Fünfundzwanzigstes Zitat: Imām Ibn ʿAqīl al-Hanbalī
Der Gegner sagt:
Imām Ibn ʿAqīl al-Hanbalī (gest. 513 n.H.) sagte, indem er sich an die Asha’irah wandte, die sich hinter der Rechtsschule von Shāfiʿī versteckten:
الشافعي لم يكن أشعريًّا، وأنتم أشعرية
„Ash-Shāfiʿī war kein Ash’ari, doch ihr seid Asha’riyyah.“
Dhayl Tabaqāt al-Hanābila, Ibn Rajab, Band 1, Seite 60.
Der Gegner fügt hinzu, dass Ibn ʿAqīl ein Buch zur Widerlegung der Asha’irah verfasst habe – al-Juzʾ fī usūl ad-dīn.
Antwort:
Ibn ʿAqīl hatte zweifellos einige Einwände gegen die Asha’irah. Diese kommen auch in seinem Werk ar-Radd ʿalā al-Ashāʿirah al-ʿuzzāl zum Ausdruck. Doch so paradox es klingen mag: Er war kein Gegner der Asha’irah als solcher.
Vielmehr richteten sich seine Vorbehalte gegen einzelne Fragen, etwa bezüglich der Rede Allahs (kalām Allāh) und anderer Detailpunkte.
In der Aussage „Ash-Shāfiʿī war kein Ash’ari, doch ihr seid Asha’riyyah“ will Ibn ʿAqīl nicht den Ashʿarismus verurteilen, sondern eine rhetorische Inkonsistenz aufzeigen. Die Bedeutung seiner Argumentation lautet: Wenn ihr (die Asha’irah) die Behauptung „Ash-Shāfiʿī war kein Ash’ari, doch ihr seid Asha’riyyah“ als unzutreffend zurückweist, dann müsst ihr ebenso anerkennen, dass auch die Behauptung „Die Hanabilah sind Anthropomorphisten, während Imām Ahmad keiner war“ falsch ist.
Um das zu verdeutlichen, zitieren wir den Bericht vollständig:
Imām Abū l-Faraj Ibn al-Jawzi (gest. 597 n.H.) – möge Allah ihm barmherzig sein – schreibt:
Ich überlieferte aus der Handschrift von Abū l-Wafāʾ Ibn ʿAqīl: „Als Nizām al-Mulk in jenem Jahr kam, sagte er: ‚Ich möchte die Hanabilah rufen und sie nach ihrer Lehre befragen, denn man hat mir berichtet, dass sie Anthropomorphisten seien.‘ Ich wollte eine passende Antwort vorbereiten und sagte: ‚Diese Gruppe soll über unseren Imām (Ahmad) befragt werden. Wenn sie einmütig bezeugen, dass er die Überlieferungen des Gesandten Allahs bewahrte und als vertrauenswürdig galt, dann besteht die Scharia ja aus nichts anderem als den Worten und Taten des Gesandten Allahs – außer in Fällen, in denen die Meinung (raʾy) in neuen Rechtsfragen eine Rolle spielt. Wir folgen also dem Madhab jenes Mannes, dessen Zuverlässigkeit sie gemeinsam anerkennen, so wie sie dem Madhab jener folgen, deren Freisein von Neuerungen wir anerkennen. Wenn sie zustimmen, dass wir seinem Weg folgen, dann erkennen sie damit auch unsere Rechtleitung an, denn wer dem Rechtgeleiteten folgt, ist selbst rechtgeleitet. Falls sie behaupten, wir hätten den Weg Ahmads verlassen und uns einer Richtung angeschlossen, die den Fuqahāʾ widerspricht, sollen sie dies darlegen, damit die Dinge klar werden. Wenn sie sagen: „Ahmad betrieb keine Anthropomorphisierung, doch ihr tut es“, so antworten wir: „Ash-Shāfiʿī war kein Ash’ari, doch ihr seid Asha’riyyah. Wenn diese Behauptung über euch eine Lüge ist, dann ist auch die über uns eine Lüge.“‘“ al-Muntazam, Ibn al-Jawzi, Band 16, Seite 95.
