Die glaubenslehre der Ahlu Sunnah

Die Asha'irah und Maturidiyyah


Imam Abu Ja‘far at-Tahawi‘s Glaubenslehre -Salafi oder Hanafi/Maturidi/Ash‘ari ?

Imam Abu Ja‘far at-Tahawi‘s Glaubenslehre –

Salafi oder Hanafi/Maturidi/Ash‘ari

Bevor wir mit dem Beitrag beginnen, möchten wir klarstellen, dass wir mit dem Beitragtitel nicht beabsichtigen, dass Imam Abu Ja‘far at-Tahawi ein Ash‘ari/Maturidi wäre, vielmehr wollen wir aufzeigen dass er das selbe Verständnis in der Religion wie sie hatte. Bevor wir mit dem zitieren anfangen, möchten wir aufzeigen wie Imam Tahawi und die anderen mit Imam Abu Hanifa verbunden sind. Dieses ist wichtig, da Imam Tahawi die Aqidah von Imam Abu Hanifa darlegt, er präsentiert im Allgemeinen, die Hanafi Aqidah die ihn erreicht hat.

1. Imām At-Tahāwī’s Sanad zu Imām Abū Hanīfah

Er nahm sein Wissen von Sulaymān bin Shu’ayb al-Kīsānī, der von Basār bin Qutaybah und Ibn Abī ‚Imrān und Abī Hāzim.

Er nahm auch von ‚Isā ibn Abbān welcher von Imām Muhammad nahm, der wiederum nahm das Wissen von Imām Abū Hanīfah.

— Basār nahm von seinem Vater, er wiederum nahm von Abū Yūsuf, und er von Imām Abū Hanīfah.

— Ibn Abī ‚Imrān nahm von Hilāl bin Yahyā, und er von Zufar und Abū Yūsuf und sie beide von Abū Hanīfah.

— Abī Hāzim nahm von Ibn Samā’ah und Bishr al-Walīd, Ibn Samā’ah nahm von Imām Muhammad und Abū Yūsuf und sie beide von Abū Hanīfah. Bishr al-Walīd nahm von Abū Yūsuf und er wiederum von Abū Hanīfah.

2. Al-Hakīm as-Samarqandī

Er nahm sein Wissen von Abū Mansūr al-Māturīdī, er von Nusayr bin Yahyā, Abū Bakr al-Juzjani, Abū Nasr al-‚Iyādhī und Muhammad bin Muqātil ar-Rāzī.

— Nusayr nahm sein Wissen von Hammād, er von Abū Hanīfah. Er nahm sein Wissen ebenso von Abū Sulaymān al-Juzjānī, welcher sein Wissen von Abū Yūsuf und Imām Muhammad nahm und sie beide nahmen ihr Wissen von Imām Abū Hanīfah.

— Abū Bakr al-Juzjānī nahm sein Wissen von Abū Sulaymān al-Juzjānī (der Rest wurde oben schon erwähnt)

— Abū Nasr al-‚Iyādhī nahm sein Wissen von Abū Sulaymān al-Juzjānī (der Rest wurde oben erwähnt)

— Muhammad bin Muqātil ar-Rāzi nahm sein Wissen von Imām Muhammad, er von Abū Hanīfah.

3. Abū Salamah as-Samarqandī

Er nahm sein Wissen von Abū Ahmad Nasr al-‚Iyādhī.

— Abū Ahmad nahm sein Wissen von Imām Abū Mansūr al-Māturīdī und Imam Abū Nasr al-‚Iyādhī (und Ihre Ketten wurden in al-Hakims Kette erwähnt.)

4. Abū al-Qāsim as-Saffār al-Balkhī

Er nahm sein Wissen von Abū Salamah und Nusayr bin Yahyā.

— und ihre Ketten wurden oben schon erwähnt (Abū Salamah und Abū Mansūr al-Māturīdī’s Kette zu Nusayr)

5. Muhammad bin Fadhl al-Balkhī

Ich war nicht in der Lage seine Ketten zu finden, wie auch immer, was bekannt ist, dass er während 300 nach Hijra lebte und von den Balkh Gelehrten lernte, was bedeutet, dass er von den Oberhäuptern von Balkh nahm z.B. wie Abū al-Qāsim as-Saffār al-Balkhī und ähnliche.

