der Asha’irah.
Dritter Gesichtspunkt: Der Grund, der Safar al-Hawali zu dieser pauschalen Falschbehauptung verleitet hat, ist sein fehlendes Verständnis für den Unterschied zwischen der „Grundlage des Iman“ (asl al-iman) und dem „absoluten Iman“ (mutlaq al-iman).
Nach dem Konsens der Asha’irah gehören die Taten (a’mal) zwar zur Bezeichnung des Iman (musamma al-iman), jedoch nicht zur Grundlage des Iman.
Die Grundlage des Iman ist dasjenige, dessen Vorhandensein dazu führt, dass man über den Glauben einer Person urteilt, und dessen Verlust dazu führt, dass man über den Unglauben (Kufr) einer Person urteilt.
Deshalb erklären die Sunniten der Asha’irah einen Muslim nicht zum Ungläubigen (Kafir), wenn er Taten wie das Gebet, das Fasten, die Zakat und Ähnliches unterlässt, auch wenn sie ihn als jemanden betrachten, der große Sünden und schwere Vergehen begangen hat.
Imam Muhammad b. Nasr al-Marwazi sagte dazu in Ta’zim Qadr as-Salat (2/703):
إِنَّ الْإِيمَانَ أَصْلٌ مَنْ نَقَصَ مِنْهُ مِثَالُ ذَرَّةٍ زَالَ عَنْهُ اسْمُ الْإِيمَانِ، وَمَنْ لَمْ يَنْقُصْ مِنْهُ لَمْ يَزُلْ عَنْهُ اسْمُ الْإِيمَانِ، وَلَكِنَّهُ يَزْدَادُ بَعْدَهُ إِيمَانًا إِلَى إِيمَانِهِ، فَإِنْ نَقَصَتِ الزِّيَادَةُ الَّتِي بَعْدَ الْأَصْلِ لَمْ يَنْقُصِ الْأَصْلُ الَّذِي هُوَ إِقْرَارٌ بِأَنَّ اللَّهَ حَقٌّ وَمَا قَالَهُ صِدْقٌ لِأَنَّ النَّقْصَ مِنْ ذَلِكَ شَكٌّ فِي اللَّهِ أَحَقٌّ هُوَ أَمْ لَا، وَفِي قَوْلِهِ أَصِدْقٌ هُوَ أَمْ كَذِبٌ؟ وَنَقْصٌ مِنْ فُرُوعِهِ وَذَلِكَ كَنَخْلَةٍ قَائِمَةٍ ذَاتِ أَغْصَانٍ وَوَرَقٍ فَكُلَّمَا قُطِعَ مِنْهَا غُصْنٌ لَمْ يَزُلْ عَنْهَا اسْمُ الشَّجَرَةِ وَكَانَتْ دُونَ مَا كَانَتْ عَلَيْهِ مِنَ الْكَمَالِ مِنْ غَيْرِ أَنْ يَنْقَلِبَ اسْمُهَا إِلَّا أَنَّهَا شَجَرَةٌ نَاقِصَةٌ مِنْ أَغْصَانِهَا وَغَيْرِهَا مِنَ النَّخْلِ مِنْ أَشْكَالِهَا أَكْمَلُ مِنْهَا لِتَمَامِهَا بِسَعَفِهَا
„Wahrlich, der Iman ist eine Grundlage (Asl): Wer davon auch nur das Gewicht eines Stäubchens verringert, von dem weicht der Name des Iman. Und wer davon nichts verringert, von dem weicht der Name des Iman nicht, aber er fügt danach Glauben zu seinem Glauben hinzu. Wenn der Zuwachs, der nach der Grundlage kommt, abnimmt, nimmt nicht die Grundlage ab, welche das Bekenntnis ist, dass Allah die Wahrheit ist und dass das, was Er sagte, wahr ist. Denn eine Abnahme darin wäre Zweifel an Allah, ob Er die Wahrheit ist oder nicht, und an Seinem Wort, ob es wahr ist oder Lüge. Es ist vielmehr eine Abnahme in seinen Zweigen. Dies ist vergleichbar mit einer stehenden Palme, die Äste und Blätter hat. Jedes Mal, wenn ein Ast davon abgeschnitten wird, weicht von ihr nicht der Name ‚Baum‘; sie ist aber unterhalb dessen, was sie an Vollkommenheit besaß, ohne dass sich ihr Name wandelt, außer dass sie ein Baum ist, dem es an Ästen mangelt. Andere Palmen ihrer Art sind vollkommener als sie, aufgrund ihrer Vollständigkeit durch ihre Palmwedel.“
Im Gegensatz dazu gehören die Taten bei den Khawarij zur Grundlage des Iman. Deshalb erklärten sie Muslime aufgrund des Unterlassens von Taten für ungläubig. Sie spalten sich in verschiedene Gruppen auf; einige erklären jemanden für ungläubig wegen des Unterlassens dessen, was sie Gattung der Tat (jins al-amal) nennen, und andere beschreiten Wege, deren Detaillierung hier nicht der Ort ist.
