Einleitung
Die Tahrif (Verfälschung/Verzerrung) der Worte und des Buches des Schülers von Ahmad Ibn Hanbal, Harb Ibn Isma’il al-Kirmani (gest. 280 n.H.), insbesondere seines Werkes „Masa’il“ (Fragen), das sowohl juristische als auch theologische Kapitel enthält. Dieses Werk wird in der heutigen Form oft separat als „Sunnah/Ijma’ Salaf fi l-’Itiqad“ (Konsens der Salaf in Glaubensfragen) veröffentlicht.
Schlüsselpunkte der Analyse:
1. Einleitung und Beschreibung des Textes.
2. Die Zuschreibung eines zentralen Kapitels des Textes an Ahmad Ibn Hanbal durch Ibn Abi Ya’la (gest. 526 n.H.).
3. Beweise für die Tahrif: Die Hinzufügung von Aussagen über die Begrenzung (hadd) Allahs in der Version von Harbs Buch, die wir heute besitzen.
4. Mangelnde Überlieferungskette (Sanad) für das Buch.
(1) Einleitung: Die Werke von Harb Ibn Isma’il al-Kirmani
Harb Ibn Isma’il al-Kirmani war Schüler von Ahmad Ibn Hanbal und Ishaq Ibn Rahuyah. Sein Werk „Masa’il“ enthält Fragen, die er diesen beiden Imamen stellte, und umfasst sowohl juristische als auch theologische Themen.
Die heutige Version des Werkes enthält theologische Kapitel, die oft separat als „Sunnah/Ijma’ Salaf fi l-‘Itiqad“ veröffentlicht werden.
Der Herausgeber einer Ausgabe, Muhammad Ibn Hadi al-Madkhali, stellt fest, dass das Werk unvollständig ist und zahlreiche Verzerrungen und Fehler enthält. [Siehe: „Ijma’ Salaf fi l-’Itiqad“, Kairo-Edition, herausgegeben von Muhammad Ibn Hadi al-Madkhali, S. 22].
Es existieren zwei Manuskripte:
• In der Yusuf-Agha-Bibliothek (Türkei).
• In der Dar Ibn al-Athir-Bibliothek (Saudi-Arabien).
Keines der Manuskripte enthält eine Überlieferungskette (Sanad), und sie werden in den Werken früherer Gelehrter nicht erwähnt.
Ein weiterer Herausgeber, ’Adil Ibn ‘Abdullah al-Hamdan, stellt ebenfalls fest, dass das Buch viele Fälschungen enthält, die in keinem anderen Werk vorkommen. Er unterscheidet das Werk von einem anderen Buch Harbs, „Al-Sunnah wa-l-Jama’ah“, welches verloren ist. [Siehe: Einleitung von ’Adil Ibn ’Abdullah al-Hamdan].
(2) Zuschreibung eines Kapitels zu Ahmad Ibn Hanbal
Ein Kapitel in Harbs Buch „Masa’il“ mit dem Titel „Bab al-Qawl bi-l-Madhhab“ (Kapitel zur Aussage der Rechtsschule) wurde ursprünglich von Ibn Abi Ya’la Ahmad Ibn Hanbal zugeschrieben. Diese Zuschreibung findet sich in seinem Buch „Tabaqat al-Hanabilah“ [1/54, King-Abdul-Aziz-Edition].
Später wies Ibn Taymiyyah darauf hin, dass die Überlieferungskette zu Ahmad Ibn Hanbal schwach oder gefälscht sei. Er schrieb das Kapitel stattdessen Harb Ibn Isma’il zu und stellte fest, dass die Formulierungen besser zu Harbs Stil passen. [Siehe: „Al-Istiqamah“, 1/73, Imam-Muhammad-Ibn-Su’ud-Edition].
Ibn Taymiyyah bemerkte, dass weder Al-Khallal noch andere zuverlässige Überlieferer diese Texte Ahmad Ibn Hanbal zuschreiben. Jedoch verwendet er nicht die gleiche Argumentation, um zu zeigen, dass die Texte möglicherweise später Harb selbst zugeschrieben wurden.
(3) Beweise für die Tahrif: Hinzufügung der Begrenzung (hadd)
Ein zentraler Punkt der Analyse ist die Aussage, dass Allah auf seinem Thron mit einer Begrenzung (hadd) sei. Diese Formulierung taucht in späteren Texten auf und wird Harbs Werk „Masa’il“ zugeschrieben.
Vergleich der Versionen:
• Al-Khallals Version (zitiert von Al-Dhahabi in „Mukhtasar al-‘Uluw“): Harb fragt Ishaq Ibn Rahuyah nach dem Vers:
„Es gibt keine vertrauliche Unterredung von dreien, ohne dass Er der Vierte ist“ (Qur’an 58:7).
Ishaq antwortet: „Wo immer ihr seid, ist Er euch näher als eure Halsschlagader, doch Er ist getrennt von seiner Schöpfung.“
• Version in der heutigen „Masa’il“: Zusätzlich wird Ishaq gefragt:
„Hat der Thron eine Begrenzung (hadd)?“
Ishaq antwortet: „Ja, er hat eine Begrenzung.“ Und er zitiert Ibn al-Mubarak:
„Er ist auf seinem Thron, getrennt von seiner Schöpfung, mit einer Begrenzung (hadd).“
Diese Zusatzformulierung ist eine spätere Einfügung, da sie weder in Al-Khallals noch in Al-Dhahabis Version auftaucht. Sie wird erstmals in Ibn Battas (gest. 387 n.H.) Werk „Al-Ibanah“ erwähnt.
(4) Die Rolle von Ibn Batta und spätere Übernahme
Ibn Batta übernahm die verzerrte Version, und spätere Gelehrte wie Ibn Taymiyyah wiederholten sie. Ibn Batta wurde von Al-Khatib al-Baghdadi (gest. 463 n.H.) als unzuverlässig bezeichnet. In seinem „Tarikh Baghdad“ erwähnt er, dass Ibn Batta Hadithe und Texte fälschte und Überlieferungsketten erfand.
Fazit
Die heutige Version von Harbs „Masa’il“ enthält spätere Einfügungen, insbesondere die Behauptung einer Begrenzung (hadd) Allahs. Dies wird durch den Vergleich der älteren Versionen mit späteren Texten bestätigt. Die ursprünglichen Überlieferungen, wie von Al-Khallal zitiert, weisen auf eine klare Trennung zwischen Schöpfer und Schöpfung hin, ohne die umstrittenen Zusätze.