Der genaue Unterschied zwischen den Ash‘aris und Hanbalis in Tafwidh
Der [Ash‘ari] Imam und Wali von Allah [Muhammad bin Yusuf] al-Sanusi (verst. 895 n.H.) – [so wurde er von dem Hanbali Gelehrten Allamah Uthman al-Najdi (verst. 1097 n.H.) betitelt] sagte in seinem Sharh al-Muqaddimat, dass es drei Meinungen unter den Gelehrten (der Ahl al-Sunna) bezüglich den Ayat und Ahadith betreffend der göttlichen Eigenschaften gibt:
1) Tafwidh (Überlassung)
2) Ta‘wil (Interpretation)
3) Ithbat mit Tanzih (Bestätigung mit Transzendenz)
Die meisten Gelehrten erwähnten nur Tafwidh und Ta‘wil, denn Ithbat mit Tanzih ist bereits als mögliche Option in Tafwidh enthalten.
Vergleichen wir nun diese 3 Meinungen:
1) Tafwidh bedeutet, an den Wortlaut der Ayat und Ahadtih zu glauben und unmittelbar danach die beabsichtigte Bedeutung und ihre Wahrheit Allah ta‘ala zu überlassen, während man sich gewiss ist, dass es keine Ähnlichkeit zwischen dem Schöpfer und den Geschöpfen gibt.
Dies ist die Madhab der Salaf al-Salih gemäß den Ash‘ari gelehrten
2) Ta‘wil bedeutet, an den Wortlaut der Ayat und Ahadith zu glauben und diese Beschreibungen in ihrem Kontext zu verstehen und gemäß ihrer Verwendung in der arabischen Sprache (wie z.B. dass Interpretieren von Saq (wörtlich: Bein) zu ‘‘die schwere der Härte‘‘ (am Tag des Jüngsten Gerichts) so wie Ibn ‘Abbas radiallahu anhu sagte) jedoch mit Ausnahme von solchen Interpretationen, welche die Zuschreibung der Ähnlichkeit beinhalten (wie dass verstehen von Istiwa als Istiqrar (sesshaft werden) und Julus (sitzen), diese werden strikt abgelehnt, denn der Schöpfer ähnelt nicht den Geschöpfen.
Wir finden solche Interpretationen (wie die von Ibn ‘Abbas) in den Aussagen der Salaf al-Salih.
3) Ithbat mit Tanzih bedeutet, an den Wortlaut dieser Ayat und Ahadith zu glauben und sie zu bestätigen und danach die beabsichtigte Bedeutung und ihre Wahrheit Allah ta‘ala zu überlassen während man die Ähnlichkeit zu seinen Geschöpfen ablehnt.
Sie zu bestätigen und ihre Bedeutungen Allah zu überlassen bedeutet, dass diese Beschreibungen Eigenschaften Gottes sind zusätzlich zu den anderen Eigenschaften und sie verweisen nicht auf andere Eigenschaften.
Dies ist die Madhab der Salaf al-Salih gemäß den Hanabilah und deswegen lehnen sie den Ta‘wil ab, denn sie glauben nicht, dass die anderen Verständnisse über diese Eigenschaften überhaupt akzeptabel sind.
Um es kurz zu machen: Der Tafwidh der Ash‘ari Gelehrten ist breiter und beinhaltet den Hanbali Tafwidh und den Ta‘wil, während der Hanbali Tafwidh den Ta‘wil ausschließt.
Illustration der obigen Erklärung am Beispiel von Yad:
1) Tafwidh
– eine göttliche Eigenschaft zusätzlich zu Qudra und Ni‘ma und kein Gliedmaß, kein Organ und nicht etwas was aus Anteilen besteht. Andere Optionen sind:
– Qudra oder…
– Ni‘ma oder…
– etc.
2) Ta‘wil
– Qudra oder
– Ni‘ma oder
– etc.
3) Ithbat mit Tanzih
– eine göttliche Eigenschaft zusätzlich zu Qudra und Ni‘ma und kein Gliedmaß, kein Organ und nicht etwas was aus Anteilen besteht. Das war’s!
Und die Ansicht der Hanabilah diesbezüglich ist nicht etwas, was wir erfunden haben, sondern dieses sagten die Hanbali Gelehrten selbst! Als Beispiel hierfür kann man Imam Saffarini nehmen, denn er sagte:
فمذهب السلف في آيات الصفات أنها لا تؤول ، ولا تفسر بل يجب الإيمان بها ، وتفويض معناها المراد منها إلى الله تعالى ، فقد روى اللالكائي الحافظ عن محمد بن الحسن قال اتفق الفقهاء كلهم من المشرق إلى المغرب على الإيمان بالصفات من غير تفسير ولا تشبيه
‘‘Und die Madhab der Salaf bezüglich der Verse betreffend den Eigenschaften lautet, dass sie nicht interpretiert werden noch erklärt, vielmehr ist es für uns obligatorisch an sie zu glauben und ihre beabsichtigte Bedeutungen Allah zu überlassen. Und Al-Lalikai‘i, der Hafidh, überlieferte von Muhammad bin al-Hassan, dass er sagte: “Alle Fuqaha aus dem Osten und Westen sind sich einig, dass man an die Eigenschaften glaubt ohne Erklärung (Tafsir) oder der Zuschreibung von Ähnlichkeit (Tashbih).““
Und er sagte auch:
اعلم أن مذهب السلف الصالح، وعلماء الحنابلة، ومن وافقهم من أهل الأثر: أن المراد باليدين إثبات صفتين ذاتيتين تسميان يدين تزيدان على النعمة والقدرة، محتجِين بما مر من الآيات القرآنية والأخبار النبوية
…
فكذلك هنا لما كان ذكر التخصيص مضافا إلى صفة وجب إثبات تلك الصفة على وجه يليق بجلال الله وعظمته،
لا بمعنى: العضو والجارحة، والجسمية، والبعضية، والكمية، تعالى الله عن ذلك
Hier bestätigt er Yadayn als göttliche Eigenschaft zusätzlich zu Qudra und Ni‘ma in der Weise die der Majestät Allahs gebührt während er dazu noch hinfügt:“Nicht mit der Bedeutung eines Organs oder eines Gliedmaßes oder Verkörperlichung oder ein Teil oder eine Quantität.“