Erklärung über den Hadith mit den Fingern
Es gibt mehrere Dinge zu erwähnen in Bezug auf diesen Hadith, in dem ein Jude vor dem Propheten – ’alayhi as-salam – erschien und zu ihm sagte, dass Allah die Himmel auf einem Finger halten werde, die Erde auf einem Finger, die Berge auf einem Finger, die Bäume auf einem Finger, die Geschöpfe auf einem Finger – und dass Allah dann sagen werde: „Ich bin der König.“ Daraufhin lachte unser Prophet Muhammad – ’alayhi as-salam – und rezitierte den Vers (sinngemäß): „Sie haben Allah nicht eingeschätzt, wie es Ihm gebührt.“
- Das ist die Aussage des Juden, nicht die des Propheten – ’alayhi as-salam.
- Die Version, in der es heißt: „tasdiqan lahu“ („ihm zustimmend“) ist ein Zusatz (ziyadah) eines Überlieferers, wie mehrere Gelehrte erklärten, darunter al-Khattabi, al-Qurtubi und an-Nawawi. Die meisten Überlieferungen enthalten diesen Zusatz nicht. Selbst wenn man diesen Zusatz akzeptiert, ist es nicht ausgeschlossen, dass seine Zustimmung sich nicht auf den Finger bezieht, sondern auf die Allmacht (Qudrah) Allahs, wie es Zakariyya al-Ansari sagte.
- Al-Qurtubi sagte, dass das Lachen des Propheten – ’alayhi as-salam – kein Zeichen der Zustimmung zur Aussage des Juden war, sondern ein Ausdruck des Erstaunens über dessen Unwissenheit. Der Überlieferer glaubte dann, dass dieses Erstaunen eine Zustimmung sei. Einige Theologen sagten, dass das Lachen des Propheten, sein Erstaunen und seine Rezitation des Verses keine Zustimmung zur Aussage des Juden darstellen, sondern im Gegenteil eine Zurückweisung (radd), ein Missbilligen (inkar) und ein Erstaunen über dessen falschen Glauben – denn die jüdische Lehre neigt zum Tajsim (Verkörperung Gottes) – vgl. al-Nawawi, al-Khattabi, al-’Iraqi, Qadi ’Iyadh.
- Einige Gelehrte sagten, es handle sich bei diesem Text um einen der mutashabihat (mehrdeutige Verse/Aussagen), wie wenn etwa die Yad (Hand), das Auge, das Gesicht usw. Allah zugeschrieben werden. Der Sinn wird dann Allah überlassen, mit der Überzeugung, dass der wörtliche (scheinbare) Sinn in Bezug auf Ihn unmöglich ist.
- Andere Gelehrte aus unseren Reihen wie Ibn Battal bestätigte das Attribut des „Fingers“ (isba‘) als Sifat al-Ma’ani und erklärten es erhaben von jeglicher körperlichen Eigenschaft. Sie sahen darin ein Wesenseigenschaft (sifa dhatiyya), ohne Modalität und ohne tahdid (Begrenzung). Diese Ansicht wird auch al-Ashʿari zugeschrieben.
- Es ist möglich, dass der „Finger“ (isba‘) eine von Allah erschaffene Schöpfung ist, wie es Ibn Furak erwähnte. Oder dass es sich um Finger handelt, die bestimmten Geschöpfen von Allah gehören (vgl. an-Nawawi).
- Es ist auch möglich, dass mit isba‘ die Macht (Qudrah) und Autorität (Sultan) gemeint ist (vgl. Ibn Furak).
- Es ist denkbar, dass damit gemeint ist, dass Allah die Himmel trotz ihrer gewaltigen Größe erschaffen hat und Macht über sie hat, ohne dass Ihn das ermüdet oder erschöpft – so wie einer von uns etwa „auf seinem Finger“ ausgibt (eine arabische Redewendung, die bei al-Mazari erwähnt wird, und bedeutet, dass eine Handlung keine Anstrengung erfordert). Al-Mazari erklärt, dass die Leute in solchen Fällen das Wort „Finger“ benutzen, um Geringschätzung auszudrücken, wie z. B.: „Mit einem Finger töte ich dich oder tue dies oder das.“ Oder: „Ich töte Zayd mit einem Finger.“ (vgl. an-Nawawi). Das soll die eigene Kraft und gleichzeitig die Bedeutungslosigkeit von Zayd zeigen. Der „Finger“ wurde also erwähnt, um Allahs Allmacht angesichts gewaltiger Geschöpfe (aus unserer Sicht) zu verdeutlichen – das heißt, obwohl diese Geschöpfe riesig sind, bleiben sie im Vergleich zu Ihm unbedeutend. Es handelt sich um eine Form von mubalaghah (Übertreibung) und ihtiqar (Geringschätzung), wie es mehr als ein Gelehrter erwähnt hat – unter anderem an-Nawawi, wenn er eine sinnbildliche Deutung (ta’wil) anführt.
