Abu Hanifa Nu’man ibn Thabit al-Kufi (80–150 n. H.) ist ein großer Imam, ein Tabi’in und der Gründer der hanafitischen Rechtsschule. Ihm wird die Autorschaft von fünf Büchern zugeschrieben. Die Hanafiten sind sich einig darüber, dass die Autorschaft dieser Bücher authentisch Abu Hanifa gehört, ebenso wie die darin dargelegte Glaubenslehre (‚Aqida) die Glaubenslehre Abu Hanifas ist.
Wir werden uns auf zwei Bücher des Imams stützen, die denselben Titel tragen „Fiqh al-Akbar“, wobei das zweite auch als „Fiqh al-Absat“ bezeichnet wird. Beide Bücher werden über einen Isnad überliefert. Es existiert eine Untersuchung zur Authentizität beider Bücher auf unserer Seite.
Beide Bücher werden von dem bekannten Historiker Ibn al-Nadim unter den Werken Abu Hanifas aufgeführt.
Ibn al-Nadim al-Baghdadi (gestorben 384 n. H.) sagte in dem Buch „Al-Fihrist“ (S. 251):
وله من الكتب كتاب الفقه الأكبر كتاب رسالته إلى البستي كتاب العالم والمتعلم رواه عنه مقاتل كتاب الرد على القدرية
„Abu Hanifa gehören Werke wie ‚Fiqh al-Akbar‘, ‚Risala ila-l-Batti‘, ‚Al-Alim wa-l-Muta’allim‘, welches Abu Muqatil überliefert, sowie das Buch mit der Widerlegung der Qadariyyah (das heißt ‚Fiqh al-Absat‘).“
Und Imam ‚Abd al-Qahir al-Baghdadi (gestorben 429 n. H.) sagte in dem Buch „Usul al-Din“ (S. 334):
فإن ابا حنيفة له كتاب في الرد على القدرية سمّاه الفقه الأكبر
„Wahrlich, Abu Hanifa verfasste zur Widerlegung der Qadariyyah ein Buch namens ‚Al-Fiqh al-Akbar‘.“
Hier ist mit dem Buch „Fiqh al-Akbar“ das Werk „Fiqh al-Absat“ gemeint, denn genau darin widerlegt Abu Hanifa die Qadariyyah.
Es ist anzumerken, dass der Pseudo Salafi Shaykh Muhammad bin ‚Abdurrahman al-Khumayyis ein Buch namens „Die Glaubenslehre der vier Imame“ geschrieben hat. Bei der Darlegung der ‚Aqida von Imam Abu Hanifa stützte er sich ebenfalls auf die Bücher „Fiqh al-Akbar“ und „Fiqh al-Absat“, handelte jedoch unredlich, indem er die Zitate kürzte.
Nun, Imam Abu Hanifa sagte in dem Buch „Fiqh al-Akbar“ (S. 26):
وهو شىءٌ لا كالأشياءِ، ومعنى الشىءِ إثباتُهُ بلا جسمٍ ولا جوهرٍ ولا عَرَضٍ، ولا حدَّ لهُ، ولا ضدَّ لهُ، ولا ندَّ له، ولا مِثلَ لهُ ولهُ يدٌ ووجهٌ ونفسٌ كما ذكرَهُ اللهُ تعالى في القرءانِ، فما ذكرَهُ اللهُ تعالى في القرءانِ، منْ ذكرِ الوجهِ واليدِ والنفسِ فهو لهُ صفةٌ بلا كيفٍ، ولا يقالُ إنّ يدَهُ قدرتُهُ أو نعمتُهُ، لأنَّ فيهِ إبطالُ الصفةِ، وهوَ قولُ أهلِ القَدَرِ والإعتزالِ، ولكنْ يدُهُ صفتُهُ بلا كيفٍ،
„Er ist ein ”Etwas” nicht wie die anderen Dinge. Mit ”Etwas” ist gemeint, Er ist kein Körper, keine Substanz und keine Akzidenz. Er hat keine Begrenzung, kein Gegenteil, kein Rivalen und nichts ist wie Er. Er hat die Eigenschaft Yad, Wajh und Nafs, wie Allah, der Erhabene, im Koran erwähnt hat. Und das, was im Koran erwähnt wird Yad, Wajh, Nafs, das sind Seine Sifat, jedoch ohne Wie (bila kayf). Und man sagt nicht, dass ‚Yad‘ Seine Allmacht (Qudra) oder Seine Gnade (Ni’ma) bedeutet. Denn dies wäre eine Negierung der Eigenschaft. Dies ist die Aussage der Qadariyyah und Mu’tazilah. Vielmehr ist Yad eine Eigenschaft ohne Wie‘.“
Al-Khumayyis kürzte jedoch die Worte „Er ist kein Körper, keine Substanz und keine Akzidenz. Er hat keine Begrenzung, kein Gegenteil, kein Rivalen und nichts ist wie Er“, da sie es, wie wir wissen, nicht ertragen können, wenn Gelehrte die Körperlichkeit in Bezug auf Allah verneinen. Er ließ lediglich die Worte stehen, in denen von den Attributen Yad und Wajh die Rede ist, in der Annahme, Abu Hanifa schreibe ihnen die wörtlichen Bedeutungen zu, genau wie die Pseudo Salafiyyah. Doch am Anfang des Zitats wies Abu Hanifa sofort Merkmale der Geschöpfe ab. Die Bestätigung der Existenz der Sifat wie Yad und Wajh, ohne sie als Körperteile zu betrachten, ist eine der legitimen Meinungen innerhalb der Ahlu-Sunnah. Was noch sehr wichtig ist, diese seine Aussage ist eine Widerlegung der Mu’tazilah. Warum? Und jetzt sehr wichtig: Wenn wir Allah eine Eigenschaft zuschreiben (z. B. Wissen), dann meinen wir nicht nur die Negation des Gegenteils, sondern wir bestätigen eine eigenständige reale Eigenschaft (Sifah). Die Mu’tazilah neigten dazu, die Eigenschaften Allahs nur als Negation des Gegenteils zu definieren (Allah ist Wissend heißt nur, er ist nicht unwissend) und dies wäre eine Negierung der Eigenschaften. Imam Abu Hanifa lehnte dies ab und wollte eine eigenständige reale Eigenschaft bestätigen und nicht eine wörtliche Hand. Was noch zu erwähnen ist, dass wir gesagt haben, dass wir eine eigenständige reale Eigenschaft bestätigen die Yad heisst, wenn man jedoch sagt, Yad bedeute nur Macht, dann hat man die Eigenschaft Yad negiert und durch die Eigenschaft Qudrah (Macht) ersetzt. Wenn aber jemand sagt: Ich bestätige Yad als eine eigenständige real existierende Eigenschaft und es ist kein Gliedmaß, kein Körper (der länge, tiefe, breite hat), nicht etwas zusammengesetztes oder etwas dass ein Maß hat und dass es je nach Kontext Macht oder Gnade bedeuten kann, so ist dies akzeptiert und die Meinung der Ahlu Sunnah.