Aus den Ketten geht hervor , dass sich alle Gelehrten auf zwei Hauptschüler von Imam Abu Hanifah beziehen und zwar Qadi Abu Yusuf und Imam Muhammad ash-Shaybani.

Diskussionspunkte:

⁃ Allahs Eigenschaften sind ewig

⁃ die Unmöglichkeit der Veränderung in Bezug auf Allah dem Allmächtigen

⁃ Richtung und Ort

⁃ Die Hoheit Allahs

⁃ Ta’wil und Tafwidh

⁃ das sehen von Allah im Jenseits

Für jeden Punkt werde ich zeitgenössische Hanafiten zitieren um zu beweisen, dass sie alle in Übereinstimmung mit Imam Tahawi sind.

Einer der vielen Punkte, über welche die Salafis nicht genug nachdenken, sind die Worte Imam Tahawis:

„Er existierte immer und urewig, mit all Seinen Eigenschaften, bevor Er die Schöpfung erschuf. Ihre Erschaffung hat Seinen Eigenschaften nichts hinzugefügt, das nicht schon vorher dazu zählte. So wie Er mit all Seinen Eigenschaften in der Vorewigkeit existierte, wird Er weiter bis in alle Ewigkeit bestehen.“

⁃ Allahs Eigenschaften sind ewig

⁃ Allah verändert sich nicht, denn die Ewigkeit negiert die Veränderung

Dieser Punkt ist wesentlich für einen anderen Punkt. Allahs Hoheit , welches wir später im Beitrag diskutieren werden.

Aus der obigen Aussage Tahawis geht hervor, dass Allah Perfekt und Vollkommen ist und sich nicht verändert und keine neuen Eigenschaften erlangt noch werden seine Eigenschaften perfekter oder vollkommener. Seine Eigenschaften sind so wie sie vor der Schöpfung waren und sie verändern sich nicht.

Weiterhin entnehmen wir aus der Aussage, dass Allah immer die gleichen Eigenschaften haben wird. Dieses betrifft alle Eigenschaften, einschließlich seiner Hoheit und bezieht sich sogar auf andere Sachen wie dem „herabsteigen“ und „erheben“.

Wenn Allahs Selbst mit dem Herabsteigen beschrieben werden würde, so müsste dies etwas sein, was nicht auf eine Entstehung hindeutet. Und dieses muss ewig sein und darf keinen Anfang und kein Ende haben und keiner Veränderung unterliegen.

Wenn jedoch das herabsteigen nicht auf seine Eigenschaften des Wesens verweist, sondern auf eine Handlung oder ein Ereignis verweist, die Allah erschafft, wie das herabsteigen lassen der Engel oder ähnliches, dann kann dieses einen Beginn haben.

Wenn wir dieses Prinzip von Imam Tahawi auf das herabsteigen (Nuzul) anwenden in Bezug auf Allahs Wesen, so wäre es nach Imam Tahawi per Definition unmöglich, denn das herabsteigen impliziert per Definition einen Anfang und Ende.

Das obige kann auch auf andere Handlungen angewendet werden, welches die Salafis behaupten, einen Anfang zu haben, wie der Akt, dass Allah am Tag des Gerichts anfangen wird zu reden. Wenn der Akt des Sprechens, der sich auf sein Wesen bezieht, erst am Tag der Auferstehung beginnen wird, so ist dieses genau was Imam Tahawi negiert.

Die Salafis widersprechen eindeutig Imam Tahawi.

