Einer der wesentlichen Unterschiede zwischen Ahl as-Sunna wa-l-Dschamāʿa (den Aschʿariten) und den Pseudosalafiten (Wahhabiten) liegt im Verständnis jener Qurʾān-Verse, deren wörtliche, lexikalische Bedeutung auf Körperlichkeit des Herrn der Welten hindeuten könnte.
Die Wahhabiten behaupten, dass alle Begriffe, mit denen Allah im Qurʾān beschrieben wird – wie „yad“ (wörtlich: Hand), „wajh“ (wörtlich: Angesicht), „sāq“ (wörtlich: Schienbein), „ʿayn“ (wörtlich: Auge) – ausschließlich wörtlich zu verstehen seien, wobei sie jedoch jegliche Ähnlichkeit mit den Geschöpfen ablehnen.
So kommen sie zu dem Schluss, dass das Wort „yad“ in Bezug auf Allah dasselbe bedeutet wie in Bezug auf den Menschen, wobei sie meinen, dass die „Form“ dieser Hand nicht der Form einer menschlichen Hand gleiche. Das heißt: Der Unterschied liegt laut ihnen lediglich in Gestalt, Farbe, Länge, Breite und weiteren Eigenschaften.
Wenn man ihnen entgegnet, dass dies im Kern eine Anthropomorphisierung (tashbīh) ist – da sie die „Hand“ als einen Teil eines Körpers behaupten –, erwidern sie: „Die Hand, die Allah besitzt, ist nicht wie die dem Menschen oder den Tieren bekannte, sondern eine Hand, wie sie Allah gebührt!“
Darauf antwortet man ihnen: „Ihr behauptet, dass das Wort ‚yad‘ wörtlich zu verstehen ist. Doch dem Menschen ist kein anderes wörtliches Verständnis dieses Begriffs bekannt als das einer Körpergliedmaße. Wenn ihr also sagt, dass ‚Hand‘, ‚Auge‘, ‚Angesicht‘ wörtlich zu verstehen sind – also in dem Sinn, der einem als Erstes in den Sinn kommt – und gleichzeitig nur das Bild (ṣūra) ablehnt, dann betreibt ihr tajsīm (Verkörperung) und tashbīh (Vergleich mit Geschöpfen).“
Es ist nicht möglich, den wörtlichen lexikalischen Sinn des Wortes „Hand“ zu bestätigen und gleichzeitig zu behaupten, dass dies kein Körperteil sei. Denn das wäre ein Widerspruch: eine gleichzeitige Bestätigung und Negierung des Wortsinns – und das ist absurd. Wie es der Ḥāfiẓ Abū l-Farāj Ibn al-Jawzī al-Ḥanbalī einem Anthropomorphisten entgegnete:„Das ist, als würde man sagen: Einer steht und sitzt gleichzeitig.“ („Dafʿ Shubah at-Tashbīh“, S. 55)
Und wenn ihr behauptet, dass „yad“ (Hand) bei Allah keine Körpergliedmaße sei, dann kennt ihr die Bedeutung des Begriffs in Bezug auf Allah gar nicht – und das ist genau das, was man tafwīdh nennt: das Wissen um die wahre Bedeutung Allah überlassen.
Einer der Verse, auf den sich die Wahhabiten berufen, um die Existenz von „Körperteilen“ bei Allah zu bestätigen, ist der 75. Vers aus Sura Ṣād:
قَالَ يَا إِبْلِيسُ مَا مَنَعَكَ أَنْ تَسْجُدَ لِمَا خَلَقْتُ بِيَدَيَّ أَأَسْتَكْبَرْتَ أَمْ كُنْتَ مِنَ الْعَالِينَ
„Er sagte: O Iblīs, was hinderte dich, dich vor dem niederzuwerfen, den Ich mit Meinen beiden Händen erschaffen habe?“ (38:75)
Deshalb wollen wir hier untersuchen, wie bekannte sunnitische Qurʾān-Kommentatoren diesen Vers verstanden haben:
Imām Muḥammad ibn Aḥmad al-Qurṭubī al-Mālikī (600–671 h) in seinem Tafsīr „al-Jāmiʿ li-aḥkām al-Qurʾān“:
{ لِمَا خَلَقْتُ بِيَدَيَّ } أضاف خلقه إلى نفسه تكريماً له، وإن كان خالق كل شيء وهذا كما أضاف إلى نفسه الروح والبيت والناقة والمساجد فخاطب الناس بما يعرفونه في تعاملهم، فإن الرئيس من المخلوقين لا يباشر شيئاً بيده إلا على سبيل الإعظام والتكرم، فذِكْر اليد هنا بمعنى هذا. قال مجاهد: اليد هاهنا بمعنى التأكيد والصلة مجازه لما خلقت أنا كقوله:{ وَيَبْقَىٰ وَجْهُ رَبِّكَ } [الرحمن: 27] أي يبقى ربك.