Zudem erwähnte al-Khumayyis die folgenden wichtigen Worte Abu Hanifas nicht.
Imam Abu Hanifa sagte weiter in „Fiqh al-Akbar“ (S. 53):
واللهُ تعالى يُرَى في الآخرَةِ، ويَراهُ المؤمنونَ وهُم في الجنةِ بأعينِ رؤوسِهِم بلا تشبيهٍ ولا كيْفِيَّةٍ ولا جِهَةٍ ولا يكونُ بينَهُ وبينَ خَلقِهِ مسافَةٌ
„Allah, der Erhabene, wird im Jenseits gesehen werden; die Gläubigen werden Ihn im Paradies mit ihren eigenen Augen sehen, aber ohne Ähnlichkeit (zu etwas), ohne eine Modalität (Kayfiyya) und ohne eine Richtung (Jihah). Es wird zwischen Ihm und Seinen Geschöpfen keine Distanz geben.“
Distanz ist nur vorstellbar, wenn zwei Entitäten räumlich voneinander getrennt sind. Um eine Distanz zu messen oder auch nur zu denken, brauchst du Punkte „A“ und „B“ in einem Raum. Das Akzeptieren einer Distanz macht den Ort automatisch existent selbst wenn man versucht, das Wort „Ort“ zu vermeiden.
Die Leugnung der Körperlichkeit und der räumlichen Eigenschaften sind zwei fundamentale Streitpunkte zwischen den Ash’aris/Maturidis und den Pseudo Salafiyya. Wie wir sehen, haben Abu Hanifa und die Ash’aris/Maturidis dieselbe ‚Aqida.
Kommen wir zum Buch „Fiqh al-Absat“. Aus diesem Buch führte al-Khumayyis ein Zitat an, an das sich die Pseudo Salafiyyah klammern.
Imam Abu Hanifa sagte im Buch „Fiqh al-Absat“ (S. 49):
من قَالَ: لَا اعرف رَبِّي فِي السَّمَاء أَوْ فِي الأَرْض فقد كفر
„Wer sagt: ‚Ich weiß nicht, ob mein Herr fi-s-sama (wörtl.: im Himmel) oder auf der Erde ist‘, der ist ein Kafir.“
Und nun ziehen sie mit diesen Worten umher, in der Annahme, dies sei ein Gegenargument gegen die Ash’aris. Doch das ist eine Verleumdung.
Für diese Worte gibt es zwei akzeptable Deutungen:
Wie wir wissen, sagt Allah im 16. Vers der Sure Al-Mulk:
أَأَمِنْتُمْ مَنْ فِي السَّمَاءِ أَنْ يَخْسِفَ بِكُمُ الْأَرْضَ
„Seid ihr denn sicher, dass Derjenige, der fi-s-sama (wörtl.: im Himmel) ist, nicht die Erde mit euch versinken lässt?“ (Sure Al-Mulk, Vers 16)
Wenn jemand sagt, dass Allah nicht fi-s-sama (wörtl.: im Himmel) ist, dann verleugnet eine solche Person einen Vers des Korans, und das ist Kufr. Das Problem entsteht erst bei einer wörtlichen Annahme dieser Texte. Daher haben die Gelehrten gesagt, dass Verse mit unklarer Bedeutung (Mutashabihat) nicht in andere Sprachen übersetzt werden sollten. In diesem Fall bedeuten die Worte Abu Hanifas, dass eine Person, die so spricht, einen direkten Koranvers leugnet, in dem es heißt: (فِي السَّمَاءِ) „fi-s-sama“ (wörtl.: im Himmel).
Es ist jedoch nicht gemeint, dass eine solche Person zum Kafir wird, weil sie einen Ort Allahs in den Himmeln leugnet, denn Imam Abu Hanifa verneint in eben diesem Buch ausdrücklich einen Ort, wie Sie weiter unten sehen werden.
Zum Buch „Fiqh al-Absat“ existiert eine frühe Erläuterung, die von dem bedeutenden Hanafi Gelehrten Imam Abu Layth al-Samarqandi (gestorben 373 n.H.) verfasst wurde. Er sagte in dem Buch „Sharh Fiqh al-Akbar“ (S. 25), indem er die Worte von Imam Abu Hanifa kommentierte:
لأنه بهذا القول يوهم أن يكون له تعالى مكان فكان مشركا
„Weil diese Worte suggerieren, dass der Erhabene Allah einen Ort habe. Und deshalb ist eine solche Person ein Mushrik.“
Imam Sheikh Muhammad Zahid al-Kawthari sagte in Maqalat al-Kawthari:
و قال البياضي في (إشارات المرام): (قال أبو حنيفة: من قال لا أعرف ربي في السماء أم في الأرض فهو كافر، و كذا من قال إنه على العرش و لا أدري العرش أفي السماء أم في الأرض) ثم ذكر وجه إكفاره و قال: لكونه قائلاً باختصاص الباري تعالى بجهة وحيز، و كل ما هو مختص بالجهة و الحيز فإنه محتاج محدث بالضرورة و هو قول بالنقص الصريح في حقه تعالى، و القائل بالجسمية و الجهة منكر و جود موجود سوى الأشياء التي يمكن الإشارة إليها حساً، فهم منكرون لذات الإله المنزه عن ذلك فلزمهم الكفر لا محالة اهـ.
