Thema: Der Ta’wīl und die Beweise dafür.
1. Was ist Ta’wīl:
Der Ta’wīl ist die Abwendung vom ersten Eindruck des mehrdeutigen Verses, hin zu einer anderen möglichen und passenden Bedeutung.
Im authentischen Hadīth kam, dass der Gesandte Gottes seinen Cousin ʿAbdullāh Ibn ʿAbbās umarmte und sagte:
اللهم علمه التأويل
„O Allāh, gebe ihm das Wissen des Ta’wīl.“
Falls jemand sagt, dass hier mit dem Ta’wīl, allgemein die Erklärung des Qur’ān gemeint ist. So lautet die Antwort, dass dieses trotzdem nicht der Anwendung des Wortes mit der oben genannten Bedeutung widerspricht. Denn wie wir nachfolgend sehen werden, hat der edle Gefährte ʿAbdullāh Ibn ʿAbbās, den Ta’wīl mit der oben genannten Bedeutung angewandt. In jedem Fall hat der Begriff und die Anwendung eine Grundlage in der Religion.
2. Wann wird der Ta’wīl angewandt:
Ar-Rāzī sagte in „al-Mahsūl“, Zitat:
ولا يسوغ تأويل النص أي إخراجه عن ظاهره بغير دليل عقلي قاطع او سمعي ثابت
„Der Ta’wīl des Textes (eines Hadīth oder eines Verses) ist nicht erlaubt, d. h. die Abwendung vom ersten Eindruck (hin zu einer anderen möglichen und passenden Bedeutung), außer mit einem definitiven rationalen oder einem feststehenden textlichen Beweis.“
Ähnliches sagte al-Qādī ʿIyād in „asch-Schifā“ und Mullā ʿAlī al-Qārī in seinem Scharh des Schifā und al-Khatīb al-Baghdādī und al-Qurtubī in seinem Tafsīr.
Der Imām as-Suyutī sagte in „al-Hāwī lil-Fatāwā, Zitat:
قَالَ أَهْلُ الْأُصُولِ: التَّأْوِيلُ صَرْفُ اللَّفْظِ عَنْ ظَاهِرِهِ لِدَلِيلٍ، فَإِنْ لَمْ يَكُنْ لِدَلِيلٍ فَلَعِبٌ لَا تَأْوِيلٌ
„Die Gelehrten der Usūl sagten: Der Ta’wīl ist das Abwenden des Textes von dem ersten Eindruck aufgrund eines Beweises, wenn es nicht aufgrund eines Beweises ist, dann ist es ein Spiel mit dem Text und kein Ta’wīl.“
Damit haben die Anhänger der Sekten, welche versuchen die Texte entsprechend ihres kranken Verständnisses umzuinterpretieren, keine Möglichkeit mit dem Text zu spielen. Denn wann immer sie versuchen den Text umzuinterpretieren, wird sich zeigen, dass sie für ihr abweichendes Verständnis keinen einzigen Beweis vorweisen können. Was ihre Scheinargumente betrifft, so sind sie bereits von den Gelehrten ausführlich widerlegt worden.
Die Gelehrten der Salaf und Khalaf sind sich einig darüber, dass der Ta’wīl bei den mehrdeutigen Texten angewandt werden muss, deren erster Anschein etwas Unpassendes in Bezug auf Allāh vermittelt. Sie sind sich einig darüber, dass diese mehrdeutigen Texte auf die eindeutigen Texte zurückgeführt werden müssen. Dieses aufgrund des feststehenden textlichen und rationalen Beweises hinsichtlich der Erhabenheit Gottes über jegliche Unvollkommenheit.
Der große Imām Ahmad ar-Rifāʿī sagte in „al-Burhān al-Mu’ayyad“: „Schütze euren Glauben vor dem Anschein der mehrdeutigen Texte (die eine unpassende Bedeutung in Bezug auf Allāh vermitteln könnten), denn dieses gehört zur Basis des Unglaubens.“
Pierre Vogel echauffiert sich über diese Aussage dieses großen Imām Ahmad ar-Rifāʿī, er sagt „Wie kann er nur so etwas sagen“.
Dabei scheinen ihm folgende Dinge zu entgehen:
– Wir werden nachfolgend Texte zeigen, bei denen er selbst den Ta’wīl praktizieren muss, da er ansonsten dadurch Unglaube begehen würde. Er dem Imām Ahmad ar-Rifāʿī Recht geben müssen und die Absurdität seiner eigenen Aussage zugeben.
– Der Schüler von Ibnu Taymiyah, Ibn Kathīr hat Ähnliches gesagt, d.h. damit würde er eine Person schmähen, der er selbst folgt.
– Ein anderer Schüler von Ibnu Taymiyah, adh-Dhahabī, lobt den Imām Ahmad ar-Rifāʿī als großen Gelehrten, d.h. damit würde er seinem eigenen Führer in der Beurteilung dieses großartigen Imām Ahmad ar-Rifāʿī widersprechen.
– Adh-Dhahabī sagt in „Siyar Aʿlām an-Nubalā’“, Zitat:
الرفاعي الإمام ، القدوة ، العابد ، الزاهد ، شيخ العارفين أبو العباس [ ص: 78 ] أحمد بن أبي الحسن علي بن أحمد بن يحيى بن حازم بن علي بن رفاعة الرفاعي
„Ar-Rifāʿī, der Imām, das Vorbild, der Gottesdiener, der Asket, der Schaykh der Erleuchteten, Abul-ʿAbbās, Ahmad Ibn Abīl-Hasan ʿAlī Ibn Ahmad Ibn Yahyā Ibn Hāzim Ibn ʿAlī Ibn Rifāʿah ar-Rifāʿī.“
– Ibn Kathīr, ein Schüler von Ibnu Taymiyah, gibt selber zu, dass es Verse im Qur’ān gibt, deren äußerer Anschein Verähnlichung und damit Unglaube ist. Er sagt in seinem Tafsir der Surah al-`Aʿrāf Ayah 54 in Bezug auf den Istiwā’, Zitat:
والظاهر المتبادر إلى أذهان المشبهين منفي عن الله، لا يشبهه شيء من خلقه و
{ لَيْسَ كَمِثْلِهِ شَىْءٌ وَهُوَ ٱلسَّمِيعُ ٱلْبَصِيرُ }
[الشورى: 11] بل الأمر كما قال الأئمة، منهم: نعيم بن حماد الخزاعي شيخ البخاري، قال: من شبه الله بخلقه كفر،
„Der Anschein (Dhāhir), der den Verähnlichern einfällt, ist in Bezug auf Allāh abzulehnen. Nichts von Seiner Schöpfung ähnelt Ihm und Er ähnelt nichts und niemandem. Die Sache ist so wie die Imāme sagten, zu ihnen gehört Nuʿaym Ibn Hammād al-Khuzaʿī, der Schaykh von al-Bukhārī. Er sagte: Wer Allāh mit Seiner Schöpfung vergleicht, der begeht Unglaube.“
– Im Hadīth al-Qudsī, überliefert von al-Bukhārī, kam bezüglich des Walī:
فإذا أحببته كنت رجله التي يمشي بها
Was macht Pierre Vogel hier? Wagt er hier zu behaupten, dass Allāh über den Walī gesagt habe „Wenn ich ihn liebe, bin ich sein Fuß mit dem er geht“? Wagt er es zu sagen, dass Allāh der Fuß dieses Walī wäre? Erhaben ist Allāh darüber! Wenn er dieses nach dem Anschein nehmen würde, würden extreme Widersprüche entstehen, Gotteslästerung, Beschimpfung und Verunglimpfung Gottes. Außerdem beinhaltet es eine Verähnlichung Gottes mit Seiner Schöpfung. Es ist unmöglich, dass so etwas in der Religion, dem Qur’ān und dem Hadīth existiert. Die Grundregel hier lautet somit, wie bereits der Imām Ahmad ar-Rifāʿī sagte, nämlich dass es eine andere Bedeutung als der Anschein haben muss, eine passende Bedeutung in Bezug auf Allāh.
Einige Gelehrten sagten bezüglich der Bedeutung, dass Allāh den Fuß dieses Walī davor schützt zu den Sünden zu gehen. Andere Gelehrte sagten, dass Allāh ihm eine übernatürliche Kraft gibt, womit er weite Strecken in einem Augenblick zurücklegen kann. Als Beispiel wäre die Nachtreise und Himmelfahrt zu erwähnen, der Prophet legte gewaltige Strecken in einem sehr kurzen Zeitraum zurück, ungefähr dem 1/3 einer Nacht. Allāh gab Seinem Gesandten das Wunder diese großen Entfernungen zurückzulegen, welche normalerweise tausende von Jahren benötigen würden. Einige Gelehrten sagten, dass der Thron von unserer Erde aus vlt. 25.000 Jahre entfernt ist. Allāh ist Derjenige, der seinem Walī besondere Fähigkeit gibt und übernatürliche Taten ausführen lässt. Es ist somit möglich, dass ein Walī „Bismillāh“ sagt und augenblicklich in Makkah ist. So erklärten es einige Gelehrte.
Niemand von den Gelehrten hat jemals gesagt, dass dieser Hadīth Qudsī nach dem ersten Eindruck verstanden werden sollte, denn wer ihn nach dem ersten Eindruck nimmt, der wird zu einem Ungläubigen, einem Feind Gottes. Dieses da er damit behaupten würde, dass Allāh der Fuß des Walī wäre. Erhaben ist Allāh über solch eine Absurdität.
Und was macht Pierre Vogel mit dem Hadīth al-Qudsī, der im Sahīh Muslim überliefert wurde:
مَرِضْتُ فَلَمْ تَعُدْنِي جعت فلم تطعمني
Was macht er hier? Wagt er zu behaupten, dass Allāh gesagt habe „Ich bin krank geworden und du hast mich nicht besucht“ und „Ich bin hungrig geworden und du hast mir nichts zum essen gegeben“.
Wagt er zu behaupten, dass Allāh krank und hungrig werden würde? Erhaben ist Allāh!
Auch hier kommt die Grundregel die der Imām Ahmad ar-Rifāʿī sagte zur Anwendung.
