Die glaubenslehre der Ahlu Sunnah

Die Asha'irah und Maturidiyyah


Die Eigenschaften Allahs gehören zu den Mutashabihat

Allah sagt in der Sure al-Imran Vers 7: „Er ist es, Der das Buch (als Offenbarung) auf dich herabgesandt hat. Dazu gehören eindeutige Verse – sie sind der Kern des Buches – und andere, mehrdeutige. Was aber diejenigen angeht, in deren Herzen (Neigung zum) Abschweifen ist, so folgen sie dem, was davon mehrdeutig ist, im Trachten nach Irreführung und im Trachten nach ihrer Mißdeutung. Aber niemand weiß ihre Deutung außer Allah. Und diejenigen, die im Wissen fest gegründet sind, sagen: „Wir glauben daran; alles ist von unserem Herrn.“ Aber nur diejenigen bedenken, die Verstand besitzen.“

Allah hat uns im Qur’an verdeutlicht, dass es in Bezug auf diesen Aspekt zwei Arten von Offenbarungen gibt:

  1. Muhkam: Die entscheidenden, klaren und grundlegenden Verse in ihrer Bedeutung.
  2. Mutashabih: Die unspezifischen, mehrdeutigen und unklaren Verse in ihrer Bedeutung.

Die Eigenschaften Allahs gehören tatsächlich zu den Mutashabihat (mehrdeutigen Texten) in ihrer Bedeutung. Es ist daher unhaltbar zu behaupten, dass wir uns die Bedeutungen der Eigenschaften Allahs vorstellen oder sie mit unserem Verstand begreifen könnten. Nachfolgend wird ein Beweis von einem Gefährten des Propheten (Sallallahu alayhi wa Sallam), dem Qurʾan-Exegeten Ibn ʿAbbās (möge Allah mit ihm zufrieden sein), angeführt, der bestätigt, dass die Eigenschaften Allahs zu den Mutashabihat gehören, also zu den Texten, deren wahre Bedeutung mehrdeutig und nur Allah bekannt ist:

Der Prophet (Sallallahu alayhi wa Sallam) sagte: „Die Menschen werden ins Feuer geworfen, und es (die Hölle) wird sprechen: ‚Gibt es noch mehr?‘ Bis Allah Seinen Qadam (Fuß) darauflegt, woraufhin es sagt: ‚Genug! Genug!‘“

In Bezug auf dieses Ḥadīth wird berichtet, dass ein Kharijī – der wie alle Khawārij zu einer wörtlichen Deutung neigte – diesen Ḥadīth Ibn ʿAbbās vortrug. Der Kharijī geriet daraufhin in Angst und lehnte den Ḥadīth ab. Ibn ʿAbbās entgegnete ihm sinngemäß: „Worin besteht der Unterschied zwischen der Akzeptanz der klaren Überlieferungen und derjenigen, die auf verschiedene Weise interpretiert werden können? Ihr glaubt an die ersteren, doch sobald es um die letzteren geht, reagiert ihr, als ob ihr verloren wäret und irregeht!“

Diese Aussage von Ibn ʿAbbās verdeutlicht, dass die Gefährten die Eigenschaften Allahs zu den Mutashabihat zählten. Ihre wahre Bedeutung, wie sie von Allah beabsichtigt ist, bleibt unbegreiflich und für uns verborgen, da wir die Wirklichkeit Allahs nicht erfassen können.

