Alles Lob gebührt Allah, dem Herr der Welten. Möge der Frieden und der Segen Allahs auf dem Gesandten, seiner Familie und seinen Gefährten sein. So dann:
In diesem Beitrag werden wir die Aqidah der Maturidiyyah/Hanafiyyah kundtun.
1. Einige Worte über die Maturidiyyah
2. Tafweedh und Ta’wil bei den Maturidiyyah
3. Über die Eigenschaft Takwin bei den Maturidiyyah
4.Was die Maturidiyyah mit der Aussage, Allah ist über dem Thron meinen.
5. Iman gemäß den Maturidiyyah
6. Was die Maturidiyyah über die Übersetzung der Mutashabihat sagen.
7. Über die Bestätigung der Mutashabihat als Eigenschaften wie Yad, Wadjh etc.
zu Nr.1: Einige Worte über die Maturidiyyah
Viele Leute missbrauchen den Term “Maturidiyyah“. Viele ignorante kennen weder Imam Maturidi noch die Aqidah der Maturidiyyah richtig. Der Term “Maturidiyyah“ wurde erst 100 Jahre nach dem verscheiden von Imam Maturidi benutzt. Wenn jemand Imam Maturidi zu seiner Zeit fragen würde welcher Aqidah er folgt, so würde er sagen die Aqidah der Hanafiyyah. Viele ignorante Menschen sagen:“warum folgt ihr nicht in der Aqidah Imam Abu Hanifa sondern Imam Maturidi.“ Damit wollen sie suggerieren, dass Imam Maturidi eine andere Aqidah als Imam Abu Hanifa hätte. In Wahrheit gibt es jedoch zwischen ihnen beiden keinen Unterschied.
Es gibt keinen Unterschied zwischen den Term Maturidiyyah und Hanafiyyah.
Imam Ibn Humam (790-861 n.H.) benutzte in seinem Buch “al-Musayara“ den Term ‚Hanafi‘ für die Aqidah der Maturidiyyah.
So sagte auch Imam Abu al-Yusr al-Pazdawi in Usul ad-Din, dass Imam Abu Hanifa unser Imam im beidem ist, sowohl in der Aqidah und im Fiqh.
Imam Najm al-Din al-Tarasusi (verst. 758 n.H.) schrieb ein Gedicht welches er “Urjuza fi ma’rifat ma bayna al-Asha’irah wal Hanafiyyah min al-khilaf fi usul al-din“ nannte. Ein Buch welches die Unterschiede zwichen den Hanafiyyah und Ashariyyah aufzeigt. Wie man aus dem Buchtitel entnehmen kann bennent er die Maturidiyyah auch Hanafiyyah.
Viele weitere Beispiele können gennant werden, jedoch sollte dieses ausreichen.
Warum nennen wir uns heute nicht mehr Hanafiyyah sondern Maturidiyyah?
Eine Antwort darauf lautet, was Imam Abu Shuja (verst. 652 n.H.) in seiner Erläuterung zu Tahawis Aqidah Text sagte:
“Imam Maturidi verteidigte die richtige Aqidah so effektiv, dass selbst die Mu’tazilah Sekte die Ahlu Sunnah mit Imam Maturidi in Verbindung brachte und sagten (also die Mu’tazilah), dass sie (die Ahlu Sunnah) Maturidi sind.“
Abu’l Muin b. Muhammad an-Nasafi sagte in Tabsiratu’l Adilla auf der S.210: “Maturidi ist derjenige, der die Madhab von Imam Abu Hanifa am besten kennt.“
Imam Nasafi sagte in “Tamhid“ auf der S.16 folgendes:“Imam Maturidi war einer derjenigen der im Usul und im Furu‘ am stärksten an Imam Abu Hanifa gebunden war.“
Wir nennen uns Maturidiyyyah, weil Imam Maturidi die Aqidah von Imam Abu Hanifa am besten kannte und erklärte. Der Term “Maturidiyyah“ hat sich im Laufe der Zeit in der Literatur etabliert. Es gibt zusammenfassend keinen Unterschied zwischen den Term “Maturidiyyah“ und “Hanafiyyah“. Beides ist ein und die selbe Aqidah.