Die Gelehrten sagten bezüglich dieses Hadīth Qudsī, dass die Bedeutung lautet: Mein gläubiger Diener ist krank geworden und du hast ihn nicht besucht. Mein gläubiger Diener ist hungrig geworden und du hast ihm nichts zu essen gegeben.
Ein weiteres Beispiel ist der Vers 67 der Sūrah at-Tawbah:
نَسُوا اللَّهَ فَنَسِيَهُمْ
Wagt Pierre Vogel hier zu behaupten, dass Allāh vergessen würde? Erhaben ist Allāh! Jeder weiß, dass Allāh Allwissend ist. Wer Ihm Unwissenheit oder das Vergessen zuschreibt, der begeht definitiv Unglaube. In dem oben erwähnten Vers kommt zwar das Wort „Nasiyahum“ vor, womit allerdings nicht das Vergessen gemeint ist, sondern der Ausschluss von der Gnade Gottes.
Auch hier kommt die Grundregel des Imām Ahmad ar-Rifāʿī zur Anwendung, der erste Eindruck muss abgelehnt werden. Dieser Vers muss eine andere mögliche und passende Bedeutung in Bezug auf Allāh haben.
Der Ta’wīl muss somit aufgrund der definitiven rationalen und feststehenden textlichen Beweise in all diesen zuvor genannten Beispielen angewandt werden. Nur ein Ungläubiger lehnt diese Praxis ab und nimmt diese Stellen nach dem Anschein.
3. Die Arten des Ta’wīl:
Es gibt zwei Arten des Ta’wīl, der allgemeine Ta’wil und der detaillierte Ta’wīl.
Der allgemeine Ta’wīl wurde überwiegend von den Salaf praktiziert, d. h. von den Muslimen der ersten drei Jahrhunderte. Sie glaubten, dass diese Texte eine Bedeutung haben, die in Bezug auf Allāh passend ist, ohne sich auf eine bestimmte Bedeutung festzulegen. Jedoch führten sie diese auf die eindeutigen Texte zurück, wie auf den Vers 11 der Sūrah asch-Schūrā:
لَيسَ كَمِثلِهِ شَيءٌ
Die Bedeutung lautet: Allāh ähnelt nichts und niemandem.
Den allgemeinen Ta’wīl anzuwenden bedeutet beispielsweise, bezüglich des Verses des Istiwā’ oder des Hadīth an-Nuzūl zu sagen „ohne Beschaffenheit“. Ohne Beschaffenheit bedeutet, ohne Allāh die Beschaffenheiten der Schöpfung zuzuschreiben, d.h. ohne Ihm die Eigenschaften der Schöpfung zuzuschreiben, wie das Sitzen, Transport oder an einem Ort zu existieren.
Es ist so wie der Imām asch-Schāfiʿī sagte: „Ich glaube an das was von Allāh kam, so wie es gemeint ist, und an das was vom Propheten kam, so wie es gemeint ist.“ Überliefert von al-Bayhaqī in „al-Asmā’ was-Sifāt“.
Der Imām al-Bayhaqī überliefert ebenfalls in „al-Asmā’ was-Sifāt“:
سئل الأوزاعي ومالك وسفيان الثوري والليث بن سعد عن هذهالأحاديث التي جاءت في التشبيه – أي ظاهرها يوهم ذلك – فقالوا: أمِرُّوها كما جاءتبلا كيفية
„Al-Auzāʿī, Mālik, Sufyān ath-Thaurī und al-Layth Ibn Saʿd würden bezüglich dieser Ahadīth gefragt, deren erster Anschein etwas Unpassendes in Bezug auf Allāh vermittelt. Sie sagte: Überliefert sie, wie sie euch überliefert wurden, ohne (Allāh) eine Beschaffenheit zuzuschreiben.“
An einer anderen Stelle sagte al-Bayhaqī weiter: „Dieses sagten sie, mit ihrem glauben an die Negation der Grenze (d.h. des Maß), der Verähnlichung und des Vergleichs.“
Die zweite Art des Ta’wīl, ist der Weg der Khalaf. Die Khalaf sind diejenigen, die nach den Salaf kamen:
Sie praktizieren den detaillierten Ta’wīl mit der Festlegung auf eine der Bedeutungen, die entsprechend der arabischen Sprache möglich ist. Sie haben nicht den ersten Anschein genommen, genau so wie es die Salaf auch nicht getan haben. Es liegt kein Schaden darin diesen Weg, den Weg der Khalaf, zu beschreiten, vor allem wenn Schaden am Glauben befürchtet wird.
Der Hāfidh Ibnu Daqīq al-ʿId sagte, Zitat:
نقول في الصفات المشكلة أنها حق وصدق على المعنى الذي أراده الله، ومن تأولها نظرنا فإن كان تأويله قريبا على مقتضى لسان العرب لم ننكر عليه، وإن كان بعيدا توقفنا عنه ورجعنا إلى التصديق مع التنزيه.
وما كان منها معناه ظاهرا مفهوما من تخاطب العرب حملناه عليه
„Wir sagen hinsichtlich der mehrdeutigen Texte in Bezug auf die Eigenschaften Gottes, dass sie wahr und richtig sind, mit der Bedeutung die Allāh gewollt hat. Falls jemand den Ta’wīl mit ihnen praktiziert, schauen wir, wenn sein Ta’wīl gemäß der arabischen Sprache nicht weit hergeholt ist, kritisieren wir ihn nicht. Falls es jedoch weit hergeholt ist, stoppen wir und kehren zum Bekenntnis mit dem Glauben an die Erhabenheit Gottes (über jegliche Ähnlichkeit) zurück. Was davon jedoch klar und verständlich ist im Sprachgebrauch der Araber, das nehmen wir dementsprechend an.“
4. Die Salaf haben auch den detaillierten Ta’wīl praktiziert:
Was die Behauptung der Mudjassimah betrifft, dass die Salaf nie detaillierten Ta’wīl praktiziert hätten, so ist diese Behauptung falsch. Denn es steht in den authentischen Überlieferungen fest, dass obwohl sie überwiegend den allgemeinen Ta’wīl praktizierten, auch der detaillierten Ta’wīl von ihnen praktiziert wurde.
Nachfolgend seien einige Beispiele aufgeführt:
– Ibn ʿAbbās nimmt einen detaillierten Tawīl vor und erklärt das Wort „Sāq“ in dem Vers {يَوْمَ يُكْشَفُ عَنْ سَاقٍ} nicht mit „Bein“ sondern mit „die schwere der Härte“. Er sagte ebenfalls:
ألا تسمع العرب تقول: وقامَتِ الحَرْبُ بنا على ساق
„Hast du etwa nicht gehört wie die Araber sagen: Waqāmat al-Harbu binā ʿala Sāq.“
Dieses überlieferte unter anderem der Hāfidh Ibn Hadjar in „Fath al-Bārī“ (13/428) und der Imām at-Tabarī in seinem Tafsīr (29/38).
Ibn Hadjar sagte: „Al-Bayhaqī hat die erwähnte Überlieferung (von Ibn ʿAbbās) mit zwei Überlieferungsketten überliefert, beide sind authentisch Hasan.“
At-Tabarī sagte diesbezüglich:
قال جماعة من الصحابة والتابعين من أهل التأويل يبدو عن أمر شديد
„Eine Zahl von Gefährten und Tābiʿīn von den Gelehrten des Ta’wīl sagten, dass die Härte der Angelegenheit zum Vorschein kommt.“
Aus diesen Zitaten ist zu entnehmen, dass der detaillierte Ta’wīl auch unter den Gefährten praktiziert wurde.
– Ibn ʿAbbās nimmt einen weiteren detaillierten Tawīl des Wortes „Nūr“ in dem nachfolgenden Vers vor:
اللهُ نُورُ السَّمَوَاتِ وَالأَرْضِ. يقول: الله سبحانه هادي أهل السموات والأرض
„Allāh, der Erhabene, leitet die Himmelbewohner und Erdbewohner recht.“
Dieses ist auch die Aussage des Imām at-Tabarī, er überlieferte es in seinem Tafsīr (18/135), sowie Ibn al-Mundhir, Ibn Abū Hātim und al-Bayhaqī in „al-Asmā’ was-Sifāt“ von der Route des ʿAlī Ibn Abū Talhah.
Ibn ʿAbbās sagte nicht, dass Allāh Licht sei, denn dieses wäre eine offensichtliche Verkörperlichung und damit Unglaube.
Der Hāfidh al-Bayhaqī überliefert diesbezüglich in „al-Asmā’ was-Sifāt“ von dem Imām Abū Sulaymān al-Khattābī:
وَقَالَ أَبُو سُلَيْمَانَ فِيمَا أُخْبِرْتُ عَنْهُ : وَلا يَجُوزُ أَنْ يُتَوَهَّمَ أَنَّ اللَّهَ سُبْحَانَهُ وَتَعَالَى نُورٌ مِنَ الأَنْوَارِ
„Es ist nicht erlaubt sich einzubilden, dass Allāh ein Licht sei.“
– Ibn ʿAbbās nimmt einen weiteren detaillierten Ta’wīl des Wortes „Nansāhum“ in dem Vers vor:
فَاليَوْمَ نَنْسَاهُمْ كَمَا نَسُوا لِقَاءَ يَوْمِهِمْ هَذَا: نتركهم من الرحمة
„Sie werden von der Gnade Gottes ausgeschlossen.“
Ibn ʿAbbās, Radiyallāhu ʿanhu, erklärte es mit dem Ausschluss von der Gnade Gottes und sagte nicht, dass Allāh vergessen würde, denn dieses wäre offensichtlicher Unglaube.
– Ibn ʿAbbās nimmt einen weiteren detaillierten Ta’wīl des Wortes „Ayd“ vor und erklärt es nicht mit „Hände“ sondern mit „Macht“.