Die Bedeutung dieser Worte sind: Wenn die Asha’irah das Recht haben, die Zuschreibung bestimmter Lehren abzulehnen, dann haben auch die Hanabilah dasselbe Recht.
Das ist also kein eigenständiges theologisches Urteil Ibn ʿAqīls, sondern ein dialektisches Argument innerhalb einer polemischen Auseinandersetzung.
Zweitens: Nach seiner Reue über den Muʿtazilismus verfasste Ibn ʿAqīl das Buch al-Irshād fī al-iʿtiqād, in dem er in vielen Fragen der Glaubenslehre der Asha’irah übernahm, einschließlich der taʾwīl gewisser Attribute. Er näherte sich darin sogar den Asha’irah in der Frage der göttlichen Rede an.
Drittens: Ibn ʿAqīl war ein Hanbali seiner Zeit und stand naturgemäß auf ihrer Seite in den Konflikten mit den Asha’irah. Es überrascht daher nicht, dass er in bestimmten Fragen Kritik an ihnen äußerte. Doch obwohl er die Asha’irah in einzelnen Punkten tadelte, vertrat er in nahezu allen anderen Fragen Positionen der Asha’irah.
So lehnte er ab, dass Allah sich an einem Ort befinde, auf dem Thron sitze, Körperteile oder Gliedmaßen besitze. Er interpretierte die Überlieferungen über die göttlichen Attribute.
Ibn ʿAqīl (gest. 513 n.H.) – möge Allah ihm barmherzig sein – schreibt:
تعالى الله أن يكون له صفة تشغل الأمكنة، هذا عين التجسيم، وليس الحق بذي أجزاء وأبعاض يعالج بها
„Erhaben ist Allah darüber, dass Er ein Attribut hätte, das Raum einnimmt; das ist der Inbegriff der Verkörperung. Und al-Haqq (Allah) besitzt keine Teile oder Glieder, mit denen Er handelt.“
Dafʿ Shubah at-Tashbīh, Ibn al-Jawzi, Seite 86.
Im Grunde kann man sagen, dass Ibn ʿAqīls Kritik an den Asha’irah sich nur auf einige Detailfragen bezog, während sein gesamtes Werk al-Irshād eine systematische Widerlegung der Vorstellungen der heutigen Pseudo Salafiyyah darstellt. Unser Gegner zitiert selektiv nur jene Passagen, in denen Ibn ʿAqīl mit den Asha’irah polemisiert, und verschweigt die zahlreichen Stellen, an denen er Ideen der Pseudo Salafiyyah als Anthropomorphismus zurückweist.
Wenn ihr selbst seine Kritik nicht akzeptiert, warum wollt ihr sie dann gegen den Ashʿarismus verwenden? Trotz gewisser Kritikpunkte hielt Ibn ʿAqīl insgesamt an der Glaubenslehre der Asha’irah fest, ein Blick in al-Irshād genügt, um den Weg der Ash’ari Theologen darin zu erkennen.
Sechsundzwanzigstes Zitat: Qādī Ibn Abī Yaʿlā
Der Gegner sagt:
Qādī Ibn Abī Yaʿlā sagte in seinem Buch al-Iʿtiqād:
„Es ist verpflichtend, sich von den Anhängern der Neuerungen und Irrlehren fernzuhalten, wie den Anthropomorphisten, den Mujassimah (denen, die Allah Körperlichkeit zuschreiben), den Asha’riyyah, den Mu’tazilah, den Rafidah, den Murjia, den Qadariyyah, den Jahmiyyah, den Khawarij, den Sālimiyyah, den Karrāmīyyah und den übrigen verwerflichen Sekten.“ al-Iʿtiqād, Qādī Ibn Abī Yaʿlā, Seiten 42–46.