„‚Den Ich mit Meinen beiden Händen erschaffen habe‘ – Allah bezog die Erschaffung auf Sich selbst, um Adam dadurch zu ehren und hervorzuheben, obwohl Allah ja der Schöpfer von allem ist. Diese besondere Zuschreibung ist vergleichbar mit derjenigen, bei der Er Dinge wie den Ruh, das Haus (d. h. die Kaʿba), die Kamelstute oder die Moscheen Seinem Wesen zuordnet – um ihre besondere Stellung auszudrücken. So spricht Allah zu den Menschen in einer Sprache, die ihnen aus ihrem zwischenmenschlichen Umgang vertraut ist. Auch ein Herrscher unter den Menschen würde etwas nur dann mit seiner Hand tun, wenn er damit Ehre und Würde verleihen will. Die Erwähnung der „Hand“ hat hier also diesen Sinn.
Mujāhid sagte: „Die ‚Hand‘ in diesem Vers bedeutet: eine besondere Betonung und Hervorhebung.“ Die sinnbildliche Bedeutung lautet: ‚den Ich (selbst) erschaffen habe‘, wie in Allahs Worten: „Und das Angesicht deines Herrn bleibt bestehen“ (Sūrat ar-Raḥmān, 27), gemeint ist: dein Herr bleibt bestehen.“
Imām Abū Manṣūr al-Māturīdī al-Ḥanafī (gest. 333 n.H.) in „Taʾwīlāt Ahl as-Sunna“:
ثم قوله – عز وجل -: { بِيَدَيَّ }. قد تكلف أهل الكلام والتأويل في تأويل إضافة اليد إلى الله – عز وجل -: منهم من قال: القوة، ومنهم من قال: كذا، لكن التكلف في ذلك فضل مع ما قد يضاف اليد إلى من لا يد له ولا جارحة ولا عضو، نحو [ما] قال – عز وجل -:{ لاَّ يَأْتِيهِ ٱلْبَاطِلُ مِن بَيْنِ يَدَيْهِ وَلاَ مِنْ خَلْفِهِ } [فصلت: 42] لم يفهم أحد بذكر اليد له ولا الخلف ما يفهم من الخلق ولا ذهابهم، وكذلك ما ذكر من مجيء البرهان حيث قال – عز وجل -:{ قَدْ جَآءَتْكُمْ مَّوْعِظَةٌ مِّن رَّبِّكُمْ } [يونس: 57] و{ قَدْ جَآءَكُمْ بُرْهَانٌ مِّن رَّبِّكُمْ } [النساء: 174] وأمثال ذلك مما يكثر عده وإحصاؤه، لم يفهم أحد من الخلائق من مجيء هذه الأشياء التي ذكرنا مجيء الخلق ولا فهم من ذكر اليد – لما ذكرنا من الأشياء – جارحة ولا عضو، فكيف يفهم من ذكر اليد ما فهم من الخلق إلا لفساد اعتقادهم لربهم والجهل بتعاليه عن معنى الغير، وإلا لم يخطر بباله بذكر ذلك لله أو إضافته إليه ما يخطر بباله من الخلق ومعنى الخلق
„Dann folgt Seine Aussage: „bi-yadayya“ („mit Meinen beiden Händen“). Die Gelehrten der Kalām-Wissenschaft und die Kommentatoren bemühten sich, die Worte Allahs zu deuten, in denen Er das Wort „yad“ (Hand) auf Sich bezieht. Einige von ihnen sagten: „Gemeint ist Macht (qudra).“ Andere stimmten dem zu und sagten dasselbe. Doch all diese Bemühungen wären nicht einmal nötig gewesen, denn das Wort „Hand“ wird im Arabischen auch auf jemanden angewendet, der weder eine Hand, noch ein Glied, noch einen Körperteil besitzt.