zu Nr. 2 Tafweedh und Ta’wil bei den Maturidiyyah/Hanafiyyah
Tafweedh:
Qadi al-Ustuwai überlieferte in al-I’tiqad auf der S.182, dass Imam Abu Hanifa sagte:
“Was die Aussage istiwa über den Thron betrifft, so ist dies wahr. Wir folgern mit dem was durch das Buch unseres Herrn bestätigt wurde, (wie) in der Aussage des Erhabenen: Der Allerbarmer istiwa über den Thron“, es wird gelernt so wie er sagte und wir folgern kein Wissen in Seinem Istiwa über den Thron. Wir behaupten, dass Er tatsächlich istiwa über den Thron getan hat und wir vergleichen Sein Istiwa nicht mit dem Istiwa der Schöpfung. Dies ist unsere Ansicht bezüglich den istiwa über den Thron.“
Qadi al-Ustuwai (343-432 n.H.) sagte in “al-I’tiqad“:
“Muhammad bin al-Hasan (ash-Shaybani) sagte bezüglich dieser ähnlichen Berichte:“Vertrauenswürdige Überlieferer haben dieses tradiert. Wir überliefern diese (Ahadith) auch. Wir bestätigen sie und glauben daran, jedoch erklären wir diese nicht.““
Qadi Abu Yusuf (verst. 182 n.H.) sagte:
“Wir enthüllen nicht die Bedeutung der Überlieferungen die bezüglich Ru’yah und Nuzul kamen. Wir geben sie so weiter wie sie kamen und überliefert wurden.“
Dieses überlieferte Abu Ya’qub at-Tabari in ikhtilaf al-Fuqaha. Abu Ya’qub at-Tabari ist der Schüler von Muhammad bin Shuja‘ welcher wiederum der Schüler von Abu Hanifa und Abu Yusuf war.
Imam Abu Mansur al-Maturidi (238-333 n.H.) sagte in Kitab at-Tawhid auf der S.74 folgendes:
“Man muss sagen: Allah hat Istiwaa auf dem Thron gemacht” wie es in der Offenbarung steht und wie es durch den Verstand feststeht. Wir geben keine endgültige Interpretation, weil dieser Begriff andere Bedeutungen ertragen kann, außer denen die wir bereits erwähnt haben. Dieser Begriff kann auch eine Bedeutung ertragen, welche uns nicht erreicht hat, aus der man wissen könnte, dass es keine Ähnlichkeit mit der Schöpfung gibt. Wir glauben an was Allah damit meint. Das selbe gilt für alle andere (Eigenschaften/Geschehnisse) welche in der Offenbarung feststeht, wie das “Sehen Allahs” und Anderes. Man soll die Ähnlichkeit mit der Schöpfung negieren und daran glauben, in der Art die von Allah gemeint ist, ohne dass wir nach Solchen Sachen genau nachforschen. Und Allah gibt die Untersützung.“
Imam Hakim al-Samarqandi (260-342 n.H.) sagte in as-Sawad al-‚Adham:
“Wenn du einen mehrdeutigen Vers oder Hadith siehst, so überlasse (die Bedeutung) zu Allah und erkläre sie nicht, damit du errettet bist. Denn du bist nicht damit verpflichtet die Erklärung dieser (mehrdeutigen Verse und Hadith) zu wissen. Was für dich Pflicht ist, ist daran Iman zu haben. Für denjenigen der Verstand besitzt, reicht dieses aus.“
Imam Yahya b. Abi Bakr al-Hanafi sagte in “Mukhtasar fi Bayan al-‚Itiqad“ auf der S. 12 folgendes:
“Der Allerbarmer hat istiwa über den Thron getan, dieses ist vom Qur’an, bestätige es, denn dieses zu bestätigen gehört zum Glauben Fordere nicht nach ihrer Interpretation, denn das Wissen darüber ist verdeckt.“
Imam Muhammad bin Fadl bin al-‚Abbas al-Balkhi al-Hanafi (verst. 317 n.H.) sagte in “Kitab al-‚Itiqad“:
“Punkt 51 ist, an die mehrdeutigen Verse zu glauben, wie die Aussage des Erhabenen:“Dein Herr kommt“, “Erwarten sie (etwas anderes) als dass Allah zu ihnen kommt“ und die mehrdeutigen Berichte wie Nuzul, Yad und ähnliches. Sie werden nicht erklärt und nicht abgelehnt und an sie geglaubt wie sie von dem Propheten Sallallahu alayhi wa Sallam kamen. Er wird mit Hoheit beschrieben nicht mit Niedrigkeit, denn die die Niedrigkeit ist nicht von (den Merkmalen) des Herrseins und es gibt keine Modalität darin.“
Imam al-Ghaznawi (verst. 593 n.H.) sagte in “Usul ad-Din“ auf der S.73-75 folgendes:
“Der istiwa von Allah über den Thron ist wahr. Wir glauben daran wie Allah beabsichtigte.“
Man könnte die Liste noch in die Länge ziehen, jedoch sollte dieses ausreichen.
