Die glaubenslehre der Ahlu Sunnah

Die Asha'irah und Maturidiyyah


Klarstellung gegenüber den Behauptungen über die Ashaʿirah – Teil 4

Zwölftes Zitat: Abu al-Abbas Ahmad an-Nahawandi und Abu Abdullah ad-Dinawari

Der Gegner sagt:

Shaykh al-Islam Abu Isma’il al-Ansari al-Harawi al-Hanbali as-Sufi (gest. 481 n.H.) berichtet in seinem Werk „Dhamm al-Kalaam wa Ahlihi“:

1295 – وسمعت أحمد بن حمزة وأبا علي الحداد يقولون: وجدنا أبا العباس أحمد بن محمد النهاوندي على الإنكار على أهل الكلام وتكفير الأشعرية. وذكرا عظم شأنه في الإنكار على أبي الفوارس القرماسيني وهجرانه إياه لحرف واحد.

1295 – Ich hörte Ahmad ibn Hamza und Abi Ali al-Haddad, dass sie sagten: „Wir fanden Abu al-Abbas Ahmad an-Nahawandi die Ahlul-Kalaam ablehnend vor und Takfir auf die Ash’ariyya machend. Und sie erwähnten seine große Haltung in der Ablehnung von Abu al-Fawaris al-Qarmasini und sein Boykott ihm gegenüber aufgrund eines einzigen Buchstaben.“

1296 – سمعت أحمد بن حمزة يقول: لما اشتد الهجران بين النهاوندي وأبي الفوارس سألوا أبا عبد الله الدينوري؛ فقال: لقيت ألف شيخ على ما عليه النهاوندي.

1296 – Ich hörte von Ahmad ibn Hamza, dass er sagte: „Als sich die Meinungsverschiedenheit zwischen an-Nahawandi und Abu al-Fawaris verschärften, fragten sie Abu Abdullah ad-Dinawari, der sagte: „Ich traf tausend Shuyukh, sie alle waren auf der Ansicht von an-Nahawandi.“

Antwort:

Wir haben keine Biographie von Ahmad ibn Hamza und Abi Ali al-Haddad gefunden. Ihr Status ist uns unbekannt. Folglich ist diese Überlieferung nicht zuverlässig. Abu al-Fawaris al-Qarmasini ist ebenfalls unbekannt.

Dreizehntes Zitat: Abū ʿAbdullāh ibn Hāmid

Der Gegner sagt:

Shaykh al-Islām Ibn Taymiyya sagte über al-Bāqillānī:

قام عليه الشيخ أبو حامد و الشيخ أبو عبد الله بن حامد وغيرهما من العلماء من أهل العراق وخراسان والشام وأهل الحجاز ومصر

„Gegen ihn erhoben sich Shaykh Abū Hāmid (al-Isfarāʾīnī), Shaykh Abū ʿAbdullāh ibn Hāmid und andere Gelehrte aus dem Irak, Khorasan, ash-Shām, dem Hijaz und Ägypten.“ Darʾ at-Taʿārud, Ibn Taymiyya (B. 1, S. 283).

Antwort:

Abū ʿAbdullāh ibn Hāmid war bekannt als Anhänger des Anthropomorphismus. Daher kann seine Kritik, selbst wenn sie tatsächlich stattgefunden haben sollte, nicht als bedeutend angesehen werden. Er war für seine Übertreibung in dieser Angelegenheit bekannt, weshalb dies kein gültiges Argument ist.

Imām Abū l-Faraj Ibn al-Jawzi beschuldigte ihn des Tajsīm, und die Hanabilah betrachteten ihn als mushabbih. 

Ibn al-Jawzi schreibt:

قال ابن حامد المجسم

„Ibn Hāmid der Mujassim sagte.“ Dafʿ Shubah at-Tashbīh, Ibn al-Jawzi (S. 128).

Auch überliefert Ibn Taymiyya von den Hanabilah, dass Ibn Hāmid der Richtung der mushabbihah zugerechnet wurde.

