‘Ali ibn Yusuf ibn Taschfin, Befehlshaber der Gläubigen in Marrakesch und zweiter König der Murabitun, der im Jahre 537 der Hidschra verstarb, befragte den Qadi ibn Ruschd al-Dschadd [den Großvater] al-Qurtubi al-Maliki, möge Allah barmherzig mit ihm sein, der bei den Malikis als „Scheich al-Madhhab“ bezeichnet wurde, über das Urteil der Malikis bezüglich der auserwählten Asch’aris und das Urteil über jene, die ihnen widersprechen.
Dies ist der Text der Fragestellung und die Antwort dazu:
ما يقول الفقيه القاضي الأجل، أبو الوليد – وصل الله توفيقه وتسديده ونهج إلى كل صالحة طريقه – في الشيخ أبي الحسن الأشعري وأبي إسحق الإسفراييني وأبي بكر الباقلاني وأبي بكر بن فورك وأبي المعالي… ونظرائهم ممن ينتحل علم الكلام ويتكلم في أصول الديانات ويصنف للرد على أهل الأهواء؟ وما يقول في قوم يسبونهم وينتقصونهم، ويسبون كل من ينتمي إلى علم الأشعرية، ويكفرونهم ويتبرؤون منهم وينحرفون بالولاية عنهم، ويعتقدون أنهم على ضلالة، وخائضون في جهالة، فماذا يقال لهم ويصنع بهم ويعتقد فيهم؟ أيتركون على أهوائهم؟ أم يكف عن غلوائهم؟).
فأجاب رحمه الله تعالى بما نصه:
(تصفحت – عصمنا الله وإيـاك – سؤالك هذا ووقفت عليه، وهؤلاء الذين سميت من العلماء أئمة خير وهدى، وممن يجب بهم الاقتداء، لأنهم قاموا بنصر الشريعة، وأبطلوا شبه أهل الزيغ والضلالة، وأوضحوا المشكلات وبينوا ما يجب أن يُدانَ به من المعتقدات، فهم بمعرفتهم بأصول الديانات العلماء على الحقيقة، لعلمهم بالله عزّ وجلّ، وما يجب له وما يجوز عليه وما ينتفي عنه، إذ لا تعلم الفروع إلا بعد معرفة الأصول، فمن الواجب أن يعترف بفضائلهم ويقر لهم بسوابقهم، فهم الذين عنى رسول الله صلى الله عليه وسلم بقوله (يحمل هذا العلم من كل خلف عدوله ينفون عنه تحريف الغالين وانتحال المبطلين وتأويل الجاهلين) فلا يعتقد أنهم على ضلالة وجهالة إلا غبي جاهل أو مبتدع زائغ عن الحق مائل، ولا يسبهم وينسب إليهم خلاف ما هم عليه إلا فاسق، وقد قال الله عزّ وجلّ: ( والّذين يؤذون المؤمنين والمؤمنات بغير ما اكتسبوا فقد احتملوا بهتانا وإثما مبينا ) ، فيجب أن يبصر الجاهل منهم، ويؤدب الفاسق، ويستتاب المبتدع الزائغ عن الحق إذا كان مستسهلاً ببدعة، فإن تاب وإلا ضرب أبداً حتى يتوب، كما فعل عمر بن الخطاب رضي الله عنه بصبيغ المتهم في اعتقاده، من ضربه إياه حتى قال: يا أمير المؤمنين إن كنت تريد دوائي فقد بلغت مني موضع الداء، وإن كنت تريد قتلي فأجهز علي. فخلى سبيله. والله أسأل العصمة والتوفيق برحمته. قاله محمد بن رشد)
“Was sagt der wissende Gelehrte, der Richter, der Auserwählte, der unvergleichliche, Abu al-Walid – möge Allah ihm Rechtleitung und Erfolg geben – über Scheich Abu al- Hasan al-Asch’ari, Abu Ishaq al-Isfarani [1], Abu Bakr al-Baqillani [2], Abu Bakr ibn Furak [3], Abu al-Ma’ali [4] und Abu al-Walid al-Badschi [5] und Ihresgleichen, welche der Wissenschaft der Theologie nachgingen, über die Grundsätze der Glaubensrichtungen sprachen und Werke als Antwort auf die Sekten mit häretischen Neigungen verfassten? Sind sie die Imame der Ehrlichkeit und Rechtleitung oder sind sie die Führer in die Verwirrung und Torheit? Und was sagen Sie über eine Person, welche die Leute [der Theologie] und auch alle anderen, die sich der Disziplin al-Asch’aris zuschreiben, beleidigt und herabwürdigt, indem sie diese des Unglaubens bezichtigt, die sich von diesen trennt, indem sie sich von ihnen entfernt und die davon überzeugt ist, dass diese irregeleitet und in Ignoranz getaucht sind? Was sollte man solchen sagen und was sollte man mit diesen tun? Sollte man sie auf ihren Leidenschaften verweilen lassen oder nicht und sollten ihre Fanatiker zurückgehalten werden? Und schließt diese Herabwürdigung ihrer Religion, ihren Glauben mit ein? Ist das rituelle Gebet hinter ihnen erlaubt oder nicht? Klären Sie für uns den Status der vorher erwähnten Imame und deren Platz in unserer Religion und sprechen Sie deutlich über den Status jener, die sie erniedrigen und auch über jene, die ihnen nahe stehen und sie lieben; im Allgemeinen und auch im Spezifischen. Mögen Sie belohnt werden, so Allah es wünscht.