Zeitgenössische Hanafi Gelehrten bezüglich dieser Thematik:

Imam al-Hakim al-Samarqandi (verst. 342 n.H.) erwähnt in As-Sawad al-A‘dham (welches auch Abu Hafs al-Kabir [verst. 216 n.H.] und Abu Hafs as-Saghir [verst. 246] zugeschrieben wird in einigen Manuskripten):

“Der Gläubige sollte wissen, dass Allah in der Ewigkeit der Schöpfer war, bevor er die Schöpfung erschuf, er verändert sich nicht von einem Zustand zu einem anderen. Was die Aussage desjenigen anbelangt: „Allah war nicht Schöpfer bevor er die Schöpfung erschuf und wurde Schöpfer nachdem er die Schöpfung erschuf.“ Dann ist es wie die Aussage desjenigen der sagt:“ Allah war kein ilah, danach wurde er ilah.“ und diese Aussage ist Unglauben.““

Imam Abu Salamah as-Samarqandi al-Hanafi (verst. 340 n.H.) hat in seinem Jumal min Usul ad-Din ein ganzes Kapitel, worin er klarlegt, dass die Welt einen Anfang hat und die notwendige Existenz existieren muss, um all dieses hervorzubringen, während Er selbst keinen Anfang hat. Er weist in dem Kapitel daraufhin, dass die notwendige Existenz sich nicht verändert, denn die Veränderung würde implizieren von der Zeit beeinflusst zu sein und die Zeit ist eine Schöpfung und die Schöpfung ist alles andere außer Allah.

Imam Abu al-Qasim as-Saffar al-Balkhi (320 n.H.) sagte in Ajwibah as-Saffar oder besser bekannt als Usul at-Tawhid:

„Er wurde über denjenigen gefragt, der sagt: die Rede Allahs ist eine ewige Eigenschaft von Ihm, endet nicht und ist nicht verbunden mit der Zeit, wie auch immer (es ist bekannt dass) das Sprechen verbunden mit der Zeit ist und über den der dasselbe über allen anderen Eigenschaften sagt, wird auf ihn der Unglaube angewandt oder nicht ?

Er antwortete: Ja, denn das Sprechen ist eine Eigenschaft von Allah und derjenige der sagt, dass das Sprechen mit der Zeit verbunden ist (in Bezug auf Allah), so hat er erschaffene/ neu aufgekommene Sachen für die Eigenschaften Allahs bestätigt und wer sagt, dass Allahs Eigenschaften erschaffen/ neu aufgekommen (muhdath) sind, ist ein Ungläubiger.“

Imam Muhammad bin Fadhl al-Balkhi (verst. 317 n.H.) sagte in Kitab al-Itiqad:

„Allah hat nicht aufgehört und hört nicht auf Schöpfer und Versorger zu sein und Er verändert sich nicht von einem Zustand zu einem anderen.“

Wir haben bewiesen, dass Imam Tahawi sowie zeitgenössische Ahnaf, alle mit seiner Glaubenslehre übereinstimmen.

Es wird klar, dass wenn Allah innerhalb der Zeit handeln würde, so würden erschaffene/ neu aufgekommene Sachen in Bezug auf Allah auftreten und dieses ist in Widerspruch zu dem was Tahawi und zeitgenössische Gelehrten der Ahnaf erwähnten.

⁃ Sind Richtungen und Orte möglich für Allah gemäß Imam Tahawi ?

Bevor wir die Aussage von Imam Tahawi erwähnen, ist es wichtig das vorherige Prinzip welches Imam Tahawi etablierte in Bezug auf Allah und seine Eigenschaften anzuwenden. Wir werden dieses Prinzip natürlich auch auf die Hoheit Allahs anwenden.

⁃ Allahs Eigenschaften verändern sich nicht

⁃ Allahs Eigenschaften sind ewig

⁃ Allah erlangt keine neuen Eigenschaften nachdem er die Schöpfung erschuf

Imam Tahawi sagt:

„Allah ist hocherhaben über Grenzen, Enden, Bestandteile, Gliedmaßen und Hilfsmittel.“ Dann sagte er weiter: „Die sechs Himmelsrichtungen umfassen Ihn nicht, noch umfassen ihn die restlichen erschaffenen Dinge.“

Dies bedeutet, dass keine einzige Richtung Ihn umfasst noch irgendeine Schöpfung. Selbst wenn jemand behauptet, dass eine einzige Richtung Ihn umfasst, so würde dies in Widerspruch zu Imam Tahawis Worten stehen. Imam Tahawi hat auch nur die Möglichkeit einer einzigen Richtung negiert.