Beispielsweise in Allahs Worten: „Falschheit erreicht ihn nicht – weder von vorn noch von hinten“ (wörtlich: „nicht zwischen seinen beiden Händen noch hinter ihm“) – Sura Fuṣṣilat, 42. Niemand verstand hier unter der Erwähnung von „Hand“ oder „Hinterseite“ das, was man normalerweise unter diesen Begriffen bei Geschöpfen versteht. Ebenso verstand niemand unter dem Kommen und Gehen des Beweises in den Worten Allahs: „Zu euch ist eine Ermahnung von eurem Herrn gekommen“ (Sura Yūnus, 57), oder: „Ein Beweis ist zu euch gekommen von eurem Herrn“ (Sura an-Nisāʾ, 174) – und viele andere Verse, deren Aufzählung lange dauern würde – niemand verstand darunter ein tatsächliches, materielles Kommen, sondern es handelt sich um sinnbildliche Ausdrücke. Ebenso verstand niemand unter der Erwähnung der „Hand“ in den oben genannten Beispielen einen Körperteil oder ein Organ. Wie also kann man im Fall von Allah unter dem Wort „Hand“ etwas verstehen, das mit der Hand eines Geschöpfes vergleichbar ist? Das ist nur möglich, wenn jemand ein verdorbenes Gottesbild hat oder unwissend ist über Allahs Erhabenheit und Seine absolute Unvergleichbarkeit. Andernfalls käme einem beim Hören dieser Begriffe im Zusammenhang mit Allah nicht einmal der Gedanke, sie in einem körperlichen oder geschöpflichen Sinn zu deuten.“
Imām Makkī ibn Abī Tālib al-Qayrawānī al-Mālikī (gest. 437 n.H.) sagte in seinem Tafsīr al-Hidāya ilā Bulūgh Nihāya:
ثم قال: { قَالَ يٰإِبْلِيسُ مَا مَنَعَكَ أَن تَسْجُدَ لِمَا خَلَقْتُ بِيَدَيَّ } ، أي: قال الله عز وجل لإبليس: (يا إبليس)، أي: شيء منعك من السجود لآدم الذي خلقته بيدي. قال ابن عمر: خلق الله أربعة بيده: العرش وعدن والقلم وآدم، ثم قال لكل شيء كن فكان. والذي عليه أهل العلم والمعرفة بالله أن ذكر اليد وإضافتها إلى الله سبحانه ليست على جهة الجارحة، تعالى الله عن ذلك، ليس كمثله شيء. وذكر اليد في مثل هذا وغيره صفة من صفات الله لا جارحة. وقد اختلف في الترجمة عن ذلك: فقيل: معناه: لما خلقت بقدرتي. وقيل: بقوتي. وقيل: معناه: لما خلقته. وذكر اليدين تأكيد، والعرب إذا أضافت الفعل إلى الرجل ذكروا اليدين. تقول لمن جنى: هذا ما جنيته، وهذا ما جنته يداك. وقد قال الله عز وجل:{ فَبِمَا كَسَبَتْ أَيْدِيكُمْ } [الشورى: 30] بمعنى: بما كسبتم. (فيضاف الفعل إلى اليد والمراد صاحب اليد). وإنما خُصَّتِ اليد بذلك لأن بها يبطش وبها يتناول. فجرى ذلك على عادة العرب