Ibn Ruschd der Großvater [nicht mit Averoes verwechseln] rahimahullah antwortet:
Ich habe deine Frage analysiert (Allah bewahre dich und uns) und darüber nachgedacht. Die Gelehrten, welche du erwähnt hast, sind Imame der Güte und Rechtleitung und sie sind jene, denen man folgen muss. Denn sie haben sich vorgenommen, dem Heiligen Gesetz Sieg zu schenken, indem sie die Zweifelhaftigkeit der Leute der Abweichung und Irreführung darlegen und sie somit entkräften. Sie lösten das, was problematisch war und klärten auch die Dinge, welche man als Teil der Religion erachten muss, auf. Somit sind sie, mit ihrem Verständnis der Prinzipien des Glaubens, die wahren Gelehrten aufgrund ihres Wissens über Allah, dem Allerhabenen und Gütigen, und ihres Wissens darüber, was bezüglich Seiner notwendig, was bezüglich Seiner gestattet ist und was bezüglich Seiner abgelehnt werden muss.
Die Zweige der Religion können nicht erkannt werden, ohne erst die Grundsätze zu kennen. Somit ist es unausweichlich, ihre Tugenden anzuerkennen, sie in ihrer Vorgängerschaft zu bestätigen, denn sie sind jene, welche Allahs Gesandter sallallahu ‚alayhi wa sallam meinte, als er sallallahu ‚alayhi wa sallam sagte: „Der Gerechte von jeder Nachfolgerschaft wird dieses Wissen tragen, indem er die Verirrungen der Fanatiker, die Vermutungen der Schwätzer und die Interpretationen der Ignoranten ablehnt.“
Somit sollte niemand der Überzeugung sein, dass diese Gelehrten der Irreführung und Ignoranz anheimgefallen sind, außer den närrischen Ignoranten oder abgespaltenen Irregeleiteten, die von der Wahrheit abgewichen sind.
Niemand außer ein Sünder sollte sie beleidigen und ihnen etwas anderes zuschreiben als das, worauf sie sich befinden, und Allah subhanahu wa ta’ala gebietet: „Und diejenigen, die gläubigen Männern und Frauen Ungemach zufügen, (indem sie sie) wegen etwas (in Verruf bringen), was sie (gar) nicht begangen haben, laden damit (das Vergehen von) Verleumdung und offenkundige Sünde auf sich.“ [33:58]
Es ist dringend notwendig, dass die Auffassungen dieser Leute korrigiert und dass die Sünder diszipliniert werden und der Erneuerer, der sich von der Wahrheit abgewandt hat, sollte zur Reue aufgerufen werden, wenn er in seiner Neuerung locker ist. Er wird Reue zeigen, ansonsten wird er unaufhörlich geschlagen, bis er Reue zeigt, wie es ‘Umar ibn al- Khattab radiyallahu ‘anh mit Sabigh [6] tat, der wegen seines Glauben beschuldigt wurde, und er schlug ihn, bis dieser sagte: „O Befehlshaber der Gläubigen! Wenn du meine Gesundheit erwünscht, so wisse, dass die Gesundheit die Krankheit schon eingeholt hat, und wenn du mich töten willst, so beeile dich bitte darin!“ Letztendlich ließ er [‘Umar ibn al-Khattab] ihn gehen.
Ich frage Allah subhanahu wa ta‘ala um Schutz und Erfolg durch seine Barmherzigkeit.“
(Fatawa al-Imam Ibn Ruschd S. 802-806, Band 2, Dar al-Gharb, Beirut: 1987)
Anmerkungen:
1 Er ist der auserwählte Imam, der Lehrer, Abu Ishaq Ibrahim ibn Muhammad ibn Ibrahim ibn Mihran al-Isfaraini. Er starb im Jahre 418 n. H.. Seine Biografie ist in „Tabyin Kadhib al-Muftari“, S.243; Wafayat al-A’yan, 1/28; Tabaqat al-Schafi’iyya, von al-Subki, 4/256
2 Er ist Abu Bakr Muhammad ibn al-Tayyib ibn Muhammad ibn Dscha’far ibn Qasim al-Basri al-Baghdadi al-Baqillani – der Scheich der Malikis, Autor vieler Werke und Beispiel der Beispiele von Intelligenz und Verständnis. Er starb im Jahre 403 n.H.. Seine Biografie findet man in Tabyin, Tarikh Baghdad, Al-Ansab, Wafayat al-A’yan, Tartib al-Madarik und vielen anderen Büchern.
3 Er ist der Imam, der große Diskutant, Muhammad ibn al-Hasan ibn Furak, der im Jahre 406 n.H. verstarb. Seine Biografie findet man in Tabaqat al-Subki, al-Tabyin, Wafayat al-A’yan und andere.
4 Er ist der große Imam, der Scheich der Schafi’is, der Imam der zwei Heiligtümer, ‘Abd al-Malik ibn ‘Abdullah ibn Yusuf al-Dschuwayni, geboren im Jahre 419 n.H. und gestorben im Jahre 478 n.H. Seine Biografie ist in Tabaqat al-Subki und andere.
5 Der Imam, der Hafiz, der Richter, Sulayman ibn Khalaf al-Badschi al-Andalusi al-Maliki, geboren im Jahre 403 n.H. und gestorben im Jahre 474 n.H.. Seine Biografie findet man in Tartib al- Madarik, Wafayat al-A’yan und andere.
6 Er ist Sabigh ibn ‘Isl, ein Nachfolger, der ‘Umar ibn al-Khattab über die Mehrdeutigen (al-mutaschabihat) befragte, worauf ‘Umar ihn bestrafte. Siehe hierzu „al-Isaba“ des Hafiz Ibn Hadschar, Buchstabe Sad, drittes Kapitel (3/258), veröffentlicht von al-Kutub al-‘Ilmiyya.