Die glaubenslehre der Ahlu Sunnah

Die Asha'irah und Maturidiyyah


Biografie von Imam Abū Manṣūr al-Māturīdī (235-333 n.H.)

Imam Abū Manṣūr al-Māturīdī (gest. 333 n.H.)

Name und Herkunft:

Abū Manṣūr Muḥammad ibn Muḥammad ibn Maḥmūd al-Māturīdī war der Gründer der bekannten sunnitischen Glaubensschule, der “Māturīdīya”. Er wurde um das Jahr 235 n.H. geboren und gehört somit zu den ersten drei gepriesenen Generationen der Salaf. Er trug Ehrentitel wie “Imām al-Hudā” (Imām des rechten Weges), “ʿĀlamat al-Hudā” (Zeichen des rechten Weges) und “Imām al-Mutakallimīn” (Imām der Kalām-Gelehrten). Einige Historiker vermuten, dass er aus der Linie von Abū Ayyūb Khālid ibn Zayd al-Anṣārī stammt.

Al-Māturīdī führte Debatten mit Muʿtaziliten und anderen abweichenden Sekten, die sich in seiner Zeit in Zentralasien verbreitet hatten. Er verteidigte den Glauben der Ahl as-Sunna, indem er schriftlich gegen verschiedene Gruppen von Häretikern und Abweichlern argumentierte.

Al-Māturīdī verfügte über bedeutende Wissensketten (Isnād), die bis zu bekannten Imamen der Salaf wie Abū Ḥanīfa, Abū Yūsuf al-Anṣārī und Muḥammad ash-Shaybānī zurückreichen. Der Lehrer seiner Lehrer war Schüler von Abū Yūsuf und Imām Muḥammad. In einer anderen Überlieferungskette wird berichtet, dass der Lehrer seiner Lehrer direkt bei Abū Ḥanīfa lernte und dessen Glaubensüberzeugungen weitergab.

Daher basierte die Methode seiner ʿAqīda auf den Ansätzen von Abū Ḥanīfa. Al-Māturīdī kategorisierte und erläuterte die in fünf bekannten Werken von Abū Ḥanīfa enthaltenen Glaubensüberzeugungen entsprechend den Herausforderungen seiner Zeit.

Wissensketten (Isnād):

1. Überlieferungsweg:

• Al-Māturīdī → Abū Naṣr al-ʿIyāḍī und Abū Bakr Aḥmad al-Jurjānī → Abū Sulaymān al-Jurjānī → Imām Muḥammad ash-Shaybānī und Qāḍī Abū Yūsuf → Abū Ḥanīfa → Ḥammād ibn Abī Sulaymān → Ibrāhīm an-Nakhaʿī → ʿAlqama ibn Qays → ʿAbdullāh ibn Masʿūd.

2. Überlieferungsweg:

• Al-Māturīdī → Nuṣayr ibn Yaḥyā al-Balkhī und Muḥammad ibn Muqātil ar-Rāzī → Abū l-Muṭīʿ al-Ḥakam ibn ʿAbdillāh al-Balkhi und Abū Muqātil Ḥafṣ ibn Salām as-Samarqandī → Abū Ḥanīfa → Ḥammād ibn Abī Sulaymān → Ibrāhīm an-Nakhaʿī → ʿAlqama ibn Qays → ʿAbdullāh ibn Masʿūd.

Bekannte Lehrer:

1. Abū Bakr Aḥmad al-Jurjānī

2. Muḥammad ibn Muqātil ar-Rāzī (gest. 248 n.H.)

3. Abū Naṣr Aḥmad ibn ʿAbbās al-ʿIyāḍī (gest. 268 n.H.)

4. Nuṣayr ibn Yaḥyā al-Balkhi (gest. 268 n.H.)

Bekannte Schüler:

1. Abū l-Qāsim Ḥakīm as-Samarqandī (gest. 342 n.H.)

2. Abū Bakr Muḥammad ibn Naṣr al-ʿIyāḍī (gest. 361 n.H.)

3. Abū Aḥmad ibn Abī Naṣr al-ʿIyāḍī

4. Abū Muḥammad ibn Mūsā al-Bazdawī (gest. 390 n.H.)

5. Abū l-Layth al-Bukhārī (gest. 373 n.H.)

6. Abū l-Ḥasan ʿAlī ibn Saʿīd ar-Rustughfānī (gest. 345 n.H.)

Bekannte Werke:

1. Kitāb at-Tawḥīd

2. ʿAqīdat Imām Abī Manṣūr al-Māturīdī (Kommentar von Taj ad-Dīn as-Subkī: As-Sayf al-Mashhūr fī Sharḥ ʿAqīdat Abī Manṣūr)

