Die glaubenslehre der Ahlu Sunnah

Die Asha'irah und Maturidiyyah


Gibt es eine Grenze zwischen Allah und dem Thron?

Gibt es eine Grenze zwischen Allah und dem Thron?

Eines der Glaubensgrundsätze der Ahlu Sunnah wal Jama‘ah lautet, dass Allah der Erhabene außerhalb von Raum und Zeit existiert. Der Ort ist Ihm nicht inhärent und die Grenzen umfassen nicht sein Wesen. Wieso ist es notwendig Grenzen in Bezug auf Allah abzulehnen? Wie wir wissen, glauben die Mushabbiha, dass Allah selbst über dem Thron sei, darüber hinaus sind sie davon überzeugt, dass Allah mit seinem Wesen getrennt von der Schöpfung sei. Sie verstehen diese Getrenntheit in ihrem wörtlichen Sinne, nämlich, dass die Schöpfung nach dem Thron endet, und dann der Schöpfer anfängt und eine bestimmte Grenze sie trennt. Ja, es gibt immer eine räumliche Grenze zwischen zwei Körpern, jedoch ist Allah erhaben über den Körper, daher gilt das Konzept der ‘‘Grenze‘‘ nicht für Allah. Grenzen können nur zwischen zwei materiellen Objekten liegen. Es ist inakzeptabel, Analogien zwischen der Existenz des Schöpfers und der Existenz Seiner Geschöpfe zu ziehen. Schließlich gibt es absolut nichts, dass Allah jemals ähnlich wäre.

Allah erwähnte in vielen Versen, dass er absolut nicht den Geschöpfen gleicht.

‘‘Und niemand ist Ihm jemals gleich‘‘ (112:4), ‘‘Nichts ist Ihm gleich‘‘ (42:11), ‘‘Kennst du etwa einen, der Ihm gleich wäre?‘‘ (19:65), ‘‘Deshalb macht niemanden Gott gleich‘‘ (2:22), ‘‘So sollt ihr Allah keine Gleichnisse prägen.‘‘ (16:74) und viele andere Verse.

Dementsprechend wird die Grenze in Bezug auf Allah abgelehnt, denn Allah ähnelt nicht den Geschöpfen. Man darf Allah nicht etwas zuschreiben, was er sich nicht selbst zuschrieb. Hat Allah sich eine Grenze zugeschrieben oder sein Gesandter ? Nein!

Abu Sulayman al-Khattabi (319-388 n.H.) sagte in Ar-Risalah an-Nasiha:

صفات الله تعالى لا تؤخذ إلا من كتاب أو من قول رسول الله صلى الله عليه وسلم دون قول أحد من الناس كائنًا من كان علت درجته أو نزلت تقدم زمانه أو تأخر لأنها لا تدرك من طريق القياس والاجتهاد

‘‘Die Eigenschaften von Allah dem Erhabenen werden nur durch das Buch oder der Aussage von Rasulallah Sallallahu alayhi wa Sallam genommen und nicht aus den Worten der Menschen, egal was sie sind oder welchen Status sie erreicht haben, unabhängig davon ob sie früher oder später lebten. Die Eigenschaften Gottes sind nicht durch Analogieschluss (Qiyas) oder selbstständige Rechtsfindung (Ijtihad) bekannt…

وزعم بعضهم أنه جائز أن يقال إن له تعالى حدًّا لا كالحدود كما نقول يد لا كالأيدي فيقال له إنما أحوجنا إلى أن نقول يد لا كالأيدي لأن اليد قد جاء ذكرها في القرآن وفي السنة فلزم قبولها ولم يجز ردها فأين ذكر الحد في الكتاب والسنة حتى نقول حد لا كالحدود كما نقول يد لا كالأيدي