Wir haben bewiesen, dass Imam Tahawi die Richtungen in Bezug auf Allah negiert sowie dass Allah von irgendeiner Schöpfung umfasst wird, dies beinhaltet natürlich auch den Raum und den Ort, denn diese gehören ja auch zur Schöpfung.

Um diesen Punkt nochmal zu stärken, werden wir das Ursprüngliche Prinzip von Imam Tahawi anwenden. Würde Allah in einen Raum oder in einen Ort eindringen oder sich von einem Ort zu einem anderen bewegen, so würden Allah neue Eigenschaften zugeschrieben werden, die er vorher nicht besaß. Dieses wäre in Widerspruch zu dem was Imam Tahawi sagte.

Zeitgenössische Hanafi Gelehrte die dieses ebenso sagten.

Imam al-Hakim as-Samarqandi al-Hanafi sagte:

„Und wir haben erwähnt, dass man wissen sollte, dass ein Ort für Allah nicht bestätigt wird, noch ein (wörtliches) kommen und gehen noch irgendeine Eigenschaft der Geschöpfe. So wisse, dass er kein Ort hat (an dem er sich befindet), noch bedarf er des Thrones, vielmehr existiert der Thron durch seine Allmacht…“

Abu Salamah as-Samarqandi al-Hanafi, erzählt in dem Kapitel, dass Allah sich von seiner Schöpfung unterscheidet, weiterhin sagt er, dass wenn Allah ein Körper wäre, dass es implizieren würde, dass er umfasst wird und dieses würde zum Ausdruck bringen,dass Allah bezwungen und enstanden wäre, welches natürlich in Bezug auf Allah unmöglich ist.

(Jumal min Usūl ad-Dīn 20 DKI)

Imām Abū al-Qāsim as-Saffār Al-Balkhi sagte:

„Wenn gesagt wird: dass Existierende kann nur gesehen werden wenn es in einer Richtung existiert, deshalb wird er in einer Richtung gesehen welche sich auf eine andere Richtung bezieht, jedoch existiert Allah ohne Richtung, wie kann er dann gesehen werden ?‘

Wir sagen:“Das existierende wird nicht gesehen, weil es in einer Richtung existiert, vielmehr wird er gesehen weil er existiert, also wird Allah gesehen, weil er ohne Richtung existiert.

Er fügt hinzu: Siehst du nicht, dass Allah ohne Richtung bekannt ist, ebenso wird er ohne Richtung gesehen.“

(Ajwibah as-Saffar 97)

Dies ist eine klare Aussage von dem Imam, indem er die Richtung für Allah negiert.

Imam Muhammad bin Fadl bin al-‚Abbas al-Balkhi al-Hanafi (verst. 317 n.H.) sagte in “Kitab al-‘Itiqad“:

“Punkt 52, ist zu wissen, dass Allah istiwa über den Thron getan hat und Allah ist über dem Thron ohne Beschaffenheit (kayf) und ohne Verähnlichung, wie Allah beabsichtigte, die Hoheit (im Sinne von) Größe und Herrsein und nicht die Hoheit der Erhebung von Ort (zu Ort) oder der Distanz und nicht wie die Karamiyyah sagen, dass der Thron sein Ort wäre.“

Und er sagte auch:“Punkt 48 ist, dass kein Ort für Allah bestätigt wird, weil er keinen Ort benötigt.“

Fahren wir fort mit der Hoheit Allahs. Stimmt Imam Tahawi mit den Salafis oder Maturidiyyah überein?

Bevor wir diesen Punkt etablieren, müssen wir wissen welche Ansicht die Maturidiyyah und Asha’irah diesbezüglich teilen.

1. Sie schreiben Allah die Hoheit des Status zu.

2. Sie schreiben Allah eine Hoheit im kompletten Sinne zu, frei von Nähe zu dem Thron und alles was sich darunter befindet.

