Die glaubenslehre der Ahlu Sunnah

Die Asha'irah und Maturidiyyah


Ibn Taymiyyah und seine Anhänger behaupten, dass Allah’s Rede erschaffen sei

Ibn Taymiyyah der Anthropomorphist aus Harran stimmte mit den Jahmiyyah in dem Punkt überein, dass im Wesen Allah’s Geschehnisse (Akzidenzien) auftreten könnten.

Ibn Taymiyyah sagt in seinem Buch Minhaj as-Sunnah in dem Abschnitt wo er das Auftreten von Akzidenzen in dem Wesen Allah’s verteidigt:

وأما جمهور أهل السنة والحديث فإنهم يقولون بها أو بمعناها وٕان كان منهم من لا يختار إلا أن يطلق الألفاظ الشرعية ومنهم من يعبر عن المعنى الشرعي بالعبارات الدالة عليه مثل حرب الكرماني ونقله عن الأئمة ومثل عثمان بن سعيد الدارمي ونقله عن أهل السنة ومثل البخاري صاحب الصحيح وأبي بكر بن خزيمة الملقب إمام الأئمة …

“Die Mehrheit der Ahlu Sunnah und Hadith bestätigen es (das heißt das Auftreten von Erschaffenen Dinge im Wesen Allahs) oder zumindest etwas in diesem Sinne. Obwohl manche unter ihnen, nur die Begriffe, die in der Scharia vorkommen bevorzugen, gibt es andere, welche die Bedeutung des Scharia-Begriffes mit anderen Synonymen widergeben wie Harb al Karmani, welcher diese Meinung den Imamen zuschrieb oder wie Uthman Darimi, welcher diese Aussagen den Ahlu Sunnah zuschrieb oder wie al-Bukhari der Verfasser vom Sahih und Abi Bakr b. Khuzamya, welchen man Imam der Imame nennt…“ (Ibn Taymiyyah, Minhaj as-Sunnah, 1/420 ) 

Das ist ein klarer Text von Ibn Taymiyyah, in dem er bestätigt, dass Geschehnisse wie z.b. das Reden, das Kommen, das Herunterkommen oder das sich Niederlassen auf einem Körper im Wesen Allah’s auftreten könnte. Es stützt sich in seiner Aussage auf frühere Anthropomorphisten wie ad-Darimi oder Ibn Khuzayma. Was er Imam al-Bukhari zuschreibt stimmt dabei absolut nicht, das ist nur seine Interpretation. Damit er aber seine Aussage mildert vertrat er die Meinung, dass die Natur (Art) dieser Handlungen ewig wäre, jedoch die einzelnen Handlungen erschaffen sind, weil sie von den Willen und Macht Allah’s abhängen. Diese Auffassung führte ihn dazu, zu behaupten, dass es Geschöpfe gäbe, welche anfangslos wären, das heißt sie werden ständig in der Ewigkeit immer wieder und wieder erschaffen.

Imam ibn Hajar al Askalani sagte über den Hadith „Es gab Allah und nichts gab es mit ihm“, welcher Imam al-Bukhari überlieferte:

وهي أصرح في الرد على من أثبت حوادث لا أول لها من رواية الباب وهي من مستشنع المسائل المنسوبة لابن تيمية

“Diese Aussage ist eine klare Widerlegung für diejenigen, die Anfangslose Geschöpfe bestätigt haben, und das gehört zu den abscheulichsten Aussagen, welche man Ibn Taymiyyah zuschreibt.“ (Scheikh al-Islam Ibn Hajar, Fath al-Bari scharh Sahih Al Bukhari, 3/862) 

Der Leser der Bücher Ibn Tamiyyah’s wird dies klar in dessen Minhaj, seinem Talibis, seinem Ma’qul und im Tis’iniyya finden. Vor diesem Hintergrund sagte Ibn Taymiyya (und die heutigen Vertreter der Wahhabiyya, schließen sich dem an, ohne ihn zu kritisieren oder ihn in Frage zu stellen) dass Allah ein Moment redet und ein Moment schweigt. Er würde, wenn es nach ihnen geht, wann er will reden und wann er will schweigen. Diese Rede und dieses Schweigen treten innerhalb seines Wesens auf und nicht als Handlungen die erschaffen werden [und welche, die Schöpfung als Objekt der Handlung haben].Möge Allah uns von solchen Häresien bewahren.