Der Imām at-Tabarī überliefert in seinem Tafsīr über Ibn ʿAbbās:
حدثني عليّ، قال: ثنا أبو صالح، قال: ثني معاوية، عن عليّ، عن ابن عباس، قوله: { والسَّماءَ بَنَيْناها بأَيْدٍ } يقول: بقوّة
„ʿAlī berichtete uns, er sagte: Abū Sālih berichtete uns, er sagte: Muʿāwiyah berichtete uns von ʿAlī von Ibn ʿAbbās, dass er bezüglich der Āyah { والسَّماءَ بَنَيْناها بأَيْدٍ } sagte: ‚Mit Macht‘“.
Und dieses berichtete at-Tabarī ebenfalls von Mudjāhid, Qatādah, Sufyān und anderen Gelehrten Salaf.
Einige Verkörperlicher versuchen davor zu flüchten und behaupten, dass das Wort „Ayd“ nicht von „Hände“ sondern von „Macht“ komme und damit die zuvor erwähnte Erklärung kein Beweis für einen detaillierten Ta’wīl sei.
Die Antwort darauf: Der Imām at-Tabarī widerlegt diese Behauptung.
Der Imām at-Tabarī sagte nämlich bezüglich der Āyah 45 der Sūrah Sād, in seinem Tafsīr „Djāmiʿ al-Bayān“, Zitat:
فإن قال لنا قائل: وما الأيدي من القوّة، والأيدي إنـما هي جمع يد، والـيد جارحة، وما العقول من الأبصار، وإنـما الأبصار جمع بصر؟ قـيـل: إن ذلك مثل، وذلك أن بـالـيد البطش، وبـالبطش تُعرف قوّة القويّ، فلذلك قـيـل للقويّ: ذويَدٍ
„Wenn jemand zu uns sagt: ‚Al-Aydī kommt nicht von dem Wort Macht. Sondern das Wort Al-Aydī ist der Plural von Yad. Und al-Yad ist ein Körperteil’. Zu dem wird gesagt: ‚Dies ist eine Metapher, da der mächtige Griff mit der Hand ausgeführt wird. Und mit dem mächtige Griff wird die Macht des Mächtigen erkannt. Deshalb wird zu dem Mächtigen gesagt ‚derjenige mit dem Yad‘ “.
At-Tabarī bestreitet nicht die Aussage: „Al-Aydī kommt nicht von dem Wort Macht. Sondern das Wort Al-Aydī ist der Plural von Yad“. Vielmehr akzeptiert er es und erklärt dann weshalb „Ayd“ trotz dessen „Macht“ bedeutet.
Somit gibt es für die Verkörperlicher kein Entrinnen vor der Tatsache, dass Ibn ʿAbbās einen weiteren detaillierten Ta’wīl vorgenommen hat.
– Mudjāhid, der Schüler von Ibn ʿAbbās, sagte bezüglich des Wortes „Wajdh“ in dem Vers:
فَأَيْنَمَا تُوَلُّوا فَثَمَّ وَجْهُ اللهِ. قال مجاهد: قبلة الله
„Die Gebetsrichtung.“ Er sagte nicht „Das Gesicht Gottes“, denn das Gesicht ist ein Körper und Allāh ist erhaben über jegliche Ähnlichkeit mit Seiner Schöpfung.
Überliefert von at-Tabarī in seinem Tafsīr (1/402) und von dem Hāfidh al-Bayhaqī „al-Asmā’ was-Sifāt“ (S.309). Ähnliches wurde auch von dem Imām asch-Schāfiʿī überliefert.
– Der Imām al-Bukhārī nahm einen detaillierten Ta’wīl in seinem Werk „Sahīh al-Bukhārī“ vor und sagte bezüglich des Wortes „Wajdh“ in dem Vers:
كُلُّ شَيْءٍ هَالِكٌ إِلا وَجْهَهُ: إلا ملكه، ويقال: إلا ما أريد به وجـه الله
„Außer die Herrschaft Gottes. Und es wird gesagt: Außer was mit der Absicht für Allāh getan wurde.“
Überliefert im „Sahīh al-Bukhārī“ Kapitel Tafsīr der Sūrah al-Qasas.
Der Imām al-Bukhārī sagte nicht, dass dieser Vers bedeuten würde, dass Allāh ein Gesicht hätte. Er nimmt entgegen der Aussage der Verkörperlicher einen detaillierten Ta’wīl vor, indem er den ersten Eindruck dieses mehrdeutigen Verses abwendet, hin zu einer anderen möglichen und passenden Bedeutung.
Einige Verkörperlicher versuchen vor diesem definitiven Beweis zu flüchten indem sie behaupten, dass dieser detaillierte Ta’wīl إلا ملكه „außer Seine Herrschaft“ nicht im Sahīh al-Bukhārī stehen würde. Dies ist eine offensichtliche Lüge, denn jeder kann sich selbst davon vergewissern indem er sich ein Exemplar des Sahīh al-Bukhārī besorgt und die entsprechende Stelle raussucht.
– Der Imām Ahmad Ibn Hanbal nimmt einen detaillierte Ta’wīl des folgenden Verses in der Sūrah al-Fadjr vor:
وَجَاءَ رَبُّكَ: إنما هو قدرته.
„Das Zeichen für die Allmacht Gottes kommt“.
Überliefert von Ibnu l-Djawzī in „Dafʿ Schubah at-Taschbīh“ (S.141).
Er sagte nicht, dass Allāh selbst „herkommen“ würde, mit der Bedeutung von Bewegung, Stillstand, füllen und leeren eines Ortes, da dieses Vergleich mit der Schöpfung und damit Unglaube wäre.
Diesen detaillierten Ta’wīl des Imām Ahmad überliefert der Hāfidh al-Bayhaqī in den „Manāqib al-Imām Ahmad“. Ibn Kathīr überliefert daraus in „al-Bidāyah wa n-Nihāyah“ (327/10), Zitat: „Al-Bayhaqī überlieferte dieses von al-Hākim von Abū ʿAmr Ibn as-Sammāk von Hanbal von Ahmad Ibn Hanbal. Dann sagte al-Bayhaqī: Es gibt keinen Staub auf dieser Überlieferungskette (d.h. dieses ist authentisch überliefert von Ahmad)“.
Dann sagte al-Bayhaqī:
وفيه دليل على أنه كان لا يعتقد في المجيء الذي ورد به الكتاب والنزول الذي وردت به السنة انتقالا من مكان إلى مكان كمجيء ذوات الأجسام ونزولها وإنما هو عبارة عن ظهور ءايات قدرته
„Darin liegt ein Beweis, dass er vom Madjī’, der im Qur’ān erwähnt wurde, und vom Nuzūl, der im Hadīth erwähnt wurde, keinen Transport von einem Ort zum anderen verstand, so wie beim Herkommen und Herabkommen der Körper, sondern das Erscheinen der Zeichen der Allmacht Gottes.“
– Der Imām at-Tabarī nimmt einen detaillierte Ta’wīl des Wortes „Istawā“ vor und erklärt es weder mit örtlicher „Erhebung“ noch mit „Sitzen“ oder „Niederlassen“, sondern mit „Hoheit der Macht Gottes“.
Er sagt in seinem Tafsīr (1/192) bezüglich des Istiwā’, Zitat:
علا عليها علو ملك وسلطان، لا علو انتقال وزوال
„Es ist Seine Hoheit (ʿUlū) mit Seiner Herrschaft und Macht, nicht die Hoheit des Transportes und der Verlagerung (von Ort zu Ort).“
5. Die Lieblinge der Mudjassimah praktizieren den detaillierten Ta’wīl:
Was machen diese Irregeleiteten, welche den Ta’wīl verbieten und jeden zum Ungläubigen erklären der ihn praktiziert, mit Ibn ʿAbdul-Barr, den sie loben und verehren? Erklären sie ihn auch wegen seines Ta’wīls zum Ungläubigen? Denn er nahm einen detaillierten Ta’wīl des Wortes „Dahik“ in Bezug auf Allāh vor. Er sagte nicht, dass Allāh „lachen“ würde, sondern erklärte es mit „Gnade“.
Er sagte in „at-Tamhīd“ (18/345), Zitat:
وأما قوله: يضحك الله: فمعناه يرحم عبده عند ذاك، ويتلقاها بالروح والراحة والرحمة والرأفة، وهذا مجاز مفهوم
„Was seine Aussage ‚Yadhak Allāh‘ betrifft, so lautet die Bedeutung: Er ist seinem Diener gnädig. Er lässt Ruhe, Gnade und Güte zukommen. UND DIESE METAPHER IST LEICHTVERSTÄNDLICH.“
6. Die Salaf werden von Ibnu Taymiyah beschimpft weil sie den detaillierten Ta’wīl praktizieren:
Ibnu Taymiyah sagte über at-Tirmidhī in seiner sogenannten „Risālah al-ʿArschiyyah“, so wie es in seinen sogenannten „Madjmūʿ al-Fatāwā“ (6/574) steht, Zitat:
تأويله بالعلم تأويل ظاهر الفساد، من جنس تأويلات الجهمية
„Seiner detaillierte Erläuterung (d. h. der Ta’wīl von at-Tirmidhī) mit ‚Wissen‘, ist eine offenkundige Verdorbenheit. Es gehört zu der Art von Erläuterungen der Djahmiyyah-Sekte.“
Und Ibn Taymiyah sagte ebenfalls in seinen sogenannten „Madjmūʿ al-Fatāwā“ (25/198) diesbezüglich, Zitat:
ومن تأوله على قوله هبط على علم الله ، كما فعل الترمذي لم يدر كيف الأمر
„Und wer dieses mit ‚Wissen‘ erläuterte, so wie es at-Tirmidhī getan hatte, der hat keine Ahnung.“
In den Augen der Verähnlicher gibt at-Tirmidhī verdorbene Aussagen der Djahmiyyah-Sekte von sich und hat keine Ahnung wovon er spricht. In den Augen der Ahlus-Sunnah jedoch, praktiziert at-Tirmidhī den detaillierten Ta’wīl, so wie es an solchen Stellen erforderlich ist, genau so wie es die Gelehrten der Salaf, die Tābiʿīn und Gefährten vor ihm taten.
