Die glaubenslehre der Ahlu Sunnah

Die Asha'irah und Maturidiyyah


Die hanbalitische Erklärung bezüglich der Angelegenheit “Harf wa sawt“

Vorwort

Alles Lob gebührt Allah, dem Herr der Welten. Möge der Frieden und der Segen Allahs auf dem Gesandten, seiner Familie und seinen Gefährten sein. In diesem Beitrag werden wir die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Asha‘ira und Hanabilah bezüglich dem Thema Kalamullah erläutern.

Die Ansicht der Mu‘tazilah, lautet, dass Allah der Erhabene nicht mit einem Reden, welche ewig ist, beschrieben wird. Ihre Ansicht unterscheidet sich von den Ash‘aris sowie den Hanbalis. Die Ash‘aris und Hanbalis sind sich einig, dass Allah mit einer ewigen Rede beschrieben, während sie andere Meinung in der Angelegenheit über den Lafz des Qur‘an sind. Nun werden wir die Hanbali Position erklären.

Die Hanbali Erklärung bezüglich der Angelegenheit ‘‘Buchstaben und Töne‘‘

Imam ‘Abd al-Baqi al-Mawahibi (verst. 1071 n.H.) sagte in seinem al-‘Ayn wal Athar fi ‘Aqa‘id Ahl al-Athar auf der S. 32 folgendes:

وبأنه تعالى: قائل, ومتكلم بكلام قديم ذاتي وجودي، غير مخلوق ولا محدث ولا حادث، بلا تمثيل, ولا تشبيه, ولا تكييف

‘‘Und (es ist obligatorisch, gewiss zu sein, dass Allah) der Erhabene Sprechender ist, sprechend mit einer Rede welche ewig, essentiell (dhati) und existierend ist und weder erschaffen (mahluq), noch neu herbeigeführt (muhdath), noch neu und ohne eine Verähnlichung, Gleichheit oder Modalität zuzuschreiben.‘‘

Beachte, dass die obige Aussage, die klassische Hanbali Ansicht im Allgemeinen ist, beginnend mit Imam Ahmad (verst. 241 n.H.) bis zu unserer Zeit. Und diese Aussage ist in Übereinstimmung mit der Madhab der Asha‘ira.

Nun wo liegt der Unterschied zwischen den Hanabila und den Asha‘ira ? Die Hanabila, erwähnten, dass die Rede Allahs mit Harf wa Sawt (mit Buchstaben und Tönen) ist, während die Asha‘ira das gegenteilige sagen (also dass Allah ohne Buchstaben und Tönen spricht) und basierend darauf unterscheiden sie sich in Bezug auf den Lafz des Qur‘an ob er erschaffen ist oder nicht und beide Gruppen kritisierten sich gegenseitig wie bekannt.

Imam Ibn Qudamah (verst.620 n.H.) ist unter denen, die bekanntermaßen ausführlich über dieses Thema gesprochen haben:

Der Imam Ibn al-Najjar al-Futuhi (verst. 972 n.H.) welcher der Autor des berühmten Hanbali Fiqh Werkes Muntaha al-Iradat ist – zitiert Ibn Qudamah (verst. 620 n.H.) in Sharh al-Kawkab al-Munir als Antwort auf einige Einwände in Bezug auf die Hanbali Ansicht Harf wa sawt.

Folgender Einwand (unter anderen) wird erwähnt bezüglich Buchstaben und Tönen:

أَنَّ الْحُرُوفَ يَدْخُلُهَا التَّعَاقُبُ، فَالْبَاءُ تَسْبِقُ السِّينَ، وَالسِّينُ تَسْبِقُ الْمِيمَ وَكُلُّ مَسْبُوقٍ مَخْلُوقٌ

Aufeinanderfolgen (Ta‘aqub) gilt für die Buchstaben (Huruf), dass (zum Beispiel) der (Buchstabe) Ba‘ vor dem (Buchstaben) Sin und der (Buchstabe) Sin vor dem (Buchstaben) Mim folgt; und was auch immer (vor etwas) vorausgeht erschaffen ist.