Ibn Taymiyya schreibt:

ولهذا يقول بعض الحنبلية أنا أثبت متوسطا بين تعطيل ابن عقيل وتشبيه ابن حامد.

„Deshalb sagten einige Hanabilah: ‚Ich befinde mich in einer mittleren Position zwischen der Negation Ibn ʿAqīls und der Anthropomorphisierung Ibn Hāmids.‘“ 

Majmūʿ al-Fatāwā, Ibn Taymiyya (B. 6, S. 54).

Vierzehntes Zitat: Abū Hāmid al-Isfarāʾīnī

Der Gegner sagt:

Imām Abū Hāmid al-Isfarāʾīnī ash-Shāfiʿī sagte:

مذهب الشافعي وسائر الأئمة في القرآن خلاف قول الأشعري وقولهم هو قول الإمام أحمد

„Die Madhab von ash-Shāfiʿī und allen Imamen des Qurʾān widerspricht der Aussage al-Ashʿarīs und ihre Aussage ist die Aussage von Imām Ahmad.“ 

at-Tahbīr sharh at-Tahrīr, ʿAlāʾ ad-Dīn ad-Dimashqi (S. 1281).

Antwort:

Das Werk at-Tahbīr sharh at-Tahrīr, das als Quelle dafür dient, stammt von ʿAlāʾ ad-Dīn ad-Dimashqī (gest. 885 n.H). Ähnliche Zitate finden sich auch in den Schriften Ibn Taymiyyas, jedoch besitzen sie keine verlässliche Überlieferungskette, die unmittelbar auf Abū Ḥāmid al-Isfarāʾīnī zurückgeht. Diese Aussagen finden sich weder in den eigenen Schriften al-Isfarāʾīnīs noch in frühen zuverlässigen Quellen, und sie werden auch nicht von seinen direkten Schülern überliefert.

Der Gegner sagt:

Ebenso sagte der Imām und Mujaddid Abū Hāmid al-Isfarāʾīnī ash-Shāfiʿī:

أَنَا بَرِيءٌ مِنْ مَذْهَبِ الْبَاقِلَّانِيِّ , وَعَقِيدَتِهِ

„Ich bin frei von der Madhab und der ʿAqīda al-Bāqillānīs!“

Und er sagte zu seinem Schüler: 

يَا بُنَيَّ , بَلَغَنِي أَنَّك تَدْخُلُ عَلَى هَذَا الرَّجُلِ يَعْنِي الْبَاقِلَّانِيَّ فَإِيَّاكَ وَإِيَّاهُ فَإِنَّهُ مُبْتَدِعٌ يَدْعُو النَّاسَ إِلَى الضَّلَالِ. وَإِلَّا فَلَا تَحْضُرْ مَجْلِسِي

„O mein Sohn, es ist mir zu Ohren gekommen, dass du diesen Mann, nämlich al-Bāqillānī besuchst. Hüte dich vor ihm und vor seiner Gesellschaft! Wahrlich, er ist ein Neuerer (mubtadiʿ), der die Menschen in die Irre ruft! Und wenn du meinem Rat nicht folgst, dann besuche meine Versammlungen nicht mehr!“ 

Iqāmat ad-Dalīl ʿalā Ibtāl at-Tahlīl, Ibn Taymiyya (B. 2, S. 130).

Antwort:

Die Kritik des Imām Abū Hāmid al-Isfarāʾīnī an Imām Abū Bakr al-Bāqillānī wird durch keine zuverlässigen oder authentischen Quellen bestätigt.

Die Hauptquelle dieser Behauptung sind die Zitate, die Abū l-Ḥasan al-Karajī in seinem Werk al-Fusūl fī al-usūl angeführt haben soll, ein Werk, das ausschließlich durch Ibn Taymiyya erwähnt wird.

Es bestehen jedoch erhebliche Zweifel daran, dass dieses Buch tatsächlich von al-Karajī stammt, da kein anderer Gelehrter außer Ibn Taymiyya dieses Werk erwähnt. Bemerkenswert ist, dass Ibn Taymiyya es ausschließlich im Zusammenhang mit der Kritik an al-Bāqillānī und den Asha’irah zitiert.

Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass Ibn Taymiyya das Buch irrtümlich al-Karajī zuschrieb, da es in der Liste seiner bekannten Werke nicht vorkommt.

Es gibt keinen Grund zum Vertrauen in das, was al-Karajī an Kritik gegenüber al-Bāqillānī zugeschrieben wird, nachdem festgestellt wurde, dass das Werk „al-Fusūl fī al-usūl“ von keinem einzigen Gelehrten außer Ibn Taymiyya als sein Werk bestätigt wurde – und Ibn Taymiyya war bekanntlich ein ideologischer Gegner der Asha’irah.

Darüber hinaus, selbst wenn man hypothetisch annimmt, dass dieses Buch tatsächlich von al-Karajī stammte, so würde dies den Inhalt nicht automatisch glaubwürdig machen, da der Zustand vieler seiner Lehrer (und deren Lehrer), die diese Berichte überliefern, unbekannt ist.

In manchen Handschriften der Werke Ibn Taymiyyas wird anstatt „Abū l-Hasan al-Karajī“ der Name „Abū l-Hasan al-Karakhī“ erwähnt.

Es ist möglich, dass Ibn Taymiyya tatsächlich über Abū l-Hasan al-Karakhī, den Gelehrten der Mu’tazilah aus Baghdad schrieb – dieser starb jedoch, als Imām al-Bāqillānī erst zwei Jahre alt war, und konnte daher keine Kritik an ihm überliefern.

Diese Annahme wird dadurch gestützt, dass das Buch „al-Fusūl fī al-usūl“ von Abū Bakr al-Jassās al-Ḥanafī, einem Schüler des genannten al-Karakhī, verfasst wurde – und auch dieser starb vor der Geburt al-Bāqillānīs und konnte daher nicht über ihn berichten.

Es ist also nicht ausgeschlossen, dass Ibn Taymiyya die Quellen verwechselte und von al-Karakhī nicht authentische Berichte überlieferte. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es sich um Schreibfehler von Kopisten der Werke Ibn Taymiyyas handelt, die den Namen al-Karajī fälschlich anstelle von al-Karakhī schrieben.

Wären diese Berichte über Imām al-Bāqillānī authentisch, hätte sie al-Khaṭīb al-Baghdādī in seinem Werk „Tārīkh Baghdād“ aufgenommen, denn er verfügte über bekanntere und verlässlichere Überlieferungsketten zu den Bewohnern Baghdads. Al-Khatīb al-Baghdādī pflegte sowohl Lob als auch Kritik zu überliefern, doch in der von ihm verfassten Biografie al-Bāqillānīs findet sich nichts außer Lob.

Ebenso erscheinen solche Berichte nicht in der Biografie von Abū Hāmid al-Isfarāyinī, was bemerkenswert ist, da eine Konfrontation zweier berühmter Zeitgenossen Baghdads, die beide als „Mujaddid“ ihres Jahrhunderts galten, kaum unbemerkt geblieben wäre, sodass sie nur in zweifelhaften und unbelegten Quellen erwähnt würde.

Daher ist es wahrscheinlich, dass diese angeblichen Kritiken al-Isfarāyinīs von Neidern Imām al-Bāqillānīs erfunden und al-Karajī  zugeschrieben wurden.

Fünfzehntes Zitat: Abū ʿUmar al-Bastamī

Der Gegner sagt:

Shaykh al-Islām Abū Ismāʿīl al-Harawī al-Ansārī sagte: „Ich hörte al-Hākim ʿAdnān ibn ʿUbdah an-Numayrī sagen: Ich hörte Abū ʿUmar al-Bastamī sagen:

كَانَ أَبُو الحَسَنِ الأَشْعَرِيُّ أَوَّلاً يَنْتَحِلُ الِاعْتِزَالَ، ثُمَّ رَجَعَ فَتَكَلَّمَ عَلَيْهِمْ، وَإِنَّمَا مَذْهَبُهُ التَّعْطِيلُ، إِلَّا أَنَّهُ رَجَعَ مِنَ التَّصْرِيحِ إِلَى التَّمْوِيهِ

„Abū l-Hasan al-Ashʿarī war zunächst Anhänger des Muʿtazilī Glaubens, dann wandte er sich von ihnen ab und sprach gegen sie. Doch seine Glaubensrichtung ist in Wirklichkeit die Verneinung der göttlichen Attribute; er kehrte nur vom offenen Leugnen zur Verschleierung zurück.“ Dhamm al-Kalām, al-Harawī (B. 4, S. 408).