7. Die Widersprüchlichkeit der Mudjassimah-Sekte, sie praktizieren selbst den detaillierten Ta’wīl und schmähen andere dafür:
Der Imām al-Haramayn, Abul-Maʿālī, Abdul-Malik al-Djuwaynī asch-Schāfīʿī (geb. 419 n.H.), sagte in seinem Werk „al-Irschād“, Zitat:
فإن استدلوا بظاهر قوله تعالى: {الرَّحْمَنُ عَلَى الْعَرْشِ اسْتَوَى} [سورة طه:5]، فالوجه معارضتهم بآي يساعدوننا على تأويلها، منها قوله تعالى: {وَهُوَ مَعَكُمْ أَيْنَ مَا كُنتُمْ} [سورة الحديد: 4] وقوله تعالى: {أَفَمَنْ هُوَ قَآئِمٌ عَلَى كُلِّ نَفْسٍ بِمَا كَسَبَتْ} [سورة الرعد: 33] فنسائلهم عن معنى ذلك، فإن حملوه على كونه معنا بالإحاطة والعلم، لم يمتنع منا حمل الاستواء على القهر والغلبة، وذلك شائع في اللغة، إذ العرب تقول استوى فلان على الممالك إذا احتوى على مقاليد الملك واستعلى على الرقاب
„Falls sie (die Muschabbihah) versuchen den ersten Eindruck (Dhāhir) des Verses 5 der Sūrah Taha {الرَّحْمَنُ عَلَى الْعَرْشِ اسْتَوَى} (Die Bedeutung lautet: Der Thron ist der Allmacht Gottes unterworfen) als Beweis (für ihre Irreleitungen) zu nehmen, antworten wir ihnen darauf mit einem Vers, bei dessen Ta’wīl sie uns behilflich sind. Dazu gehört der Vers 4 der Sūrah al-Hadīd {وَهُوَ مَعَكُمْ أَيْنَ مَا كُنتُمْ} oder der Vers 33 der Sūrah ar-Raʿd {أَفَمَنْ هُوَ قَآئِمٌ عَلَى كُلِّ نَفْسٍ بِمَا كَسَبَتْ}. Wir fragen sie nach ihrer Bedeutung. Falls sie die Bedeutung der Verse mit „Wissen“ erklären würden, wäre es ebenfalls nicht unzulässig für uns, den Istiwā’ mit der Bedeutung von Bezwingung und Macht zu erklären. Außerdem ist dies eine gängige Bedeutung in der Sprache, denn die Araber sagen ‚Fulan Istiwā auf das Königreich’ wenn er die Befehlsgewalt über das Königreich unter seine Kontrolle gebracht hat und sich über die Hälse erhob.“
An einer Stelle den Ta’wīl anzuwenden weil der Anschein des Textes ihrer Meinung widerspricht und an einer anderen Stelle abzulehnen weil es ihrer Meinung entspricht, ist Handeln nach eigenem Gutdünken und Willkür, dieses ist ein klarer Beweis für ihre Widersprüchlichkeit. Ihr Zustand ist damit wie der Zustand derjenigen, über die gesagt wurde: „Sie glauben an einiges von dem Offenbarten und sind gegenüber anderem davon ungläubig“.
Weshalb verbieten sie anderen etwas, was sie sich selbst erlauben? Darauf haben und werden sie keine Antwort finden, denn dies ist Willkür, handeln nach eigenem Gutdünken. Dies ist der Zustand eines jeden Bidʿī, den Anhängern der abscheulichen Neuerungen, sie werden alle in Widersprüchlichkeiten fallen. Denn ihre Glaubensweise beinhaltet Widersprüchlichkeiten, deshalb werden sie davon nie los kommen.
Wir sagen zu diesen Leuten:
Was macht ihr bei der Āyah 115 der Sūrah al-Baqarah:
( فَأَيْنَمَا تُوَلُّوا فَثَمَّ وَجْهُ اللَّهِ)(البقرة: من الآية115))
Wenn du es gemäß der außenscheinlichen Bedeutung erklären würdest, würdest du sagen: „Wohin du dich auch wendest, Allāh existiert in dieser Richtung.“
Wenn du nach der außenscheinlichen Bedeutung gehen würdest, würdest du behaupten, dass Allāh die Welt von allen Richtungen umgibt. Und dieses widerspricht deiner Aussage, dass Allāh über dem Thron wäre. Wenn er sagt: „Nein, ich interpretiere diese Āyah mit einer anderen Bedeutung als der außenscheinlichen“. Dann würde zu ihm gesagt werden: „Nun, dies ist eine Āyah vom Qur’ān, nicht einfach ein Hadīth. Du interpretierst eine Āyah aus dem Qur’ān mit einer anderen als der außenscheinlichen Bedeutung. Nur um deine eigene Meinung zu behalten, die auf deinem eigenen Gutdünken basiert. Du weigerst dich jedoch dieses bei einem Hadīth zu tun, wie dem Hadīth der Magd, mit solch einem Zustand den er ha? Das ist absurd!“
Was die Bedeutung der Āyah betrifft, so lautet sie; dass es dem Reisende, beim empfohlenen Gebet, auf dem Reittier gestattet ist in jede Richtung zu beten, wohin ihn sein Reittier auch wendet. Wadjhu l-Lāh bedeutet hier an dieser Stelle somit:
قِبلَةُ الله
Qiblatullāh, d. h. die Gebetsrichtung.
Wenn du sagen würdest: „Du machst eine Interpretation nach eigenem Gutdünken, du erlaubst dir die Interpretation und verbietest es anderen.“ Könnte es sein, dass er antwortet: „Das ist keine Interpretation, das ist eine Erklärung“.
Darauf würdest du antworten: „Diese Wortspiele mit Interpretation und Erklärung sind Augenwischerei, es ist und bleibt was es ist, der Text wurde nicht nach dem scheinbaren Wortlaut genommen.“
Einige Anhänger der Verkörperlichung sagten aufgrund ihrer Sturheit an dieser Stelle etwas sehr befremdliches, als sie mit diesen Argumenten konfrontiert wurden.
Sie sagten: „Ja, Allāh umgibt die Welt, wie die Hand etwas umgibt UND ER IST ÜBER DEM THRON!“.
Sie sagten: „Wir nehmen das nach dem Außenscheinlichen und dieses nach dem Außenscheinlichen“.
Jemand der so etwas sagt, ist geistesgestört, wie willst du mit solch einer Person noch kommunizieren?
Ein weiterer Beweis ist der Hadīth den der Imam al-Bukhārī in seinem „Sahīh“ überliefert, in dem der Prophet sagte:
إذا كان أحدكم في صلاته فإنه يناجي ربه فلا يبصقن في قبلته ولا عن يمينه فإن ربه بينه وبين قبلته
Idhā kana Ahadukum fi Salātihi fa Innahu yunādji Rabbah fa lā yabsuqanna fi Qiblatihi wa lā ʿan Yamīnihi fa inna Rabbahu Baynahu wa bayna Qiblatih.
Die Bedeutung lautet: „Wenn jemand von euch betet, so macht er eine besondere Art der Anbetung. In solch einer Situation sollte er weder vor sich, noch zu seiner Rechten spucken.“
Einige könnten denken, dass der Hadīth bedeuten würde: „Weil Allāh ist zwischen ihm und der Kaʿbah“. Dies ist nicht die Bedeutung des Hadīth. Der Hadīth bedeutet, dass wenn der Mensch betet und seinen Schöpfer bittet, die Gnade zu ihm herab kommt. Die Gnade kommt in Richtung seines Gesichtes herab. Deshalb ist es unpassend nach vorne zu spucken, wenn er spuckt. Weil die Gnade seines Schöpfers kommt herab, zwischen ihm und seiner Gebetsrichtung. Dies ist die Bedeutung des Hadīth. Es ist nicht erlaubt diesen Hadīth damit zu erklären, dass er bedeuten würde, dass Allāh sich zwischen der betenden Person und der Kaʿbah befinden würde. Dieser Hadīth ist von der Überlieferungskette her, stärker als der Hadīth der Magd. Die Frage die sich nun stellt ist, was machen die Anhänger der Verkörperlichung? Wenn sie sagen, dass sie das Außenscheinliche dieses Hadīth nehmen, würde das ihrer Glaubensweise widersprechen, da sie glauben, dass Allāh über dem Thron wäre. Damit würden sie in einen offensichtlichen Widerspruch fallen. Wenn sie jedoch sagen, das sie diesen Hadīth interpretieren, dann stellt sich die Frage: Wieso interpretieren sie dann nicht den Hadīth der Magd? Obwohl dieser Hadīth eine stärkere Überlieferungskette hat, als der Hadīth der Magd!
Die Antwort ist klar: Weil sie Leute sind, die nach ihrem eigenen Gutdünken handeln und nicht nach Beweisen.
Weiterhin sagen wir zu ihnen, dass al-Bukhārī einen weiteren Hadīth überlieferte über Abu Mūsā al-Aschʿarī, RaDiya l-Lāhu ʿAnhu, dass als der Gesandte Gottes, Salla l-Lāhu ʿalayhi wa Sallam, sah wie sich einige Gefährte anstrengten und ihre Stimmen beim Bittgebet erhoben, er zu ihnen sagte:
أربعوا على أنفسكم فإنكم لا تدعون أصم ولا غائبا إنما تدعون سميعا قريبا أقرب إلى أحدكم من عنق راحلته
Irbaʿū ʿala Anfusikum fa innakum lā tadʿūna Asamma wa lā Ghā’iban innama tadʿūna Samīʿan Qarīban aqrabu ila Ahadikum min ʿUniqi Rāhilatih.
