Die Verneinung der Körperlichkeit Allahs aus dem edlen Qurʾān
1. Allah, der Erhabene, spricht:
„وَاتَّخَذَ قَوْمُ مُوسَىٰ مِن بَعْدِهِ مِنْ حُلِيِّهِمْ عِجْلًا جَسَدًا لَّهُ خُوَارٌ ۚ أَلَمْ يَرَوْا أَنَّهُ لَا يُكَلِّمُهُمْ وَلَا يَهْدِيهِمْ سَبِيلًا ۘ اتَّخَذُوهُ وَكَانُوا ظَالِمِينَ“
„Und das Volk des Mose nahm sich nach ihm aus ihrem Schmuck ein Kalb – einen Körper –, das ein Brüllen von sich gab. Sahen sie denn nicht, dass es nicht zu ihnen sprach und sie nicht auf einen Weg leitete? Sie nahmen es sich (zum Gott), und sie waren Unrecht tuende.“
Dieser Vers weist auf ein grundlegendes und erhabenes Prinzip im Bereich der göttlichen Transzendenz hin und widerlegt die Behauptung der Anthropomorphisten. Denn Allah, der Erhabene, verneinte die Göttlichkeit des Kalbes gerade deshalb, weil es ein Körper war, der ein Brüllen von sich gab, das heißt: weil es ein Körper war, aus dem ein Laut hervorging. Dieses göttliche Urteil legt eine sowohl vernunftgemäße als auch überlieferte Regel fest, nämlich:
Wer durch Körperlichkeit gekennzeichnet ist und bei dem ein neu entstandener Laut auftritt, dem Schweigen und Stummheit vorausgehen, kann unmöglich ein Gott sein.
Der Vers beschränkt sich nicht darauf, das Kalb als „Körper“ zu bezeichnen, sondern fügt hinzu: „das ein Brüllen hatte“, damit deutlich wird, dass ein neu entstandener Laut, der von einem Körper ausgeht, ein Zeichen des geschaffenen, bedürftigen Wesens ist und nicht ein Attribut eines erhabenen, transzendenten Schöpfers.
Daraus folgt, dass der wahrhaft Anbetungswürdige weder ein Körper ist noch seine Eigenschaften den Mängeln der Körper unterliegen. Sein Wort wird nicht von Schweigen unterbrochen, und aus Ihm geht kein Laut hervor wie die Laute der Geschöpfe, denn der neu entstandene Laut gehört zu den Eigenschaften der Körper.
Imam at-Tabarī – Allah erbarme sich seiner – hat auf diese Bedeutung klar hingewiesen. Er sagt in seinem Tafsīr:
وذلك أنّ الرب جلّ جلاله الذي له ملك السماوات والأرض، ومدبر ذلك، لا يجوز أن يكون جسدًا له خُوار، لا يكلم أحدًا ولا يرشد إلى خير.“ انتهى
„Denn der Herr – erhaben ist Seine Majestät –, dem die Herrschaft über die Himmel und die Erde gehört und der all dies lenkt, kann nicht ein Körper sein, der ein Brüllen hat, der niemanden anspricht und nicht zum Guten leitet.“ Ende des Zitats.
Er begründete also die Verneinung der Göttlichkeit mit dem Fehlen der Vollkommenheit und dem Vorhandensein von Unfähigkeitsmerkmalen, die den Geschöpfen eigen sind – und dies ist eine der deutlichsten Widerlegungen der Verkörperlichung durch die Anthropomorphisten.