3. Ar-Radd ʿalā Awāʾil al-Adilla li-l-Kaʿbī

4. Radd Taḥḏīb al-Ǧadal li-l-Kaʿbī

5. Radd Waʿīd al-Fussāq li-l-Kaʿbī

6. Ar-Radd ʿalā l-Qarāmiṭa

7. Kitāb al-Jadal

8. Bayān Waḥm al-Muʿtazila

9. Taʾwīlāt al-Qurʾān (Taʾwīlāt Ahl as-Sunna)

10. Sharḥ Fiqh al-Akbar

11. Maʾākhiḏ ash-Sharāʾi

12. Radd Kitāb al-Imāma li-Badīʿ ar-Rāfiḍa

13. Kitāb al-Maqālāt fī l-Kalām

14. Radd Uṣūl al-Khamsa li-Abī Muḥammad al-Bāhilī

15. Risāla fī l-Īmān

16. Risāla fīmā lā Yajūzu l-Waqf ʿalayhi fī l-Qurʾān

17. Kitāb al-Uṣūl

Die positiven Aussagen der Gelehrten über Imām al-Māturīdī sind zahlreich und können hier nicht vollständig aufgelistet werden. Schon allein die Tatsache, dass viele Imame der Ahl as-Sunna seiner Glaubensschule folgten und ihn als Anführer wählten, ist Beweis genug für sein hohes Ansehen. 

Aussagen der Gelehrten über Imām Abū Manṣūr al-Māturīdī

Imām ʿAbd al-Qādir al-Qurashi al-Ḥanafī (696–775 n.H.):

In der Biographie von Imām Abū Manṣūr al-Māturīdī schreibt er: „Muḥammad ibn Muḥammad ibn Maḥmūd Abū Manṣūr al-Māturīdī war einer der großen Gelehrten. Er erhielt sein Wissen von Abū Naṣr al-ʿIyāḍī. Er wurde als ‘Imām des rechten Weges’ (Imām al-Hudā) bezeichnet. Zu seinen Werken zählen: ‘at-Tawḥīd’, ‘al-Maqālāt’, ‘Radd Awāʾil al-Adilla li-l-Kaʿbī’, ‘Bayān Waḥm al-Muʿtazila’ und ‘Taʾwīlāt al-Qurʾān’. Letzteres ist ein einzigartiges Werk, das in diesem Fach seinesgleichen sucht. Ebenso hat er das Werk ‘Shattā’ verfasst. Er verstarb im Jahr 333 n.H., kurz nach dem Tod von Abū l-Ḥasan al-Ashʿarī. Sein Grab befindet sich in Samarqand. Diese Beschreibung fand ich in der Handschrift unseres Shaykhs Abū l-Ḥasan ʿAlī al-Ḥanafī. Ebenso sah ich sie in der Handschrift unseres Shaykhs Quṭb ad-Dīn ʿAbd al-Karīm.”

(Quelle: al-Qurashī, al-Jawāhir al-Muḍiyya fī Ṭabaqāt al-Ḥanafiyya, 2/130)

Ḥāfiẓ Qāsim ibn Qutlūbāġā as-Sūdūnī al-Ḥanafī (802–879 n.H.):

In seinem Werk Tāj at-Tarājim fī Ṭabaqāt al-Ḥanafiyya schreibt er: „Muḥammad ibn Muḥammad ibn Maḥmūd Abū Manṣūr al-Māturīdī war der Imām des rechten Weges (Imām al-Hudā). Zu seinen Werken zählen: ‘at-Tawḥīd’, ‘al-Maqālāt’, ‘Radd Awāʾil al-Adilla li-l-Kaʿbī’, ‘Bayān Waḥm al-Muʿtazila’ und ‘Taʾwīlāt al-Qurʾān’. Er verstarb in Samarqand im Jahr 333 n.H. Ich füge hinzu: Weitere Werke von ihm sind ‘Radd Taḏhīb al-Jadal li-l-Kaʿbī’, ‘Radd Kitāb Waʿīd al-Fussāq li-l-Kaʿbī’, ‘Radd Uṣūl al-Khamsa li-Abī Muḥammad al-Bāhilī’, ‘Radd Kitāb al-Imāma’ über einige Rāfiḍiten sowie ein Werk gegen die Qarāmiṭa. Weitere Bücher umfassen ‘Maʾākhiḏ ash-Sharāʾiʿ’ und ‘al-Jadal’ zu den Grundlagen des Fiqh. Allah weiß es am besten.”

(Quelle: Tāj at-Tarājim, 2/130)

Imām ʿAbd al-Ḥayy al-Lakhnawī al-Ḥanafī (1264–1304 n.H.):

Er sagte: „Muḥammad ibn Muḥammad ibn Maḥmūd Abū Manṣūr al-Māturīdī war der Imām der Mutakallimūn (islamischen Theologen) und ein Korrigierer des Glaubens der Muslime. Er verfasste herausragende Werke und widerlegte die Unwahrheiten derjenigen, die falsche Glaubenslehren vertreten.“

(Quelle: al-Fawāʾid al-Bahiyya fī Tarājim al-Ḥanafiyya, S. 195)

Imām ʿAbd al-Wahhāb ibn Aḥmad ash-Shaʿrānī (898–973 n.H.):