„Allah sagte zu Iblīs: „Was hinderte dich, dich vor Adam niederzuwerfen, den Ich mit Meinen beiden Händen erschaffen habe?“ Ibn ʿUmar sagte: Allah erschuf vier Dinge mit Seiner Hand: den Thron, das Paradies von Eden, den Stift und Adam. Dann sagte Er zu allen anderen Dingen: „Sei!“, und sie wurden. Die Gelehrten und jene, die Allah erkannt haben, sind sich darin einig, dass die Erwähnung von „Hand“ und deren Zuschreibung zu Allah nicht im Sinne eines Körperteils zu verstehen ist – erhaben ist Allah darüber! Die Erwähnung der Hand in diesem und anderen Versen ist eine Eigenschaft von Allah, nicht eine Gliedmaße. In der Auslegung dieses Ausdrucks gibt es verschiedene Meinungen: Einige sagten, es bedeute „den Ich mit Meiner Macht erschaffen habe“, andere: „mit Meiner Kraft“, und wieder andere: „den Ich erschaffen habe“. Die Erwähnung von „beiden Händen“ dient zur Verstärkung. Im Arabischen, wenn man eine Handlung jemandem zuschreibt, wird oft von „beiden Händen“ gesprochen. Zum Beispiel sagt man zu jemandem, der eine Tat begangen hat: „Das hast du mit deinen eigenen (beiden) Händen verursacht.“ Allah sagt im Qurʾān: „Wegen dessen, was eure Hände erwarben“ – gemeint ist: was ihr selbst erworben habt. Die Handlung wird also der Hand zugeschrieben, gemeint ist aber die handelnde Person selbst. Der Ausdruck „Hand“ wird im Arabischen verwendet, weil man mit ihr Dinge nimmt oder empfängt – das ist eine übliche Redewendung unter den Arabern.“
Imam at-Tabarī (224–310 n.H.) beschränkte sich in seinem Tafsīr zu diesem Vers auf die Überlieferung von Ibn ʿUmar: „Allah erschuf vier Dinge mit Seinen beiden Händen: den Thron, den Stift, das Paradies und Adam. Und zu allen anderen Dingen sagte Er: ‚Sei!‘ – und sie wurden.“
Und diese Überlieferung die Imam at-Tabarī überlieferte unter dem Vers, klärt alle Unklarheiten auf. Denn die Erwähnung dieser vier Dinge zeigt klar und deutlich auf, dass sie besondere Schöpfungen von Allah sind.
Imām Ibn ʿAtiyyah al-Andalusī al-Mālikī (481–542 n.H.) sagte in seinem Tafsīr al-Muḥarrar al-Wajīz bezüglich dieser Überlieferung:
وروي في بعض الآثار أن الله تعالى خلق أربعة أشياء بيده وهي: العرش والقلم وجنة عدن وآدم وسائر المخلوقات بقوله: ” كن “.
وهذا إن صح فإنما ذكر على جهة التشريف للأربعة والتنبيه منها، وإلا فإذا حقق النظر فكل مخلوق فهوة بالقدرة التي بها يقع الإيجاد بعد العدم
„Es wird in einigen Überlieferungen berichtet, dass Allah – der Erhabene – vier Dinge mit Seinen beiden Händen (bi-yadayya) erschaffen hat: den Thron, den Stift, das Paradies von ʿAdn und Adam. Alle anderen Geschöpfe erschuf Er durch Sein Wort: ‚Sei!‘ – und sie waren. Und wenn diese Überlieferung authentisch ist, dann wurde sie erwähnt, um diese vier Dinge hervorzuheben und auf ihre besondere Stellung hinzuweisen. Andernfalls – wenn man es genau betrachtet – ist klar, dass jedes Geschöpf durch Allahs Macht erschaffen wurde, durch die das Sein aus dem Nichtsein hervorgebracht wird.“
Am Ende seiner Ausführungen wird jedoch klar, dass at-Tabarī die Vorstellung ablehnt, dass mit „bi-yadayya“ Körperteile gemeint sind.