Antwort:
Tatsächlich findet sich bei Ibn Abī Yaʿlā und seinem Vater, Qādī Abū Yaʿlā, Kritik am Ashʿarismus. Diese Kritik darf jedoch nicht überbewertet werden, denn in den grundlegenden Fragen der Glaubenslehre (ʿAqīda) stimmten sie in Wirklichkeit weitgehend mit den Asha’irah überein.
Was das Werk al-Iʿtiqād betrifft, so basiert es, trotz der darin enthaltenen Einwände gegen einzelne Ash’aris, in seiner gesamten dogmatischen Grundlage auf den Prinzipien der klassischen Ash’ari Theologie.
Ibn Abī Yaʿlā (gest. 526 n.H.) schreibt:
فإن اعتقد معتقد في هذه الصفات ونظائرها مما وردت به الآثار الصحيحة التشبيه في الجسم والنوع والشكل والطول- فهو كافر
„Wenn jemand in Bezug auf diese und ähnliche Attribute, die in den authentischen Überlieferungen erwähnt werden, an eine Ähnlichkeit mit Geschöpfen glaubt in Körperlichkeit, Gestalt, Form oder Größe , so ist er ein Ungläubiger.“ al-Iʿtiqād, Qādī Ibn Abī Yaʿlā, Seite 31.
Wir fragen den Gegner:
Gehören solche Überlegungen über göttliche Attribute im Zusammenhang mit der Verneinung von Körperlichkeit, Form, Gestalt und Größe zum Salafismus oder sind sie Teil der Ash’ari Theologie? Ohne Zweifel wird er zugeben müssen, dass dies Teil des Ash’ari kalām ist.
Ibn Abī Yaʿlā schreibt weiter:
وكلام الله قديم غير مخلوق على كل الحالات وفي كل الجهات فهو كلام الله غير مخلوق ولا محدث ولا مفعول، ولا جسم ولا جوهر، ولا عرض. بل هو صفة من صفات ذاته. وهو شيء يخالف جميع الحوادث
„Die Rede Allahs ist ewig und unerschaffen, in jeder Hinsicht und in allen Dimensionen. Sie ist das Wort Allahs, unerschaffen, nicht neu entstanden, nicht hervorgebracht; sie ist kein Körper, keine Substanz und kein Akzidens. Vielmehr ist sie ein Attribut Seines Wesens, etwas, das sich von allem Geschaffenen unterscheidet.“ al-Iʿtiqād, Qādī Ibn Abī Yaʿlā, Seite 25.
Wir fragen den Gegner erneut:
Sind Überlegungen über Körper, Substanz und Akzidenzien Teil des Salafismus – oder des Ash’ari kalām? Auch hier muss er eingestehen, dass dies Ash’ari kalām ist.
Folglich ist die Kritik Ibn Abī Yaʿlās an den Asha’irah, obwohl sie existiert, nicht von substanziellem Gewicht, da er selbst in den Grundannahmen ihre Überzeugungen teilte.
Siebenundzwanzigstes Zitat: Abū l-Qāsim at-Taymī al-Asbahānī
Der Gegner sagt:
Der Imām widerlegt die Asha’irah fortwährend in seinem Buch über die Glaubenslehre al-Hujja fī bayān al-mahajja, indem er sie namentlich nennt, ihre Ansichten außerhalb der Position von Ahl as-Sunna stellt und sowohl selbst als auch mit Zustimmung anderer Gelehrter der Ahl as-Sunna zwischen den Asha’irah und Ahl as-Sunna unterscheidet.
Antwort:
Abū l-Qāsim at-Taymī hat tatsächlich einige einzelne Ansichten der Asha’irah kritisch kommentiert, doch das kann nicht als generelle Kritik am Ashʿarismus verstanden werden.