ʿAbdur-Razzāq sagte in seinem Tafsīr ʿAbdur-Razzāq: „ʿAbdur-Razzāq berichtete uns von Maʿmar, von Ayyūb, von Ibn Sīrīn, von Abū Hurayrah, sowie von Maʿmar, von Hammām, von Abū Hurayrah, in Bezug auf die Aussage des Höchsten: {Am Tag, da Wir zur Hölle sprechen: ‚Bist du angefüllt?‘ und sie wird sagen: ‚Gibt es noch mehr?‘} [50:30]. Der Prophet (Sallallahu alayhi wa Sallam) sagte: ‚Es gab eine Auseinandersetzung zwischen der Hölle und dem Paradies. Das Paradies sprach: „O mein Herr, warum treten nur Bedürftige und Demütige in mich hinein?“ Die Hölle sprach: „In mich treten nur Tyrannen und Hochmütige hinein.“ Daraufhin sagte Allah zur Hölle: „Du bist Meine Strafe, die Ich über jene verhänge, die Ich will.“ Und zum Paradies sprach Er: „Du bist Meine Barmherzigkeit, die Ich über jene verhänge, die Ich will.“ Beide werden jedoch gefüllt, denn Allah erschafft für sie, was Er will. Was die Hölle betrifft, so werden die Menschen hineingeworfen, bis sie spricht: ‚Gibt es noch mehr?‘, bis Allah Seinen Qadam (Fuß) darauflegt. Daraufhin wird die Hölle gefüllt, ihre Teile werden eng zusammenrücken, und sie wird sagen: ‚Genug! Genug! Genug!‘“

ʿAbdur-Razzāq ergänzte: „Maʿmar berichtete uns von Ibn Dawwūs, von seinem Vater, von Ibn ʿAbbās, möge Allah mit ihm zufrieden sein, dass ein Mann diesen Ḥadīth von Abū Hurayrah vortrug. Der Mann erschrak und lehnte es ab. Daraufhin sagte Ibn ʿAbbās: ‚Warum unterscheidet er zwischen diesen? Sie glauben an das, was eindeutig (Muhkam) ist, und gehen zugrunde an dem, was mehrdeutig (Mutashabih) ist.‘“

Maʿmar ibn Rāshid erwähnt ebenfalls in seinem Jāmiʿ das Ḥadīth über den Qadam (Fuß) und fügt hinzu: „ʿAbdur-Razzāq berichtete uns von Maʿmar, von Ibn Dawwūs, von seinem Vater, der sagte: ‚Ich hörte, wie ein Mann diesen Ḥadīth von Abū Hurayrah Ibn ʿAbbās vortrug. Der Mann zitterte vor Angst und stand auf. Da sagte Ibn ʿAbbās: ‚Warum unterscheidet er zwischen diesen? Sie handeln nach dem, was eindeutig (Muhkamihi) ist, und gehen zugrunde an dem, was mehrdeutig (Mutashabihihi) ist.‘“

Die Aussage „Sie handeln nach dem Eindeutigen (Muhkam) und gehen zugrunde an dem Mehrdeutigen (Mutashabih)“ bedeutet, dass sie an das Eindeutige glauben, jedoch in Bezug auf das Mehrdeutige irregeleitet werden. Dies wird durch weitere Überlieferungen bestätigt, in denen Ibn ʿAbbās wiederholt darauf hinwies, dass die wahre Interpretation der Mutashabihat ausschließlich Allah bekannt ist.

Abū Jaʿfar Muḥammad ibn Jarīr al-Ṭabarī erklärt in seinem Jāmiʿ al-Bayān ʿan Taʾwīl Āy al-Qurʾān: „Yūnus ibn ʿAbdul-Aʿlā berichtete mir, er sagte: Sufyān erzählte uns von Maʿmar, von Ibn Dawwūs, von seinem Vater, von Ibn ʿAbbās. Die Khawārij brachten ihre Vorwürfe gegenüber dem Qurʾān vor und erwähnten dies bei Ibn ʿAbbās. Daraufhin sagte er: ‚Sie glauben an das, was eindeutig ist, und gehen zugrunde an dem, was mehrdeutig ist.‘ Und Ibn ʿAbbās rezitierte den Vers: {Nur Allah kennt seine Interpretation. Und diejenigen, die im Wissen fest gegründet sind, sagen: ‚Wir glauben daran.‘} [3:7].“