In einem anderen Werk sagte er ausdrücklich:
وله يدانِ ويمينٌ وأصابعُ , وليست جارِحةً
„Er hat Yadan (zwei Hände), Yamin (Rechte) und Asabi‘ (Finger) doch sie sind keine Körperteile.“
Bezüglich der Behauptung, dass damit zwei wortwörtliche Hände gemeint sind sagen wir:
Allah sagt in der Sure 3:59:
إن مثل عيسى عند الله كمثل آدم خلقه من تراب ثم قال له كن فيكون
„Gewiß, das Gleichnis ʿĪsās ist bei Allah wie das Gleichnis Ādams. Er erschuf ihn aus Erde. Hierauf sagte Er zu ihm: „Sei!“ und da war er.“
Allah sagt, dass ‚Isā alayhissalam vor Allah dasselbe wie Ādam ist. Die Mushabbihah behaupten, dass Allah Ādam mit Seinen beiden wortwörtlichen Händen erschaffen hat. Somit widerlegt Allah diese Behauptung in der oben erwähnten Āyah, indem Er sagt, dass ‚Isā und Ādam gleich sind. ‚Isā wurde von der Erde erschaffen, dann sprach Allah „sei!“ und es war. Es gibt hier keine Erwähnung von Händen. Wenn also ‚Isā dasselbe ist wie Ādam, dann bedeutet dies, dass Allah ihn auch auf dieselbe Weise erschaffen hat.
Imam Abū Muḥammad al-Baghawī ash-Shāfiʿī (433–516 n.H.) sagte in seinem Tafsīr Maʿālim at-Tanzīl zum Vers „Seine beiden Hände sind ausgestreckt“ (Sura al-Māʾida, 5:64):
{ بَلْ يَدَاهُ مَبْسُوطَتَانِ } ، ويد الله صفةٌ من [صفاته] كالسمع، والبصر والوجه، وقال جلّ ذكره:{ لِمَا خَلَقْتُ بِيَدَيَّ } ، وقال النبيّ صلى الله عليه وسلم: ” كلتا يديه يمين “. والله أعلم بصفاته، فعلى العباد فيها الإيمان والتسليم. وقال أئمة السلف من أهل السنة في هذه الصفات: ” أمرُّوها كما جاءت بلا كيف “.
Die „Hand Allahs“ ist eine Seiner Eigenschaften, so wie das Hören, das Sehen und das Angesicht.
Und Er – erhaben ist Seine Erwähnung – sagte: {was Ich mit Meinen beiden Händen erschaffen habe}, und der Prophet – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – sagte:
„Seine beiden Hände sind rechts.“
Und Allah weiß am besten über Seine Eigenschaften Bescheid. Die Pflicht der Diener besteht im Glauben und in der Annahme. Die Imame der Salaf von Ahl as-Sunna sagten über solche Eigenschaften: „Überliefert sie, wie sie gekommen sind, ohne wie (bi-lā kayf).“
Um al-Baghawīs Position noch klarer zu machen, sei eine andere Aussage von ihm aus dem Tafsīr zu Sura al-Aʿrāf, Vers 54, zitiert:
وروي عن سفيان الثوري والأوزاعي والليث بن سعد وسفيان بن عيينة وعبدالله بن المبارك وغيرهم من علماء السنّة في هذه الآيات التي جاءت في الصفات المتشابهة: أمِرّوها كما جاءت بلا كيف
„Es wurde von Sufyān ath-Thawrī, al-Awzāʿī, al-Layth ibn Saʿd, Sufyān ibn ʿUyaynah, ʿAbdullāh ibn al-Mubārak und anderen Gelehrten der Sunnah überliefert hinsichtlich jener Verse, die sich auf die mehrdeutigen (mutaschābih) Eigenschaften beziehen: „Lasst sie so, wie sie gekommen sind, ohne wie.“
Nebenbei erwähnt, die Wahabiten versuchen den Imām Muhī al-Sunnah al-Baghawī (gest. 516 n.H.) für sich zu beanspruchen, jedoch erklärt er den Zorn Allāhs in seinem Tafsīr [wie die Ashʿarīyyah] (B. 1, S. 55) als den Willen zur Bestrafung, was gemäß diesen Leuten Ta’til ist:
قَوْلُهُ تَعَالَى {غَيْرِ الْمَغْضُوبِ عَلَيْهِمْ} يَعْنِي صِرَاطَ الَّذِينَ غَضِبْتَ عَلَيْهِمْ، وَالْغَضَبُ هُوَ إِرَادَةُ الِانْتِقَامِ مِنَ الْعُصَاةِ، وَغَضَبُ اللَّهِ تَعَالَى لَا يَلْحَقُ عُصَاةَ الْمُؤْمِنِينَ إِنَّمَا يَلْحَقُ الْكَافِرِينَ.
