Über die Überlieferung von Mujāhid bezüglich der Zuschreibung eines Ortes zu Allāh.
Mujāhid sagte so wie es Abu’l Shaykh al-Asbahani in al-‚Azamah so wie andere mit verschiedenen Wortlauten überlieferten:
بين السماء السابعة وبين العرش سبعون ألف حجاب حجاب نور وحجاب ظلمة وحجاب نور وحجاب ظلمة فما زال موسى عليه السلام يقرب حتى كان بينه وبينه حجاب فلما رأى مكانه وسمع صريف القلم قال رب أرني أنظر إليك
„Zwischen dem siebten Himmel und dem Thron gibt es 70.000 Schleier – Schleier aus Licht und Schleier aus Dunkelheit. Mūsā (Friede sei auf ihm) kam immer näher, bis nur noch ein Schleier zwischen ihm (d. h. Mūsā) und Ihm (d. h. Allāh) war. Als er dann seinen Ort (Makanahu) sah und das Quietschen des Stiftes hörte, sagte er: ‚Mein Herr, erlaube mir, Dich anzuschauen!‘ (Sura al-Aʿrāf 7:143).“.
Bevor wir beginnen einige Worte: Ist Mujāhid etwa der Qurʾān oder die authentische Sunnah, sodass wir gezwungen wären, unsere Position mit diesem Athar in Einklang zu bringen? Welche Methodik erlaubt es, eine Aussage eines Salaf (Tābiʿī) als Beweis zu nutzen, als wäre er ein Gesetzgeber in der Religion?
Zudem trägt dieser Bericht deutliche Merkmale israelitischer Traditionen (isrāʾīliyyāt), insbesondere, weil Mujāhid bekannt dafür ist, von den Schriftbesitzern (Ahl al-Kitāb) übernommen zu haben.
Der Bericht behandelt eine verborgene Angelegenheit, spricht von „70.000 Schleiern aus Licht und Dunkelheit“ und handelt vom Propheten Mūsā (möge Frieden auf ihm sein). Es ist allgemein bekannt, dass Erzählungen dieser Art, insbesondere über das Verborgene, starke Anzeichen für israelitische Einflüsse haben.
Imām Ibn Saʿd berichtet in seinen Ṭabaqāt al-Kubrā:
قال أخبرنا أبو بكر بن عياش قال قلت للأعمش ما لهم يتقون تفسير مجاهد قال كانوا يرون أنه يسأل أهل الكتاب.
Abū Bakr ibn ʿAyyāsh berichtete uns: Ich sagte zu al-Aʿmash: „Warum meiden sie die Exegese von Mujāhid?“ Er sagte: „Sie sahen, dass er die Leute der Schrift befragte.“
Wie dem auch sei, einige Mushabbiha nutzten diese Überlieferung, um ihre heterodoxen Vorstellung von der Natur Allāhs eine theologische Legitimität zu verleihen.
Beweist diese Überlieferung, dass Mujāhid dieselbe Vorstellung von Allāhs Wesen hatte wie die Mushabbiha?
Lassen Sie uns diese Überlieferung genauer analysieren.
