Die Behauptung:
Pierre Vogel behauptet, dass Schaykh Abdullāh eine falsche Erklärung des Istiwā’ geben würde und er mit seiner Erklärung im Widerspruch zu den Gelehrten der Aschāʿirah stehe.
Er bringt dafür beispielsweise vor, dass der Imām Abu Mansūr al-Baghdādī in „Usūl ad-Dīn“ gesagt habe: „Die Muʿtazilah haben gesagt, dass der Istiwā’ die Bedeutung der Bezwingung habe, diese Erklärung ist falsch“.
Bezüglich Abu Bakr al-Bāqillānī erwähnt er eine ähnliche Aussage in der er gesagte habe, dass die Bezwingung vorherige Schwäche voraussetzen würde.
Und über Ibn al-Aʿrābī wurde beispielsweise erwähnt, dass er einmal gesagt habe, dass er für den Istiwā’ in der Sprache nicht die Bedeutung der Bezwingung kenne und einmal, dass die Bezwingung ein Ringen um Macht voraussetzen würde.
Antwort:
– Bezüglich der Aussage, dass die Erklärung mit Bezwingung (Batil) falsch sei:
Für die Bezwingung kann die Bedeutung der Herrschaft und vollkommener Allmacht, ohne vorheriges Ringen um Macht oder Schwäche, in Bezug auf Allāh, von niemandem geleugnet werden, denn im Qur’ān wird dieses in Bezug auf Allāh bestätigt, so wie in der Sūrah ar-Raʿd, Ayah 16:
{وَهُوَ الْوَاحِدُ الْقَهّارُ}
Die Bedeutung lautet: „Er (Allāh) ist der Einzige (al-Wāhid), der Bezwinger (al-Qahhār).“
Deshalb sagte der Imām der Haramayn Abul-Maʿālī ʿAbdul-Malik al-Djuwaynī asch-Schāfiʿī al-Aschʿarī (verst. 478 n.H.) in „al-Irschād“ (S.40), Zitat:
لم يمتنع منا حمل الاستواء على القهر والغلبة، وذلك شائع في اللغة، إذ العرب تقول استوى فلان على الممالك إذا احتوى على مقاليد الملك واستعلى على الرقاب. وفائدة تخصيص العرش بالذكر أنه اعظم المخلوقات في ظن البرية، فنص عليه تنبيها بذكره على ما دونه. فإن قيل: الاستواء بمعنى الغلبة ينبئ عن سبق مكافحة ومحاولة، قلنا: هذا باطل، إذ لو أنبأ الاستواء عن ذلك لأنبأ عنه القهر. ثم الاستواء بمعنى الاستقرار بالذات ينبئ عن اضطراب واعوجاج سابق، والتزام ذلك كفر
„Es ist uns nicht verboten den Istiwā’ mit der Bezwingung (al-Qahr) und der Überwältigung (al-Ghalabah) zu verstehen. Und dies ist in der Sprache weitverbreitet, denn die Araber sagen ‚Fulan Istiwā auf das Königreich’ wenn er die Befehlsgewalt über das Königreich unter seine Kontrolle gebracht hat und sich über den Hälsen erhob. Der Sinn in der speziellen Erwähnung des Thrones liegt darin, dass er das größte Geschöpf auf dem Angesicht des Universums ist. In seiner speziellen Erwähnung liegt somit ein Hinweis darauf, was kleiner ist als er (d.h. alle anderen kleineren Geschöpfe sind ebenfalls seiner Allmacht unterworfen). Wenn gesagt werden würde: ‚Der Istiwā‘ mit der Bedeutung der Bezwingung setzt ein Ringen und Mühen voraus’. So sagen wir: ‚Dies ist (BATIL) falsch. Denn wenn der Istiwā‘ dieses voraussetzen würde, dann würde der Qahr (mit dem Allāh im Qur’ān beschrieben wird) dieses ebenfalls voraussetzen. Außerdem setzt der Istiwā’ mit der Bedeutung des Rastens, eine vorherige Unrast und Verkrümmung voraus. Und sich diesem Verständnis anzuschließen ist Unglaube.’“
– Bezüglich der Aussage, dass dies die Erklärung der Muʿtazilah sei:
Abul-Muʿīn Maymūn Ibn Muhammad an-Nasafī al-Hanafī al-Māturidī (verst. 508 n. H.) sagte in „Tabsirat al-Adillah“ (1/242), Zitat:
وتزييف (بعض) الأشعرية هذا التأويل لمكان أن الاستيلاء يكون بعد الضعف. وهذا لا يتصور في الله تعالى، ونسبتهم هذا التأويل إلى المعتزلة ليس بشىء، لأن أصحابنا أولوا هذا التأويل ولم تختص به المعتزلة.