„Und al-Bayādī sagte in (Ishārāt al-Marām): (Abū Hanīfa sagte: Wer sagt: ‚Ich weiß nicht, ob mein Herr im Himmel oder auf der Erde ist‘, der ist ein Ungläubiger; und ebenso [ist es bei] dem, der sagt: ‚Er ist auf dem Thron, aber ich weiß nicht, ob der Thron im Himmel oder auf der Erde ist‘.) Dann nannte er den Grund für dessen Erklärung zum Ungläubigen und sagte: „Weil er [mit dieser Aussage] behauptet, der Schöpfer – erhaben ist Er – sei auf eine Richtung und einen Raum beschränkt. Und alles, was auf Richtung und Raum beschränkt ist, ist notwendigerweise bedürftig und zeitlich entstanden. Dies ist eine Aussage, die Ihm – dem Erhabenen – eindeutig einen Mangel zuschreibt. Und derjenige, der [Allah] Körperlichkeit und Richtung zuschreibt, leugnet die Existenz eines Wesens, außer jenen Dingen, auf die man physikalisch deuten kann. Sie leugnen also das Wesen Allahs, der davon erhaben ist; daher trifft sie der Unglaube zweifellos.“
Izz ad-Dīn Ibn ʿAbd as-Salām sagte in Hall ar-Rumuz wa Mafatih al-Kunuz:
ابو حنيفة من قال لا اعرف الله افي السماء هو ام في الارض هو فقد كفر لان هذا القول يوهم ان لله مكانا ومن توهم ان الله مكانا
„Abu Hanifa sagte: Wer sagt: ‚Ich weiß nicht, ob Allah im Himmel oder auf der Erde ist‘, ist ungläubig, denn diese Aussage lässt vermuten, dass Allah einen Ort hätte. Und wer sich vorstellt, dass Allah einen Ort hat, ist ebenfalls ungläubig.“
Die Erläuterung von al-ʿAllāmah Shaykh Nidal al-Hanafī (möge Allah ihn bewahren):
أي: من نسب إلى الله تعالى المكان، سواء قال: في السماء أو في الأرض، فإنه وإن جهل أيهما هو فقد كفر. لأن نفي العلم يستلزم إثبات المكان لله تعالى، كأنه قال: لله مكان لكني لا أدري أهو في السماء أم في الأرض. وهذا في الحقيقة إثبات المكان لله. وعلى قاعدة الإمام أبي حنيفة رضي الله عنه: “في مسائل الاعتقاد التجويز تنجيز”، فمن جوز لله تعالى المكان فقد أثبته له، فيكفر بهذا الاعتقاد.
Das bedeutet: Wer Allah, dem Erhabenen, einen „Ort“ zuschreibt, sei es „im Himmel“ oder „auf der Erde“, der ist ungläubig geworden, selbst wenn er nicht weiß, welcher von beiden es sein soll. Denn in beiden Fällen (Himmel oder Erde) impliziert die „Verneinung des Wissens“ (nafy al-ʿilm) die Bestätigung der Existenz eines Ortes für Allah. (Als würde er sagen: „Allah hat einen Ort, aber ich weiß nicht, wo er ist.“) Dies ist in Wirklichkeit eine Zuschreibung eines Ortes an Allah. Nach dem Grundsatz von Imām Abū Hanīfa (möge Allah mit ihm zufrieden sein): „In Glaubensfragen gilt, wenn etwas für möglich gehalten wird, als Festlegung.“ Wer also für möglich hält, dass Allah einen Ort hat, selbst wenn er dessen Lage nicht kennt oder meint, sie später erkennen zu können –, der hat Allah tatsächlich einen Ort zugeschrieben und wird aufgrund dieses Glaubens ungläubig.
قال في رواية أبي الليث:
قال الله تعالى: ﴿الرَّحْمَنُ عَلَى الْعَرْشِ اسْتَوَى﴾، فإن قال: أقول بهذه الآية ولكن لا أدري أين العرش في السماء أم في الأرض فيكفر أيضاً.
In der Überlieferung von Abū al-Layth sagte Imām Abū Hanīfa: Allah, der Erhabene, sagte: „Der Allerbarmer istiwa über den Thron .“ Wenn jemand über diesen Vers sagt: „Ich bejahe diesen Vers, aber ich weiß nicht, ob der Thron im Himmel oder auf der Erde ist“, so wird auch er ungläubig.
Erläuterung von al-ʿAllāmah Shaykh Nidal al-Hanafī:
أي: هذا الرجل يزعم أنه يقر بالآية، لكنه جعل العرش مكاناً لله تعالى، وهو لا يدري أهو في السماء أم في الأرض، فبسبب هذا الاعتقاد يكفر، لأنه أثبت المكان لله، وإن جهل موضعه.
Das heißt: Diese Person behauptet, den Vers zu bestätigen, macht jedoch den Thron zum Ort Allahs, des Erhabenen. Er weiß lediglich nicht, ob dieser „im Himmel“ oder „auf der Erde“ ist. Aufgrund dieses Glaubens wird er ungläubig, denn er hat Allah einen Ort zugeschrieben, auch wenn er dessen Lage nicht bestimmen kann.
Quelle: der Telegramm Kanal von Shaykh Nidal: t.me/sheikhnidal
Imām Ibn Nujaym al-Hanafī sagte:
ويُكفَر بإثبات المكان لله تعالى: فإن قال: الله في السماء، فإن قصد حكاية ما جاء في ظاهر الأخبار لا يُكفَر، وإن أراد المكان كفر، وإن لم يكن له نية كفر عند الأكثر، وهو الأصح، وعليه الفتوى.
Man wird ungläubig durch die Zuschreibung eines Ortes zu Allah, dem Erhabenen. Wenn jemand sagt: „Allah fi as-sama’“, und damit lediglich die Überlieferung des Wortlauts meint, wie er in den offensichtlichen Texten überliefert ist, so wird er nicht für ungläubig erklärt. Wenn er mit dieser Aussage jedoch meint, dass Allah einen Ort habe, so ist er ungläubig. Wenn er diese Aussage ohne bestimmte Absicht äußert, so gilt er nach der Mehrheit der Gelehrten als ungläubig, und dies ist die korrekteste Ansicht. Nach dieser Ansicht wird die Fatwa erteilt.