1 – Die Frage des Ortes (makān)
Es existiert eine andere Version dieser Überlieferung, in der das Wort makān (Ort) nicht erwähnt wird. Und dieses berichtete Imam at-Tabari in seinem Tafsir:
حَدَّثَنَا مُحَمَّدُ بْنُ مَنْصُورِ الطُّوسِيُّ، قَالَ: ثنا يَحْيَى بْنُ أَبِي بَكْرٍ، قَالَ: ثنا شِبْلٌ، عَنِ ابْنِ أَبِي نَجِيحٍ، قَالَ: أُرَاهُ عَنْ مُجَاهِدٍ، فِي قَوْلِهِ: {وَقَرَّبْنَاهُ نَجِيًّا} [مريم: ٥٢] قَالَ: بَيْنَ السَّمَاءِ الرَّابِعَةِ، أَوْ قَالَ: السَّابِعَةِ، وَبَيْنَ الْعَرْشِ سَبْعُونَ أَلْفَ حِجَابٍ: حِجَابُ نُورٍ، وَحِجَابٌ ظُلْمَةٍ، وَحِجَابُ نُورٍ، وَحِجَابُ ظُلْمَةٍ، فَمَا زَالَ يُقَرَّبُ مُوسَى حَتَّى كَانَ بَيْنَهُ وَبَيْنَهُ حِجَابٌ، وَسَمِعَ صَرِيفَ الْقَلَمِ قَالَ رَبِّ أَرِنِي أَنْظُرْ إِلَيْكَ
Zudem ist es möglich, dass sich der in der Überlieferung genannte Ort auf den Aufenthaltsort von Mūsā (ʿalayhi as-salām) bezieht. Der Pronomenbezug in „makānaHU“ kann sich auf den Propheten Mūsā beziehen, nicht auf Allāh. Es ist also möglich, dass der Satz bedeutet: „Mūsā näherte sich, bis nur noch ein Schleier zwischen ihm und Allāh war. Und als er seinen Platz (makānahu, d.h. seinen eigenen Ort) sah und das Quietschen des Stiftes hörte…“
Diese Antwort sollte für jeden ausreichen, der über intellektuelle Redlichkeit verfügt, doch ich möchte noch einen weiteren Punkt hinzufügen.
Falls sich der Begriff makān in der Überlieferung auf den Ort Allāhs beziehen sollte, und falls Mūsā (ʿalayhi as-salām) diesen Ort sah, dann würde dies einige theologische Probleme für euch aufwerfen:
- Ist der Ort Allāhs für euch nicht ein nicht-existierender Ort? Wie kann dann etwas, das nicht existiert, gesehen werden?
- Falls der Ort Allāhs für euch existiert, was genau ist dieser Ort? Ist es der Thron? Falls ihr sagt, es sei der Thron, dann widerspricht das der Überlieferung, denn dort heißt es, dass zwischen Mūsā (ʿalayhi as-salām) und dem Thron noch ein Schleier verblieb. Falls ihr sagt, es sei der siebte Himmel oder ein Ort zwischen dem siebten Himmel und dem Thron, dann widerspricht dies ebenfalls der Überlieferung. Denn Mūsā (ʿalayhi as-salām) befand sich bereits im siebten Himmel und zwischen dem siebten Himmel und dem Thron, nachdem er den ersten Schleier durchquert hatte – was bedeutet, dass er den Ort Allāhs bereits gesehen hätte, gemäß eurer Logik. Falls ihr sagt, der Ort sei ein Teil des siebten Himmels oder ein Bereich zwischen dem siebten Himmel und dem Thron, dann widerspricht dies eurer Madhhab, denn das würde bedeuten, dass der Ort Allāhs sich nicht über dem Thron befindet, sondern unter ihm. Das würde zudem bedeuten, dass der Thron, der letzte Schleier, der vorletzte Schleier sowie der siebte Himmel Allāh umfassen.
Falls ihr keine dieser Möglichkeiten akzeptiert, dann bleiben euch nur noch folgende Optionen:
- Die Authentizität des Teils der Überlieferung mit dem Begriff makān abzulehnen, da er in einigen Versionen fehlt.
- Ihre Authentizität anzuerkennen, jedoch den Begriff makān als den Aufenthaltsort von Mūsā (ʿalayhi as-salām) zu interpretieren.
- Den Ort Allāhs nicht als den Ort Seines Wesens zu verstehen, sondern als einen besonderen, geehrten Ort, den Er als Seinen Ort bezeichnet – ähnlich wie die Kaʿbah als Sein Haus bezeichnet wird.