Diejenigen die den Ta’wil anwandten:
Al-Harithi al-Bukhari überlieferte von Muhammad ibn Abdullah von Hasan ibn Uthman, dass al-Hasan bin Ziyad (verst. 204) über den (mehrdeutigen) Hadith:
„Wahrlich Allāh „steigt“ in der Mitte des Monats Shaʿbān an Tag von ʿArafah und in der Mitte der Nacht „hinab“, sagte: „Nichts ist von Allāh weit während er an allen Dingen nah ist und (einige) seiner Schöpfungen sind näher als andere. Bezüglich dem was nach unten steigt, dann ist das seine Barmherzigkeit.“
(Kashf al-Athar ash-Sharifa fi Manaqib al-Imam Abī Hanifa, 1633)
Hasan Bin Ziyād sagte auch wie es in Kashf al-Athar überliefert wird:
“Wir sagen nicht wie die Jahmiyyah sagen, noch wie die Mushabbiha sagen, vielmehr sagen wir wie Allah sagte: Allah ähnelt nichts und niemanden.“
Imam Badraddin al-Ayni (762-855 n.H.) sagte in Umdat al-Qari folgendes:
“Abu al-Aliyyah sagte in Bezug auf den istiwa: “irtifa’a“(hochsteigen), jedoch müssen wir die (Richtigkeit dieser) Aussage untersuchen. Denn Allah hat sich nicht mit “hochsteigen“ beschrieben. Die Verkörperlicher sagten zu dem istiwa: “istiqrar“ (sesshaft werden). Diese Aussage ist verdorben, denn das sesshaft werden ist eine Eigenschaft der Geschöpfe und dieses ist in Bezug auf Allah unmöglich. In Bezug auf den istiwa gibt es viele Erklärungen. Die richtigste Meinung diesbezüglich ist, den istiwa mit “ala“ zu erklären. Denn Allah hat sich selbst mit “al-Aliyy“ beschrieben. Dies ist die Meinung der Mehrheit der Gelehrten der Ahlu Sunnah…Jedoch hängt die Eingeschaft “Uluww“ nicht mit Allahs Ort oder Richtung zusammen. Allah ist erhaben darüber an einem Ort an dem er sesshaft wird. Denn Allah existierte bevor es einen Ort gab… Das (hochsteigen) von dem Wort oder das hochsteigen der Engel (zu Allah) ist metaphorisch…Bezüglich der Mutashabihat gibt es zwei Meinungen: die erste: Allah von den Eigenschaften der Geschöpfe freisprechen und die (beabsichtigte) Bedeutung Allah überlassen. Die andere (Meinung) dieses in einer Art und Weise die Allah gebührt zu interpretieren (jedoch ohne zu sagen, dass es die endgültige beabsichtige Bedeutung ist).“
Imam ibn Humam (verst. 861 n.H.) sagte:
“Allah hat istiwa über den Thron getan, jedoch ist dieser istiwa keine Ortseinnahme, Berührung und Gegenüberstellung wie der istiwa von einem Körper zu einem anderen. Es ist eine Bedeutung (beabsichtigt) jedoch weiß dieses nur Allah. Es ist Pflicht daran zu glauben, dass Allah istiwa über den Thron getan hat zusammen mit der Verneinung der Verkörperlichung. Es ist erlaubt zu sagen, dass der istiwa – istila bedeutet. Jedoch gibt es kein Beweis dafür, dass dieses die (beabsichtigte) Bedeutung ist. Wenn befürchtet wird, dass der Laie nicht an den Istiwa glaubt und versteht, so wie es verstanden werden soll, so gibt es kein Problem darin den istiwa mit istila zu interpretieren. Denn diese Interpretation ist in der arabischen Sprache angemessen. Die anderen Mutashabihat die Ähnlichkeit in den Sinn hervorufen wie isba‘, Qadam und Yad werden auch auf dieser Art behandelt.“
Ibn Amir al-Hajj (verst. 879 n.H.) sagte nach er die Worte von Ibn Humam zitiert:
“Unser Shaykh hat einen Weg eingeschlagen, konträr zu denen die nur den Ta’wil bevorzugen und derjenigen die komplett gegen den Ta’wil sind.“
(al-Musamara fi Sharh al-Musayara)
zu Nr. 3: Über die Eigenschaft Takwin bei den Maturidiyyah
Allah existiert frei von Zeit, da er der Schöpfer der Zeit ist. Erstens treffen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht auf ihn zu, da diese alle aus dem Eimer der Zeit stammen.
Was sagen Maturidiyyah dann, wenn sie über die Taten Allahs sprechen?
Zu sagen, dass Allah uns vor Ewigkeiten erschaffen hat, ist falsch, weil dies wiederum in das Spektrum der Zeit fällt.
