Ein „nichtexistierender Ort“ ist in der islamischen Theologie ein begrifflicher Widerspruch: Denn Ort (makān) wird in der klassischen arabischen Sprache und bei den Gelehrten definiert als der Raum, den ein Körper einnimmt. Damit ein „Ort“ überhaupt existiert, muss es Raum, Ausdehnung und Maße geben. Das sind alles Eigenschaften der geschaffenen Welt. Ein „nichtexistierender Ort“ wäre also ein „Ort“ ohne Raum, ohne Ausdehnung, ohne Begrenzung, also etwas, das eigentlich gar kein Ort ist. Manche Mujassimah versuchten, die Vorstellung zu retten, dass „Allah über dem Thron“ sei, ohne Ihm einen geschaffenen Ort zuzuschreiben. Sie erfanden daher den Ausdruck al-makān al-ʿadamī („nichtexistierender Ort“) und meinten: Allah ist über dem Thron, aber der Bereich über dem Thron ist kein wirklicher Ort. Die Gelehrten von Ahl as-Sunna weisen das zurück: Ein „Ort“, der nicht existiert, ist schlicht kein Ort und die Redeweise ist sinnlos. Außerdem wenn man sagt, etwas sei „über“ etwas anderem, meint man normalerweise einen räumlichen Bezug was bei Allah ausgeschlossen ist. Ein „nichtexistierender Ort“ ist eine sprachliche und logische Unmöglichkeit, wie „ein Quadrat mit drei Ecken“.
Absurder als dieses ist dass sie behaupten, dass derjenige der auf dem Berg ist näher zu Allah sei als derjenige der auf der Erde ist. Distanz ist nur vorstellbar, wenn zwei Entitäten räumlich voneinander getrennt sind. Um eine Distanz zu messen oder auch nur zu denken, brauchst du Punkte „A“ und „B“ in einem Raum. Das Akzeptieren einer Distanz macht den Ort automatisch existent selbst wenn man versucht, das Wort „Ort“ zu vermeiden.
Auch sagen sie dass man auf Allah zeigen kann. Dieses widerspricht auch dem makān al-ʿadamī. Warum? Wenn ich mit dem Finger auf etwas zeige, weise ich auf eine bestimmte Stelle im Raum. Diese Stelle ist definiert durch Richtung (jiha) und Distanz (masāfa).Richtung und Distanz sind notwendige Eigenschaften eines Ortes. Selbst wenn man sagt „dieser Ort existiert nicht physisch“, bleibt das Zeigen ohne Ort bedeutungslos. Wenn kein Ort vorhanden ist, gibt es keine Koordinaten oder Position, die man anvisieren könnte.
Auch sagen sie, dass Allah zum untersten Himmel herabsteigt und sich über den Thron erhoben habe. Dieses ist auch ein Widerspruch zu einem „nichtexistierender Ort“. Warum ? Bewegung ist eine Ortsveränderung. Das herabsteigen oder sich erheben ist eine Verlagerung von einem Ort zu einem anderen. Ohne einen Ausgangspunkt und einen Zielpunkt ist Bewegung bedeutungslos. Herabsteigen impliziert, dass Allah oben war und sich nach unten bewegt. Erheben über den Thron impliziert, dass Allah vorher nicht auf dem Thron war und danach auf dem Thron ist. Beide Vorgänge setzen Richtung (jiha) und Distanz (masāfa) voraus, also Ortsbezug. Wer sagt „Allah hat keinen Ort“, sagt damit: keine Richtung, keine Distanz, keine Bewegung von einem Raum in einen anderen. Wenn derselbe sagt „Allah steigt herab“ oder „erhebt sich auf den Thron“, bestätigt er Ort und räumliche Veränderung.