2 – Die Frage der Nähe (qurb)
In der Überlieferung wird erwähnt, dass Mūsā (ʿalayhi as-salām) sich Allāh näherte, indem er die siebzigtausend Schleier durchquerte. Dieser Aspekt der Überlieferung wurde von den Mushabbiha genutzt, um zu behaupten, dass Mujāhid eine Nähe zwischen Allāh und Mūsā (ʿalayhi as-salām) im konkreten Sinne anerkannte, nicht nur im metaphorischen. Konkret bedeutet hier, dass es eine Nähe in Form einer physischen Distanz gab, die sich mit jedem Schleier, den Mūsā durchquerte, verringerte. Die Mushabbiha sagen, dass der letzte Schleier näher an Allāh sei als die 69.999 Schleier davor.
Diese Interpretation ist nicht ohne Probleme.
Erstens ist sie eine Form des Tashbih (tashbīh) in seiner reinsten Form.
Wenn ich mich zwanzig Meter nach oben bewege, dann wäre ich laut dieser Logik zwanzig Meter näher an Allāh und zwanzig Meter näher an den Wolken. Wenn ich zwanzig Meter nach unten gehe, wäre ich zwanzig Meter weiter entfernt von Allāh und den Wolken als zuvor.
Das würde implizieren, dass Allāh dieselbe Art von Nähe zu den Objekten hat, wie diese untereinander haben. Diese Überzeugung widerspricht der Vorstellung, dass Allāhs Nähe zu den Dingen nicht der Nähe der Dinge untereinander gleicht. Sie widerspricht auch der Behauptung der Mushabiha selbst, dass sie die Attribute Allāhs ohne Assimilation, ohne kayf und ohne Verneinung bestätigen würden.
3 – Die Frage der Hoheit (ʿulūw)
Es gibt in dieser Überlieferung keinerlei Erwähnung einer konkreten Höhe Allāhs. Die Überlieferung erwähnt lediglich, dass Mūsā (ʿalayhi as-salām), nachdem er den letzten Schleier erreicht hatte, darum bat, Allāh zu sehen. Das Höchste, was man daraus ableiten könnte, wäre, dass das Durchqueren des letzten Schleiers eine Ursache gewesen wäre, die es ihm ermöglichte, Allāh zu sehen. Doch nichts in der Überlieferung beschreibt Seine Realität als buchstäblich über dem Thron oder in einer bestimmten Entfernung.
Die Annahme, dass Allāh über Seiner Schöpfung auf eine Weise ist, dass eine physische Annäherung an den Thron eine Verringerung der Distanz zwischen Allāh und Seiner Schöpfung bedeutet, ist purer tashbīh.
Man kann nicht behaupten, dass Allāhs Hoheit (ʿulūw) über uns keinerlei Ähnlichkeit mit der Hoheit der Wolken über uns hat, während man zugleich sagt, dass in beiden Fällen eine Bewegung nach oben eine Verringerung der Distanz bedeutet.
4 – Die kriminelle Torheit der Mushabbiha
Die Mushabbiha beschuldigen die Aschʿariten des kleinen oder großen Schirk, weil sie bestimmte Begriffe, die Allāh beschreiben, metaphorisch auslegen.
Das zeigt nur die Torheit der Mushabbiha sowie ihre Leichtfertigkeit im Urteilen, ohne jegliche methodische Sorgfalt oder ernsthafte Furcht vor Allāh.
Der große Schirk besteht darin, Allāh in Seinen Namen, Seinen Eigenschaften, Seinem Wesen, Seinen Handlungen, Seinen Urteilen oder Seiner Anbetung einen Partner beizugesellen. Doch zwischen der Aussage, dass „die Hand Allāhs“ Seine Macht bedeutet, und der Zuschreibung eines Partners zu Allāh in Seinen Handlungen und Eigenschaften besteht ein klarer Unterschied.
Die metaphorische Auslegung der Hand oder des Gesichts Allāhs fällt in keine dieser Definitionen.