– Zitat Ende (von Sharh al-Kawkab al-Munir 2/41) –

Danach zitiert er die Antwort von Imam Ibn Qudamah über die Angelegenheit ‘‘Buchstaben‘‘, welcher sagte:

وَقَوْلُهُمْ: „إنَّ التَّعَاقُبَ يَدْخُلُ فِي الْحُرُوفِ؟.قُلْنَا: إنَّمَا كَانَ ذَلِكَ فِي حَقِّ مَنْ يَنْطِقُ بِالْمَخَارِجِ وَالأَدَوَاتِ، وَلا يُوصَفُ اللَّهُ تَعَالَى بِذَلِكَ.
قَالَ الْحَافِظُ أَبُو نَصْرٍ: إنَّمَا يَتَعَيَّنُ التَّعَاقُبُ فِيمَنْ يَتَكَلَّمُ بِأَدَاةٍ يَعْجِزُ عَنْ أَدَاءِ شَيْءٍ إلاَّ بَعْدَ الْفَرَاغِ مِنْ غَيْرِهِ، وَأَمَّا الْمُتَكَلِّمُ بِلا جَارِحَةٍ فَلا يَتَعَيَّنُ فِي كَلامِهِ التَّعَاقُبُ

“Bezüglich ihrer Aussage ‘‘Aufeinanderfolgen (Ta‘aqub) treffen auf die Buchstaben zu?‘‘ so sagen wir: Dies gilt für denjenigen, der mit Öffnungen (wie Mund) und Hilfsmittel (Adawat) spricht, während Allah nicht mit diesen Dingen beschrieben wird. Der Hafidh Abu Nasr (verst. 444 n.H.) sagte: Das Aufeinanderfolgen (von Buchstaben), wird notwendig für denjenigen, der mit Hilfsmittel spricht, so dass er unfähig ist etwas zu sagen, außer nachdem er etwas anderes vollendet hat, aber derjenige der ohne Gliedmaßen/Organe spricht, so wird das Aufeinanderfolgen (Ta‘aqub) nicht Pflicht in seiner Rede.“

– Zitat Ende (von Sharh al-Kawkab al-Munir 2/48) –

Die obige Aussage wird ebenso von Imam ‘Abd al-Baqi al-Mawahibi in al-‘Ayn wal Athar auf der S. 89 zitiert.

Der Imam Ibn Najjar al-Futuhi zitierte ebenso die Antwort von Imam Ibn Qudamah über die Angelegenheit von Tönen, der sagte:

فَإِنْ قَالُوا: نَحْنُ لا نُسَمِّيهِ صَوْتًا مَعَ كَوْنِهِ مَسْمُوعًا.قُلْنَا: الْجَوَابُ مِنْ وُجُوهٍ.
أَحَدُهَا: أَنَّ هَذَا مُخَالَفَةٌ فِي اللَّفْظِ مَعَ الْمُوَافَقَةِ فِي الْمَعْنَى، فَإِنَّنَا لا نَعْنِي بِالصَّوْتِ إلاَّ مَا كَانَ مَسْمُوعًا

‘‘Wenn sie sagen ‘‘Wir benennen (die Rede Allahs) nicht als Ton (sawt), auch wenn es gehört werden kann‘‘, dann sagen wir, dass die Antwort in verschiedene Richtungen geht : Die Erste: Dies ist nur ein Widerspruch im Wortlaut, während in der Bedeutung (mit uns) Übereinstimmung herrscht , denn wir beabsichtigen mit ‘‘Ton (Sawt)‘‘ nichts anderes außer, dass was gehört werden kann.‘

– Zitat Ende (von Sharh al-Kawkab al-Munir 2/52) –

Die Aussage der Hanabilah, dass Allah mit Tönen spricht bedeutet also, dass seine Rede gehört werden kann und nicht, dass Allah wörtlich mit Tönen spricht.