Die Grundlage des Iman ist die Bestätigung (tasdiq) gemäß den beiden Glaubensbekenntnissen (Shahadatayn). Zur Konsequenz dieser beiden Bekenntnisse gehört die Bestätigung des Wortes Allahs und des Wortes seines Gesandten sowie der Glaube daran, dass Allah der Schöpfer aller Dinge ist, der zu allem fähig ist, Der allein, ohne Partner, das Anrecht hat, in der Anbetung einzig gemacht zu werden. Die expliziten Aussagen über diese Wahrheiten sind in den Büchern der Glaubenslehre, der Exegese und der Hadith-Kommentare, die die Asha’irah verfasst haben, unzählbar.
Die Bestätigung (tasdiq) ist jedoch etwas anderes als das bloße Wissen und die Erkenntnis (ma’rifa). Denn unter den Ungläubigen gibt es solche, die die Wahrheit zwar kannten, sie aber aus Trotz und Hochmut nicht bestätigten.
Allah, der Erhabene, sagte: {Diejenigen, denen Wir die Schrift gegeben haben, kennen es, wie sie ihre Söhne kennen. Aber ein Teil von ihnen verheimlicht wahrlich die Wahrheit, während sie wissen} [Al-Baqara: 146].
Und Er sagte: {Und diejenigen, denen das Buch gegeben wurde, wissen sehr wohl, dass es die Wahrheit von ihrem Herrn ist. Und Allah ist nicht unachtsam dessen, was sie tun} [Al-Baqara: 144].
Und Er sagte: {Und sie verleugneten sie, obwohl ihre Seelen davon überzeugt waren, aus Ungerechtigkeit und Überheblichkeit} [An-Naml: 14].
Und Er sagte, über Musa (Mose), Friede sei mit ihm, zu Pharao berichtend: {Du weißt doch, dass diese nur der Herr der Himmel und der Erde als Einsicht bringende Zeichen herabgesandt hat} [Al-Isra: 102].
Die Erkenntnis (ma’rifa) war also bei den Widersachern vorhanden, aber der Glaube (Iman) kam bei ihnen nicht zustande. Das Gegenteil von Bestätigung (tasdiq) ist Leugnung und für Lüge erklären , und das Gegenteil von Erkenntnis ist das Leugnen des Bekannten und Unwissenheit (jahala).
Die Bestätigung im Sinne von Hingabe (taslim) kann nicht zusammen mit Leugnung und Hochmut bestehen; das bloße Wissen und die Erkenntnis hingegen können sehr wohl zusammen mit Leugnung und Hochmut existieren, wie in den vorangegangenen Versen ersichtlich ist.
Der Iman im Sinne von Bestätigung (tasdiq) ist also das Binden des Herzens und seine Unterwerfung und nicht bloßes Wissen. Der Iman im Sinne von Bestätigung ist ein seelischer Zustand und eine emotionale Reaktion des Herzens auf diese Bestätigung.
Die Unterwerfung des Herzens und seine Hingabe werden religiösrechtlich vorausgesetzt, damit der religiöse Iman zustande kommt, den Allah von den Verpflichteten verlangt. Ebenso wird dies in der sprachlichen Bedeutung des Wortes Iman vorausgesetzt; denn man sagt sprachlich nicht „Er glaubte ihm“ (amana bihi), außer wenn er ihn bestätigte und sich ihm mit seinem Herzen unterwarf. Das Buch Allahs, des Erhabenen, hat ausdrücklich zwischen Iman und Erkenntnis (ma’rifa) unterschieden, indem Er, gepriesen sei Er, sagte: {Diejenigen, denen Wir die Schrift gegeben haben, kennen es, wie sie ihre Söhne kennen. Aber ein Teil von ihnen verheimlicht wahrlich die Wahrheit, während sie wissen}. So berichtete Er, der Erhabene, über ihren fehlenden Glauben, obwohl Er, gepriesen sei Er, sie so beschrieb, dass sie es kennen, wie sie ihre Söhne kennen.
Die Bedeutung des religiösen Iman verwirklicht sich also nicht außer durch eine Tat des Herzens zusätzlich zur Erkenntnis; und diese Tat des Herzens ist die Bestätigung und die Unterwerfung.