Der Beweis für Qidam (Urewigkeit):
Aus rationaler Sicht muss Allah ewig sein, da die Zeit nicht ewig sein kann, da sie sich verändert und fortschreitet. Wenn Allah sich verändert und fortschreitet, gibt es keinen Unterschied zwischen Ihm und dem Universum in ihrer Natur. Man kann nicht sagen, dass Allah sich anders verändert und Fortschritte macht als das Universum, da Veränderung und Fortschritt selbst konzeptionell sind.
هُوَ ٱلۡأَوَّلُ وَٱلۡأٓخِرُ
Der Textbeweis ist die Ayah „Er ist der Erste [nichts war vor ihm] und der Letzte [nichts war nach ihm]“. Dies beweist uns, dass Allah ohne Zeit existierte, da er vor allem anderen der Einzige war.
Nehmen wir ein einfacheres Beispiel, um dies zu verstehen:
Allah war der Allwissende, selbst als nichts von den Ma’lumaat existierte. Doch er wusste und weiß davon, ohne dass es auftaucht.
Nun, da dies verstanden werden kann, gehen wir zum größeren Beispiel über. Die Maturidiyyah glauben an Sifah at-Takwin, welches die aktive Eigenschaft ist, die etwas von der Mumkinaat in die Maujudaat bringt. Der Prozess des Bringens von der Mumkinaat zur Maujudaat wird daher Takwin genannt. Je nachdem, welche Aktion ausgeführt wird, wird die Sifah Takwin durch diese Aktion benannt. Wenn wir also sagen, Allah erschafft, nennen wir es Takhliq, wenn wir sagen, Allah vergibt, nennen wir es Tarhim und so weiter. Dieses Attribut ist das 8. wesentliche Attribut, das mit Allahs Essenz existiert, und ist daher ebenso wie die anderen 7 Attribute über Zeit und Raum hinweg vorewig. Beachten hier, dass wir als Menschen die Vorewigkeit nicht erfassen können, weil sie eine göttliche Eigenschaft ist. Wenn also jemand behauptet, dass dies ein unendlicher Rückschritt ist, dann irrt er sich, da der unendliche Rückschritt in sich selbst aus Anfängen und Enden besteht.
Was ist der Unterschied zwischen Allah, der Qudrah verwendet, um zu erschaffen, und Takwin, um zu erschaffen?
Wenn Allah Qudrah benutzt, um zu erschaffen, dann ist die Frage; Was war das Notwendige, das es selbst in die Existenz gerufen hat (gemeint ist der Prozess selbst)? Wir glauben, dass Allah Qudrah hat, und wir glauben, dass Allah Qudrah über Dinge hat, die nicht erschaffen, aber möglich sind, und er hat Qudrah über Dinge, die erschaffen wurden.
Aber die Macht über diese Dinge zu haben, bedeutet nicht, dass Allah auf diese Dinge eingewirkt hat. Dieser Prozess ist als Takwin bekannt, also ist es wie eine Brücke zwischen den göttlichen Attributen und dem Auftauchen der Möglichkeiten. Unsere Ansicht ist, dass, wenn Takwin nicht existiert, das Erscheinen die Maujudaat ohne den Prozess seiner Entstehung geschieht. Das heißt, etwas existiert, bevor es den Prozess des „Kommens“ ins Dasein durchläuft.
Im Beispiel des Erschaffens sagen wir also nicht, dass Allah vor unserer Existenz erschaffen hat, sondern dass er in der Ewigkeit mit seinem Attribut Takwin erschaffen hat, in diesem Fall Takhliq genannt. Der Akt des Erschaffens geschah frei von Zeit [was nicht als in der Vergangenheit liegend verstanden werden darf, weil wir es wieder auf die Zeit zurückbeziehen] und die Entstehung dieses Akts, d. h. das Maf’ul dieser Handlung, geschieht in der Zeit. Also sind der Fa’il und das Fi’l beide ewig, während der Maf’ul Muhdath ist. Beachten hier noch einmal, dass Qidam keine Handlung oder einen Prozess bedeutet, der zu jeder Zeit oder vor etwas stattfindet, sondern vielmehr eine Eigenschaft Allahs ist, die wir aufgrund ihrer Göttlichkeit nicht verstehen können.
Was ist also mit Allah, der sagt, er habe „die Frau gehört“ oder „mit Musa gesprochen“? Wir sagen, dass diese Wörter in der Vergangenheitsform angesiedelt sind, da sie sich auf eine vergangene Geschichte beziehen. Die Ansicht ist also, dass wir aus unserer Perspektive verstanden haben, dass die Aussage der Frau in der Vergangenheit auftauchte und gehört daher jetzt auch mit dem Wort ‘gehört’ beschrieben werden kann da es in unserem Blick nun entstanden ist. Und Musa fing an, Allahs Kalam zu hören, mit dem er in der Vergangenheit aus unserer Perspektive mit Allah sprach. Zweitens, da Qidam (Vorewigkeit) göttlich und für uns nicht verständlich ist, haben wir in der arabischen Sprache keine Wörter, die in eine ewige Zeitform gesetzt werden können. Wir haben nur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Wir finden im Qur’an auch, wo Allah sagt:
وَكَانَ اللَّهُ سَمِيعًا بَصِيرًا
“Allah ist der Allhörende Allsehende”
Das Wort „Kaana“ wird wörtlich mit „war“ übersetzt, aber wir sagen nicht, dass Allah nur der Allhörende „war“, sondern Er war, ist und wird immer der Allhörende sein.