3. Einige benutzen es ebenso als eine negierende Eigenschaft, um das vermischen mit der Schöpfung zu negieren, wir schreiben ihm die Hoheit (Uluww) als Symbolisierung der Erhabenheit zu. Siehe dazu Tafsir al-Samarqandi

4. Einige sagten, er ist über allem und damit ist eine Bedeutung gemeint die nur Allah weiß und wir forschen nicht nach ihrer Bedeutung.

Was sagt Imam Tahawi über die Hoheit Allahs ?

Wir haben verschiedene Manuskripte diesbezüglich. Sie enthalten zwei verschiedene Wortlaute, welche wir jetzt zitieren werden.

1. In einigen Manuskripten kommen folgende Worte vor, die Imam Tahawi sagte:

„Er (Allah) bedarf weder des Thrones noch dessen, was sich darunter befindet, Er umfasst alle Dinge und ist über ihm und nicht von dem was er erschaffen hat, kann Ihn umfassen.“

2. Und in anderen Manuskripten kommen folgende Worte vor:

„Er (Allah) bedarf weder des Throns, noch dessen was sich darunter befindet. Er umfasst alle Dinge und was sich darüber befindet, und nichts von dem, was Er erschaffen hat, kann Ihn umfassen.“

Nun werden wie unser vorheriges Prinzip, welches Imam Tahawi festlegte, bezüglich des ersten Manuskript anwenden. Um unser Prinzip vor Augen zu haben, zitieren wir dieses noch einmal. Imam Tahawi sagte:

„Er existierte immer und urewig, mit all Seinen Eigenschaften, bevor Er die Schöpfung erschuf. Ihre Erschaffung hat Seinen Eigenschaften nichts hinzugefügt, das nicht schon vorher dazu zählte. So wie Er mit all Seinen Eigenschaften in der Vorewigkeit existierte, wird Er weiter bis in alle Ewigkeit bestehen.“

Daher war Allah immer in Hoheit bevor er etwas erschuf und nachdem erschaffen der Schöpfung ist er immernoch in Hoheit, ohne sich zu verändern. Seine Hoheit verändert sich nicht, auch nicht nachdem erschaffen des Thrones. Wenn er nachdem erschaffen des Thrones physikalisch über den Thron wäre, so würde dies eine Veränderung darstellen, dass heißt Allah würde mit einer neuen Art von Hoheit beschrieben werden, welche er davor nicht hatte, dies wäre eine Hinzufügung zu Seinen Eigenschaften. Und genau dieses lehnte Imam Tahawi ab. Wie um Gotteswillen kommen dann die Verkörperlicher darauf, dass Imam Tahawi von einem physikalischen „über etwas sein“ redet. Wir werden es nicht verstehen können.

Außerdem, wenn wir uns den Kontext dieser Aussage anschauen so ist es klar, dass Imam Tahawi keine örtliche Hoheit meint, denn er sagte: „Er (Allah) bedarf weder des Thrones noch dessen, was sich darunter befindet…“. Wenn er physikalisch auf/über dem Thron wäre so hätte er Bedürftigkeit vom Thron um in der Hoheit zu sein, also seine Hoheit wäre auf den Thron angewiesen und dieses lehnte er doch ab.

Deswegen sagte Imam Abu Hanifa in Wassiyah:

„Wenn Er (jemals) des Sitzens (julus) und des Sesshaftwerdens (qarar) [auf dem Thron] bedürftig wäre, wo war Allah (subhanahu wa taʿala) dann vor der Erschaffung des Thrones? Möge Allah davon freigesprochen sein, erhaben und groß ist Er.“

In anderen Worten, meinte Abu Hanifa, wenn Allah in bedarf des Thrones ist, um in der Hoheit zu sein, wo war Allah dann davor ?

Um dieser Tatsache zu entgehen haben einige Verkörperlicher sogar behauptet, dass der Thron in Ewigkeit mit Allah existierte und solch eine Aussage ist Unglauben mit dem Konses aller Gelehrten, denn alles andere außer Allah hat ein Anfang und ist erschaffen.