‘‘Und andere behaupteten, dass es zulässig sei, zu sagen, dass Allah der Erhabene eine Grenze hat jedoch nicht wie unsere Grenzen, genauso wie wir dies über (die Eigenschaft) Yad sagen, dass es nicht wie unsere Hände ist. Zu solch einer Person sollte gesagt werden: Wir müssen dies über Yad sagen, weil es im Qur‘an und der Sunnah erwähnt wurde, und dies muss akzeptiert werden und darf nicht abgelehnt werden. Aber wo im Qur‘an oder der Sunnah wird die Grenze (in Bezug auf Allah) erwähnt, damit wir sagen, dass seine Grenze nicht wie unsere Grenzen sind, genauso wie wir sagen, dass sein Yad nicht wie unsere Hände sind?.‘‘

Und Imam Khatib al-Baghdadi (392-463 n.H.) sagte in al-Faqih wa l-Mutafaqqih:

لا تثبت الصفة لله بقول صحابي أو تابعي

“Die Eigenschaften Gottes werden nicht durch die Aussage eines Sahabi (Gefährten) oder die eines Tabi‘i bestätigt.“

Und Imam Ibn al-Qattan (562-628 n.H.) sagte in al-Iqna fi masail al-ijma‘:

أن أسماء الله وأوصافه مأخوذة من طريق التوقيف الوارد بالكتاب والسنة والإجماع

“Die Namen Allahs stammen vom Qur‘an, der Sunnah und der Übereinstimmung der Gelehrten (Idjma‘) ab.“

Was bedeutet, dass Allah getrennt von seiner Schöpfung sei?

Einige Gelehrte der Ahlu Sunnah verwendeten den Ausdruck ‘‘getrennt von seiner Schöpfung‘‘ (ba‘in min khalqi) in Bezug auf Allah und dies ist die Wahrheit. Was ist jedoch mit diesen Worten gemeint?

Der Zweck dieser Worte war eine Widerlegung derer, die glaubten, dass Allah sich mit seiner Schöpfung vermischt.

Imam al-Bayhaqi (384-458 n.H.) überlieferte in al-Asma‘ wa Sifat die Aussage von Imam Abul Hasan al-Ash‘ari (260-324 n.H.):

أن الله مستو على عرشه وأنه فوق الأشياء بائن منها ، بمعنى أنها لا تحله ولا يحلها

‘‘Allah ist mustawi über den Thron und Er ist über allem und getrennt von ihnen. Und die Bedeutung davon ist, dass Er sich nicht in etwas inkarniert oder dass die Geschöpfe sich mit Ihm inkarnieren.‘‘

Daher bedeutet die Aussage der Ahlu Sunnah Gelehrten, dass Allah getrennt von seiner Schöpfung ist, nicht, dass eine gewisse Distanz und Grenze zwischen Allah und der Schöpfung existiert.

Deswegen sagte Imam al-Bayhaqi in Al-Asma‘ wa Sifat:

والقديم سبحانه عال على عرشه لا قاعد ولا قائم ولا مماس ولا مباين عن العرش ، يريد به : مباينة الذات التي هي بمعنى الاعتزال أو التباعد ، لأن المماسة والمباينة التي هي ضدها ، والقيام والقعود من أوصاف الأجسام ، والله عز وجل أحد صمد لم يلد ولم يولد ولم يكن له كفوا أحد ، فلا يجوز عليه ما يجوز على الأجسام تبارك وتعالى .