Man muss unterscheiden zwischen der Kritik einer bestimmten Meinung und der Ablehnung einer ganzen Schule. Es gibt keinerlei Belege dafür, dass Abū l-Qāsim at-Taymī den Ash’ari Madhab als solchen ablehnte. Seine Anmerkungen betreffen lediglich einige spezifische Punkte, in denen selbst unter den Asha’irah unterschiedliche Auffassungen bestanden. Er kritisierte hauptsächlich Ansichten zur Rede Allahs und einige Deutungen der Frage des Glaubens (īmān). Dass er in diesen Punkten Kritik äußerte, bedeutet nicht, dass er den Asha’irah insgesamt feindlich gegenüberstand.
Zweitens: In seinem Werk al-Hujja fī bayān al-mahajja vertritt Abū l-Qāsim at-Taymī in vielerlei Hinsicht Ash’ari Positionen. So erklärt er etwa, dass die Qurʾānverse über die göttlichen Attribute zu den mutashābihāt (mehrdeutigen Texten) gehören, was der Position der Asha’irah entspricht. Er überliefert die Ablehnung des „Berührens“ (mumāssa) durch Allah als Ansicht der Ahl as-Sunna. Er zitiert Abū l-Muzaffar as-Samʿānī zur Frage des tahsīn wa-taqbīh (der Bestimmung von Gut und Böse) als Position der Ahl as-Sunna. Er verweist mehrfach auf Ash’ari Gelehrte und führt etwa al-Bāqillānī und Ibn Fūrak als Beleg an.
Imām Abū l-Qāsim al-Asbahānī (gest. 535 n.H.) – möge Allah ihm barmherzig sein – schreibt:
قال أهل السنة: خلق الله السموات والأرض، وكان عرشه على الماء مخلوقا قبل خلق السموات والأرض. ثم استوى على العرش بعد خلق السموات والأرض على ما ورد به النص. وليس معناه المماسة، بل هو مستو على عرشه بلا كيف، كما أخبر عن نفسه
„Die Ahl as-Sunna sagten: Allah erschuf die Himmel und die Erde, und Sein Thron war auf dem Wasser – erschaffen vor der Erschaffung der Himmel und der Erde. Danach machte er istiwa über den Thron nach der Erschaffung der Himmel und der Erde, wie es der Text besagt. Sein ‚Erheben‘ bedeutet jedoch kein Berühren (mumāssa). Vielmehr ist Er mustawi über Seinem Thron, ohne ein ‚Wie‘, so wie Er selbst von Sich berichtet hat.“ al-Hujja fī bayān al-Mahajja Band 2, Seite 117.
Diese Überzeugung Abū l-Qāsim al-Asbahānīs, in der er das Berühren (mumāssa) von Allah verneint, steht im Gegensatz zu den Ansichten vieler Salafiten.
Der Shaykh der Wahabiyyah Sulaymān ibn Sahmān schreibt:
ولَفْظُ المماسة لفظ مخترع مبتدع، لم يقله أحد ممن يقتدى به ويتبع، فإن أريد به نفي ما دلت عليه النصوص من الاستواء والعلو والارتفاع والفوقية، فهو قول باطل ضال قائله، مخالف للكتاب والسنة ولإجماع سلف الأمة مكابر للعقول الصحيحة والنصوص الصريحة وهو جهمي لا ريب
„Der Ausdruck mumāssa (Berührung) ist ein erfundenes, innoviertes Wort, das niemand von denen verwendet hat, denen man folgt. Wenn damit gemeint ist, das zu verneinen, worauf die Texte bezüglich istiwāʾ (Erhöhung), ʿuluww (Erhabenheit), irtifāʿ (Erhöhung) und fauqiyya (Überlegenheit) hinweisen, dann ist das eine falsche Aussage. Wer so spricht, ist fehlgeleitet, widerspricht dem Buch (Koran), der Sunna und dem Konsens der frühen Muslime, leugnet die gesunde Vernunft und die klaren Texte – und ist zweifellos ein Jahmi.“ Tanbīh Dhawī al-Albāb, Sulaymān Ibn Sahmān, Seite 4.