Das heißt, eine Person, die sagt, sie wisse nicht, ob Allah im Himmel oder auf der Erde sei, setzt voraus, dass Allah grundsätzlich ein Ort hat, jedoch in Unkenntnis über diesen Ort ist, ob im Himmel oder auf Erden.
Und Sheikh Muhammad Zahid al-Kawthari sagt in seinem Tahqiq zum Buch „Fiqh al-Absat“ (S. 49), dass die Worte Abu Hanifas, die darauf folgen, auf genau diese Bedeutung hinweisen.
Weiter unten in eben diesem Buch sagt Imam Abu Hanifa auf die Frage: „Wenn gefragt wird: ‚Wo ist Allah der Erhabene?‘, was ist zu antworten?“:
كان الله تعالى ولا مكان قبل أن يخلق الخلق، وكان الله تعالى ولم يكن أين ولا خلق ولا شىء، وهو خالق كل شىء
„Allah der Erhabene war, und es gab keinen Ort, bevor Er die Schöpfung erschuf. Und Allah der Erhabene war, und es gab kein ‚Wo?‘, es gab keine Schöpfung und nichts. Und Er ist der Schöpfer aller Dinge.“ („Al-Fiqh al-Absat“, Tahqiq al-Kawthari: S. 57)
Natürlich hat Al-Khumayyis diese Worte in seinem Buch nicht angeführt. Somit verneint Imam Abu Hanifa in Bezug auf Allah das, was die Pseudo Salafiyyah so vehement behaupten.
Imam Abu Hanifa (möge Allah der Erhabene sich seiner erbarmen) sagte in al-Fiqh al-Absat:
قَالَ ابو حنيفَة رَحمَه الله تَعَالَى لَا يُوصف الله تَعَالَى بِصِفَات المخلوقين وغضبه وَرضَاهُ صفتان من صِفَاته بِلَا كَيفَ وَهُوَ قَول اهل السّنة وَالْجَمَاعَة وَهُوَ يغْضب ويرضى وَلَا يُقَال غَضَبه عُقُوبَته وَرضَاهُ ثَوَابه وَنصفه كَمَا وصف نَفسه أحد صَمد لم يلد وَلم يُولد وَلم يكن لَهُ كفوا أحد حَيّ قيوم قَادر سميع بَصِير عَالم يَد الله فَوق أَيْديهم لَيست كأيدي خلقه وَلَيْسَت جارحةوَهُوَ خَالق الْأَيْدِي وَوَجهه لَيْسَ كوجوه خلقه وَهُوَ خَالق كل الْوُجُوه وَنَفسه لَيست كَنَفس خلقه وَهُوَ خَالق كل النُّفُوس {لَيْسَ كمثله شَيْء وَهُوَ السَّمِيع الْبَصِير}
„Allah der Erhabene wird nicht mit den Eigenschaften der Geschöpfe beschrieben. Sein Ghadab (Zorn) und Sein Ridah (Wohlgefallen) sind zwei Seiner Eigenschaften, ohne ‚Wie‘ (bila kayf). Dies ist die Meinung der Ahl as-Sunna wa-l-Jama‘a. Er yaghdab und yardha, und man darf nicht sagen: ‚Sein Ghadab ist Seine Bestrafung‘ oder ‚Sein Ridha ist Seine Belohnung‘. Wir beschreiben Ihn so, wie Er Sich Selbst beschrieben hat: Einzig, Unabhängig (as-Samad), Er hat nicht gezeugt und ist nicht gezeugt worden, und niemand ist Ihm ebenbürtig. [Er ist] lebendig, beständig (qayyum), mächtig, hörend, sehend, wissend.‚Die Yad Allahs ist über ihren Händen‘ – sie ist nicht wie die Hände Seiner Geschöpfe, und sie ist keine Gliedmaße (jariha). Er ist der Schöpfer der Hände. Und Sein Wajh ist nicht wie die Angesichter Seiner Geschöpfe, und Er ist der Schöpfer aller Gesichter. Und Sein Nafs ist nicht wie das Selbst Seiner Geschöpfe, und Er ist der Schöpfer aller Seelen. {Nichts ist Ihm gleich; und Er ist der Allhörende, der Allsehende.}“
Imam Abu Hanifa sagte: ‚Keine Gliedmaße (لَيْسَت جارحة)‘, d.h., dass Begriffe wie „Yad“ zwar bestätigt werden als Eigenschaften, aber nicht physisch als Organ oder Körperteil verstanden werden dürfen.
Imam Abu Hanifa sagte: „…man darf nicht sagen: ‚Sein Ghadab ist Seine Bestrafung‘ oder ‚Sein Ridha ist Seine Belohnung‘…“: Abu Hanifa wendet sich hier gegen Gruppen wie die Mu’tazilah, die Eigenschaften wie „Zorn“ metaphorisch umdeuteten und sagten, Zorn sei lediglich die Strafe selbst. Abu Hanifa sagt jedoch, dass Ghadab eine reale Eigenschaft Allahs ist, die Strafe ist nur die Auswirkung davon. Denn die Auswirkung von Ghadab definiert nicht was Ghadab selbst ist. Wenn jedoch jemand sagt Ghadab und Ridha sind zwei real existierende Eigenschaften von Allah und wir definieren sie mit ihren Auswirkungen, so wäre dies gemäß Imam Abu Hanifa kein Problem.
Nun noch einige Aussagen aus diesen zwei Büchern die al-Khumayyis garnicht erwähnt hat, weil es seiner Glaubenslehre widerspricht.