Antwort:

Darauf kann man aus mehreren Blickwinkeln antworten:

Erstens: Der Autor überliefert diese Aussage durch eine Person namens al-Hākim ʿAdnān ibn ʿUbdah an-Numayrī, über dessen Zuverlässigkeit nichts bekannt ist.

Zweitens: Diese Behauptung ist offensichtlich absurd und höchstwahrscheinlich falsch Ibn al-Basṭamī zugeschrieben. Sie stellt irrig dar, dass die Reue al-Ashʿarīs vom Glauben der Mu’tazilah unaufrichtig gewesen sei, als ob es sich um Heuchelei und Täuschung gehandelt habe.

Doch es ist allgemein bekannt unter den  Biographen und Historikern, ebenso bei den meisten Wahabiten, dass al-Ashʿarī sich tatsächlich von der Madhab der Muʿtazilah losgesagt hat.

Die Absurdität dieser Aussage veranlasste sogar den Salafi Forscher der Ausgabe von „Dhamm al-Kalām“, Rāshid Hasan Muḥammad ʿAlī, eine kritische Fußnote dazu zu schreiben. Darin betont er ausdrücklich, dass al-Ashʿarī wirklich von der Muʿtazila reuigen Abstand nahm.

Sechzehntes Zitat: Abū Saʿd al-Khalīl al-Ansārī

Der Gegner sagt:

Imām Abū Saʿd al-Khalīl al-Ansārī sagte, als in seiner Gegenwart ein Gelehrter der Asha’irah namens ad-Dīnārī erwähnt wurde:

وَإِيَّاهُ فَلَعَنَ اللهُ لِأَنَّهُ كُلَّابِيٌّ

„Und ihn hat Allah verflucht, denn er ist ein Kullabī.“ 

Jamʿ al-Juyūsch wa ad-dasākir, Ibn Mibrad (S. 107).

Antwort:

Der Autor des Werkes „Jamʿ al-Juyūsch wa ad-dasākir“, Ibn Mibrad, überliefert diese Aussage aus dem Buch „Dhamm al-Kalām“ von Abū Ismāʿīl al-Harawī.

Dieser wiederum bezieht sich auf Abū l-Ḥusayn at-Tāhir ibn Muhammad al-Malīnī, von dem er angeblich diese Geschichte gehört habe.

Doch über diesen Überlieferer ist nichts bekannt, weder seine Biographie noch seine Vertrauenswürdigkeit.

Siebzehntes Zitat: ʿUmar ibn Ibrāhīm al-Harawī

Der Gegner sagt:

Der Hāfiz ʿUmar ibn Ibrāhīm ibn Ismāʿīl al-Fadl ibn Abī Saʿīd al-Harawī (gest. 418 n. H.) sagte:

لَا تَحِلُّ ذَبَائِحُ الأَشْعَرِيَّةِ، لأَنَّهُمْ لَيْسُوا بِمُسْلِمِينَ، وَلا بِأَهْلِ كِتَابٍ، وَلا يُثَبِّتُونَ فِي الأَرْضِ كِتَابَ اللَّهِ

„Es ist nicht erlaubt, dass geschlachtete Fleisch der Asha’irah zu essen, denn sie sind weder Muslime noch Leute der Schrift, und sie bestätigen auf Erden nicht das Buch Allahs.“ 

Jamʿ al-Juyūsch wa-d-Dasākir, Ibn Mibrad (S. 118).