Er schrieb über die Ahl as-Sunna wa-l-Jamāʿa:„Dann, oh mein Bruder, sei dir bewusst, dass der Kern aller Überzeugungen der Ahl as-Sunna wa-l-Jamāʿa auf den Aussagen zweier großer Persönlichkeiten ruht: Der eine ist der Imām Abū Manṣūr al-Māturīdī, und der andere ist der Imām Abū l-Ḥasan al-Ashʿarī. Jeder, der einem von ihnen oder beiden folgt, wird rechtgeleitet und vor Abweichung und Verderbnis in seinen Überzeugungen bewahrt. Die Anhänger von al-Māturīdī erschienen im Māwarāʾ an-Naḥr (heute Zentralasien), während die Anhänger von al-Ashʿarī in Khorasan, Irak, Shām, Ägypten, dem Maghreb und vielen anderen islamischen Ländern verbreitet waren. Deshalb sagten die Menschen oft, wenn sie einen Gelehrten lobten: ‚Dieser und jener folgt der richtigen ashʿaritischen ʿAqīda.‘ Dabei war nicht beabsichtigt, die Richtigkeit der Überzeugungen anderer Gelehrter, wie der Māturīdīyya oder der Vorgänger des Imām al-Ashʿarī, zu negieren. Wie in der Erklärung von [Sharḥ al-Maqāṣid] erwähnt, sagte Imām Saʿd ad-Dīn at-Taftāzānī: ‚Wisse, dass es unter den Forschern der Ashʿarīyya und der Māturīdīyya keine grundlegenden Meinungsverschiedenheiten gibt, die dazu führen könnten, dass die eine Gruppe die andere als Neuerer (Mubtadiʿ) oder Irregehende bezeichnet. Ihre Unterschiede beschränken sich lediglich auf einige spezifische Themen.‘“

(Quelle: Qawāʿid al-Kaschfīya Mawāḍiḥatu Limāʿānī Ṣifāti Ilāhīya, S. 90–92)

Imām Kamāl ad-Dīn al-Bayāḍī (gest. 1097 n.H.):

Er schrieb: „Die Māturīdīyya waren die Anhänger von Imām Abū Ḥanīfa. Sie verteidigten die Lehren der Ahl as-Sunna vor der Zeit von Imām al-Ashʿarī. Es gab keine Zeit, in der es keine Verteidiger der Sunna gab. Vor al-Ashʿarī war Imām Abū Muḥammad ibn Saʿīd al-Qaṭṭān ebenfalls ein Verteidiger der Lehren der Ahl as-Sunna.“

(Quelle: Ishārāt al-Marām min ʿIbārāt al-Imām, S. 23)

ʿAllāma Ibn ʿĀbidīn ad-Dimašqī al-Ḥanafī (1198–1252 n.H.) schrieb in seinen Anmerkungen zu “ad-Durr al-Mukhtār Sharḥ Tanwīr al-Abṣār”: „(Seine Worte: ‚Über unsere Überzeugungen‘) beziehen sich auf das, woran wir glauben (ausgenommen die nebensächlichen Angelegenheiten), nämlich das, was jeder Mukallaf ohne Nachahmung (Taqlīd) von jemandem glauben muss. Dies entspricht den Überzeugungen der Ahl as-Sunna wa-l-Jamāʿa, die aus den Ashʿariten und den Māturīditen bestehen. Sie sind sich einig (in den grundlegenden Angelegenheiten), außer in einigen wenigen Themen, die manche als rein sprachliche Unterschiede betrachten, wie an entsprechender Stelle erklärt wurde.“

(Quelle: Radd al-Muḥtār ʿalā ad-Durr al-Mukhtār, 1/49)

Imām Aḥmad ad-Dardīr al-Mālikī (1127–1201 n.H.) schrieb in “Ḥarīdat at-Tauḥīd”: „Ein ʿĀlim (Gelehrter) ist jemand, der die  Urteile der Sharia kennt, auf denen die Richtigkeit der Religion basiert, sei es in Glaubensfragen oder im praktischen Bereich. Diese Gelehrten sind die rechtschaffenen Vorfahren (Salaf) und diejenigen, die ihnen in Güte folgten. Diejenigen, die nach ihnen kamen, die Imāme der Umma, denen man folgen muss, teilten sich in drei Gruppen: …Die zweite Gruppe ist jene, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Fragen des Glaubens zu klären, auf denen die Überzeugungen der Salaf basieren – dies sind die Imame al-Ashʿarī und al-Māturīdī sowie diejenigen, die ihnen folgten.

Diese drei Gruppen stellen die Elite der Umma Muḥammads (möge Allah ihn segnen und ihm Frieden schenken) dar. Alle anderen Gruppen und Strömungen, die außerhalb dieser drei Gruppen stehen, befinden sich im Irrtum, selbst wenn für einige von ihnen festgestellt wurde, dass sie den Islam nicht verlassen. Der Gerettete ist daher derjenige, der in seinem Glauben dem Weg folgt, der von der Ahl as-Sunna erklärt wurde. 

(Quelle: Ḥarīdat at-Tauḥīd, S. 194)



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