Was das zweite Manuskript anbelangt, so kann man daraus nichts falsches verstehen. Denn er sagte einfach nur:

„Er (Allah) bedarf weder des Throns, noch dessen was sich darunter befindet. Er umfasst alle Dinge und was sich darüber befindet, und nichts von dem, was Er erschaffen hat, kann Ihn umfassen.“

Und Imam Muhammad ibn Hassan ash-Shaybani (verst. 189 n.H.) sagte, so wie es Imam an-Nātifi in Al-Ajnās überlieferte:

“Allah hat nicht die Schöpfung erschaffen, um von ihr abhängig zu sein, noch glauben wir, dass unser Schöpfer eins mit ihr wird. Vielmehr steht er weit über ihr mit Kontrolle und Macht, nicht mit Bewegung und Aufstieg.“

Das nächste Thema ist Tafwīdh & Ta’wīl. Bevor wir anfangen müssen wir erstmal diese beiden Begriffe definieren.

Tafwīdh:

Tafwidh bedeutet, das Wissen einer bestimmten Sache Allah zu überlassen, dies wird auf die Mutashabihat angewendet und dies ist was uns befohlen wurde zu tun.

Allah sagt im Qur‘an:

„Er ist es, Der das Buch (als Offenbarung) auf dich herabgesandt hat. Dazu gehören eindeutige Verse – sie sind der Kern des Buches – und andere, mehrdeutige. Was aber diejenigen angeht, in deren Herzen (Neigung zum) Abschweifen ist, so folgen sie dem, was davon mehrdeutig ist, im Trachten nach Irreführung und im Trachten nach ihrer Mißdeutung. Aber niemand weiß ihre Deutung außer Allah. Und diejenigen, die im Wissen fest gegründet sind, sagen: „Wir glauben daran; alles ist von unserem Herrn.“ Aber nur diejenigen bedenken, die Verstand besitzen.“

Imam Hakim as-Samarqandi sagte in Sawadh al-Adham:

„…uns wurde nicht aufgebürdet zu wissen was damit (d.h. die Mutashabihat) gemeint ist.“

Die zweite Ansicht ist Ta‘wil und Ta‘wil ist von 2 Arten, Ta‘wil Ijmali und Ta‘wil Tafsili.

Ta‘wil: den äußeren Wortlaut zu etwas anderes ändern. Dies ist ebenso bekannt als Interpretation.

Ta‘wil Ijmali: ist eine Form von Tafwidh. Wieso? Die Interpretation leitet sich von einem vollständigen Satz ab, während bestimmte Wörter in dem Satz nicht interpretiert werden und dies ist die Ansicht der Mehrheit der Salaf. Man versucht die Botschaft des Verses zu verstehen und dieses erfordert nicht spezifisch auf einzelne Wörter einzugehen.

Ta‘wil Tafsili: würde erfordern ins Detail einzutauchen. In diesem Falle wird ein spezifisches Wort in dem Satz interpretiert, nicht der komplette Satz selbst. Und dies ist die Meinung vieler Asha‘irah. Jedoch sagten sie, dass ihre Interpretation nicht Gewiss ist und nur Allah am besten weiß, welche Interpretation mit Gewissheit gemeint ist.

Was sagte Imam Tahawi über dieses Thema ?

Imam Tahawi sagt nach dem Kapitel über das Sehen von Allah im Paradies folgendes:

„Alles was darüber in authentischen Überlieferungen vom Gesandten Allahs Sallallahu alayhi wa Sallam und von seinen Gefährten (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) überliefert wurde, ist genauso wie Er es gesagt hat und bedeutet genau das, was Er damit sagen wollte. Wir lassen uns nicht darauf ein zu versuchen es entsprechend unseren eigenen Ansichten zu interpretieren oder unserer Phantasie freien Lauf zu lassen.“

Dies ist die Ansicht der Mehrheit der Maturidiyyah.