- Es ist möglich, dass damit gemeint ist, dass es Allah keine Mühe bereitete, das Genannte zu erschaffen – trotz ihrer gewaltigen Größe – und dass dies Ihm nicht schwerfiel (vgl. al-Mazari)
Al-Tibi in Futuh al-Ghayb über die Bedeutung der ’ilm al-bayan, was ich an dieser Stelle für relevant halte zu teilen:
وأن الأفعال العظام التي تتحير فيما الأفهام والأذهان ولا يكتنهها الأوهام هينة عليه هوانًا لا يوصل السامع إلى الوقوف عليه إلا إجراء العبارة في مثل هذه الطريقة من التخييل، ولا ترى بابًا في علم البيان أدق ولا ألطف من هذا الباب ولا أنفع وأعون على تعاطي تأويل المشتبهات من كلام الله في القرآن وسائر الكتب السماوية وكلام الأنبياء، فإن أكثره وعليته تخييلات قد زلت فيها الأقدام قديمًا، وما أتي الزالون إلا من قلة عنايتهم بالبحث والتنقير، حتى يعلموا أن في عداد العلوم الدقيقة علما لو قدروه حق قدره لما خفي عليهم أن العلوم كلها مفتقرة إليه وعيال عليه؛ إذ لا يحل عقدها الموربة، ولا يفك قيودها المكربة إلا هو، وكم آية من آيات التنزيل وحديث من أحاديث الرسول قد ضيم وسيم الخسف بالتأويلات الغثة، والوجوه الرثة؛ لأن من تأول ليس من هذا العلم في عبر ولا نفير، ولا يعرف قبيلًا منه من دبير.
„Und gewiss sind die gewaltigen Handlungen, bei denen Verstand und Geist verwirrt sind und die selbst die Einbildungskraft nicht zu fassen vermag, für Ihn (Allah) leicht – von einer Leichtigkeit, die man dem Hörer nur durch die Ausdrucksweise in Form solcher bildhaften Sprache (takhyil) verständlich machen kann. Du wirst in der ʿilm al-bayan (Wissenschaft der Ausdrucksformen/Rhetorik) kein Kapitel finden, das feiner, subtiler und nützlicher ist – und das besser dabei hilft, mehrdeutige (mutashabih) Aussagen aus dem Worte Gottes im Qur’ân, den übrigen himmlischen Schriften sowie in den Worten der Propheten zu deuten.
Denn der Großteil davon, insbesondere das Höchste davon, besteht aus bildhaften Darstellungen, über die schon früh die Füße ins Straucheln geraten sind. Diejenigen, die fehlgingen, taten dies nur aufgrund mangelnder Beschäftigung mit der gründlichen Erforschung und Untersuchung – bis sie erkennen würden, dass es unter den feinen Wissenschaften eine Wissenschaft gibt, die, wenn sie ihr gebührend gewürdigt würde, sie erkennen ließe, dass alle anderen Wissenschaften auf sie angewiesen und von ihr abhängig sind. Denn nur sie löst die schwer zugänglichen Knoten und öffnet die verschlossenen Fesseln.
Wie viele Verse aus der Offenbarung und Hadithe des Propheten wurden nicht bereits durch schwache Auslegungen und dürftige Deutungen entstellt und herabgesetzt – weil diejenigen, die diese auslegten, keinerlei Bezug zu dieser Wissenschaft hatten, weder von Nahem noch von Weitem, und nicht das Geringste von ihr verstanden.“
Und Allah weiß es am besten.
Man sollte aufhören zu glauben, unsere Gelehrten hätten diese Ahadith nicht gekannt – und anfangen, ihre Erklärungen zu konsultieren, bevor man berühmte Ahadith postet und dabei andeutet, man habe etwas entdeckt, das sie nicht wussten. Du hast nichts Neues entdeckt.