„Diese Erklärung für falsch zu erklären, durch (einige) Aschʿariyyah, mit der Begründung, dass die Bezwingung (Istīlā’) eine vorherige Schwäche voraussetzen würde und dieses in Bezug auf Allāh undenkbar ist, sowie diese Erklärung den Muʿtazilah zuzuschreiben, ist als gegenstandslos zu betrachten. Denn unsere Gefährten (die Gelehrten der Ahlus-Sunnah) haben es mit dieser Bedeutung erklärt, von daher ist sie nicht auf die Muʿtazilah beschränkt.“
– Selbst ʿUmar Ibn al-Khattāb passierte es, dass er einst eine Aussage machte und anschließend von einer Frau korrigiert wurde, mit einem Vers vom Qur’ān als Beweis dafür. Er akzeptierte es und sagte: „ʿUmar hat einen Fehler begangen und die Frau hat Recht gehabt.“ Für ʿUmar war es in diesem Moment so, als ob er diesen Vers nicht gehört hätte. Als er dann aufmerksam gemacht wurde, nahm er die Korrektur an und war nicht hochmütig gewesen und wies die Wahrheit nicht ab, so wie es viele machen. Dies ist ein Beweis für seine Größe. Dieses wurde von ad-Dāraqutnī mit einer Sahih Überlieferungskette in al-ʿIlal 2/238 überliefert.
– Was die Pierre bei seinem Täuschungsversuch bezüglich des Imām al-Baghdādī verschwieg:
Der Imām Abū Mansūr al-Baghdadī al-Aschʿarī erklärt diesen Vers, entgegen dem was Pierre Vogel uns suggerieren will, ebenfalls mit Herrschaft. Er benutzt jedoch eine andere Erläuterungsmethode dafür, er er sagte in „Usūl ad-Dīn“ (S.113), Zitat:
والصحيح عندنا تأويل العرش في هذه الآية على معنى الملك
„Die richtige Erläuterung bei uns ist, dass damit die Herrschaft gemeint ist“.
Außerdem sagt er, dass Allāh ohne Ort und ohne Zeit existiert. Er erklärt alle die dem widersprechen, wie die Mudjassimah und Muschabbihah, zu Ungläubigen. Er sagte in „al-Farqu Bayna l-Firaq“ (S.333), Zitat:
وأجمعوا على أنه لا يحويه مكان، ولا يجري عليه زمان، على خلاف قول من زعم من الهشامية والكرامية أنه مماس لعرشه، وقد قال أمير المؤمنين علي رضي الله عنه : إن الله تعالى خلق العرش إظهارا لقدرته لا مكانا لذاته، وقال أيضا : قد كان ولا مكان وهو الآن على ما كان
„Sie sind sich allesamt einig (d. h. die Alus Sunnah), dass Er von keinem Ort beinhaltet wird und keine Zeit über Ihn vergeht. Im Gegensatz zu den Aussagen der Hischâmiyyah und Karrāmiyyah, welche behauptet haben, dass er in physischem Kontakt mit dem Thron wäre. Der Amīrul Mu’minīn, Alī Ibn Abū Tālib Radiyallāhu ʿanhu, sagte ‚Allāh erschuf den Thron als Zeichen Seiner Allmacht und nicht um ihn als Platz für Sich zu nehmen‘ und er sagte ebenfalls ‚Allāh existierte und es gab keinen Ort und Er existiert auch jetzt, ohne Ort.‘“
Und in „Usūl ad-Dīn“ (S.337) sagt er weiterhin diesbezüglich, Zitat:
واما جسمية خراسان من الكرامية فتكفيرهم واجب لقولهم:بان الله له حد ونهاية من جهة السفل ومنها يماس عرشه
„Was die Mudjassimah von Khurasān betrifft, so ist es eine Pflicht sie zu Ungläubigen zu erklären, aufgrund ihrer Aussage, dass Allāh eine Grenze habe bezogen auf die untere Richtung und von ihr aus in physischem Kontakt mit dem Thron wäre.“
Der Imām Abdul-Qāhir Ibn Tāhir Abū Mansūr al-Baghdādī sagte ebenfalls in „an-Nāsikh Wal Mansūkh“, dass derjenige der Allāh, dem Erhabenen, Grenzen oder eine Richtung oder einen Ort zuschreibt, ein Ungläubiger ist, von dessen Schlachtung nicht gegessen werden darf.
– Was Pierre Vogel bei seinem Täuschungsversuch bezüglich des Imām Abū Bakr al-Bāqillānī verschwieg:
Der Imām Abū Bakr al-Bāqillānī al-Mālikī al-Aschʿarī (verst. 403 n.H.) sagte in „al-Insāf“, Zitat:
ويجب أن يعلم أن كلّ ما يدلّ على الحدوث أو على سمة النقص، فالربّ تعالى يتقدّس عنه. قال رحمه الله: فمن ذلك أنه تعالى متقدّس عن الاختصاص بالجهات والاتصاف بصفات المحدَثات، وكذلك لا يوصف بالتحوّل، والانتقال، ولا القيام والقعود لقوله تعالى: „ليس كمثله شيء“ وقوله: „ولم يكن له كفواً أحد“، ولأن هذه الصفات تدل على الحدوث والله تعالى يتقدّس عن ذلك. وقال رحمه الله: فإن قيل أليس قد قال تعالى: „الرحمن على العرش استوى“ قلنا: بلى قد قال ذلك ونحن نطلق ذلك وأمثاله على ما جاء في الكتاب والسنة، لكن ننفي عنه تعالى أمارة (علامة) الحدوث ونقول إن استواءه تعالى لا يشبه استواء الخلق، ولا نقول إن العرش له (أي لله) قرار ولا مكان، لأن الله تعالى كان ولا مكان، فلما خلق المكان لم يتغير عما كان. وقال أبو عثمان: كنت أعتقد شيئاً من حديث الجهة، فلما قدمت بغداد وزال ذلك عن قلبي كتبت إلى أصحابنا: إني قد أسلمت جديداً.