Wenn sie diesen Hadīth nach dem Außenscheinlichen nehmen würden, würden sie glauben, dass Allāh zwischen dem Menschen und dem Hals des Reittiers wäre. Dieses würde ihre Behauptung bezüglich des Hadīth der Magd widerlegen. Wenn sie sagen: „Nein, nein, nein, wir interpretieren diesen Hadīth“. Antworten wir: „Und weshalb interpretiert ihr nicht den Hadīth der Magd, obwohl dieser Hadīth von der Überlieferungskette her, stärker ist als der Hadīth der Magd?!“
Die Bedeutung dieses Hadīth lautet: Der Prophet sagte ihnen, dass sie ihre Stimmen nicht so stark zu beanspruchen haben, damit sie sich nicht erschöpfen. Er sagte ihnen sinngemäß: „Derjenige, den ihr bittet, ist nicht taub und nicht unwissend über euch“. Er sagte dann, dass sie Denjenigen fragen, der hört was sie sagen und über ihren Zustand weiß. Dann sagte er: „Aqrabu Ila Ahadikum min ʿUniqi Rāhilatih“, wenn jemand es nach dem Außenscheinlichen übersetzen würde, würde er sagen: „Er ist näher zu euch, als der Hals eures Reittieres“. So würde der Hadīth die Außenscheinliche Bedeutung ergeben, dass Allāh sich zwischen der Person und dem Hals des Reittieres befinden würde. Was der Prophet jedoch in Wirklichkeit meinte ist, dass Allāh wissend über sie ist, Er weiß Dinge über sie, die sie selbst nicht wissen.
Wenn die Anhänger der Verkörperlichung sagen, dass sie nach der Außenscheinlichen Bedeutung gehen wollen bei den Ahadīth des Propheten, dann ist es so als ob sie sagen würden, dass Allāh sich zwischen der Person und dem Hals des Reittieres befinden würde. Und dies widerspricht ihrer Behauptung, in der sie Allāh einen Ort über dem Thron zuschreiben. Wenn sie also diesen Hadīth interpretieren, warum interpretieren sie dann nicht den Hadīth der Magd? Obwohl dieser Hadīth eine viele stärkere Überlieferungskette hat, als der Hadīth der Magd?! Die Antwort ist leicht: Weil ihr Glaube widersprüchlich ist.
Zu ihnen würde letztlich gesagt werden: Euer Zustand ist so, wie der Zustand derjenigen, die Allāh im Qur’ān in der Sūrah al-Baqarah Āyah 85 beschrieb:
( أَفَتُؤْمِنُونَ بِبَعْضِ الْكِتَابِ وَتَكْفُرُونَ بِبَعْضٍ )(البقرة: من الآية85)
Afatu’minūna bi BaʿDi l-Kitāb wa takfurūna bi baʿd.
Es bedeutet: Sie glaubten an einiges von dem Offenbarten und einem anderen Teil davon waren sie ungläubig gegenüber.
Das heißt, sie wählten nach eigenem Gutdünken einiges davon aus woran sie glaubten und ließen anderes davon weg, ohne darin den Beweisen zu folgen, sondern sie folgten ihrem eigenen Gutdünken. Dies ist exakt das, was die Anhänger der Verkörperlichung tun. Wo sie es wollen, sagen sie, dass sie keine andere Bedeutung außer die außenscheinliche davon verstehen und ihr Glaube wäre, dass sie alle Ahadīth und Verse nehmen würden „wie sie sind“. Mit dem Wort „wie sie sind“ meinen sie, dass sie alle Ahadīth und Verse nur nach dem Außenscheinlichen nehmen. Und plötzlich, bei einigen Ahadīth, deren außenscheinliche Bedeutung nicht mit ihrer Glaubensweise übereinstimmt, sagen sie: „Nein, bei diesen Ahadīth verstehen wir eine andere Bedeutung als die außenscheinliche“. Was ist mit der Regel passiert, in der sie behauptet haben, dass sie bei den Ahadīth und Versen keine andere Bedeutung verstehen außer die außenscheinliche?! Dies ist so, weil sie nicht den Beweisen folgen, sie folgen ihrem eigenen Gutdünken, sie glauben an einiges davon und sind gegenüber anderem davon ungläubig.
8. Pierre Vogel behauptet, dass niemand der Salaf den Vers des Istiwā’ als mehrdeutig (Mutaschābih) betrachtet hat. Und er behauptet, dass der Imām al-Baghdādī gesagt habe, dass seine Gefährten diesbezüglich eine Meinungsverschiedenheit hätten.
Antwort:
Das ist eine offensichtliche Lüge, denn die Salaf, wie beispielsweise der Imām Mālik haben nachweislich den Istiwā’ als mehrdeutig betrachtet, da sie diesbezüglich sagten „Bilā Kayf“ d. h. „ohne Beschaffenheit“. Wenn sie den Istiwā’ als eindeutig betrachtet hätten, hätte es keiner weiteren einschränkenden Erklärung der Bedeutung des Verses bedürft. Die Tatsache jedoch, dass sie die Bedeutung einschränkend mit „ohne Beschaffenheit“ erklärten ist ein klarer Beweis dafür, dass sie ihn als erklärungsbedürftigen mehrdeutigen Vers betrachteten. Nachfolgend werden wir zeigen, dass mit der Erklärung „Bilā Kayf“ (ohne Beschaffenheit) die Negierung der Verähnlichung gemeint ist. Und die Verähnlichung ist nachweislich gemäß der Salaf, wie es Nuʿaym Ibn Hammad, Ishāq Ibn Rahawayh, at-Tahawī und viele andere Salaf sagten, Unglaube.
Es ist erwiesen, dass die Salaf den Istiwā’ als mehrdeutig ansahen und sie ihn deshalb einschränkend mit „ohne Beschaffenheit“ erklärten, weil sie den ersten Anschein ablehnten, da sie die Verähnlichung als Unglaube betrachteten.
Der Imām Mālik sagte bezüglich des Istiwā’, überliefert mit einer authentischen Überlieferungskette von Ibn Wahb durch den Imām al-Bayhaqī in „al-Asmā’ wa s-Sifāt“:
لا يقال كيف والكيف عنه مرفوع
„Es darf nicht (über Allāh) gesagt werden „Kayf“ (d. h. es darf nicht gesagt werden, dass Er eine Beschaffenheit habe) und Er ist über den „Kayf“ (die Beschaffenheit) erhaben“.
Die Negierung des „Kayf“ (der Beschaffenheit), bedeutet Negierung von Transport, Verlagerung, füllen eines Ortes, Abhängigkeit von Plätzen, Verkörperlichung und Verähnlichung. So wie es der große Hadīthgelehrte al-Bayhaqī und der Qādi ʿAbdu l-Wahhāb Ibn Nasr sagten.
Der Hāfidh al-Bayhaqī überlieferte in seinem Werk „al-Iʿtiqād“ über al-Walīd Ibn Muslim, Zitat:
سئل الأوزاعي ومالك وسفيان الثوري والليث بن سعد عن هذه الأحاديث فقالوا: أمروها كما جاءت بلا كيفية.اهـ ثم قال البيهقي: وتكييفه يقتضي تشبيها له بخلقه في أوصاف الحدث
„Al-Awzāʿī, Mālīk, Sufyān und al-Layth Ibn Saʿd wurden bezüglich dieser Ahadīth gefragt und sie antworteten: Überliefert sie, wie sie euch überliefert wurden, jedoch ohne eine Beschaffenheit (Kayfiyyah) zuzuschreiben.“ Der Hāfidh al-Bayhaqī sagte daraufhin: „Ihm eine Beschaffenheit zuzuschreiben bedeutet, dass Er mit den erschaffenen Eigenschaften Seiner Schöpfung verähnlicht wird.“
Beispiele für erschaffene Eigenschaften:
Der Qādi ʿAbdul-Wahhāb Ibn ʿAlī Ibn Nasr al-Baghdādī al-Malikī (geb. 362 n.H.) erklärt uns beispielhaft diese erschaffenen Eigenschaften, die in Bezug auf Allāh negiert werden müssen. In seiner Erläuterung der „ʿAqīdah Mālikin as-Saghīr“ S.28 sagte er, Zitat:
قال القاضي عبد الوهاب بن علي بن نصر البغدادي المالكي (في شرحه على عقيدة مالك الصغير ص: 28): „ولا يجوز أن يثبت له كيفية لأن الشرع لم يرد بذلك، ولا أخبر النبي عليه السلام فيه بشىء، ولا سألته الصحابة عنه، ولأن ذلك يرجع إلى التنقل والتحول وإشغال الحيّز والافتقار إلى الأماكن وذلك يؤول إلى التجسيم وإلى قِدم الأجسام وهذا كفر عند كافة أهل الإسلام
„Es ist nicht erlaubt Ihm (Allāh) eine Beschaffenheit (Kayfiyyah) zuzuschreiben, denn in der Religion wurde so etwas nie erwähnt. Und auch der Prophet, ʿAlayhi s-Salām, hat nicht das Geringste davon gesagt. Und seine Gefährten haben Ihn nie danach gefragt. Und weil dieses (die Zuschreibung einer Beschaffenheit) den Transport (Intiqāl), Verlagerung, füllen eines Ortes (Ischghāl al-Hayyiz) und Abhängigkeit von Plätzen (Makān) nach sich zieht. Und dieses führt zur Verkörperlichung (Tadjsīm) und der Behauptung, dass die Körper anfangslos wären. Und dies ist bei allen Muslimen, in all ihrer Gesamtheit, Unglaube“.
Die Negierung der Beschaffenheit ist die Negierung der Ähnlichkeit mit der Schöpfung und dies ist das Verständnis der Salaf:
Der Hāfidh al-Bayhaqī überliefert die Aussage von Abū Dāwūd dem großen Hadīthgelehrten (geb.202 n.H.), Zitat:
كان سفيان الثوري وشعبة وحماد بن زيد وحماد بن سلمة وشريك وأبو عوانة لا يحدون ولا يشبهون ولا يمثلون، يروون الحديث لا يقولون كيف
„Sufyān ath-Thawrī, Schuʿbah, Hammād Ibn Zayd, Hammād Ibn Salamah, Scharīk und Abū ʿAwanah verähnlichten nicht, verglichen nicht und schrieben keine Grenzen zu. Sie überlieferten den Hadīth und schrieben keine Beschaffenheit zu (Kayf).“ Dann sagte Abū Dāwūd: „Und dies ist auch unsere Aussage.“
Das heißt, die Salaf-Gelehrten verähnlichten Allāh nicht und verglichen ihn nicht, indem sie die Beschaffenheit (den Kayf) negierten, deshalb sagten sie „es darf nicht gesagt werden Wie“ oder „ohne Wie“ oder „Er ist über das Wie erhaben“ oder „das Wie is unmöglich“.