„Sein – erhaben ist Er – Wort: {nicht derer, die (Seinen) Zorn erregt haben} – das heißt: den Weg derer, über die Du zornig bist. Und der Zorn ist der Wille, sich an den Sündern zu rächen. Und der Zorn Allāhs – erhaben ist Er – trifft nicht die sündigen Gläubigen, sondern nur die Ungläubigen.“
Die Aussagen der Gelehrten lassen sich im Wesentlichen auf zwei Hauptmethoden zurückführen:
1. Ithbāt und Tafwīḍ (Bestätigung und Überlassung des Sinns an Allah):
Diese Haltung besagt: Wir bestätigen, dass Allah eine Eigenschaft hat, die in den Versen als „yadān“ („zwei Hände“) erwähnt wird, ohne zu wissen, was damit beabsichtigt ist. Wir sagen aber auch, dass es sich nicht um Körperteile handelt, denn Allah hat keinen Körper.
Eine Sifah (Eigenschaft) ist beständig in Allahs Wesen, untrennbar von Seinem Selbst, real existent, aber nicht körperlich.
Beispiel: Wir wissen, dass Allah die Welt erschaffen hat – das bedeutet, Er besitzt die Eigenschaft des Erschaffens, genannt al-Qudra (Macht). Aber diese Eigenschaft ist nicht materiell.
Genauso ist „bi-yadayya“ ein Name für eine Eigenschaft Allahs, so wie al-Qudra (Macht), al-Irāda (Wille), al-ʿIlm (Wissen). Diese Eigenschaft ist nicht eine körperliche Hand, sondern eine dem Wesen Allahs angemessene Bedeutung, deren Wirklichkeit nur Allah kennt.
Die folgenden Gelehrten stellen klar, dass die Begriffe wie „yad“ (Hand), „wajh“ (Angesicht) oder „ʿayn“ (Auge), die im Qurʾān im Bezug auf Allah erscheinen, nicht im körperlichen Sinn verstanden werden dürfen:
Imam Abū l-Ḥasan al-Ashʿarī (260–324 n.H.) sagte in seinem Werk Risāla ilā Ahli ath-Thagr:
وأجمعوا على أنه تعالى يسمع ويرى وأن له تعالى يدين مبسوطتين وأن الأرض جميعا قبضته يوم القيامة والسموات مطويات بيمينه من غير أن يكون جوارحا وأن يديه تعالى غير نعمته وقد دل على ذلك تشريه لآدم عليه السلام حيث خلقه بيده وتقريعه لإبليس على الاستكبار عن السجود مع ما شرفه به بقوله { ما منعك أن تسجد لما خلقت بيدي }
„Die Gelehrten sind sich einig, dass Allah hört und sieht, und dass Er „zwei ausgestreckte Hände“ hat (Anspielung auf Sura al-Māʾida 5:64), dass die Erde am Jüngsten Tag in Seiner „Hand“ sein wird und die Himmel in Seiner „Rechten“ zusammengerollt sein werden (Sura az-Zumar 39:67) – ohne dass damit Körperteile gemeint sind. Die „Hände“ Allahs dürfen nicht im Sinne von Gunst oder Wohltat interpretiert werden. Dass Adam mit beiden Händen erschaffen wurde, weist auf eine besondere Ehrung hin. Ebenso der Tadel Iblīs’ durch Allah: „Was hinderte dich, dich vor dem niederzuwerfen, den Ich mit Meinen beiden Händen erschaffen habe?“ (Sura Ṣād, 38:75)
Imam Ibn Jarīr at-Tabarī (224–310 n.H.) sagte in seinem Werk at-Tabṣīr fī Maʿālim ad-Dīn:
وله يدانِ ويمينٌ وأصابعُ , وليست جارِحةً
„Allah hat Yadan, yamin und Asabi‘ – aber sie sind keine Körperglieder.“
Bemerkenswert ist, dass moderne Pseudosalafiten wie Ibn Bāz und Ibn Jibrīn sich über solche Aussagen wunderten oder sie offen ablehnten.