‘‘Der Urewige, gepriesen sei er, ist Hoch über seinem Thron, er ist aber nicht sitzend oder stehend oder berührend oder getrennt vom Thron. Damit ist gemeint: Die Trennung seines Wesen, welches die Entfernung und Distanzierung heißt. Denn die Berührung und die Trennung, welche das Gegenteil des Ersten ist, und das Stehen und Sitzen, sind Eigenschaften der Körper, und Allah ‘azza wa jall, ist Eins und Einzigartig und er ist weder gezeugt noch zeugt er und nichts gleicht ihm. Deswegen sind die Sachen, die man den Körpern zuschreibt bezüglich Ihm unmöglich.‘‘

Die Salaf lehnten die Grenzen in Bezug auf Allah ab

Imam Abu Bakr al-Bayhaqi (384-453 n.H.) sagte in al-Asma‘ wa Sifat:

أخبرنا الفقيه أبو بكر أحمد بن محمد بن الحارث الأصبهاني: أنا أبو محمد بن حيان: ثنا إسحاق بن أحمد الفارسي: ثنا حفص بن عمر المهرقاني: ثنا أبو داود قال: كان سفيان الثوري وشعبة وحماد بن زيد وحماد بن سلمة وشريك وأبو عوانة لا يحدون ولا يشبهون ولا يمثلون، يروون الحديث لا يقولون كيف، وإذا سئلوا أجابوا بالأثر. قال أبو داود: وهو قولنا.

“Faqih Abu Bakr Ahmad ibn Muhammad ibn al-Harith al-Asbahani berichtet uns: Abu Muhammad ibn Hayyan berichtet uns: Ishaq ibn Ahmad al-Farisi überliefert uns: Hafs ibn Umar al-Mahraqani überliefert uns, dass Abu Dawud sagte: Sufyan al-Thawri (97-161 n.H.), Shu’bah (82-160 n.H.), Hammad ibn Zayd (98-179 n.H.), Hammad ibn Salamah (91-176 n.H.), Sharik (95-177 n.H.) und (al-Waddah ibn Abdillah) Abu Awanah (95-176 n.H.) würden (Allah) keine Grenzen zuschreiben, noch würden sie eine Ähnlichkeit (zu seiner Schöpfung machen) noch eine Gleichheit. Sie überlieferten diese Ahadith ohne zu sagen Wie. Wenn sie gefragt wurden, würden sie mit den Überlieferungen antworten. Abu Dawud sagt: Dies ist auch unsere Aussage.“

Imam Abu Hanifa sagte in al-Fiqh al-Akbar:

ولا حدَّ له

‘‘Allah hat keine Grenzen‘‘

Und Imam Ahmad bin Hanbal (verst. 241 n.H.) sagte wie es Imam al-Lalika’i in Sharh Usul al-I‘tiqad überlieferte:

أمض الحديث على ما روي بلا كيف ولا حد

‘‘Überliefere den Hadīth wie er dir berichtet wurde, jedoch ohne Allah eine Modalität und ohne Grenzen zuzuschreiben.‘‘

Und Imam Abu Ja‘far at-Tahawi (239-321 n.H.) sagte in Aqidah al-Tahawiyyah:

وَتَعَالَى عَنِ الْحُدُودِ

‘‘Allah ist erhaben über Grenzen‘‘

Imam Abu Hatim Muhammad Ibn Hibban al-Busti (270-354 n.H.) sagte in ath-Thiqat:

الحمد لله الذي ليس له حد محدود فيحتوى

“Dank gebührt Allah, Derjenige, der keine Grenzen (Hadd) hat, nicht begrenzt (Mahdūd) ist und somit auch nicht beinhaltet (Yuhtawā) wird.‘‘

Imam Abu Bakr al-Ismaili (277-371 n.H.) sagte in I‘tiqad A‘immat al-Hadith:

وذلك من غير اعتقاد التجسيم في الله عز وجل ولا التحديد له ، ولكن يرونه جل وعز بأعينهم على ما يشاء هو بلا كيف

‘‘Und dies ohne den Glauben von der Verkörperlichung Allah’s, azza wa jalla, und ohne Begrenzung für Ihn, jedoch werden sie Ihn, jalla wa azza, mit ihren Augen sehen, in einer Weise wie Er will, ohne wie (bila kayf).‘‘

Und Imam Abul Hasan al-Ash‘ari sagte in vielen seiner Bücher, dass Allah erhaben über Grenzen ist.



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