Paar Zeilen später sagt Imam Tahawi:

„In Ihrer (die Eigenschaften) Bedeutung ist nichts von der Schöpfung.“

D.h. Allah wird keine Bedeutung zugeschrieben, welche auf Geschöpfe anwendbar ist. Die Richtungen, Grenzen, Orte, Bewegung, Körper, Gliedmaßen, das wörtliche erheben etc. sind Bedeutungen die nur auf die Schöpfung anwendbar ist jedoch nicht in Bezug auf Allah.

Imam Tahawi erwähnte: „…Und bedeutet genau das, was er damit sagen wollte.“ Was darauf hindeutet, sich von spezifischen Dingen fernzuhalten.

Was zeitgenössische Hanafi Gelehrte diesbezüglich sagten:

Imam al-Hakim as-Samarqandi sagte in as-sawad al-Adham:

„Was die mehrdeutige Verse und Berichte angeht, so ist es angemessen für ihn (den Gläubigen), an sie zu glauben und sie nicht zu erklären; denn das erklären (solcher Texte) führt zur Leugnung, dies hätte zur folge, dass er ein Erneuerer wird, wenn du einen mehrdeutigen Text siehst, so überlasse es Allah den Erhabenen und erkläre sie nicht, denn es ist nicht Pflicht für dich die Erklärung (solcher Texte) zu wissen, vielmehr ist es Pflicht für dich daran zu glauben.“

In einigen Manuskripten ist der, der diese Aussage tätigt Imam Muhammad ibn Hasan ash-Shaybani, während der Author von ihm überliefert.

Abu Salamah as-Samarqandi sagte:

„Was die mehrdeutigen Aussagen im Koran anbelangt, so ist es erlaubt das man damit getestet wird mit den Glauben daran (an die Mutashabihat).“

Weiterhin sagt er, dass wir nicht verpflichtet sind nach ihrer Interpretation zu suchen.

(Jumal Min Usūl ad-Dīn 33-35)

Imam Muhammad bin Fadl bin al-Abbas al-Balkhi al-Hanafi (verst. 317 n.H.) sagte in “Kitab al-Itiqad“:

„Punkt 51 ist, an die mehrdeutigen Verse zu glauben, wie die Aussage des Erhabenen:“Dein Herr kommt“, “Erwarten sie (etwas anderes) als dass Allah zu ihnen kommt“ und die mehrdeutigen Berichte wie Nuzul, Yad und ähnliches. Sie werden nicht erklärt und nicht abgelehnt und an sie geglaubt wie sie von dem Propheten Sallallahu alayhi wa Sallam kamen. Er wird mit Hoheit beschrieben nicht mit Niedrigkeit, denn die die Niedrigkeit ist nicht von (den Merkmalen) des Herrseins und es gibt keine Modalität darin.“

Imām Abū al-Qāsim as-Saffār Al-Balkhi sagte:

„Die Grundlage bezüglich der Herangehensweise der mehrdeutigen Verse bei der Ahl as-Sunnah lautet:

1. Daran zu glauben was Allah sagte und wie er beabsichtige. Wir suchen nicht nach ihrer Interpretation wie von Imam Malik überliefert wurde, als er über die Aussage: „Der Allerbarmer istiwa über den Thron.“ gefragt wurde. Er antwortete: „Istiwa ist nicht unbekannt und die Modalität ist undenkbar, der Glaube daran ist Pflicht und darüber zu fragen ist eine Erneuerung.“ Dies ist in Übereinstimmung mit der Aussage Allahs: keiner kennt ihre Interpretation außer Allah.

2. Die zweite Herangehensweise: Es ist erlaubt zulässige Interpretationen vorzunehmen, die nicht zur Negation (der Eigenschaften) oder Ähnlichkeit (mit der Schöpfung) führen. Wenn wir also sagen, dass Yad ein Ausdruck für Qudrah (Macht), Kraft, Großzügigkeit oder Herrschaft ist so würde es die Negation (der Eigenschaft) Yad erfordern. Und wenn wir sagen, dass es eine echte Hand ist, so würde es Ähnlichkeit (mit der Schöpfung) erfordern.“

Nun gehen wir über zum nächsten Thema. Und zwar über das Sehen von Allah im Paradies.