Es gibt noch ein anderes Beispiel im Qur’an, das vorbeigeht;
لِّمَنِ الْمُلْكُ الْيَوْمَ ۖ
Wem gehört die Herrschaft heute?!
Obwohl Allah „heute“ sagen wird, sind wir uns dennoch bewusst, dass das Königreich immer Ihm gehörte. Was bedeutet das also? Allah zeigt an diesem Tag seinen Stolz, genauso wie er seinen Stolz zeigt, indem er den ‚Arsh [was die Meinung der Gelehrten ist] erschafft. Doch das bedeutet nicht, dass er an diesem Tag der Besitzer der Herrschaft wurde, noch bedeutet es, dass Allah an diesem Tag wortwörtlich über den Thron kam, Er war und wird immer der Besitzer und darüber hinaus sein.
Wir können uns auch die Aussage ansehen: „Allah war Al-Khaliq ‚bevor‘ die Schöpfung erschuf.“ Allah wurde also bereits als Schöpfer genannt, bevor er überhaupt die Schöpfung erschuf. Die Ansicht der Maturidiyyah ist, dass Allah in der Ewigkeit Al-Khaliq genannt wird, so wie er in der Ewigkeit alle anderen Namen trägt. Wir sagen nicht, dass Allahs Namen Muhdath sind, und Imam Ahmad selbst sagt: „Wer auch immer sagt, dass Lafdh Al-Jalalah Muhdath ist, ist ein Ungläubiger, da er gesagt hat, dass es Makhluq ist.“
Wir sagen, dass seine Namen ewig sind, genauso wie seine Attribute ewig sind. Er führt Handlungen durch eines der ewigen Attribute aus, die als Takwin bekannt sind. Wenn er also das Attribut Takwin hat, das ewig ist, und Takhliq genannt werden kann, wenn wir im Zusammenhang mit dem Erschaffen sprechen, ist er daher der Schöpfer in der Ewigkeit, da sein Attribut Takhliq ebenfalls ewig ist. Die Asha’irah vertritt die Position, dass Allah die Namen genannt hat, weil Er die Fähigkeit hat, alles zu tun, was er will, wie zum Beispiel zu erschaffen. Also wird er der Schöpfer genannt, weil er Qudrah hat, das auszuführen, was ein Schöpfer zu sein bedeutet.
Und darauf hat Imam Tahawi in seiner Al-Aqidah at-Tahawiyyah hingewiesen, indem er sagte:
مَا زَالَ بِصِفَاتِهِ قَدِيمًا قَبْلَ خَلْقِهِ لَمْ يَزْدَدْ بِكَوْنِهِمْ شَيْئًا لَمْ يَكُنْ قَبْلَهُمْ مِنْ صِفَتِهِ وَكَمَا كَانَ بِصِفَاتِهِ أَزَلِيًّا كَذَلِكَ لَا يَزَالُ عَلَيْهَا أَبَدِيًّا
Er hat mit Seinen zeitlosen Attributen vor Seiner Erschaffung existiert, was Seiner Essenz nichts hinzufügte, was nicht bereits zu Seinen Attributen gehörte. So wie Seine Attribute vor der Schöpfung waren, werden sie für immer bestehen bleiben.
لَيْسَ مُنْذُ خَلَقَ الْخَلْقَ اسْتَفَادَ اسْمَ الْخَالِقِ وَلَا بِإِحْدَاثِهِ الْبَرِيَّةَ اسْتَفَادَ اسْمَ الْبَارِي
Nicht weil Er die Schöpfung erschaffen hat, hat Er sich den Namen „Der Schöpfer“ verdient, noch dadurch, dass Er sie geschaffen hat, hat Er sich den Namen „Der Schöpfer“ verdient.