Imam Ash’ari (möge Allah sich seiner erbarmen) sagte in al-Ibanah, dass der erste, der sagte Allah redet wann er will und schweigt wann er will, Jahm (der Gründer der Jahmiyyah Sekte) war. Wir sehen also wer in diesem Punkt der Imam von Ibn Taymiyyah und der heutigen Wahhabiyya ist. Das merkwürdige ist, dass diese Leute, die Wahhabiyya, auf das al-Ibanah stolz sind ohne zu wissen, was darin steht. Wo nur bleibt die Vernunft!

Zudem stimmte Ibn Taymiyyah mit seinem Imam Jahm im Punkt der Erschaffung des Korans überein. Der Leser findet dies klar in dessen Buch Minhaj as-Sunnah. In diesem Buch behauptet er, dass der Koran nicht ewig wäre, sondern zu den Einzelheiten (Ahad) der Rede Gottes gehöre. Die Rede Allahs ist bei Ibn Taymiyyah, der Haschwi, von ewiger Natur (Qadim bi-Naw) jedoch seien die Einzelheiten der Rede erschaffen. Möge Allah uns bewahren.

Die Mu‘tazilah sagten, da die Rede aus Buchstaben und Lauten besteht, wäre es unmöglich, dass sie im Wesen Allah’s auftritt, deswegen sagten sie die Rede Allah’s ist erschaffen. Sie würde in einem Geschöpf erschaffen. Ibn Taymiyyah stimmt mit ihnen in dem Punkt überein, dass die Rede Allah’s Buchstaben und Lauten sind, er hat jedoch nicht ausgeschlossen dass diese im Wesen Allah’s auftreten. Die Meinung von Ahlu Sunnah widerspricht aber die beiden Ansichten, sowohl von den Mu’tazilah als auch von Ibn Taymiyyah und seinen Anhängern. Denn die Ahlu Sunnah sagt, Allah ist und war immer redend durch eine Rede, die ein Attribut von ihm ist, welche weder Buchstaben noch Lauten ist und welche deren Wahrheit uns unbekannt ist.

Die Oberflächlichen unter den Wahhabis würden gleich sagen, dass es nicht stimmt und dass ihre Gelehrten der Meinung sind, dass der Koran unerschaffen ist. Sie würden uns auch mit einer Welle von Texten überfluten -was ihre Art ist- um zu zeigen, dass Ibn Taymiyyah und seine Anhänger nicht glauben, dass der Koran erschaffen wäre. Die Meinung von Ibn Taymiyyah und von den Wahhabis benötigt eine präzise Lesung ihrer Schriften. Wenn wir ihre Meinung mit den Maßstäben der Ahlu Sunnah analysieren, kommen wir zu dem Ergebnis, dass sie bestätigen, dass der Koran erschaffen wäre auch wenn sie das nicht zugeben würden.

Ibn Taymiyyah listete mehrere Meinungen bezüglich der Rede Allahs in Minhaj As-Sunnah. Die sechste Meinung war:

وسادسها قول من يقول إنه لم يزل متكلما إذا شاء ومتى شاء وكيف شاء بكلام يقوم به وهو يتكلم به بصوت يسمع وأن نوع الكلام أزلي قديم وٕان لم يجعل نفس الصوت المعين قديما وهذا هو المأثور عن أئمة الحديث والسنة

“Die sechste: Die Aussage derjenigen, die sagen, dass Allah redet, wenn er will, wann er will und wie er will. Er redet durch eine Rede, welche in ihm auftritt, er redet durch eine Stimme, welche man hört. Die Natur der Rede ist urewig, obwohl die Stimme in sich, welche einzeln[auftritt] nicht ewig ist. Das ist die Meinung, die von den Gelehrten der Hadith und Sunnah überliefert ist.“ (Ibn Taymiyyah, Minhaj as-Sunnah, 2/362.)