Abū Bakr Muḥammad ibn al-Ḥusayn al-Ājurri sagt in seinem Kitāb al-Sharīʿah: „Abū Bakr ibn ʿAbd al-Ḥamīd berichtete uns: Ibn al-Muqriʾ berichtete uns: Sufyān berichtete von Maʿmar, von Ibn Dawwūs, von seinem Vater, dass die Khawārij Ibn ʿAbbās aufsuchten und ihre Zweifel bezüglich des Qurʾāns vortrugen. Daraufhin sagte Ibn ʿAbbās: ‚Sie glauben an das, was eindeutig (Muhkam) ist, und gehen irre in dem, was mehrdeutig (Mutashabih) ist.‘ Er rezitierte dazu den Vers: {Niemand kennt seine Interpretation außer Allah. Und diejenigen, die im Wissen fest gegründet sind, sagen: „Wir glauben daran.“} [3:7].“

ʿAbd al-Raḥmān ibn Aḥmad ibn Rajab al-Ḥanbalī sagt in seinem Fatḥ al-Bārī: „Es wurde authentisch überliefert, dass Ibn ʿAbbās, möge Allah mit ihm zufrieden sein, diejenigen ablehnte, die etwas an diesen Texten auszusetzen hatten. Ibn ʿAbbās erklärte, dass Allah erhaben ist über das, was von den Khawārij in diese Texte hineininterpretiert wurde. ʿAbd al-Razzāq überliefert in seinem Werk von Maʿmar, von Ibn Dawwūs, von seinem Vater, dass dieser sagte: ‚Ich hörte, wie ein Mann ein Ḥadīth von Abū Hurayrah bei Ibn ʿAbbās vortrug: „Es gab einen Streit zwischen dem Paradies und der Hölle“, und darin hieß es: „Es wird nicht gefüllt sein, bis Allah Seinen Rijl (Fuß) daraufsetzt“, oder er sagte: „Seinen Qadam (Fuß) daraufsetzt.“‘ Daraufhin zitterte der Mann vor Angst und stand auf. Ibn ʿAbbās sagte: ‚Warum unterscheidet er zwischen diesen? Sie handeln gut und wohlwollend mit dem Eindeutigen (Muhkam), doch sie gehen zugrunde mit dem Mehrdeutigen (Mutashabih).‘“

Der Umgang mit den Mutashabihat (mehrdeutigen Texten) besteht darin, sie unverändert zu überliefern und ihr Wissen Allah zu überlassen, wie es auch Ibn ʿAbbās betonte. Dies wird von al-Zuhrī bestätigt, einem Schüler einiger Gefährten des Gesandten Allahs (Sallallahu alayhi wa Sallam), möge Allah mit ihnen allen zufrieden sein.

Abū Bakr Muḥammad ibn Isḥāq al-Kalābādhī sagt in seinem Baḥr al-Fawāʾid:

„Ich hörte Abū Muḥammad ibn Aḥmad ibn ʿAbdullāh al-Muzanī sagen: ‚Al-Qāsim ibn Zakarīyyā al-Muqriʾ berichtete uns: Muḥammad ibn al-Ṣabāḥ berichtete uns: Al-Walīd ibn Muslim berichtete uns von al-Awzāʿī, dass er al-Zuhrī über einige mehrdeutige Berichte befragte. Al-Zuhrī sagte: ‚Von Allah ist das Wissen, dem Gesandten (Sallallahu alayhi wa Sallam) obliegt die Botschaft, und uns obliegt die Ergebung. gebe die Ḥadīthe des Gesandten Allahs (Sallallahu alayhi wa Sallam) so, wie sie gekommen sind (imrar).‘“

Wenn gesagt wird, dass die Methode des „so lassen, wie sie überliefert wurden“ darin besteht, die offensichtliche oder wörtliche Bedeutung zu bestätigen oder die Modalitäten der Angelegenheit Allah zu überlassen, so wäre dies falsch, wie nachfolgend geschildert wird.