Dies ist die Haltung unserer Hanafiyyah/Maturidiyyah.
zu Nr. 4: Was die Maturidiyyah mit der Aussage, Allah ist über dem Thron meinen
Imam al-Natifi al-Hanafi überliefert in dem Buch “al-Ajnas“ auf der S.445 von Imam Muhammad ibn Hasan al-Shaybani (verst. 189 n.H.), dass er sagte:
“Allah hat nicht die Schöpfung erschaffen, um von ihr abhängig zu sein, noch glauben wir, dass unser Schöpfer eins mit ihr wird. Vielmehr steht er weit über ihr mit Kontrolle und Macht, nicht mit Bewegung und Aufstieg.“
Imam Muhammad bin Fadl bin al-‚Abbas al-Balkhi al-Hanafi (verst. 317 n.H.) sagte in “Kitab al-‚Itiqad“:
“Punkt 52, ist zu wissen, dass Allah istiwa über den Thron getan hat und Allah ist über dem Thron ohne Beschaffenheit (kayf) und ohne Verähnlichung, wie Allah beabsichtigte, die Hoheit (im Sinne von) Größe und Herrsein und nicht die Hoheit der Erhebung von Ort (zu Ort) oder der Distanz und nicht wie die Karamiyyah sagen, dass der Thron sein Ort wäre.“
Und er sagte auch:“Punkt 48 ist, dass kein Ort für Allah bestätigt wird, weil er keinen Ort benötigt.“
Imam Sirajadin al-Ushi (verst. 575 n.H.) sagte in Bad‘ al Amali:
“Der Herr des Thrones ist über dem Thron, aber ohne Zuschreibung des sich Niederlassens oder der Berührung.“
Die Verneinung des Niederlassens und der Berührung ist ein Beweis dafür, dass Imam al-Ushi nicht an einen wörtlichen “über den Thron“ sein glaubte.
In Sayf al-Mashur wir gesagt:
“Was die Ahlu Sunnah wal Jama’ah angeht (so sagen sie): Allah ist über dem Thron, die Hoheit (im Sinne von) Größe und Herrsein nicht die Hoheit der Erhebung von Ort (zu Ort) und Distanz.“
Dieses Buch, auch wenn es Imam Maturidi zugeschrieben wird, so lautet die richtige Meinung, dass es ein Werk von einem seiner Schüler ist.
Imam Mullah Ali al-Qari sagte in Sharh al-Fiqh al-Akbar:
“Was seine Hoheit über Seine Schöpfung betrifft, so ist es aus den Worten des Erhabenen:“Er ist der Bezwinger über Seinen Dienern (6:18)“. Es ist eine Hoheit von Status und Rang und keine Hoheit des Ortes.“
Und Imam Tahawi sagte:
“Er existierte immer und urewig, mit all Seinen Eigenschaften, bevor Er die Schöpfung erschuf. Ihre Erschaffung hat Seinen Eigenschaften nichts hinzugefügt, das nicht schon vorher dazu zählte. So wie Er mit all Seinen Eigenschaften in der Vorewigkeit existierte, wird Er weiter bis in alle Ewigkeit bestehen.“
Man kann zwei Sachen aus der Aussage von Imam Tahawi folgern:
1. Allah verändert sich nicht
2. Allahs Eigenschaften sind vollkommen
Die Aqidah der Maturidiyyah/Hanafiyyah lautet, dass Allahs Eigenschaften vollkommen sind. Allah hat keine Eigenschaften dazubekommen, nachdem Er die Schöpfung erschuf. Dies bedeutet, dass Allah nach der Erschaffung des Thrones nicht wörtlich/physikalisch über den Thron gestiegen ist. Allah war immer in Hoheit bevor er etwas erschuf. Seine Eigenschaften sind nicht auf die Existenz des Erschaffenen angewiesen. So wie Seine Eigenschaft Hören ohne die Existenz von dem hörbaren existierte. Er existierte ohne Richtung und Ort, so wie Er jetzt auch ohne Richtung und Ort existiert.Wenn jemand behauptet, dass Allah nach der Erschaffung des Thrones wörtlich/physikalisch über dem Thron gekommen sei, so widerspricht er Imam Tahawi sowie den 3 Imamen (Imam Abu Hanifa, Imam Abu Yusuf, Imam Muhammad). Denn wenn dem so wäre, so würde Allah nach der Erschaffung der Geschöpfe mit einer neuen Art von Uluww beschrieben werden.
Weiterhin sagt Imam Tahawi:
“Der Name ”Der Schöpfer” ist ihm nicht erst seit der Schöpfung zu eigen, noch gebührt Ihm erst seitdem Er der Schöpfung ihre Form verliehen hat, der Name ”Der Gestalter”.“
Nun werden wir dieses Prinzip bezüglich den Namen “al-Aliyy“ anwenden. Allah ist nicht “al-Aliyy“ geworden nachdem er die Schöpfung erschuf. Wenn Allah nach dem wörtlichen/physikalischen steigen über den Thron mit dem Namen al-A’la beschrieben werden würde, so würde dies eine Hinzufügung zu seinen ewigen Eigenschaften erfordern, was bedeuten würde, dass Allah mit einer neuen Art von Uluww beschrieben werden würde. Es impliziert ebenso, dass Allah auf die Schöpfung angewiesen wäre um seinen Namen zu erlangen. Wenn jemand behauptet, dass die Schöpfung existieren muss, damit Allah über allem ist und dementsprechend al-A’la gennant wird, so ist es wie die Aussage dass das hörbare existieren muss damit Allah der Allhörende ist. Und diese Aussagen ist falsch!