Ebenso zitiert von ‘Abd al-Baqi al-Mawahibi in al-‘Ayn wal Athar auf der S.92

Imam Ibn al-Najjar erwähnte ebenso die folgende Aussage:

وَحَدُّ الصَّوْتِ: مَا يَتَحَقَّقُ سَمَاعُهُ. فَكُلُّ مُتَحَقِّقٍ سَمَاعُهُ صَوْتٌ، وَكُلُّ مَا لا يَتَأَتَّى سَمَاعُهُ أَلْبَتَّةَ لَيْسَ بِصَوْتٍ وَقَوْلُ مَنْ قَالَ: „إنَّ الصَّوْتَ هُوَ الْخَارِجُ مِنْ هَوَاءٍ بَيْنَ جِرْمَيْنِ. فَغَيْرُ صَحِيحٍ؛ لأَنَّهُ يُوجَدُ سَمَاعُ الصَّوْتِ مِنْ غَيْرِ ذَلِكَ. كَتَسْلِيمِ الأَحْجَارِ، وَتَسْبِيحِ الطَّعَامِ وَالْجِبَالِ

‘‘Was die Grenze angeht (was als) Ton (beschrieben werden kann): Es ist, was gehört werden kann, was auch immer gehört werden kann ist ein Ton und was auch immer nicht gehört werden kann ist kein Ton… Was die Aussage von demjenigen betrifft der sagt ‘‘Ton ist das austreten von Luft zwischen zwei Massen‘‘ [damit beabsichtigt er die Schallwellen], dann ist dies nicht korrekt, denn es existiert hören von Tönen ohne diese (also ohne Schallwellen): wie der Taslim der Steine und der Tasbih des Essens und der Berge…‘‘

– Zitat Ende (von Sharh al-Kawkab al-Munir 2/56)

Ebenso zitiert von ‘Abd al-Baqi al-Mawahibi in al-‘Ayn wal Athar auf der S. 94

Weitere Behauptungen

Jedoch erschien in der heutigen Zeit eine Gruppe, die behaupten, dass die Rede von Allah dem Erhabenen Neu herbeigeführt (Muhdath) sei, und dann behaupten sie, dass die klassischen Hanabila diese Ansicht vertreten haben, während die klassischen Hanabila diese Ansicht als Unglauben betrachtet haben. Sie denken ebenso, dass die Aussage der Hanabila, dass Allah spricht wann er will, bedeuten, dass Allah spricht und dann schweigend wird und dann wieder spricht und so weiter (und dies ist purer Tashbih!) während die klassischen Hanabila selbst klargestellt haben, das dies bedeutet, dass Allah der Erhabene aus seiner Schöpfung auswählt wen er will und seine ewige Rede hören lässt, wann immer er will und nicht was diese hirnlosen Menschen behaupten. Und als die Mu‘tazilah einen Vers als Beweis für sich nutzten wo der Dhikr von Allah ta‘ala als Muhdath (neu herbeigeführt) betitelt wurde um zu argumentieren, dass die Rede von Allah erschaffen sei, so antworteten die führenden Gelehrten darauf, dass damit gemeint ist, dass es neu in Bezug auf uns ist (also ihre Offenbarung), jedoch nicht mit Allah (denn es ist seine ewige Rede!). So wehe den Mushabbiha, dass sie behaupten, dass Allahs ewige Rede neu herbeigeführt (Muhdath) sei.

Fazit

Während es im ersten Blick so aussieht, als ob der Unterschied zwischen den Hanabila und den Asha‘ira in dieser Frage sehr groß sei, wird ihr Unterschied nach genauerer Betrachtung der Details kleiner. Auch wenn es immer noch einen Unterschied zwischen ihnen gibt. Dies sind Themen des Ijtihad und sollte nicht vor Laien verwendet werden, um einen dieser beiden sunnitischen Madhaib anzugreifen.



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