Die Negierung der Beschaffenheit ist die Negierung der Richtung:
Der Hadīthgelehrte an-Nawawī sagte in seiner Erläuterung des Sahīh Muslim (Teil 5, Band 3, Dār Kutub al-ʿArabī S.24-25), Zitat:
„Sie (die Muslime) sind sich allesamt einig darüber, dass es verboten ist Allāh eine Beschaffenheit (Kayf) oder eine Gestalt zuzuschreiben“.
Dann sagte er: „Gibt es etwa einen Unterschied zwischen der Zuschreibung einer Beschaffenheit und der Zuschreibung einer Richtung?!“.
Dies ist die Glaubenslehre der Ahlus-Sunnah wal-Djamāʿah:
At-Tirmidhī (geb. 209 n.H.) sagte:
هَكَذَا رُوِيَ عَنْ مَالِكٍ، وَسُفْيَانَ بْنِ عُيَيْنَةَ، وَعَبْدِ اللهِ بْنِ الْمُبَارَكِ أَنَّهُمْ قَالُوا فِي هَذِهِ الأَحَادِيثِ: أَمِرُّوهَا بِلاَ كَيْفٍ، وَهَكَذَا قَوْلُ أَهْلِ العِلْمِ مِنْ أَهْلِ السُّنَّةِ وَالجَمَاعَةِ،
„So wurde es auch von Mālik, Sufyān Ibn ʿUyaynah und ʿAbdullāh Ibn al-Mubārak überliefert. Sie sagten bezüglich dieser Ahadīth: Überliefert sie ohne eine Beschaffenheit (Kayf) zuzuschreiben. Und dies ist die Aussage der Leute des Wissens, von den Ahlus-Sunnah wal-Djamāʿah.“
Der Schaykh Taqiyyu d-Dīn al-Husnī, möge Allāh ihm gnädig sein, sagte in „Dafʿ Schubah man Schabbaha wa Tamarrad“ (S.18), Zitat:
„Die Beschaffenheit (al-Kayf) gehört zu den Eigenschaften der Geschöpfe und Allāh ist erhaben über alle Eigenschaften der Geschöpfe. Dem Erhabenen dieses zuzuschreiben, ist somit bewiesenermaßen Unglaube, bei der Gesamtheit der Ahlus-Sunnah wal-Djamāʿah.“
Die Salaf warnten davor, von dem Istiwā’ Verähnlichung zu verstehen, weil sie die Verähnlichung als Unglaube betrachteten:
– Der Hadīthgelehrte Nuʿaym Ibn Hammād, der Schaykh von al-Bukhārī (verst. ca. 228 n.H.) sagte:
„Wer Allāh Ähnlichkeit mit etwas von Seiner Schöpfung zuschreibt, der ist ungläubig. Und nichts womit Allāh im Qur’ān und dem Hadīth beschrieben wird, beinhaltet Verähnlichung.“ (al-Lalkā’ī in „Scharh Usūl al-Iʿtiqād“)
– Der Imām Abū Djaʿfar At-Tahāwī sagte:
و من وصف الله بمعنى من معاني البشر فقد كفر
„Wer Allāh mit einer Bedeutung von den Eigenschaften der Geschöpfe beschreibt, der ist ungläubig.“
– Der Hadīthgelehrte Ishāq Ibn Rāhawayh (geb. 161 n.H.) sagte, Zitat:
„Wer Allāh Eigenschaften zuschreibt und Seine Eigenschaften mit den Eigenschaften irgendeines Geschöpfes verähnlicht, der ist ein Ungläubiger“. (al-Lalkā’ī in „Scharh Usūl al-Iʿtiqād“)
Was die angebliche Aussage des Imām al-Baghdādī betrifft, so ist diese aus einem Buch entnommen und abgeschnitten worden damit es eine andere Bedeutung ergibt. Denn Pierre Vogel erwähnte nicht die nachfolgenden Wörter, welche zeigen, dass es nicht darum ging ob der Istiwā’ grundsätzlich mehrdeutige sei oder nicht, wie er behauptet, sondern um welche Art von mehrdeutigen Versen es sich handelt. Denn im Text kam:
إن آية الاستواء من المتشابه
„Der Istiwā’ gehört zu den mehrdeutigen Versen.“
Anschließend wird zu Pierre Vogels Erniedrigung erwähnt, dass der Imām Mālik diesen Vers des Istiwā’ als mehrdeutig (Mutaschābih) betrachtet. Denn im Text kam anschließend:
وهذا قول مالك بن أنس
„Und dies ist die Aussage von Mālik Ibn Anas.“ D. h. dass der Vers des Istiwā’ mehrdeutig ist.
In anderen Worten, ein Text über dessen Bedeutung Pierre Vogel gelogen hat und den er als Beweis für sich nehmen wollte, widerlegt ihn gleich zwei mal.
Denn, da er diesen Text als Beweis nehme wollte um seine falsche Behauptung zu untermauern, dass der Istiwā’ nicht mehrdeutig sei, was ihm nicht gelungen ist, da wir zeigten, dass er den Text geschnitten hatte, hat er damit automatisch diese Stelle, an der erwähnt wird, dass der Imām Mālik den Istiwā’ als mehrdeutig betrachtet, als beweiskräftig eingestuft.
9. Pierre Vogels falsche Übersetzung des Wortes „Dhāhir“ und die Widerlegung seiner Behauptung „Wie kann es sein, dass das Wortwörtliche Unglaube ist“ und „Wieso hat der Prophet nicht davor gewarnt“.
Der erste Eindruck (Dhāhir) eines mehrdeutigen Verses ist entgegen der falschen Übersetzung Pierre Vogels, nicht das „Wortwörtliche“ des Textes.
Denn wortwörtlich bedeutet; ganz genau dem Wortlaut entsprechend. Die mehrdeutigen Verse haben jedoch per Definition mehrere Bedeutungen gemäß der Sprache. So wäre es bei 15 verschiedenen Bedeutungen eines Wortes, jedes mal eine „wortwörtliche“ Erklärung, wenn jemand eine dieser Bedeutung auswählen würde.
Darum geht es jedoch nicht, von daher ist dies Übersetzung von „Dhāhir“ mit „wortwörtlich“ falsch. Die richtige Bedeutung des Wortes „Dhāhir“ in Bezug auf die mehrdeutigen Verse lautet „Ersteindruck“. Bei Punkt 2 haben wir bereits anhand von Versen und Ahadīth unmissverständlich und eindrucksvoll bewiesen, dass der Ersteindruck, der bei einigen entstehen kann, Unglaube ist.
Von daher darf man sich nicht auf die eigenen, potenziell fälschlichen Einbildungen, hinsichtlich der Bedeutungen der mehrdeutigen Verse und Ahadīth verlassen, sondern man hat sie entsprechend der Methode zu erklären, die im Qur’ān erwähnt wurde. Sie sind gemäß der eindeutigen Verse zu erklären und zu verstehen, welche die Grundlage sind.
Diese Methodik ist vom Vers 7 der Sūrah āl ʿImrān zu entnehmen:
﴿هُوَ الَّذِي أَنْزَلَ عَلَيْكَ الْكِتَابَ مِنْهُ ءايَاتٌ مُحْكَمَاتٌ هُنَّ أُمُّ الْكِتَابِ وَأُخَرُ مُتَشَابِهَاتٌ فَأَمَّا الَّذِينَ فِي قُلُوبِهِمْ زَيْغٌ فَيَتَّبِعُونَ مَا تَشَابَهَ مِنْهُ ابْتِغَاءَ الْفِتْنَةِ وَابْتِغَاءَ تَأْوِيلِهِ وَمَا يَعْلَمُ تَأْوِيلَهُ إِلَّا اللَّهُ وَالرَّاسِخُونَ فِي الْعِلْمِ يَقُولُونَ ءامَنَّا بِهِ كُلٌّ مِنْ عِنْدِ رَبِّنَا وَمَا يَذَّكَّرُ إِلَّا أُولُو الْأَلْبَابِ﴾
Die Bedeutung lautet: Er (Allāh) ist Derjenige, Der dir (o Muhammad) den Qur´ān offenbart. Darin befinden sich eindeutige āyāt, welche die grundlegenden āyāt des Qur´ān sind, und mehrdeutige āyāt. Diejenigen, in deren Herzen sich Neigung zur Abweichung vom richtigen Glauben befindet, halten sich an die Bedeutung der Mehrdeutung, die ihren Abweichungen entspricht, um den Menschen in ihrer Religion zu schaden und um den Qur´ān gemäß ihrer Neigungen zu interpretieren. Niemand kennt die wahre Bedeutung der āyāt außer Allāh und diejenigen, die über tiefgreifendes und fundiertes Wissen in der Religion verfügen, sie sagen: Wir glauben an den Qur´ān, alles – sowohl die eindeutigen als auch die mehrdeutigen āyāt – wurde von Allāh offenbart. Und nur diejenigen lassen sich ermahnen, die gescheit sind.
Dieser Vers ist eine klare Antwort auf Pierre Vogels Scheinargument, in dem er sagt „Warum hat der Prophet nicht davor gewarnt“. Dies ist Warnung genug und welch eine deutliche Warnung sie ist.
Gemäß dieser Methodik haben die Salaf mit äußerster Vehemenz vor dem falschen Verständnis der mehrdeutigen Verse und Ahadīth gewarnt und die Verähnlichung Gottes mit der Schöpfung als Unglaube verurteilt, wie in Punkt 8 ersichtlich.
10. Falls der Mudjassim sagt: Ihr behauptet, dass Allāh etwas unverständliches für die Menschen offenbarte?
So lautet die Antwort:
Der Qur’ān wurde in klarer arabischer Sprache offenbart, so ist es unbedingt notwendig des Hocharabischen mächtig sein um ihn zu verstehen. Damit scheiden die meisten Leute heutzutage aus. Mit „des Arabischen mächtig zu sein“ ist nicht ein Kindergartenniveau von verstandeslosen Kleinkindern gemeint, so wie es die Muschabbihah gerne hätten, um die Leute von den absurdesten Bedeutungen der Wörter zu überzeugen.