Diese Meinung ist die Meinung der Anthropomorphisten aber auf keinen Fall die Meinung der Ahlu Sunnah, wie hier Ibn Taymiyyah propagiert. Deutlicher wird es in dem Abschnitt, wo er den Unterschied zwischen der ewigen Natur der Buchstaben und der Schöpfung der einzelnen Buchstaben darstellt.

Ibn Taymiyyah sagt:

وحينئذ فكلامه قديم مع أنه يتكلم بمشيئته وقدرته، وٕان قيل أنه ينادي ويتكلم بصوت لا يلزم من ذلك قدم صوت معين وٕاذا كان قد تكلم بالقرآن والتوراة والإنجيل بمشيئته وقدرته لم يمتنع أن يتكلم بالباء قبل السين، وٕان كان نوع الباء والسين قديماً لم يستلزم أن تكون الباء المعينة والسين المعينة قديمة، لما علم من القرآن من الفرق بين النوع والعين،

Seine Rede ist ewig, obwohl er [Allah] mit seinen Willen und Macht redet. Wenn man sagt, dass er mit einer Stimme redet, so heißt nicht, dass diese Stimme in sich ewig ist. Wenn er den Koran, die Thora, das Evangelium mit seinen Willen und Macht gesprochen hat, so ist es nicht unvorstellbar, dass er die Buchstabe „BA“ vor der Buchstabe „SIN“ ausspricht. Auch wenn die Natur des „BA“ und „SIN“ ewig ist, heißt nicht, dass gerade diesen [ausgesprochenen] „BA“ und „SIN“ auch ewig sind, da wir aus dem Koran wissen, dass es einen Unterschied zwischen der Natur und der Einzelheit gibt.“ (Ibn Taymiyyah, Majmu al-Fatawa, 12/158.)

Mit anderen Worten: für Ibn Taymiyyah und die heutigen Wahhabiten, wie wir noch sehen werden, ist nur der abstrakte Buchstabe ewig, also die Art des Buchstabens, denn diese existiere seit dem Anbeginn. Wenn jedoch Allah ein Wort spricht, sei dies erschaffen. Deswegen sagen sie die Rede Allah’s sei ewig – weil sie aus Buchstaben bestehen, deren Natur auch ewig sei, die Einzelheiten der Rede Allah’s sind jedoch erschaffen. Nach den Grundlagen der Ahlu Sunnah ist eine solche Aussage die Bestätigung dessen, dass der Koran erschaffen sei.

Die Meinung der Anthropomorphisten wird noch deutlicher bei Ibn Uthaymin, er sagt:

وكلام لله تعالى قديم النوع، حادث الآحاد، ومعنى قديم النوع أن لله لم يزل، ولا يزال متكلما ليس الكلام حادثا منه بعد أن لم يكن. ومعنى حادث الآحاد: أن آحاد كلامه أي الكلام المعين المخصوص حادث لأنه متعلق بمشيئته متى شاء تكلم بما شاء كيف شاء.

Die Rede Allahs ist von ewiger Natur, jedoch deren Einzelheiten sind erschaffen. Mit Ewiger Natur meint man, dass Allah immer redend war. Er ist nicht redend geworden nachdem er es nicht war. Und mit „die Einzelheiten sind erschaffen“ ist gemeint, dass die konkreten Aussagen erschaffen sind, weil sie von dem Willen Allah abhängen. Er spricht etwas, wann und wie er will.“

Damit uns die Bestreiter dessen uns nicht der Lüge bezichtigen, bringe ich ihnen noch einen weiteren Text, welcher die beiden Punkte zusammenfasst, namentlich „Die Erschaffung des Korans“ und „das Auftreten der Geschehnisse im Wesen Allah’s“. Der Text stammt von einem, der beliebtesten Autoren bei den Wahhabis und zwar Ibn Abi al-Izz al-“Hanafi“ der Kommentator von Aqidah al-Tahawiyyah, Er sagt:

وبالجملة : فكل ما تحتج به المعتزلة مما يدل على أنه كلام متعلق بمشيئته وقدرته ، وأنه يتكلم إذا شاء ، وأنه يتكلم شيئا بعد شيء ، فهو حق يجب قبوله . وما يقول به من يقول : إن كلام الله قائم بذاته ، وأنه صفة له . والصفة لا تقوم إلا بالموصوف : فهو حق يجب قبوله والقول به . فيجب الأخذ بما في قول كل من الطائفتين من الصواب ، والعدول عما يرده الشرع والعقل من قول كل منهما . فإذا قالوا لنا : فهذا يلزم أن تكون الحوادث قامت به . قلنا : هذا القول مجمل ، ومن أنكر قبلكم قيام الحوادث بهذا المعنى به تعالى من الأئمة ؟ ونصوص القرآن والسنة تتضمن ذلك ، ونصوص الأئمة أيضا ، مع صريح العقل .

”Zusammenfassend: Alles womit die Mu’tazilah argumentiert haben, dass die Rede Allah von dem Willen und der Macht Allah’s abhängt und dass Allah, wenn er will redet und dass Er Schritt für Schritt redet, ist Wahr und man soll es annehmen. Und was andere Sagen und zwar, dass die Rede Allah’s in sich ewig ist, dass sie ein Attribut Allah’s ist und dass die Eigenschaft nur in einem Wesen, welcher mit dieser Eigenschaft beschrieben wird, vorkommt, muss man auch annehmen, weil es wahr ist. Man nimmt von jeder Gruppe, was richtig ist und man unterlässt was gegen die Scharia und den Verstand ist. Wenn aber sie [unsere Gegner] uns sagen: Wenn ihr sowas bestätigt, dann soll im Wesen Allahs erschaffene Dinge [Akzidenzen] auftreten, dann sagen wir ihnen: “Das ist eine allgemeine Aussage und wer hat überhaupt von den Großgelehrten es abgelehnt, dass im Wesen Allah’s erschaffene Dinge auftreten? Wobei die Texte vom Koran und von der Sunnah sowas beinhalten.sowie die Texte von den Imamen und der gesunde Verstand darauf hinweisen.”  (Ibn Abi al-Izz al-Hanafi, Sharh Aqidah al-Tahawiyyah)

Die Wahhabis haben aus diesen Zwei Meinungen eine Irrlehre entwickelt, da sie akzeptieren, dass im Wesen Allah’s erschaffene Dinge geschehen. Die Natur dieser Dinge ist für sie ewig. Also woraus die Rede Allah’s besteht und zwar die Buchstaben, so ist ihre Natur für sie ewig. Die Einzelheiten der Reden, also die Wort die vom Willen und von der Macht Allah’s abhängen, sind jedoch nicht ewig. Der Koran als Rede Allah’s, ist für sie ewig, da Allah immer geredet hat, wenn er wollte. Aber der Koran als einzelne Wörter, die Allah gesprochen hat, ist für sie erschaffen, das ist die Zusammenfassung ihrer Irrlehre.

Dabei stimmt dieser Lehre, welche von Jahm und von den Mu’tazilah stammt, sein treuer Schüler Ibn Abi al-Izz al-Hanafi in seinem Kommentar zu al-Aqidah al-Tahawiyyah zu. Auch jener Schüler behauptet in seinem Buch, dass die Argumente bezüglich der Erschaffung des Korans, welche die Mu’tazilah gegen die Ahlu Sunnah vorbrachten, richtig wären und dass man diese Argumente annehmen solle. Möge Allah uns vor solchen Irrlehren bewahren. Die Mu’tazilah waren zumindest konsequent und sagten, da die Rede Allah, ihrer Meinung nach,vom dem Willen und von der Macht Allah’s abhängt, so ist sie ein Geschöpf und wird nicht im Wesen Allah’s selbst erschaffen sondern in einem Geschöpf.



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