Was jedoch die bloße Erkenntnis und das Auftreten des Verhältnisses der Wahrhaftigkeit im Herzen ohne Bestätigung und Unterwerfung angeht, so reicht dies für den Iman nicht aus. Das, was bei Abu Talib und vielen anderen der Götzendiener vorhanden war, war lediglich Erkenntnis ohne Bestätigung und Unterwerfung.
Vor diesem Hintergrund wird deutlich: Wenn einige Asha’irah von einer Verneinung der Zunahme und Abnahme des Glaubens sprachen, bezog sich dies ausschließlich auf die „Grundlage des Iman“ (asl al-iman).
Denn die „Grundlage des Iman“ besteht aus bestimmten Sachverhalten. Sobald diese vorhanden sind, urteilen wir auf Iman; und jemand ist kein Gläubiger, außer wenn er in seinem Glauben daran Gewissheit hat.
Da die „Grundlage des Iman“ aus feststehenden Sachverhalten besteht, bedeutet eine Zunahme des Iman, dass andere Sachverhalte hinzugefügt werden, die nicht zum unveränderlichen Kern des Iman gehören (jenem Kern, dessen Vorhandensein der Anlass für das Urteil auf Glauben ist und dessen Fehlen der Anlass für das Urteil auf Unglauben ist).
Eine Abnahme des Iman (in der Grundlage) würde hingegen bedeuten, dass sich Zweifel in jene Sachverhalte eingeschlichen hat, die die „Grundlage des Iman“ darstellen. Wenn sich Zweifel in die Grundlage des Iman einschleicht, fällt der Mensch in den Unglauben (Kufr). Es wäre dann nicht korrekt, ihn als „Gläubigen mit unvollständigem Glauben“ zu beschreiben, da Zweifel an der Grundlage des Iman Unglaube ist.
Was jedoch den „absoluten Iman“ (mutlaq al-iman / den Iman im weiteren Sinne) betrifft, so ist dies derjenige, auf den die Verse und Hadithe zutreffen, die eine Zunahme und Abnahme des Iman besagen. Dazu gehören:
Das Wort Allahs, des Erhabenen: {damit sie ihrem Glauben (noch mehr) Glauben hinzufügen} [Al-Fath: 4],
{Und Wir gaben ihnen noch mehr Rechtleitung} [Al-Kahf: 13],
{Und Allah mehrt denjenigen, die rechtgeleitet sind, die Rechtleitung} [Maryam: 76],
{Und diejenigen, die rechtgeleitet sind, denen mehrt Er die Rechtleitung und verleiht ihnen ihre Gottesfurcht} [Muhammad: 17].
Und Sein Wort: {und damit diejenigen, die glauben, an Glauben zunehmen} [Al-Muddathir: 31].
Und Sein Wort: {Wessen Glaube ist durch diese vermehrt worden? Was nun diejenigen angeht, die glauben, so ist ihr Glaube durch sie vermehrt worden} [At-Tawba: 124].
Und Sein Wort, erhaben ist Seine Erwähnung: {so fürchtet sie. Das mehrte nur ihren Glauben} [Al Imran: 173].
Und Sein Wort, der Erhabene: {Und es mehrte ihnen nur den Glauben und die Ergebenheit} [Al-Ahzab: 22].
In den Iman in diesem Sinne treten die Taten der Gliedmaßen ein. Deshalb heißt es in den Überlieferungen: „Die Schamhaftigkeit ist ein Zweig des Glaubens“, „Die Genügsamkeit (in der Kleidung) ist vom Glauben“, „Die gute Pflege alter Beziehungen ist vom Glauben“ usw.
Und der „absolute Iman“ (mutlaq al-iman / den Iman im weiteren Sinne) ist das, worauf die Aussage der Altvorderen (Salaf) zutrifft:
„Der Glaube ist Wort mit der Zunge, Tat mit den Gliedmaßen und Überzeugung mit dem Herzen; er nimmt zu durch Gehorsam und nimmt ab durch Ungehorsam; er wird stark durch Wissen und schwach durch Unwissenheit.“
Die Asha’irah, Ahl as-Sunna, vertreten all dies. Die Kritik an ihnen in diesem Punkt resultiert aus der Unwissenheit über ihre Lehrmeinung (Madhhab), über die Feinheit ihrer Argumentation und ihr tiefes Verständnis.
Geschrieben von demjenigen, der der Vergebung seines Herrn bedürftig ist:
Dr. Sayf Ali al-Asri
12. Safar al-Khayr 1436