Imam Tahawi sagte diesbezüglich:

„Der Anblick Allahs für die Bewohner des Paradiesgartens ist wahr, ohne Umfassung und ohne Modalität. So wie Ihn das Buch unseres Herrn beschreibt, wenn Er sagt: “Gesichter werden an jenem Tag erstrahlen, auf ihren Herrn werden sie schauen” (al-Qur’an 75:22-23). Die Erklärung dieser Aussage ist so, wie Allah, der Allerhabene sie gemeint hat und wie Er es weiss.“

Ein Prinzip welches Imam Tahawi in der Aussage festlegte:

⁃ er sagte „ohne eine Modalität“ (بلا كيفية)

Denn die Negierung der Modalität ist die Negierung der Eigenschaften der Geschöpfe wie z.B. Ort, Richtungen, Grenzen, Ende und Gliedmaßen etc. und all dieses lehnte Imam Tahawi ab. Es gibt keinen Zweifel, dass er die Modalität ablehnte.

⁃ Und er erwähnte: „ohne Umfassung“

und dies ist weil Allah nicht umfasst wird, sei es bei Richtungen, Orte, Grenzen oder Körper.

Dass heißt Allah wird, ohne dass sein Dhat von einem Ort und Richtungen umfasst wird gesehen. So ist die Aussage von Imam Tahawi zu verstehen.

Und nicht wie die Verkörperlicher, die sagen, dass Allah nur gesehen werden kann mit Richtung.

Imām Abū al-Qāsim as-Saffār Al-Balkhi sagte:

„Wenn gesagt wird: dass Existierende kann nur gesehen werden wenn es in einer Richtung existiert, deshalb wird er in einer Richtung gesehen welche sich auf eine andere Richtung bezieht, jedoch existiert Allah ohne Richtung, wie kann er dann gesehen werden ?‘

Wir sagen:“Das existierende wird nicht gesehen, weil es in einer Richtung existiert, vielmehr wird er gesehen weil er existiert, also wird Allah gesehen, weil er ohne Richtung existiert.

Er fügt hinzu: Siehst du nicht, dass Allah ohne Richtung bekannt ist, ebenso wird er ohne Richtung gesehen.“

(Ajwibah as-Saffar 97)

Imam al-Hakim as-Samarqandi sagte:

„Es sollte gewusst werden, dass die Leute des Paradieses Allah sehen werden ohne Ähnlichkeit und ohne Modalität.“

(As-Sawad al-A‘dham Punkt Nr. 31)

Muhammad bin Fadhl al-Balkhi sagte:

„Der 30. Punkt, ist zu wissen, dass die Gläubigen, Allah den Erhabenen im Jenseits sehen werden (und zwar) ohne jegliche Modalität und ohne jeglichen Vergleich zu seiner Schöpfung.“

Imam Abu Salamah as-Samarqandi al-Hanafi sagte:

„Was die Meinung bezüglich der Schau Gottes betrifft, so ist es wahr ohne jegliche Ähnlichkeit, ohne Negation, ohne Vorstellung und ohne Umfassung, so wie es in der Sunnah überliefert wurde und wie die Gelehrten es erwähnten.“

Von den obigen Aussagen wird klar, dass die Gelehrten in Bezug auf die Schau Gottes die Modalität negierten und die Negierung der Modalität ist die Negierung der Richtung und Ort und alle restlichen Eigenschaften der Geschöpfe.

Wir könnten noch auf das Thema „Iman“ eingehen, jedoch ist es bekannt, dass die Salafis ganz offen sagen, dass Imam Tahawi in dieser Angelegenheit falsch lag. Deswegen sehe ich keinen Nutzen darin in das Thema einzutauchen.

Schlusswort

Imam Tahawi ist in Übereinstimmung mit der Aqidah der Maturidiyyah. Nur ein Irregehender würde dies leugnen. Es ist offenkundig, dass die Salafis in jeden Punkt Imam Tahawi widersprechen.



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