zu Nr.5: Iman gemäß den Maturidiyyah/Hanafiyyah
Imam Abu Hanifa sagte in al-Wasiyyah: “Iman ist Bekenntnis mit der Zunge und Bestätigung mit dem Herzen.“
Er sagte auch: “Die Handlungen sind etwas anderes als der Iman und Iman ist etwas anderes als die Handlungen.“
Imam Tahawi sagte in seinem Werk über die Aqidah:“Glauben besteht aus Bestätigung durch die Zunge und Anerkenntnis durch das Herz.“
Imam Hakim al-Samarqandi (260-342 n.H.) sagte in as-Sawad al-Adham: “(Und wisse), dass der Glaube die Bestätigung mit der Zunge und die Bestätigung mit dem Herzen ist.“
Imam Hafs bin ‚Abd ar-Rahman (Abu ‚Umar al-Balkhi) (verst.199 n.H.), welcher einer der Studenten von Imam Abu Hanifa war, sagte: “Iman ist nach uns die Bekenntnis (mit der Zunge) und Bestätigung im Herzen“ (Qadi Ustuwai in al-‚Itiqad)
Imam Muhammad bin Muqatil ar-Razi (verst. 248 n.H.) sagte:“Iman ist Bekenntnis des Herzens und der Zunge.“ (Qadi Ustuwai in al-‚Itiqad)
Imam Ahmad bin Harb az-Zahid (verst. 234 n.H.) sagte:“Iman ist Bekenntnis und Bestätigung und dass ist Tawhid, es nimmt weder zu noch ab und die Taten sind ihre Früchte.“ (Qadi Ustuwai in al-‚Itiqad)
Imam az-Zahidi (verst. 251 n.H.) sagte:“Der Iman nach uns ist das Bekenntnis mit der Zunge, Bestätigung mit dem Herzen, die Taten sind ihre Früchte, es nimmt weder zu noch ab.“ (Qadi Ustuwai in al-‚Itiqad)
Imam Abu Hanifa sagte so wie es in Kashf al-Athar überliefert wird:
“Iman ist Erkenntnis, Bestätigung (im Herzen), Bekenntnis durch die Zunge und Unterwerfung. Die Menschen sind auf 3 Ebenen:
(1.) Derjenige der an Allah und was von ihm kam mit dem Herzen und der Zunge bestätigt. (2.) Derjenige der mit seiner Zunge bestätigt jedoch mit seinem Herzen lügt.
(3.) Derjenige der es mit seinem Herzen bestätigt, jedoch mit seiner Zunge lügt.
Was denjenigen betriftt, der an Allah und alles was von ihm kam mit seiner Zunge und seinem Herzen bestätigt, so ist er ein Gläubiger bei Allah und bei den Menschen.
Was denjenigen betrifft, der es mit seiner Zunge bestätigt, jedoch mit seinem Herzen lügt, so ist er bei Allah ein Ungläubiger und Gläubiger in den Augen der Menschen, denn die Menschen wissen nicht was in seinem Herzen ist. Sie müssen ihn einen Gläubigen nennen aufgrund was er durch seine Zunge offengelegt hat. Sie werden nicht mit dem Wissen des Herzen beauftragt.