Und Imam Abu Hanifa an-Nu’man sagte in seinem Buch Al-Fiqh al-Absat:
فصفاته غير مخلوقة ولا محدثة ، والتغير والاختلاف في الأحوال يحدث في المخلوقين ومن قال إنها مُحدثة أو مخلوقة أو توقف فيها أو شك فيها فهو كافر. انتهى
„So sind Seine Eigenschaften weder erschaffen (mahluqa) noch entstanden (muhdatha). Veränderung und Verschiedenheit in den Zuständen treten [nur] bei den Geschöpfen auf. Wer sagt, dass sie [die Eigenschaften] entstanden oder erschaffen seien, oder wer keine Stellung bezieht (tawaqqafa) oder daran zweifelt, der ist ein Ungläubiger.“ (Zitat Ende)
Und er sagte in al-Fiqh al-Akbar:
وسمِعَ موسى كلامَ اللهِ تعالى:{ وكلَّمَ اللهُ موسى تكليماً } وقدْ كانَ اللهُ تعالى متكلماً، ولم يكنْ كلمَ موسى، وقدْ كانَ اللهُ تعالى خالقاً في الأزلِ ولم يخلقْ الخلقَ { ليسَ كمثلِهِ شىءٌ وهوَ السميعُ البصيرُ} فلما كلمَ اللهُ موسى، كلمَهُ بكلامِهِ الذي هوَ لهُ صفةٌ في الأزلِ،
يعلمُ لا كعلمِنا، يَقْدِرُ لا كقدرَتِنا، يَرَى لا كرؤيَتِنا، يتكلمُ لا ككلامِنا، ويسمعُ لا كسمعِنا. نحنُ نتكلمُ بالآلاتِ والحروفِ، واللهُ تعالى يتكلمُ بلا حروفٍ ولا آلةٍ. والحروفُ مخلوقةٌ، وكلامُ اللهِ تعالى غيرُ مخلوقٍ
„Moses hat die Rede Allahs gehört, wie es im Quran steht: {und Allah richtete eine Rede an Moses}. Allah war redend, bevor Er mit Moses redete. Er war (auch) in der Urewigkeit schaffend, bevor Er etwas geschaffen hat. {Nichts gibt es Seinesgleichen; und Er ist der Allhörende, der Allsehende}.Als Er mit Moses geredet hat, so war das mit Seiner urewigen Rede, die ein urewiges Attribut von Ihm ist. All seine Attribute sind urewig, im Gegensatz zu den Attributen der Geschöpfe. Er ist wissend, aber nicht wie wir wissen, Er ist mächtig aber nicht wie unsere Macht, und Er sieht, aber nicht wie wir sehen, und hört, aber nicht wie wir hören. Er redet, aber nicht, wie wir reden. Wir reden mittels Sprechorgane und Buchstaben. Allah redet aber ohne Sprechorgane und Buchstaben. Die Buchstaben sind erschaffen, die Rede Allahs ist aber unerschaffen.“
Und er sagte auch in al-Fiqh al-Akbar:
وكل شيء ذكره العلماء بالفارسية من صفات الله تعالى عزّ اسمه فجاز القول به سوى اليد بالفارسية ، ويجوز أن يقال : بروي خداى عزوجل بلا تشبيه ولا كيفية.
„Und alles, was die Gelehrten auf Persisch von den Eigenschaften Allahs erwähnt haben, so ist die Aussage damit zulässig, mit Ausnahme der ‚Yad‘ auf Persisch. Und es ist zulässig (auf persisch) zu sagen: ‚Bi-rū-yi Khudā‘ (Beim Angesicht Gottes) ohne Vergleich und ohne Kayfiyyah.“
Und er sagte auch in al-Fiqh al-Akbar
ليسَ قربُ اللهِ تعالى ولا بُعدُهُ منْ طريقِ طولِ المسافةِ
„Die Nähe und Entfernung zu Allah ist nicht im Sinne von Länge oder Distanz…“
Aussagen von Imam Abu Hanifa außerhalb dieser zwei Bücher
Imam Abu Hanifa sagte in al-Wassiyah:
ونقِرُّ بأنَّ اللهَ سبحانه وتعالى على العرشِ استوى من غيرِ أن يكونَ له حاجةٌ واستقرار عليه ، وهو حافظٌ على العرشِ وغيرِ العرش مِن غير احتياج ، فلو كان محتاجا لما قدَر على إيجاد العالم وتدبيرِه كالمخلوقين ، ولو كان محتاجا إلى الجلوس والقرار فقبل خلق العرش أين كان الله ؟ تعالى الله عن ذلك علوًّا كبيرًا
„Wir bestätigen, dass Allah ta’ala istawa’ machte, ohne dass es eine Erforderlichkeit oder Sesshaftigkeit (istiqrar) für Ihn selbst ist. Er ist der Hüter des Throns und auch von allem anderen als dem Thron, ohne irgendeinen Bedarf (für Ihn selbst). Wenn Er (jemals) bedürftig (davon) wäre, dann wäre Er nicht dazu in der Lage gewesen die Welt zum existieren zu bringen oder sie zu vernichten, so wie die zwei Schöpfungen (dazu nicht im Stande sind). Wenn Er (jemals) des Sitzens (julus) und des Sesshaftwerdens (qarar) (auf dem Thron) bedürftig wäre, wo war Allah ta’ala dann vor der Erschaffung des Thrones? Möge Allah erhaben darüber sein, hoch und groß ist er.“
نقرُّ بأن القرآنَ كلامُ الله غيرُ مخلوق ووحيُه وتنزيلُه، لا هو ولا غيرُه، بل هو صفتُه على التحقيق، مكتوبٌ في المصاحف، مقروءٌ بالألسنة، محفوظٌ في الصدور، غيرُ حالّ فيها، والحِبرُ والكاغَدُ والكتابةُ كلّها مخلوقةٌ لأنها أفعالُ العباد، وكلامُ الله سبحانه وتعالى غيرُ مخلوق، لأنَّ الكتابةَ والحروفَ والكلماتِ والآياتِ دلالةُ القرآن لحاجة العباد إليها، وكلامُ الله تعالى قائمٌ بذاته، ومعناه مفهومٌ بهذه الأشياء، فمَن قال بأن كلام الله تعالى مخلوقٌ فهو كافرٌ بالله العظيم، والله تعالى معبودٌ لا يزال عمَّا كان، وكلامُه مقروءٌ ومكتوبٌ ومحفوظٌ من غير مزايلةٍ عنه