Daher ist es eine Verzerrung seitens des Gegners, den Namen Abū l-Qāsim at-Taymī zu verwenden, um ihn als Gegner der Asha’irah darzustellen.
Achtundzwanzigstes Zitat: Imām Ibn Abī l-Khayr al-ʿImrānī ash-Shāfiʿī
Der Gegner sagt:
Imām Ibn Abī l-Khayr al-ʿImrānī ash-Shāfiʿī sagte:
فصل قد ذكرنا في أول الكتاب أن عند أصحاب الحديث والسنة أن الله سبحانه بذاته بائن عن خلقه، على العرش استوى فوق السموات، غير مماس له، وعلمه محيط بالأشياء كلها
„Abschnitt: Wir erwähnten zu Beginn des Buches, dass die Anhänger des Hadith und der Sunna die Überzeugung haben, dass Allah gepriesen sei Er, Seinem Wesen nach von Seiner Schöpfung getrennt ist, über dem Thron istiwa über den Himmeln, ohne ihn zu berühren, und dass Sein Wissen alle Dinge umfasst.“
Antwort:
Was den Imām Ibn Abī l-Khayr al-ʿImrānī ash-Shāfiʿī betrifft, so hatte er gewisse Vorbehalte gegenüber den Asha’irah in der Frage der Hoheit (ʿulūw) Allahs – jedoch aus Unkenntnis über die Lehre der Asha’irah in diesem Punkt.
Zweitens: Wenn wir die Ansichten al-ʿImrānīs in seinem Werk al-Intisār betrachten, einem Buch, über das sein Schüler Ibn Samura berichtet, dass die Gelehrten des Jemen sich darüber freuten, es abschrieben, lasen und seine Überzeugungen übernahmen –, so erkennen wir, dass al-ʿImrānī in Fragen der göttlichen Attribute der Ash’ari Methode folgt. Er lehrt, dass die Attribute Allahs weder identisch mit Seinem Wesen noch etwas von Ihm Verschiedenes sind.
In Fragen der menschlichen Handlungen folgt er der Ash’ari Lehre des kasb (Erwerbs).
Im gesamten Werk verwendet er wiederholt Begriffe und Argumentationsmuster des klassischen Ash’ari kalām.
Imām Ibn Abī l-Khayr al-ʿImrānī ash-Shāfiʿī (gest. 558 n.H.) – möge Allah ihm barmherzig sein – schreibt:
والسادس : أن يقال : لما كانت ذات الله سبحانه لیست من جنس المخلوقات من الجواهر والأجسام والأعراض، ولا يفتقر وجوده إلى مكان وزمان لم يجز وصفه بأنه
„Sechstens: Es ist zu sagen, dass das Wesen Allahs – gepriesen sei Er – nicht zur Art der geschaffenen Dinge gehört, weder zu den Substanzen (jawāhir), noch zu den Körpern (ajsām), noch zu den Akzidenzien (aʿrād); und da Seine Existenz weder Raum noch Zeit benötigt, ist es unzulässig, Ihn als etwas Geschaffenes zu beschreiben.“ al-Intisār fī radd ʿalā al-Muʿtazilah, al-ʿImrānī, Seite 171.
Wir fragen den Gegner:
Gehört die Aussage, dass das Wesen Allahs weder Körper noch Akzidenz noch Substanz ist, zur Lehre des Salafismus oder ist sie Teil des Ash’ari kalām? Ohne Zweifel wird er zugeben, dass dies Ash’ari kalām ist.