Von ihnen ist ebenso derjenige, welcher ein Gläubiger bei Allah und ein Ungläubiger bei den Menschen ist, derjenige der ein Gläubiger nach Allah ist, aber aufgrund der Taqiyyah mit seiner Zunge ungläubig ist, so wird er nicht als Ungläubiger bezeichnet, er ist ein Gläubiger nach Allah.“
zu Nr.6: Was die Maturidiyyah über die Übersetzung der Mutashabihat sagen
Shaykh Nizamuddin al-Balkhi sagte so wie es in al-Fatawa al-Hindiyyah erwähnt wird:
“In dem Buch “at-Takhyir“ wird gesagt: Die im Koran erwähnten Zuschreibungen zu Allah wie die Yad, Wajh, sind keine Gliedmaßen. Ist es erlaubt diese (die Yad, Wajh usw.) ins Persische zu übersetzen? Einige der Gelehrten haben gesagt: Ohne daran zu glauben, dass es Gliedmaßen sind, ist dies erlaubt zu sagen. Jedoch die Mehrheit der Gelehren haben diese (Meinung) als falsch angesehen. Und diese Meinung wird als richtig erachtet (dass es falsch ist diese zu übersetzen). Dies ist auch in dem Buch “at-Tatarkhaniyyah“ (so erwähnt worden).“
Abul Muin an-Nasafi (418-508 n.H.) sagt in Bahrul Kalam:
“In der Arabischen Sprache ist es erlaubt zu sagen: Allah ta’ala hat eine Yad. Jedoch auf Persisch (übersetzt) ist es nicht erlaubt .“
Muhammad Abul Yusr al-Bazdawi (421-493 n.H.) sagte in Usul ad-Din:
“Ist es erlaubt diese Eigenschaften (wie die Yad, Ayn usw.) vom arabischen in andere Sprachen (zu übersetzen) und diese dann in der übersetzen Sprache auszusprechen? Einige der Ahlu-Sunnah Gelehrten haben gesagt: “Es ist erlaubt, jedoch ohne daran zu glauben dass es Gliedmaßen sind.“ Einige haben jedoch vorsichtshalber gesagt: “Es ist nicht erlaubt.“ Und dies ist die richtige Meinung.“
zu Nr.7: Über die Bestätigung der Mutashabihat als Eigenschaften wie Yad, Wadjh etc.
Einige behaupten bezüglich der Maturidiyyah, dass sie die Sifat Khabariyyah wie z.B. die Yad, Wadjh, istiwa usw. ablehnen würden. Das tun die Maturidiyyah nicht! Sie bestätigen diese Eigenschaften und überlassen deren Bedeutung Allah.
Hier nun ein paar Zitate von den Gelehrten der Maturidiyyah, die diese Behauptung widerlegen.
Imam Abul Muin an-Nasafi (418-508 n.H.) sagte in seinem Werk “Bahrul Kalam“:
“Sowie sein Yad eine ewige Eigenschaft von Ihm ist ohne Beschaffenheit ohne Tashbih und ohne Gliedmaßen. Wir bestätigen die Eigenschaft Yad und dass beabsichtigte davon ist was Allah gewollt hat.“
Imam Abul Yusur al-Bazdawi (421-493 n.H.) sagte in seinem Werk ‘‘Usul ad-Din‘‘:
‘‘Was die (Eigenschaft) Yad betrifft so sagen wir was Allah der Erhabene sagte. Jedoch sagen wir: Es ist eine Eigenschaft die speziell Ihm eigen ist. Was die Eigenschaft ‘Ayn betrifft so bestätigten einige der Ahlu Sunnah wal Jamaah dieses. Und dies ist auch was al-Ash‘ari sagte. Und andere bestätigten diese Eigenschaft nicht, jedoch weist Allahs Buch auf die Bestätigung dieser Eigenschaft hin. Sein ‘Ayn ist jedoch kein Organ, sondern eine Eigenschaft die speziell Ihm eigen ist.‘‘
Imam ‘Ala ad-Din al-Bukhari al-Hanafi (verst. 730 n.H.) der in seinem Werk ‘‘Kashf al-Asrar“ sagte:
“Nach uns ist die Bestätigung der Eigenschaften Wadjh und Yad für Allah den Erhabenen wahr. Mit seiner (al-Bazdawi) Aussage: “Nach uns“, vermeidet der Shaykh die Position derjenigen, welche sagen: “Allah ist nicht beschrieben mit einem Wadjh und Yad, vielmehr ist mit seinem Wadjh Seine Zufriedenheit oder Sein Selbst (al-dhat) gemeint und so weiter; und Yad bedeutet seine Macht und seine Kraft. Deswegen sagte der Shaykh: “Vielmehr ist Allah mit den Attributen Wadjh und Yad beschrieben zusammen mit der Erhabenheit von Ihm (tanzih), keine Form oder kein Organ zu haben.““
Und dies ist die bekannte und korrekte Meinung bei den Maturidiyyah. Imam Abu Shakur al-Salimi und Hafidh Qasim Ibn Kutluboga widersprachen dem, jedoch stellt ihre Ansicht nicht die bekannte Meinung bei den Maturidiyyah dar.
Und zu guter letzt eine schöne Aussage von Mullah Ali al-Qari, er sagte in Tashyī’ al-Fuqahā’ al-Hanafiyyah:
„Was die Anhänger von Abu Hanifah betrifft, so haben sie in allen Gebieten (an Gefolgschaft) zugenommen, speziell in den Gebieten von Rum, Transoxanien, die Provinz von Hind, die Mehrheit von Khorasan und Irak, sowie ihrer Präsenz vieler von ihnen in den arabischen Ländern mit Übereinstimmung. Ich schätze, dass sie (also die Hanafis) zwei Drittel der Muslime ausmachen.“