„Wir bekräftigen, dass der Koran die Rede Allahs (Kalamullah), des Erhabenen, ist, ungeschaffen, Seine Eingebung, Seine Offenbarung und Seine Eigenschaft. Er ist nicht Er (Selbst), noch [ist er etwas] anderes als Er, sondern er ist in Wirklichkeit Seine Eigenschaft. Er ist in Exemplaren niedergeschrieben, wird von Zungen rezitiert, in den Herzen bewahrt, ist jedoch kein [bloßer, vergänglicher] Zustand in ihnen. Buchstaben, Papier und Schrift, sie alle sind erschaffen, da sie die Handlungen der Geschöpfe sind. Die Rede Allahs, des Erhabenen, ist ungeschaffen, denn das Schreiben, die Buchstaben, Wörter und Verse sind allesamt Hinweise auf den Koran, [die] eine Notwendigkeit für die Geschöpfe sind. Die Rede Allahs, des Erhabenen, besteht in Seinem Wesen, und ihre Bedeutung wird durch diese Dinge verstanden. Wer also sagt, dass die Rede Allahs, des Erhabenen, erschaffen sei, der ist ein Ungläubiger gegenüber Allah. Allah, der Erhabene, wird angebetet. Er hört nicht auf, das zu sein, was Er [schon immer] war. Seine Rede wird rezitiert, niedergeschrieben und bewahrt, ohne dass sie von Ihm abgetrennt ist.“
Imam Abū Shakūr Al-Sālimī (460 n.H.) sagte in Kitāb at-Tamhīd fī Bayān at-Tawhid:
وقال أبو مطيع البلخي : ٢٩ سألت أبا حنيفة رحمه الله فيمن قال لا أدري أين الله، فقال أبو حنيفة: إنه يكفر لأنه وصف الله بكل مكان. فقال أبو مطيع ولم يكفر ؟ قال: لأنه يخالف النص، والله تعالى يقول : ( الرحمن على العرش استوى ) . قال أبو مطيع: كيف استوى؟ قال: آمنوا بها كما جاء والجواب: كان إلها ولا مكان
„Abū Mutīʿ al-Balkhī sagte: Ich fragte Abū Hanīfa, möge Gott ihm Barmherzigkeit schenken, über jemanden, der sagt: „Ich weiß nicht, wo Allah ist.“ Abū Hanīfa sagte: Er ist ein Ungläubiger (kāfir), weil er Allah mit „überall“ (also an jedem Ort) beschreibt. Abū Mutīʿ fragte: Aber warum wird er dann nicht als Ungläubiger angesehen? Er antwortete: Weil er den Text widerspricht, denn Gott sagt: „Der Allerbarmer über den Thron istiwa“ (Quran, 20:5). Abū Mutiʿ fragte: Wie ist sein istiwa? Er sagte: Man glaubt daran, wie es überliefert wurde. Die Antwort ist: Er war Allah und es gab kein Ort.“
Imam Abu Hanifa sagte in al-Alim wa Muta’allim:
وإذا سألت النصراني من تعبد؟ قال الله الله أعبد. وإذا سألت عن الله قال هو الذي في جسد عيسى وفي بطن مريم. يجتن في شيء ويحيط به شيء، ويلج في شيء، ومن كان بهذه الصفة لم يكن مؤمناً بالله.
„Und wenn du den Christen fragst: ‚Wen betest du an?‘, sagt er: ‚Allah, Allah bete ich an.‘ Und wenn du über Allah fragst, sagt er: ‚Er ist derjenige, der im Körper von Isa (Jesus) und im Bauch von Maryam (Maria) ist. Er wird von etwas umschlossen und etwas umgibt Ihn, und Er dringt in etwas ein.‘ Und wer diese Eigenschaft hat, ist nicht gläubig an Allah.“
Imam as-Saffār az-Zāhid al-Hanafī (verst. 534 n.H.) sagte:
وروي عن أبي حنيفة رضي الله عنه أنه سئل عن الله فقال:
كان الله ولا شيء/معه، فهو كما كان ويكون كما هو. يريد بذلك أنه لم يتغير عن وصف القدم. وقال أبو حنيفة رضي الله عنه في كتاب «العالم والمتعلم» في وصف الله:
كان كما هو ويكون على ما كان. يريد بذلك كينونته في الأزل منفرداً بذاته وصفاته، لا شريك له في ذاته وصفاته، ووجوده لم يتغير عن صفاته.
„Es wurde von Abu Hanifa (möge Allah mit ihm zufrieden sein) überliefert, dass er über Allah befragt wurde und sagte: „Allah war, und nichts war mit Ihm. So ist Er, wie Er war, und Er wird sein, wie Er ist.“ Er meint damit, dass Er sich nicht hinsichtlich der Eigenschaft der Anfangslosigkeit (al-Qidam) verändert hat. Und Abu Hanifa (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte im Buch „Al-Alim wal-Muta’allim“ in der Beschreibung Allahs: „Er war, wie Er ist, und Er wird sein, wie Er war.“ Er meint damit Seine Existenz in der Ewigkeit (al-Azal), einzigartig in Seinem Wesen und Seinen Eigenschaften; Er hat keinen Teilhaber in Seinem Wesen und Seinen Eigenschaften, und Seine Existenz hat sich hinsichtlich Seiner Eigenschaften nicht verändert.“
Und al-Imam al-A’zam Abu Hanifa an-Nu’man sagte auch in dem Buch Al-Alim wal-Muta’allim:
وكذلك اليهود من كفرهم بالغني الذي لا يفتقر و الجواد الذي لا يبخل و الرب الذي ليس له ولد و الملك الذي ليس له شبيه, زعموا أن الله فقير و يد الله مغلولة و عزير ابن الله و الله تعالى على مثال صورة ابن آدم “ انتهى
„Ebenso die Juden: Zu ihrem Unglauben an den Reichen, der nicht bedürftig ist, und den Großzügigen, der nicht geizt, und den Herrn, der kein Kind hat, und den König, der kein Ähnliches hat, gehört, dass sie behaupteten, Allah sei arm, und Allahs Hand sei gefesselt, und Uzayr sei der Sohn Allahs, und Allah, der Erhabene, sei nach dem Abbild der Gestalt des Menschen.“ (Zitat Ende)
Betrachte die Aussage der Juden: „Und Allah, der Erhabene, sei nach dem Abbild der Gestalt des Menschen“ und schau, wie Abu Hanifa sie zu Ungläubigen erklärte. Dann schau auf jene aus unserer Zeit, die dies behaupten.