Es ist eine Pflicht zu wissen, dass der Schöpfer über alles erhaben ist, was auf ein Entstehung (d.h. erschaffen zu sein) oder auf eine Eigenschaft der Unvollkommenheiten deutet. Er sagte weiter, möge Allāh ihm gnädig sein: Dazu gehört, dass Er über die Beschränkung in den Richtungen und Beschreibung mit den Eigenschaften der Geschöpfe erhaben ist. Ebenfalls darf Er nicht mit der Veränderung, dem Transport, dem Stehen oder Sitzen beschrieben werden, aufgrund des Verses „ليس كمثله شيء“ (Die Bedeutung lautet: Er ähnelt nichts und niemandem) und des Verses „ولم يكن له كفواً أحد“ (Die Bedeutung lautet: Nichts und niemand ist Ihm ähnlich), und weil diese Eigenschaften auf eine Entstehung hindeuten und Allāh darüber erhaben ist. Er sagte weiter, möge Allāh ihm gnädig sein: Wenn gesagt werden würde „Hat er denn nicht gesagt الرحمن على العرش استوى.“ So würden wir sagen: Doch, das hat Er gesagt und wir sagen dieses und ähnliches gemäß dem was im Qur’ān und dem Hadīth kam, jedoch negieren wir jedes Anzeichen einer Entstehung. Wir sagen, dass sein Istiwā’ nicht dem Istiwā’ der Schöpfung ähnelt. Und wir sagen nicht, dass der Thron ein Rastplatz oder Ort für Ihn wäre. Denn Allāh existierte und es gab keinen Ort, als Er den Ort erschuf, änderte sich dieses nicht (d. h. Er existiert auch nach dem Erschaffen des Ortes, ohne Ort). Abū ʿUthmān sagte: „Ich glaubte daran, dass Allāh an einem Ort und in einer Richtung wäre. Als ich auf meinem Weg nach Baghdād war, löst sich dieses von meinem Herzen ab und ich schrieb an unsere Gefährten ‚Ich bin jetzt neu in den Islam eingetreten.’“
(Durch das Aussprechen des Glaubensbekenntnisses und dies zeigt eindeutig, dass die Gelehrten es damals als Kufr betrachtet haben an so etwas zu glauben).
Er sagte ebenfalls in „al-Insāf“, Zitat:
وقال جعفر بن محمد الصادق عليه السلام: من زعم أن الله تعالى في شيء أو من شيء أو على شيء فقد أشرك، لأنه لو كان على شيء لكان محمولاً، ولو كان في شيء لكان محصوراً، ولو كان من شيء لكان محدَثاً، والله يتعالى عن جميع ذلك.
„Djaʿfar Ibn Muhammad as-Sādiq, ʿAlayhis-Salām, sagte: ‚Wer behauptet, dass Allāh in etwas, von etwas oder auf etwas wäre, der hat Unglaube begangen. Denn wenn Er auf etwas wäre, dann wäre Er getragen. Wenn Er in etwas wäre, dann wäre Er beschränkt. Wenn Er von etwas wäre, dann wäre Er etwas Erschaffenes.‘ Allāh ist über all dieses erhaben.“
– Bezüglich Ibn al-Aʿrābī:
Es wird einmal berichtet, dass er gefragt worden sei: „Weißt du ob der Istiwā’ in der Sprache Bezwingung bedeuten kann?“ Er soll gesagt haben: „Diese Bedeutung kenne ich nicht.“ Und einmal wird erzählt, dass er gesagt habe, dass die Bezwingung ein vorheriges Ringen um Macht voraussetze.
Diese beiden Berichte stehen im Widerspruch zueinander, da er im ersten Bericht die Bedeutung der Bezwingung für den Istiwā’ leugnet und im zweiten Bericht bestätigt er, dass der Istiwā’ diese Bedeutung haben kann.
Falls sie sagen, dass er es im ersten Bericht diese Bedeutung leugnete weil es ihm entgangen war und er deshalb sagte „Diese Bedeutung kenne ich nicht“ und als er es dann wusste, bestätigte er diese Bedeutung für den Istiwā’ in der arabischen Sprache. So antworten wir: Und was würde dann ausschließen, dass er ebenfalls nicht wusste, dass die Bezwingung in der arabischen Sprache kein vorheriges Ringen um Macht voraussetzt?
Quelle: https://www.facebook.com/dieWaechter.desGlaubens/posts/1219885854728313