Abū Nuʿaym Aḥmad ibn ʿAbdullāh al-Aṣbahānī sagt in seiner Ḥilyat al-Awliyāʾ wa Ṭabaqāt al-Aṣfiyāʾ: „Abū Aḥmad Muḥammad ibn Aḥmad berichtete uns: Maḥmūd ibn Muḥammad al-Wāsitī berichtete uns: Muḥammad ibn al-Ṣabāḥ berichtete uns: Al-Walīd ibn Muslim berichtete uns von al-Awzāʿī, von al-Zuhrī, dass dieser überlieferte, dass der Prophet (Sallallahu alayhi wa Sallam) sagte: ‚Ein Mensch, der Unzucht begeht, ist im Moment der Tat kein Gläubiger.‘ Ich fragte al-Zuhrī: ‚Was bedeutet das?‘ Al-Zuhrī sagte: ‚Von Allah ist das Wissen, dem Gesandten (Sallallahu alayhi wa Sallam) obliegt die Botschaft, und uns obliegt die Ergebung. Gebe die Ḥadīthe des Gesandten Allahs (Sallallahu alayhi wa Sallam) so, wie sie gekommen sind (imrar).‘“

Die offensichtliche Bedeutung dieses Hadiths ist, dass derjenige, der solche Handlungen begeht (einschließlich des Diebstahls nach dem vollen Hadith), seine Religion verlassen hat. Sogar die Kommentatoren dieses Hadith sagten, dass es nicht seiner offensichtlichen Bedeutung entspricht. Die Salaf würde Imrar in Angelegenheiten verwenden, die nicht mit den Eigenschaften Allahs zu tun haben. Um also zu verstehen, was die Salaf mit imrar in Bezug auf die Eigenschaften Allahs meinten, muss man sich solche Aussagen ansehen.

Tatsächlich geht es beim Imrar nicht darum, die offensichtliche Bedeutung eines Hadith zu erfassen, sonst hätte die Antwort „Von Allah kommt das Wissen“ keinen Sinn.

Im Gegenteil, Imrar bedeutet, die Bedeutung eines Textes Allah zu überlassen und sich der Äußerung einer Meinung zu enthalten.

Mullah Jiwan as-Siddiqi (gest. 1180 n.H.) schreibt in seinem Werk Nur al-Anwar: „Der Imam al-Shafiʿī (möge Allah ihm gnädig sein) und die Mehrheit der Muʿtazilah sagten: Die fest verankerten Gelehrten kennen auch seine Deutung. Die Grundlage des Meinungsunterschieds liegt in Allahs Aussage: ‚Und niemand kennt seine Deutung außer Allah und den fest im Wissen Verwurzelten, die sagen: Wir glauben daran‘ (3:7). Nach unserer Meinung sollte die Pause nach Seinen Worten ‚außer Allah‘ gemacht werden, und Seine Aussage ‚und die fest im Wissen Verwurzelten‘ bildet einen eigenständigen Satz. Denn Allah hat das Folgen der Mutashabihat als Merkmal derjenigen mit abweichendem Herzen beschrieben, und somit ist die Rolle der fest im Wissen Verwurzelten, zu gehorchen und sich zu fügen. Nach einigen Lesarten ist ‚al-rasikhun‘ ohne das waw und in anderen wird gelesen: ‚yaqulu al-rasikhun‘ (die Festverwurzelten sagen). Nach Imām al-Shafiʿī (möge Allah ihm gnädig sein) wird die Pause nicht bei ‚außer Allah‘ gemacht; vielmehr ist ‚und die fest im Wissen Verwurzelten‘ mit ‚Allah‘ verbunden, wobei ‚und sie sagen‘ eine Umstandsklausel darstellt. Somit wäre die Bedeutung: ‚Niemand kennt seine Deutung außer Allah und die Gelehrten, die fest im Wissen verwurzelt sind.‘ Allerdings ist dies lediglich ein semantischer Streit, da diejenigen, die sagen, ‚Die fest Verwurzelten kennen seine Deutung‘, meinen, dass sie ihn durch spekulative Deutung kennen, während diejenigen, die sagen, ‚Die fest Verwurzelten kennen seine Deutung nicht‘, meinen, dass sie die definitive Deutung, die zu glauben ist, nicht kennen.“



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