Antwort:

Auch hierzu gibt es mehrere Erwiderungen:

Erstens: Diese Überlieferung ist nicht authentisch, weil in der Überlieferungskette Bilāl ibn Abī Mansūr ist, der Unbekannt ist.

Zweitens: Diese Aussage widerspricht der Position der Mehrheit der Gelehrten der Wahabiten, die keinen Takfīr über die Asha’irah sprechen.

Der Wahabi Forscher der Ausgabe von „Dhamm al-Kalām“ kommentiert:

وَأَمَّا الأَشَاعِرَةُ فَلَا شَكَّ فِي إِسْلَامِهِمْ عَلَى بِدَعٍ عِندَهُمْ لَا تُخْرِجُهُمْ مِنَ الإِسْلَامِ

„Was die Asha’irah betrifft, so besteht kein Zweifel an ihrem Islam, trotz der Neuerungen, die sie haben, die sie jedoch nicht aus dem Islam herausführen.“ 

Jamʿ al-Juyūsch wa-d-Dasākir, Ibn Mibrad (S. 118).

Wir akzeptieren weder diese Überlieferung, die den Asha’irah den Glauben abspricht , da sie nicht authentisch ist, noch die Behauptung des Forschers, dass die Asha’irah Erneuerer seien.

Im Gegenteil: Die Asha’irah gehören zu Ahl as-Sunna.

Achtzehntes Zitat: Sultan Mahmūd ibn Sabuktagīn

Der Gegner sagt:

Ibn al-Qayyim sagte über den Sultan der Sunnah, Mahmūd ibn Sabuktagīn sprechend:

وتناظر عنده ابن الهيضم وابن فورك في مسألة العلو فرأى قوة كلام ابن الهيضم فرجح ذلك ويقال إنه قال لابن فورك فلو أردت أن تصف المعدوم كيف كنت تصفه بأكثر من هذا وقال فرق لي بين هذا الرب الذي تصفه وبين المعدوم وأن ابن فورك كتب إلى أبي إسحاق الإسفراييني يطلب الجواب عن ذلك فلم يكن الجواب إلا أنه لو كان فوق العرش للزم أن يكون جسما ومن الناس من يقول إن السلطان لما ظهر له فساد قول ابن فورك سقاه السم حتى قتله

„Und bei ihm disputierten Ibn al-Haydam und Ibn Fūrak über die Frage der Erhabenheit (ʿulūw).

Da sah er (der Sultan) die Stärke der Worte Ibn al-Haydams, und er bevorzugte dies. Und es wird gesagt, dass er zu Ibn Fūrak sagte: „Wenn du das nicht Existente beschreiben wolltest, wie würdest du es beschreiben – stärker als dies?“

Und er sagte: „Unterscheide für mich zwischen diesem Herrn, den du beschreibst, und dem nicht Existenten.“ Und dass Ibn Fūrak an Abū Ishāq al-Isfarāyinī schrieb und die Antwort auf dies verlangte. Doch die Antwort war nichts anderes als: „Wenn Er über dem Thron wäre, dann würde daraus folgen, dass Er ein Körper ist.“ Und unter den Menschen gibt es jene, die sagen, dass der Sultan, als ihm die Verderbtheit der Aussage Ibn Fūraks offenbar wurde, ihm Gift zu trinken gab, bis er ihn tötete.“ 

Antwort:

Die Geschichte über Ibn Fūrak und den Herrscher Mahmūd ibn Sabuktagīn wird in verschiedenen Versionen erwähnt. Doch jene, auf die sich unser Gegner stützt, ist die schwächste und am wenigsten zuverlässige.

Erstens, sie widerspricht den zuverlässigeren und verbreiteteren Beschreibungen jener Ereignisse und ist auch unlogisch.

Zweitens, diese Version wird in einer Form überliefert wie: „Einige Menschen begannen zu sagen…“ Wo sind also die Zeugnisse der Schüler Ibn Fūraks oder seiner Zeitgenossen, die bestätigen, dass Mahmūd ibn Sabuktagīn ihn gerade wegen der Meinungsverschiedenheit in der Frage der Hoheit (ʿulūw) vergiftete?