Und as-Sarakhsi sagte in Al-Mabsut (8/133):
فإن قال: ووجه الله، روي عن أبي يوسف ومحمد رحمهما الله تعالى أنه يمين لأن الوجه يذكر بمعنى الذات، قال الله تعالى: ويبقي وجه ربك، قال الحسن وهو هو، وعلى قول أبي حنيفة لا يكون يميناً، قال أبو شجاع في حكايته عن أبي حنيفة هو من أيمان السفلة يعني الجهلة الذين يذكرونه بمعنى الجارحة. وهذا دليل على أنه لم يجعله يميناً
„Wenn er sagt: ‚[Beim] Angesicht Allahs‘, so wurde von Abu Yusuf und Muhammad – möge Allah ihnen beiden barmherzig sein – überliefert, dass dies ein [gültiger] Eid ist, weil das ‚Angesicht‘ (al-Wajh) im Sinne des Wesens (adh-Dhat) erwähnt wird. Allah, der Erhabene, sagte: ‚Und bleiben wird das Angesicht deines Herrn‘. Al-Hasan sagte [dazu]: ‚Er ist es [selbst]‘.
Nach der Ansicht von Abu Hanifa – möge Allah ihm barmherzig sein – ist es jedoch kein [gültiger] Eid. Abu Shuja‘ – möge Allah, der Erhabene, ihm barmherzig sein – sagte in seinem Bericht über Abu Hanifa – möge Allah, der Erhabene, ihm barmherzig sein: ‚Es gehört zu den Schwüren des niederen Volkes‘, womit die Unwissenden gemeint sind, die es im Sinne eines Gliedmaßes (Jariha) erwähnen. Und dies ist der Beweis dafür, dass er es nicht als [gültigen] Eid einstufte.“
Es ist zudem anzumerken, dass auch die Schüler von Abu Hanifa dieser Glaubenslehre folgten.
Imam Muhammad ibn al-Hasan al-Shaybani (132–189 n. H.) sagte:
اتفق الفقهاء كلهم من المشرق إلى المغرب على الإيمان بالقرآن والأحاديث التي جاءت به ثقات عن رسول الله صلى الله عليه وسلم في صفة الرب من غير تغيير ولا وصف، ولا تشبيه. فمن فَسَّر اليوم شيئاً من ذلك فقد خرج مما كان عليه النبي صلى الله عليه وسلم، وفارق الجماعة، فإنهم لم يَصِفوا ولم يُفَسِّروا ولكن أفتوا بما في الكتاب والسنة ثم سكتوا، فمن قال بقول جَهَمٍ فقد فارق الجماعة؛ لأنه قد وصفه بصفة لا شيء
„Alle Fuqaha vom Osten bis zum Westen sind übereingekommen und haben sich darauf geeinigt, dass es notwendig ist, an den Koran und die Hadithe über die Attribute des Herrn zu glauben, welche vertrauenswürdige Personen authentisch vom Gesandten Allahs (Allah segne ihn und gebe ihm Heil) überliefern, ohne Abänderung, Beschreibung (Wasf) oder Tashbih (Vergleich mit der Schöpfung). Wenn heute jemand etwas davon erklärt (Fassara), so tritt er damit aus den Grenzen der Überzeugungen heraus, an denen der Prophet (Allah segne ihn und gebe ihm Heil) festhielt, und entfernt sich von der Gemeinschaft der Muslime. Denn sie haben sie nicht (detailliert) beschrieben und nicht [ihre Bedeutung] erklärt, sondern sie antworteten in Übereinstimmung mit dem, was im Koran und in der Sunnah steht, und schwiegen danach. Diejenigen, die die Meinung von Jahm äußern, trennen sich von der Gemeinschaft der Muslime, weil sie Allah eine Eigenschaft zugeschrieben haben, die ‚Nichts‘ ist.“ (Al-Lalaka’i, „Sharh usul i’tiqad Ahl al-Sunnah“, 3/480)
Ebenso wird von Muhammad ibn al-Hasan in Bezug auf den Hadith über das Nuzul (wörtl.: Herabsteigen) überliefert:
إن هذه الأحاديث قد روتها الثقات ، فنحن نرويها ونؤمن بها ولا نفسرها .
„Diese Überlieferungen wurden von vertrauenswürdigen (zuverlässigen) Überlieferern überliefert; daher überliefern wir sie weiter und glauben an sie und erklären [ihre Bedeutung] nicht.“ (Al-Lalaka’i, „Sharh usul i’tiqad Ahl al-Sunnah“, 3/480)
Diese Worte von Imam al-Shaybani weisen eindeutig darauf hin, dass sie die Texte über die Sifat ohne Kommentare ließen und ihre Bedeutung dem Willen Allahs überließen (Tafwid). Zudem erwähnte Imam Abu Ja’far al-Tahawi in seiner ‚Aqida, dass die von ihm dargelegte Glaubenslehre die Glaubenslehre von Abu Hanifa und seinen beiden Schülern Abu Yusuf und Muhammad al-Shaybani ist. Niemand zweifelt daran, dass das von ihm Dargelegte die ‚Aqida Abu Hanifas ist. Der Text der „’Aqida al-Tahawiyya“ entspricht dem, was in den Büchern „Fiqh al-Akbar“ und „Fiqh al-Absat“ dargelegt ist.
Was jene Geschichte betrifft, in der berichtet wird, dass Abu Hanifa auf die Frage einer Frau: „Wo befindet sich Derjenige, den du anbetest?“, geantwortet habe: „Wahrlich, der gepriesene und erhabene Allah ist im Himmel und nicht auf der Erde“, so ist diese unauthentisch, wie Shaykh Abdul-Aziz al-Khadiri in dem Buch „Tanzih al-haqq al-ma’bud“ schreibt. Der Überlieferer Nuh ibn Abi Maryam wurde der Fälschung von Hadithen bezichtigt. Somit wäre diese Überlieferung verworfen.