Wenn also der Mudjassim sagt: Ihr behauptet, dass Allāh etwas unverständliches für die Menschen offenbarte?
Antworte: Das ist eine Lüge und das haben wir nie gesagt.
Der Imām al-Ghazālī antwortet hierauf treffend in „al-Ildjām“ S.45, Zitat:
„Die Bedeutung der mehrdeutigen Texte verstehen die Leute des Wissen (so wie in Vers 7 Sūrah āl ʿImrān erwähnt ist: Niemand kennt den Ta’wīl der (mehrdeutigen) Verse außer Allāh und diejenigen, die über tiefgreifendes und fundiertes Wissen in der Religion verfügen). Sie wissen definitiv, dass mit diesen Worten eine Bedeutung gemeint ist, die passend ist in Bezug auf Allāh, dem Erhabenen. Die Beschreibung Gottes mit Eigenschaften, womit er sich selbst beschrieb und womit der Prophet Ihn beschrieb, ist wahr, jedoch mit der Bedeutung, die wirklich gemeint ist. Es ist keine Voraussetzung für denjenigen, der zu den Wissenden spricht, dass er sie mit dem anspricht, was die Kinder und Laien verstehen. Der Unterschied vom Laien zum Gelehrten, ist wie der Unterschied vom Kind zum Erwachsenen. Die Kinder haben die Erwachsenen zu fragen was sie (von den Wörtern) verstehen. Die Erwachsenen sollten den Kinder sagen: Es gehört nicht zu euren Angelegenheiten darüber zu sprechen. Euer Verständnis ist nicht die Grundlage (des Verständnisses der Texte). Kümmert euch um andere Dinge, den zum Unwissenden wurde gesagt: فاسألوا أهل الذكر (Die Bedeutung lautet) ‚Fragt die Wissenden‘.“
Was die Mudjassimah betrifft, so möchten sie gerne, dass du die mehrdeutigen Verse gemäß des Verständnisses Unwissender verstehst, anstatt wie im Qur’ān beschrieben, die Gelehrten diesbezüglich zu fragen um die wahre Bedeutung zu erfahren. Kurz gefasst wollen sie dich offensichtlich in die Irre führen hinsichtlich der wahren Bedeutung der mehrdeutigen Verse. Deshalb sagen sie: „Frag den Kafir“ oder „ein Kind kann das doch verstehen“.
Sag: NEIN! Ich will nicht das Verständnis eines Kindes oder eines Nichtmuslim oder eines Laien! Ich will das Verständnis der anerkannten Gelehrten, denn im Qur’ān wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie die Bedeutung kennen und wenn man nicht weiß, sie fragen soll und nicht den Nichtsmuslim oder ein Kleinkind!
Eine wichtige Grundlage hinsichtlich des Verständnisses der mehrdeutigen Texte, ist das Hocharabische welches die Araber damals zur Zeit des Propheten gesprochen hatten und nicht das beschränkte Verständnis einiger Leute heutzutage.
Einige Leute heutzutage, die nicht einmal „al-Khamse“ von der „Tamse“ unterscheiden können, behaupten ohne Kenntnisse des Althocharabischen, den Qur’ān verstehen zu können.
So beginnen diese Leute den Qur’ān zu lesen ohne zu verstehen was wirklich gemeint ist, sie fangen dann an sich etwas hinsichtlich der Bedeutung der Texte einzubilden und glauben dann schließlich an ihre eigenen Einbildungen und nicht die wahre Bedeutung.
Das Problem liegt somit bei demjenigen, der voreilig ohne Wissen im Althocharabischen und den Grundlagen des Islam, falsche Schlussfolgerungen gemäß seines beschränkten Wissens zieht. Der Qur’ān ist in klarer arabischer Sprache offenbart und nicht in unklarem Arabisch, so wie es bei dem Verständnis dieser Leute der Fall ist.
Deswegen sagten auch die Gefährten, wie Djundub Ibn ʿAbdullāh:
„Wir waren noch Jungs, als wir bei dem Propheten waren, wir lernten den Glauben vor dem Qur’ān. Als wir dann den Qur’ān lernten, stärkte dieses unseren Glauben.“
In der Sūrah asch-Schuʿarā‘ Āyah 195 kam:
بِلِسَانٍ عَرَبِىّ مُّبِينٍ
Die Bedeutung lautet: „Allāh hat den Qur’ān in deutlicher arabischer Sprache offenbart“.
So ist es eine unabdingbare Voraussetzung, um die Bedeutung des Qur’ān zu verstehen, dass man der arabischen Sprache mächtig ist, wie aus der Āyah hervorgeht. Das Verständnis sprachlich unqualifizierter Individuen, spielt hierbei keiner Rolle, dementsprechend hat ihr Verständnis keinerlei Relevanz, geschweige denn Gewicht. Ihre falschen Interpretationen, welche auf Unkenntnis der Sprache und ihren Einbildungen basieren, sind demnach ungültig und verdienen keinerlei Beachtung.
Mudjāhid sagte diesbezüglich:
„Es ist niemandem erlaubt, der an Allāh und den Tag des Jüngsten Gerichts glaubt, etwas über die Bedeutung des Qur’ān zu sagen, wenn er kein Wissen über die Sprache hat“. Überliefert von dem Hāfidh as-Suyutī in „al-Itqān fi ʿUlūm al-Qur’ān“ auf S.231.
11. Pierre Vogel behauptet, dass at-Tahawī gesagt habe, dass der Tawīl unterlassen werden sollte.
Antwort:
At-Tahawī untersagt den Ta’wīl nicht, denn das Verbot jeglichen Ta’wīls, würde bedeuten den Muschabbihah (den Verähnlichern Gottes mit der Schöpfung) zu folgen. Wie beispielsweise mit dem Hadīth al-Qudsī, überliefert von al-Bukhārī, in dem bezüglich des Walī kam:
فإذا أحببته كنت رجله التي يمشي بها
Was macht Pierre Vogel hier? Wagt er hier zu behaupten, dass at-Tahawī den Ta’wīl hier verboten und über Allāh gesagt habe der Fuß des Walī zu sein? Wenn nein, hätte er seine eigene Behauptung damit widerlegt. Wenn er ja sagen würde, hätte er damit at-Tahawī zu einem ungläubigen Gotteslästerer erklärt. At-Tahawī gehört zu den am weitest entfernten Menschen von dem Taschbīh. Er warnt nämlich mehrfach und ausdrücklich in seinem Werk vor dem Taschbīh und vor den Muschabbihah NAMENTLICH. Er bezeichnete in seinem Schlußwort die Muschabbihah (المشبهة) als „abscheuliche Sekte“ (المذاهب الردية) und stufte sie als (وهم عندنا ضلال) „irregeleitete Ungläubige“ ein. Und wie soll at-Tahawī jeglichen Ta’wīl bestritten haben, obwohl er derjenige ist, der selbst Ta’wīl praktizierte und über die Eigenschaften Gottes in seiner „ʿAqīdah“ sagte: بِلاَ كَيْفِيَّةٍ „Ohne Beschaffenheit.“ Das ist ein klarer Ta’wīl.
Der Hāfidh al-Bayhaqī sagte: „Ihm (Allāh) eine Beschaffenheit zuzuschreiben bedeutet, dass Er mit den erschaffenen Eigenschaften Seiner Schöpfung verähnlicht wird.“
Und wie soll er jeglichen Ta’wīl bestritten haben, obwohl er derjenige ist, der sagte:
وَمَنْ وَصَفَ اللهَ بِمَعْنىً مِنْ مَعَانِي البَشَرِ فَقَدْ كَفَرَ
„Wer Allāh eine Eigenschaft von den Eigenschaften der Geschöpfe zuschreibt, der begeht Unglaube.“
Und wie soll er jeglichen Ta’wīl bestritten haben, obwohl im authentischen Hadīth kam, dass der Gesandte Gottes seinen Cousin ʿAbdullāh Ibn ʿAbbās umarmte und sagte:
اللهم علمه التأويل
„O Allāh, gebe ihm das Wissen des Ta’wīl.“
Und wie soll er jeglichen Ta’wīl bestritten haben, obwohl im Vers 7 der Sūrah āl ʿImrān kam:
وَمَا يَعْلَمُ تَأْوِيلَهُ إِلَّا اللَّهُ وَالرَّاسِخُونَ فِي الْعِلْمِ
Die Bedeutung lautet: Niemand kennt den Ta’wīl der (mehrdeutigen) Verse außer Allāh und diejenigen, die über tiefgreifendes und fundiertes Wissen in der Religion verfügen.
12. Pierre Vogel behauptet, dass die Schüler des Schaykh Abdullāh al-Hararī die Eigenschaften Gottes „al-Ghadab“ und „ar-Rida“ ablehnen würden.
Antwort: Das ist eine der vielen Lügen Pierre Vogels über die Schüler des Schaykhs.