Mehr noch, wenn man zugesteht, dass Sabuktagīn tatsächlich Gelehrte wegen dieser Angelegenheit tötete, warum verfuhr er dann nicht ebenso mit den übrigen Gelehrten der Asha’irah, von denen es damals viele gab?

Ja, es wird eine Version erwähnt, dass Mahmūd ibn Sabuktagīn Leute sandte, um Ibn Fūrak zu vergiften und diese Version wird von Ibn Kathir erwähnt, aber Ibn Kathir erwähnt eine gänzlich andere Ursache für diese Tat.

Imām Ibn Kathir (gestorben 774 n.H.) – möge Allah sich seiner erbarmen – schreibt:

قلت: وكذا ذكر أبو محمد ابن حزم، وأبو الوليد الباجي، والشيخ أبو عمرو بن الصلاح، وغيرهم: أن الكرامية وشوا به إلى محمود بن سبكتكين، وناظروه عنده، فأراد قتله ثم تركه، فلما رجع من عنده، بعث من سمه في الطريق، فالله أعلم

„Ich sage: Ebenso erwähnten Abū Muhammad Ibn Hazm, Abū al-Walīd al-Bājī, Shaykh Abū ʿAmr Ibn as-Salāh und andere, dass die Karrāmīya ihn (Ibn Fūrak) bei Mahmūd ibn Sabuktagīn verleumdeten. Sie disputierten mit ihm vor ihm, da wollte er ihn töten, doch er ließ davon ab. Als er aber von ihm zurückkehrte, sandte er jemanden, der ihn auf dem Weg vergiftete. Und Allah weiß es am besten.“

Ibn Kathir führt also eine Version an, nach der der Konflikt dadurch entstand, dass Ibn Fūrak mit den Karrāmīya disputierte, die ihn beim Sultan verleumdeten, und dass Mahmūd ibn Sabuktagīn deshalb seine Leute aussandte.

Doch auch diese Version, obwohl sie sich deutlich von der des Gegners unterscheidet,

erscheint unlogisch: Warum sollte ein solch kluger Herrscher wie Mahmūd sich von Häretikern beeinflussen lassen und einen Gelehrten verfolgen, wodurch er ihre Position stärkte?

Darum wenden wir uns der verlässlicheren, früheren und logischeren Version zu, die vom unmittelbaren Schüler Ibn Fūraks – Abū l-Qāsim al-Qushayrī – überliefert wurde. Er kannte seinen Lehrer persönlich und war über diese Ereignisse besser informiert.

Imam Abū-l-Qāsim al-Qushayrī (gest. 464 n.H.) berichtet:

كَانَ الْأُسْتَاذ أَبُو بكر بن فورك كَمَا عرفناك شَدِيدا فِي الله قَائِما فِي نصْرَة الدّين وَمن ذَلِك أَنه فَوق نَحْو المشبهة الكرامية سهاما لَا قبل لَهُم بهَا فتحزبوا عَلَيْهِ ونموا غير مرّة وَهُوَ ينتصر عَلَيْهِم وَآخر الْأَمر أَنهم أنهوا إِلَى السُّلْطَان مَحْمُود بن سبكتكين أَن هَذَا الَّذِي يؤلب علينا عنْدك أعظم منا بِدعَة وَكفرا وَذَلِكَ أَنه يعْتَقد أَن نَبينَا مُحَمَّدًا صلى الله عَلَيْهِ وَسلم لَيْسَ نَبيا الْيَوْم وَأَن رسَالَته انْقَطَعت بِمَوْتِهِ فَاسْأَلْهُ عَن ذَلِك فَعظم على السُّلْطَان هَذَا الْأَمر وَقَالَ إِن صَحَّ هَذَا عَنهُ لأقتلنه وَأمر بِطَلَبِهِ وَالَّذِي لَاحَ لنا من كَلَام المحررين لما ينقلون الواعين لما يحفظون الَّذين يَتَّقُونَ الله فِيمَا يحكون أَنه لما حضر بَين يَدَيْهِ وَسَأَلَهُ عَن ذَلِك كذب النَّاقِل وَقَالَ مَا هُوَ مُعْتَقد الأشاعرة على الْإِطْلَاق أَن نَبينَا صلى الله عَلَيْهِ وَسلم حَيّ فِي قَبره رَسُول الله أَبَد الآباد على الْحَقِيقَة لَا الْمجَاز وَأَنه كَانَ نَبيا وآدَم بَين المَاء والطين وَلم تَبْرَح نبوته بَاقِيَة وَلَا تزَال وَعند ذَلِك وضح للسُّلْطَان الْأَمر وَأمر بإعزازه وإكرامه ورجوعه إِلَى وَطنه فَلَمَّا أَيِست الكرامية وَعلمت أَن مَا وشت بِهِ لم يتم وَأَن حيلها ومكايدها قد وهت عدلت إِلَى السَّعْي فِي مَوته والراحة من تَعبه فسلطوا عَلَيْهِ من سمه فَمضى حميدا شَهِيدا