2. Allah, der Erhabene, spricht:
وَزَادَهُ بَسْطَة فِي الْعِلْمِ وَالْجِسْم
„Und Er vermehrte ihn an Wissen und an Körper.“ (al-Baqara: 247)
Ein Körper, wie groß er auch sein mag ist der Vermehrung fähig und folglich auch der Verminderung. Daher bedarf er notwendigerweise eines Bestimmers, der ihn auf genau dieses Maß festgelegt hat und nicht auf ein anderes der ihm möglichen Maße. Dieser Bestimmer ist der lenkende Herr. Er – erhaben ist Er – hat ihn auf diese Grenze festgelegt, in dieser Form und nicht in einer anderen, mit dieser Länge, Breite oder Tiefe und nicht mit einer anderen. Dies ist die Bedeutung Seines Wortes:
وَكُلُّ شَيْءٍ عِندَهُ بِمِقْدَارٍ
„Und alles ist bei Ihm nach Maß.“ (ar-Raʿd: 8)
Der große Gelehrte und Mufti Abū al-Muzaffar al-Isfarāyīnī (gest. 471 n. H.) sagte in at-Tabsīr fī d-dīn:
وَأَن تعلَم أَنَّ القَدِيمَ سُبحَانَهُ لَيسَ بجِسمٍ وَلَا جَوْهَر لِأَنَّ الجِسمَ يكون فِيهِ التَّأْلِيف، والجَوهر يجوز فِيهِ التَّأْلِيف والاِتِّصال، وكل مَا كَانَ لَهُ الاِتِّصال أَو جَازَ عَلَيْهِ الاِتِّصال يكون لَهُ حَدٌّ وَنِهَايَةٌ، وَقد دللنا علَى اسْتِحَالَة الحَدِّ وَالنِّهَايَةِ على الْبَارِي سُبْحَانَهُ وَتَعَالَى، وَقد ذكرَ اللهُ تَعَالَى فِي صِفةِ الْجِسمِ الزِّيَادَة فَقَالَ: ﴿وَزَادَهُ بَسْطَةً فِي الْعِلْمِ وَالْجِسْمِ﴾ – البَقَرَة : 247- فَبيَّن أَنَّ مَا كَانَ جِسماً: جَازَتْ عَلَيْهِ الزِّيَادَةُ وَالنُّقْصَانُ، وَلَا تَجُوزُ الزِّيَادَةُ وَالنُّقْصَانُ عَلَى الْبَارِي سُبْحَانَهُ“. انتهى
„Und wisse, dass der Urewige – gepriesen sei Er – weder ein Körper noch eine Substanz ist. Denn der Körper weist Zusammensetzung auf, und die Substanz ist der Zusammensetzung und Verbindung fähig. Alles aber, was Verbindung hat oder bei dem Verbindung möglich ist, hat eine Grenze und ein Ende. Wir haben jedoch die Unmöglichkeit von Grenze und Ende für den Schöpfer – gepriesen und erhaben ist Er – dargelegt. Und Allah, der Erhabene, hat in der Beschreibung des Körpers die Zunahme erwähnt, als Er sprach: ‚Und Er vermehrte ihn an Wissen und an Körper‘ (al-Baqara: 247). Damit hat Er klargestellt, dass alles, was ein Körper ist, der Zunahme und der Abnahme unterliegt. Zunahme und Abnahme aber sind für den Schöpfer – gepriesen sei Er – unmöglich.“ Ende des Zitats.
Ebenso sagte Abū ʿAbdallāh Badr ad-Dīn Muhammad ibn ʿAbdallāh ibn Bahādur az-Zarkashī in Tashnīf al-masāmiʿ:
قَوْله تَعَالَى: ﴿وَزَادَهُ بَسْطَةً فِي الْعِلْمِ وَالْجِسْمِ﴾ – البَقَرَة : 247-، دَلَّ عَلَى أَنَّ الجِسْمَ قَدْ يَزِيدُ عَلَى جِسْمٍ آخَر، وَذَلَكَ لِأَجْلِ التَّألِيف وَالاجْتِمَاع وَكَثْرَة الأَجْزَاءِ، وَذَلِكَ مُسْتَحِيلٌ فِي حَقِّ البَارِي“. انتهى
„Sein Wort – erhaben ist Er –: ‚Und Er vermehrte ihn an Wissen und an Körper‘ (al-Baqara: 247) weist darauf hin, dass ein Körper größer sein kann als ein anderer Körper, und zwar aufgrund von Zusammensetzung, Zusammenfügung und der Vielzahl der Teile. Dies aber ist in Bezug auf den Schöpfer unmöglich.“ Ende des Zitats.