Ibn Bāz sagte in seinem Kommentar zu at-Tabṣīr fī Maʿālim ad-Dīn (S. 40):
لا حاجة لما ذكره المؤلف -رحمه الله- من نفي الجوارح، وكشر الأسنان، حيث لم ترد به النصوص، بل هي ساكتة عنه
„Es besteht keine Notwendigkeit, das Vorhandensein von Körperteilen oder das Lächeln mit Zähnen bei Allah zu leugnen, weil es dazu keine Texte gibt – die Texte schweigen über diese Dinge.“
Diese Aussage zeigt, dass Ibn Bāz es zumindest für möglich hielt, dass Allah Körperteile hat – was dem Prinzip des tashbīh (Vergleich mit Geschöpfen) entspricht und in der klassischen sunnitischen Theologie als tajsīm (Anthropomorphismus) verurteilt wird.
Imam Abū Jaʿfar at-Tahawi (239–321 n.H.) schrieb in seiner berühmten ʿAqīda at-Tahawiyya:
وتعالى عن الحُدُودِ والغَايَاتِ والأَرْكانِ وَالأَعْضاءِ وَالأَدَواتِ ، لا تَحْوِيهِ الجِهَاتُ السِّتُّ كسَائِرِ المُبْتَدَعَاتِ
„Er ist erhaben über Grenzen, Enden, Glieder, Körperteile und Werkzeuge. Die sechs Richtungen (oben, unten, rechts, links, vorne, hinten) erfassen Ihn nicht – wie es bei den erschaffenen Dingen der Fall ist.“
Imam Abū Bakr al-Ismāʿīlī ash-Shāfiʿī (297–371 n.H.) sagte in Iʿtiqād Ahl al-Hadith:
وخلق آدم عليه السلام بيده .ويداه مبسوطتان ينفق كيف يشاء ، بلا اعتقاد كيف يداه ، إذ لم ينطق كتاب الله تعالى فيه بكيف .
ولا يعتقد فيه الأعضاء ، والجوارح ، ولا الطول والعرض ، والغلظ ، والدقة ، ونحو هذا مما يكون مثله في الخلق ، فإنه ليس كمثله شيء تبارك وجه ربنا ذو الجلال والإكرام
„Allah erschuf Adam bi-yadihi. Seine yadahu (Hände) sind ausgestreckt – Er gibt, wie Er will –, ohne zu glauben, dass Seine yadahu (Hände) in irgendeiner Weise beschrieben werden können, denn der Qurʾān nennt kein Wie.
Und es wird nicht geglaubt, dass Er Teile, Gliedmaßen, noch Höhe, Breite, Schwere, Dünne hat wie bei den Geschöpfen. Denn: ‚Nichts ist Ihm gleich.‘ (Sura ash-Shūrā, 42:11) Segenreich ist das Wesen (Wadjh) unseres Herren, dem Inhaber von Herrlichkeit und Ehre.“
Imam al-Bayhaqī (384–458 n.H.) überlieferte in al-Asmāʾ waṣ-Ṣifāt von Imam Abū Sulaimān al-Khattabi ash-Shāfiʿī (319–388 n.H.), dass er sagte:
وليس معنى اليد عندنا الجارحة
„Nach unserer Auffasung ist die Yad kein Körperglied.“
Fazit:
Alle genannten Imame – al-Ashʿarī, at-Tabarī, at-Tahāwī, al-Ismāʿīlī und al-Khattabi – lehnten es ab, die Wörter wie „Hand“ (yad) bei Allah wörtlich zu verstehen. Wenn der wörtliche Sinn ausgeschlossen ist, bedeutet das: Der wahre Sinn ist unbekannt – und das Wissen darum überlassen wir Allah (tafwīḍ).
Abschließende Bemerkung:
Die sichere und überlieferte Position der Ahl as-Sunna lautet: Glaube an die Eigenschaften, wie sie offenbart wurden, ohne Wie, ohne Vergleich mit den Geschöpfen und ohne Ablehnung. Das ist der mittlere Weg zwischen denen, die leugnen (taʿtīl) – und denen, die vermenschlichen (tashbīh).