„Der Ustadh Abū Bakr ibn Fūrak war – wie wir dich haben wissen lassen – streng um Allahs willen und standhaft in der Unterstützung der Religion. Und unter dem (was dies belegt) ist, dass er gegenüber den Mushabbiha der Karrāmiyya (wie) Pfeile, denen sie nichts entgegenzusetzen hatten. So verbündeten sie sich gegen ihn und versuchten (es) mehr als einmal, und er siegte über sie. Und das Ende der Angelegenheit war, dass sie dem Sultan Mahmūd ibn Sabuktagīn berichteten, dass dieser, der dich gegen uns aufhetzt, größer als wir in Neuerung und Unglauben sei. Und dies (bedeutet), dass er glaubt, unser Prophet Muḥammad – Allahs Segen und Frieden auf ihm – sei heute kein Prophet und dass seine Gesandtschaft mit seinem Tod abgeschnitten worden sei. „So frage ihn darüber!“ Da wurde diese Angelegenheit für den Sultan gewichtig (schwerwiegend), und er sagte: „Wenn dies von ihm wahr ist, werde ich ihn wahrlich töten.“ Und er befahl, ihn zu holen. Und das, was uns aus den Worten der sorgfältigen (Überlieferer) klar wurde, wenn die Bewussten berichten, die Bewahrenden, die Allah fürchten in dem, was sie erzählen, (ist), dass, als er vor ihm erschien und jener ihn darüber fragte, (Ibn Fūrak) den Übermittler (der Anschuldigung) als Lügner bezeichnete und sagte: „Das, was der Glaube der Asha’irah allgemein ist, ist, dass unser Prophet – Allahs Segen und Frieden auf ihm – lebendig in seinem Grab ist, der Gesandte Allahs ewiglich, in Wirklichkeit, nicht metaphorisch; und dass er Prophet war, als Adam zwischen Wasser und Lehm war, und dass sein Prophetentum fortbestehend geblieben ist und nicht aufhört.“ Und dann wurde dem Sultan die Angelegenheit deutlich, und er befahl, ihn zu ehren und zu würdigen und (ihm) die Rückkehr in seine Heimat zu gestatten. Als aber die Karrāmiyya verzweifelten und wussten, dass das, was sie hinterbracht hatten, sich nicht erfüllt hatte und dass ihre List und ihre Ränke geschwächt waren, kehrten sie dazu zurück, danach zu streben, ihn zu töten und sich Ruhe von seiner Mühsal zu verschaffen; so ließen sie ihn auf dem Weg vergiften. Er verstarb lobwürdig als Märtyrer.“

Somit hat Mahmūd ibn Sabuktagīn Ibn Fūrak nicht vergiftet; er glaubte den Verleumdungen der Karrāmiyya und verhörte ihn, ließ ihn jedoch später ehrenvoll frei, als sich ihm die Wahrheit klärte. Ibn Fūrak wurde von den ideologischen Brüdern der heutigen Salafiyyah, den „Karrāmiyya“ vergiftet.



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