Imām Ibn Abī l-Khayr al-ʿImrānī ash-Shāfiʿī verneint von Allah die Begriffe „Ort“, „Richtung“ und „Zeit“. Er schreibt:
والجواب : أنا وإن قلنا إنه على العرش كما أخبر بكتابه وأخبر به نبيه فلا نقول إنه محدود ولا إنه يفتقر إلى مكان ولا تحيط به جهة ولا كان بل كان ولا مكانا ولا زمان ثم خلق المكان والزمان واستوى على العرش
„Und die Antwort lautet: Auch wenn wir sagen, dass Er über dem Thron ist, wie Er es in Seinem Buch berichtete und wie es Sein Prophet überlieferte, so sagen wir nicht, dass Er begrenzt ist oder dass Er eines Ortes bedarf oder dass Ihn eine Richtung oder ein Ort umgibt. Er war, als es weder Ort noch Zeit gab; dann erschuf Er Ort und Zeit und machte istiwa über den Thron.“ al-Intisār fī radd ʿalā al-Muʿtazilah, al-ʿImrānī, Seite 621.
Wir fragen den Gegner: Gehört die Verneinung von Richtung und Ort zur Lehre des Salafismus Terminologie oder ist sie Teil des Ash’ari kalām?
Die Antwort liegt auf der Hand.
Unser Gegner verweist in seiner Arbeit häufig auf die Kritik am kalām, die von Ibn Khuwayz, Ibn ʿAbd al-Barr und anderen geäußert wurde.
Doch er wendet diese Kritik ausschließlich auf die Theologen der Asha’irah an. Diejenigen mutakallimūn, die bestimmte Aspekte des Ashʿarismus kritisierten, bezeichnet er dagegen als „Gelehrte der Sunna“. Tatsächlich sind jedoch auch sie selbst mutakallimūn und fallen somit unter denselben kritischen Maßstab, den er an die Asha’irah anlegt.
Damit kann im Grunde jeder der von ihm angeführten Gelehrten – bei konsequenter Anwendung seiner eigenen Logik – zum Ziel seiner eigenen Kritik werden. Das zeigt die doppelten Maßstäbe und die mangelnde wissenschaftliche Qualität seiner Schrift.
Wenn wir die theologischen Erörterungen al-ʿImrānīs in al-Intisār der Reihe nach betrachten, sehen wir, dass er sie entsprechend der klassischen Struktur der Kalām Wissenschaft behandelt. Darüber hinaus benutzt al-ʿImrānī in seiner Widerlegung der Mu’tazilah Argumente der Asha’irah. Ein Beispiel ist seine Verwendung des bekannten Arguments von al-Ashʿarī über die „drei Brüder“ gegen seinen Lehrer Abū ʿAlī al-Jubbāʾī – ein Argument, das al-Jubbāʾī in Verlegenheit brachte und das zur Abkehr al-Ashʿarīs vom Muʿtazilismus führte.
Das einzige offenkundige Meinungsverschieden zwischen den Asha’irah und Imām al-ʿImrānī betrifft also nicht den kalām selbst, sondern lediglich die Fragen der göttlichen Rede (kalām Allāh) und der Hoheit (ʿulūw).
Neunundzwanzigstes Zitat: Imām Ibn Hubayra
Der Gegner sagt:
Der bekannte Gelehrte, Imām und rechtschaffene Wesir Ibn Hubayra al-Hanbalī sagte:
واللّه ما نترك أمير المؤمنين علي بن أبي طالب مع الرافضة نحن أحق به منهم، لأنه منا ونحن منه، ولا نترك الشافعي مع الأشعرية فإنا أحق به منهم
„Bei Allah, wir werden den Fürsten der Gläubigen ʿAlī ibn Abī Tālib nicht den Rāfidah überlassen, wir haben mehr Anspruch auf ihn als sie, denn er ist von uns und wir sind von ihm. Und ebenso werden wir ash-Shāfiʿī nicht den Asha’riyyah überlassen, wir haben mehr Anspruch auf ihn als sie.“ Dhayl Tabaqāt al-Hanābila, Ibn Rajab, Band 1, Seite 111.
Antwort:
Ich bin der Ansicht, dass die Worte Ibn Hubayras nicht aus dem Zusammenhang gerissen werden dürfen.