Ein weiteres Scheinargument der Pseudo-Salafiyya ist folgende Aussage aus al-Fiqh al-Absat:
وَالله تَعَالَى يدعى من اعلى لَا من أَسْفَل لَيْسَ من وصف الربوبية والألوهية فِي شَيْء وَعَلِيهِ مَا روى فِي الحَدِيث ان رجلا اتى إِلَى النَّبِي صلى الله عَلَيْهِ وَسلم بِأمة سَوْدَاء فَقَالَ وَجب عَليّ عتق رَقَبَة أفتجزىء هَذِه فَقَالَ لَهَا النَّبِي صلى الله عَلَيْهِ وَسلم أمؤمنة أَنْت فَقَالَت نعم فَقَالَ أَيْن الله فَأَشَارَتْ إِلَى السَّمَاء فَقَالَ اعتقها فَإِنَّهَا مُؤمنَة
Und Allah, der Erhabene, wird von Hoheit angerufen, nicht von Niedrigkeit; denn das gehört in keiner Weise zur Beschreibung der Herrschaft (Rubūbiyya) und der Göttlichkeit (Ulūhiyya). Darauf weist auch das hin, was im Hadith überliefert wurde: Ein Mann kam mit einer schwarzen Sklavin zum Propheten ﷺ und sagte: Mir ist es verpflichtend geworden, einen Sklaven freizulassen; genügt diese? Der Prophet ﷺ sagte zu ihr: Bist du gläubig? Sie sagte: Ja. Er sagte: Wo ist Allah? Da deutete sie zum Himmel. Darauf sagte er: Lass sie frei, denn sie ist gläubig.“
Dies soll nach ihnen ein Beweis sein, dass Imam Abu Hanifa den glauben vertrat Allah befinde sich in oberer Richtung über dem Himmel an einem Nichtexistenten Ort.
Die Antwort darauf lautet:
Wenn ich mit dem Finger auf etwas zeige, weise ich auf eine bestimmte Stelle im Raum. Diese Stelle ist definiert durch Richtung und Distanz. Richtung und Distanz sind notwendige Eigenschaften eines Ortes. Selbst wenn man sagt dieser Ort existiert nicht physisch, bleibt das Zeigen ohne Ort bedeutungslos. Wenn kein Ort vorhanden ist, gibt es keine Koordinaten oder Position, die man anvisieren könnte.
Imam Abu Hanifa sagte in al-Fiqh al-Akbar: „Die Nähe und Entfernung zu Allah ist nicht im Sinne von Länge oder Distanz…“
Distanz ist nur vorstellbar, wenn zwei Entitäten räumlich voneinander getrennt sind. Um eine Distanz zu messen oder auch nur zu denken, brauchst du Punkte A und B in einem Raum. Das Akzeptieren einer Distanz macht den Ort automatisch existent selbst wenn man versucht, das Wort Ort zu vermeiden.
Und er sagte in al-Wasiyyah: „Wenn Er (jemals) des Sitzens (julus) und des Sesshaftwerdens (qarar) (auf dem Thron) bedürftig wäre, wo war Allah ta’ala dann vor der Erschaffung des Thrones? Möge Allah erhaben darüber sein, hoch und groß ist er.“
Diese Frage ist logisch zwingend. Wer Allah einen Ort, ein Sitzen oder ein Verweilen zuschreibt, muss erklären, wo Allah war, bevor es diesen Ort gab. Die Konsequenz wäre, dass man Allah eine Veränderung zuschreibt und jede Veränderung bedingt einen Anfang und dieses widerspricht Allahs Vollkommenheit.
Und er sagte in al-Fiqh al-Absat auf die Frage: „Wenn gefragt wird: ‚Wo ist Allah der Erhabene?‘, was ist zu antworten?“:
كان الله تعالى ولا مكان قبل أن يخلق الخلق، وكان الله تعالى ولم يكن أين ولا خلق ولا شىء، وهو خالق كل شىء
„Allah der Erhabene war, und es gab keinen Ort, bevor Er die Schöpfung erschuf. Und Allah der Erhabene war, und es gab kein ‚Wo?‘, es gab keine Schöpfung und nichts. Und Er ist der Schöpfer aller Dinge.“ („Al-Fiqh al-Absat“, Tahqiq al-Kawthari: S. 57)
Hier verneint Imām Abū Hanīfa ausdrücklich und unmissverständlich jedes „Wo“ in Bezug auf Allah.
Wie soll man also ernsthaft behaupten, Imām Abū Hanīfa habe den Hadith der Sklavin als Ortsbestimmung Allahs verstanden, während er gleichzeitig:
– Distanz in Bezug auf Allah verneint
– Richtung als Eigenschaft der Geschöpfe implizit ausschließt in Bezug auf Allah
– Sitzen und Ort zurückweist,
– und explizit erklärt, dass Allah kein „Wo“ hat?
Die Antwort ist so klar wie die Sonne. Imām Abū Hanīfa verstand die im Hadith gestellte Frage „Wo ist Allah?“ nicht als Frage nach einem Ort, sondern als Frage nach dem Rang und der Erhabenheit Allahs. Das Deuten zum Himmel bedeutete daher nicht, Allah einen räumlichen Ort zuzuschreiben, sondern brachte zum Ausdruck, dass Allah den höchsten Rang, die absolute Erhabenheit und Transzendenz über die Schöpfung besitzt.
Zusammenfassend haben wir erfahren:
– Abu Hanifa verneinte die Körperlichkeit in Bezug auf Allah sowie jegliche Ähnlichkeit mit der Schöpfung;
– Abu Hanifa interpretierte die Worte „yad“ und „wajh“ nicht metaphorisch, sondern bestätigte, dass diese Sifat (Attribute) sind, während er gleichzeitig seine Körperlichkeit und die Zuschreibung einer Form ablehnte;
– Abu Hanifa leugnet für Allah die Existenz von Grenzen (Hadd), einer Richtung (Jiha) und einer Distanz (Masafa)
– Abu Hanifa, sagt dass Allahs Rede ohne Buchstaben und Töne ist.
– Abu Hanifa sagt, dass alle Eigenschaften von Allah ewig sind und dass sie sich nicht verändern