Die Schüler des Schaykh Abdullah sagen, wie beispielsweise Schaykh Samīr al-Qādī:
Zu den Eigenschaften Gottes gehört „al-Ghadab“ und „ar-Rida“. Der Ghadab und Rida Gottes sind keine Gefühlsregungen oder Emotionen. Der „Ghadab“ Gottes ist nicht wie unser Zorn. Der „Rida“ Gottes ist nicht wie unser Wohlgefallen. Die Realität der Eigenschaften sind für unseren Verstand nicht erfassbar, sie sind für unseren Verstand unvorstellbar. Denn Allāh ist nicht vorstellbar, weder Er selbst noch seine Eigenschaften. Wenn wir zornig werden, so ist dieser Zorn etwas Begonnenes. D. h. dieser Zorn beginnt bei uns zu existieren nachdem er vorher nicht existierte. Diese Eigenschaften Gottes jedoch, „al-Ghadab“ und „ar-Rida“, sind ohne Beginn und ohne Ende, so wie bei allen Eigenschaften Gottes. Unser Zorn ist eine Gefühlsregung, eine Emotion. Allāh ist jedoch über Gefühlsregungen und Emotionen erhaben. Denn Gefühlsregungen und Emotionen sind Eigenschaften der Geschöpfe, und Allāh ähnelt den Geschöpfen nicht. Allāh selbst ähnelt nicht dem Selbst der Geschöpfe und Seine Eigenschaften ähneln nicht den Eigenschaften der Geschöpfe. Denn Allāh, der Erhabene, sagt im edlen Qur´ān in der Sūrah sch-Schūrā (42), āyah 11: لَيْسَ كَمِثْلِهِ شَيْءٌ Die Bedeutung lautet: „Allāh ähnelt nichts und niemandem.“ Deshalb sagte at-Tahawī, dass „al-Ghadab“ und „ar-Rida“ nicht dem Zorn und dem Wohlgefallen der Geschöpfe ähneln. Der Grund warum wir al-Ghadab in Bezug auf Allāh nicht übersetzt haben, ist weil der „Zorn“ keine Eigenschaft Gottes ist. Man kann nicht einfach jedes Wort aus dem Arabischen nach eigenem Gutdünken in jede Sprache übersetzen, so wie man es möchte. Im Arabischen ist es so, dass das Wort Ghadab mehrere Bedeutungen hat, 14 Bedeutungen insgesamt, Allāh wird im Qur’ān und im Hadīth damit beschrieben. Wir können uns jedoch nicht einfach eine Eigenschaft für Allāh ausdenken, worüber kein Konsens in der Gemeinschaft herrscht. Weder im Arabischen darf man das machen, noch in irgendeiner anderen Sprache. Bei dem Wort Ghadab können wir kein Wort im Englischen (noch im Deutschen) finden, dass die selben Bedeutungen wie al-Ghadab umfasst. Das Wort Zorn im Englischen (und auch im Deutschen), hat eine andere Bedeutung und ist etwas, womit die Geschöpfen beschrieben werden. Selbst wenn wir ein Wort finden könnten, dass alle Bedeutungen von al-Ghadab beinhaltet, schreiben wir Allāh trotzdem den Zorn nicht als Eigenschaft zu. Weil wir können uns nicht einfach Dinge ausdenken und diese dann Allāh zuschreiben. Selbst wenn dieses Wort kein einziges Zeichen einer Unvollkommenheit beinhalten würde. Abul-Hasan al-Aschʿarī sagte, dass Allāh kein Name zugeschrieben werden darf, der nicht im Qur’ān kam oder dem Hadīth oder worüber Konsens herrscht. Dieses ist ebenfalls von dem Imām ʿAbdul-Qāhir al-Baghdādī und vielen weiteren Gelehrten überliefert. Ibn Hadjar sagte dieses in “ Fath al-Bārī“. Ebenso kann Wajdh nicht mit Gesicht und Yad nicht mit Hand übersetzt werden.
Hier noch ein Tipp:
Seid nicht wie diese ignoranten Leute, die alles über Allāh sagen was ihnen einfällt. Seid vorsichtig, folgt den Schritten der islamischen Gelehrten. Es sind jedoch die richtigen Gelehrten wie Abū Hanīfah, asch-Schāfiʿī, Mālik, Ahmad und Ihresgleichen gemeint. Ihre Schüler, die Schüler ihrer Schüler usw.. Nicht jemand, der keinen Fiqh, Tawhīd und die Sprache von den Gelehrten gelernt hat, dies sind keine Gelehrten. Falls du etwas von jemandem hörst, frag diese Person: Was ist der Beweis für deine Aussage? In welchem Madhhab ist das erwähnt? Falls er sagt „Allāh sagt“ und dann erwähnt er einen Vers, kann es sein, dass er diesen Vers falsch interpretiert, ebenso wenn er mit einem Hadīth kommt.
Frag ihn deshalb:
Wo hat asch-Schāfiʿī dieses erwähnt? Oder die Top-Schüler von asch-Schāfiʿī? In welchem Buch?
Wer von den Schülern Abū Hanifahs erwähnt dieses? Und in welchem Buch?
Wer von den Schülern Māliks erwähnt dieses? Und in welchem Buch?
Wer von den Schülern Ahmad Ibnu Hanbals erwähnt dieses? Und in welchem Buch?
Falls er nicht mit solch einem Beweis kommen kann, verlasse dich nicht auf ihn.
Falls er sagt: Ich habe von so und so gelernt.
Frag ihn: Von wem hat dieser dieses gelernt?
Wenn er dir eine verlässliche Überlieferungskette geben kann, kannst du von ihm nehmen, ansonsten lasse von ihm ab.
13. Die Gelehrten sagen: Wer diese mehrdeutigen Verse nach dem Außenschein nimmt, der ist ein ungläubiger Muschabbih Mudjassim.
Der Hāfidh Ibn Hadjar al-ʿAsqalānī sagte in der Erläuterung des Sahīh al-Bukhārī „Fathu l-Bārī“ 23/3, bezüglich des Hadīth des Nuzūl, Zitat:
منهم من أخذه على ظاهره وهم المشبهة تعالى الله عن قولهم
„Einige haben ihn nach dem Außenschein genommen, es sind die (ungläubigen) Muschabbiha (die Vergleicher Gottes mit der Schöpfung) die so etwas tun, erhaben ist Allāh über ihre Behauptung.“
In der Erläuterung der Āyah 7 der Sūrah āl ʿImrān erwähnte al-Qurtubī:
وقد عرف أن مذهب السلف ترك التعرض لتأويلها مع قطعهم باستحالة ظواهرها، فيقولون أمروها كما جاءت. وذهب بعضهم إلى إبداء تأويلاتها وحملها على ما يصح حمله في اللسان عليها
„Es ist eine bekannte Sache, dass es die Methodologie der Salaf war, es zu unterlassen sich mit der detaillierten Erläuterung zu beschäftigen, während sie der festen Überzeugung waren, dass die außenscheinliche Bedeutung unmöglich ist. Sie sagten: Überliefert es weiter, so wie es euch überliefert wurde (ohne Allāh Verähnlichung zuzuschreiben „Bila Kayf“). Einige von ihnen haben sich jedoch dem detaillierten Ta’wīl zugewandt und sie mit dem erläutert, womit es gemäß der arabischen Sprache korrekterweise erklärbar ist.“
– Zu all dem kommt hinzu, dass al-Qurtubī ein paar Zeilen vorher erwähnte, dass wer diese mehrdeutigen Verse dem Anschein nach nimmt, ein Verähnlicher ist und die Verähnlicher Ungläubige sind, er sagte, Zitat:
قال شيخنا أبو العباس رحمة الله عليه: متبعو المتشابه لا يخلو أن يتبعوه ويجمعوه طلبا لاعتقاد ظواهر المتشابه، كما فعلته المجسمة الذين جمعوا ما في الكتاب والسنة مما ظاهره الجسمية حتى اعتقدوا أن البارئ تعالى جسم مجسم وصورة مصورة
الصحيح القول بتكفيرهم، إذ لا فرق بينهم وبين عباد الاصنام والصور، ويستتابون فإن تابوا وإلا قتلوا كما يفعل بمن ارتد
„Unser Schaykh Abu l-ʿAbbās, möge Allāh ihm gnädig sein, sagte: Diejenigen, die es auf die mehrdeutigen Ayāt abgesehen haben, sind erpicht darauf und sammeln sie, um an den Anschein der mehrdeutigen Verse zu glauben. So wie es die Verkörperlicher getan haben, sie haben aus dem Qur’ān und dem Hadīth gesammelt, was nach Verkörperlichung schien, bis sie geglaubt haben, dass der Schöpfer eine verkörperlichte Verkörperung und verbildlichtes Bild ist. Es ist richtig sie zu Ungläubigen zu erklären, denn es gibt keinen Unterschied zwischen ihnen und den Sanam- (einige sagen Götzen-) und Bilderanbetern.“
– Und in der Erläuterung der Āyah 4 der Sūrah al-Hadīd, sagte al-Qurtubī bezüglich der beiden Ayāt { ٱسْتَوَىٰ عَلَى ٱلْعَرْشِ } und { وَهُوَ مَعَكُمْ }, Zitat:
والأخذ بالظاهرين تناقض فدل على أنه لا بدّ من التأويل، والإعراضُ عن التأويل ٱعتراف بالتناقض
„Den Anschein beider Verse zu nehmen, wäre eine Widersprüchlichkeit, somit ist bewiesen, dass ein detaillierte Ta’wīl vorgenommen werden muss. Die Ablehnung des Ta’wīl, wäre das Eingeständnis widersprüchlich zu sein.“
Der Schaykh Mullā ʿAlī al-Qārī sagte in „Dau’ al-Maʿālī“, Zitat:
والمجسمة وهم الحشوية يصرحون بالاستقرار على العرش لظاهر الآية، ولا حجة فيها، لأن الاستواء له معان كالاستيلاء
Die Mudjassimah sind es, die in aller Deutlichkeit sagen, dass Allāh sich auf dem Thron niedergelassen hätte, aufgrund des Außenscheins des Verses. Und in Wirklichkeit liegt kein Beweis in diesem Vers für sie, denn der Istiwā’ hat verschiedene Bedeutungen, wie beispielsweise die Bezwingung und Macht.
Der Qādī Ibn al-ʿArabī sagte in seiner Erläuterung von at-Tirmidhī, bezüglich des an-Nuzūl Zitat:
„Einige, die nicht zu den Leuten des Wissens im Tafsīr gehören, sind über diesen Hadīth hergefallen, sie sagten, dass in diesem Hadīth ein Beweis enthalten wäre, dass Allāh im Himmel auf dem Thron über sieben Himmeln wäre. Wir sagen: Das ist eine ungeheuerliche Unwissenheit, denn in dem Hadīth wird lediglich erwähnt „Yanzil“, es wird nicht gesagt „von einem Ort“ und auch nicht „mit einer Beschaffenheit“.
Quelle: https://www.facebook.com/dieWaechter.desGlaubens/posts/1301063126610585