Ibn Rajab al-Hanbalī überliefert, nach den Worten von Ibn al-Jawzi, in der Biographie von Ibn Hunayra al-Ḥanbalī (499–560 n.H.) seine Aussagen über die göttlichen Attribute (sifāt):
ومن كلامه في السنة: قال أَبُو الفرج بن الجوزي: سمعت الوزير يقول: تأويل الصفات أقرب إلى الحظ من إثباتها على وجه التشبيه فإن ذلك كفر. وهذا غايته البدعة. قال وسمعته ينشد لنفسه: لا قول عند آية المتشابه … للراسخين غير ” آمنا به ” قال: وسمعته يقول: تفكرت في أخبار الصفات، فرأيت الصحابة والتابعين سكتوا عن تفسيرها، مع قوة علمهم، فنظرت السبب في سكوتهم، فإذا هو قوة الهيبة للموصوف، ولأن تفسيرها لا يتأتى إلا بضرب الأمثال لله، وقد قال عز وجل: ” تَضْرِبُوا لِلَّهِ الأَمْثَالَ ” النحل: 74، قَالَ: وَكان يقول: لا يفسر على الحقيقة ولا على المجاز لأن حملها على الحقيقة تشبيه، وعلى المجاز بدعة. قال: وسمعته يقول: والله ما نترك أمير المؤمنين علي بن أبي طالب مع الرافضة نحن أحق به منهم، لأنه منا ونحن منه، ولا نترك الشافعي مع الأشعرية فإنا أحق به منهم.
„Zu seinen Worten über die Sunna (im Sinne der Glaubenslehre) sagte Abū l-Faraj Ibn al-Jawzi:
Ich hörte den Wesir sagen: ‚Die Interpretation (taʾwīl) der göttlichen Attribute ist der Wahrheit näher als ihre wörtliche Bejahung im Sinne einer Ähnlichkeit (tashbīh), denn Letzteres ist Unglaube, während Ersteres höchstens ein Neuerungsaspekt ist.‘
Ich hörte ihn (den Wesir) ein Gedicht rezitieren:
‚Kein Wort zu den mehrdeutigen Versen … außer für die Festgegründeten im Wissen: “Wir glauben daran.”‘
Ich hörte ihn sagen: ‚Ich dachte über die Überlieferungen zu den göttlichen Attributen nach und sah, dass die Gefährten und die Nachfolger auf deren Erklärung verzichteten, trotz ihres großen Wissens. Ich überlegte über den Grund ihres Schweigens, und er war die Ehrfurcht vor Dem, der beschrieben wird, denn ihre Erklärung wäre nur durch Gleichsetzungen mit Allah möglich. Wahrlich, der Erhabene sagte: “Und setzt Allah keine Gleichnisse” (Sure an-Nahl, 74).‘
Er pflegte zu sagen: ‚Man deutet sie weder im wörtlichen (haqīqa) noch im übertragenen (majāz) Sinn aus, denn das Verständnis im wörtlichen Sinn ist Anthropomorphismus, und das Verständnis im übertragenen Sinn ist eine Neuerung.‘
Und ich hörte ihn sagen: ‚Bei Allah, wir werden den Fürsten der Gläubigen ʿAlī ibn Abī Tālib nicht den Rāfidah überlassen, wir haben mehr Anspruch auf ihn als sie, denn er ist von uns und wir sind von ihm. Und wir werden ash-Shāfiʿī nicht den Asha’riyyah überlassen, wir haben mehr Anspruch auf ihn als sie.‘“ Dhayl Tabaqāt al-Hanābila
Wir sehen also: Ibn Hubayra vertritt in seinen Aussagen genau die Überzeugungen der Asha’irah. Seine Kritik am Ashʿarismus betrifft nicht dessen grundlegende Glaubensprinzipien, sondern entspringt dem konfessionellen Spannungsumfeld seiner Zeit.