Imam Abu Yusr Muhammad al-Bazdawi (gest.493 n.H.) sagt:
“Imam A’dham Abu Hanifa (Rahmatullahi Alayh) hat dieses Wissen gelernt, hat mit den Mu’tazilah und allen Anhängern der Bida‘ Debatten geführt und am Anfang seinen Studenten dieses Wissen gelehrt. Er hat über diese Thematik Bücher verfasst, welche bis zu uns gekommen sind und diese Bücher haben die Leute der Bida‘ und Irreleitung vernichtet. Bücher, welche von ihm zu uns kamen sind: Al-Alim wal Muta’alim und Fiqhul Akbar. In Al-Alim wa Muta’alim steht geschrieben, dass kein Übel darin ist, dieses Wissen zu lernen. Imam A’dham Abu Hanifa sagt dort folgendes: “Schüler – Muta’alim: „Ich sah welche, die sagten: ‚Geht nicht in dieses Gebiet.‘ Denn die Gefährten des geehrten Propheten sallallahu alaihi wa sallam haben sich nicht in diese Gebiete voran gewagt. Was sie geschafft haben, sollst du auch schaffen.“ Gelehrter – Alim (Abu Hanifa): „Sage ihnen: ‚Ja!‘, und füge folgendes hinzu: ‚Wenn ich an ihrer Stelle gewesen wäre, hätte ich das Gleiche zu schaffen vermocht wie sie. Damit zusammen habe ich aber nicht das, was sie bei sich hatten. Wir wurden mit denen erprobt, die über uns Takfir machen und unser Blut als Halal anerkennen. Es liegt nicht in unserer Kraft zu Wissen, wer von uns Recht hat und wer falsch liegt. Der Zustand der Gefährten des geehrten Propheten sallallahu alaihi wa sallam ist wie der von Leuten, die keine Krieger als Feinde haben und somit kein Bedarf haben, Waffen mit sich zu tragen; Wir jedoch stehen Leuten gegenüber, die Krieg mit uns führen, die mit uns kämpfen und deswegen benötigen wir die Waffen.“ Ich sehe, dass du manche ihrer Schwachstellen erkannt hast. Die Beweise sprechen gegen sie. Wenn sie dir sagen, Genügst du dich etwa nicht womit die Sahaba des Propheten sich genügt haben, dann sage ihnen : Doch es würde mir genügen, wenn ich an ihrer Stelle gewesen wäre, und was sie hatten auch ich hätte. Denn wir sind von Leuten heimgesucht, die uns kritisieren und unser Blut als Halal erklären. Es steht uns (deswegen) eher zu, wer Recht und wer Fehlerhaft ist zu wissen. Sollen wir etwa uns und unsere Würde nicht verteidigen. Der Gleichnis der Gefährten des Propheten (sallallahu alayhi wa sallam) ist wie Leute, die keine Krieger als Feinde hatten und somit kein Bedarf hatten, Waffen mit sich zu tragen. Wir aber sind durch diese Leute heimgesucht, die uns kritisieren und unser Blut als Halal erklären.“
(Imam Abu Yusr Muhammad al-Bazdawi in Usul ad-Din)
Und der Imam der Ahlu Sunnah Abu’l Hasan al-Ashʿari (260-324 n.H.) sagte:
„Und wenn euch jemand fragt, ob euer Herr – erhaben ist Er! – durstig ist oder nicht, angezogen oder nackt, ob er an Gelbsucht leidet, oder ob er feuchter Beschaffenheit ist; ob Er ein Körper oder ein Akzidenz ist, oder ob Er Gerüche riecht oder nicht, oder sollte gefragt werden, ob Er eine Nase, ein Herz, eine Leber oder eine Milz hat, oder ob Er jedes Jahr die Pilgerfahrt vollzieht, ob er auf Pferden reitet oder nicht, oder ob Er sich Sorgen macht oder nicht? Und ähnliche Fragen. So wäre es also entsprechend deine Pflicht, nichts dazu zu sagen, denn weder der Gesandte Gottes, noch seine Gefährten haben jemals darüber gesprochen. Oder würdest du vielleicht ja doch nicht schweigen, sondern durch Ausführungen verdeutlichen, dass diese und jene Aussage nicht in Belangen Gottes – mächtig, majestätisch und geheiligt ist Er! –, zutreffen kann, aufgrund dieses und jenes Beweises?“ […] Und wieso habt ihr nicht ebenso bezüglich jener geschwiegen, die sagten, der Koran sei erschaffen; und wieso habt ihr sie für Ungläubige erklärt, wo doch keine authentische Überlieferung des Propheten bezüglich der Erschaffenheit oder Unerschaffenheit des Korans tradiert wurde?“ Wenn sie sodann sagen: „Weil Aḥmad b. Ḥanbal – möge Gott mit ihm zufrieden sein – sagte, dass der Koran unerschaffen und jener, der ihn für erschaffen erklärt, ungläubig sei.“ So wird ihm erwidert: „Wieso hat Aḥmad diesbezüglich nicht geschwiegen, sondern eine Aussage getroffen?“ Sollte sodann gesagt werden: „Weil al-ʿAbbās al-ʿAnbarī, Wakīʿ und ʿAbd ar-Raḥmān b. Mahdī und dieser und jener sagten, dass der Koran unerschaffen und jener, der ihn für erschaffen erklärt, ungläubig sei.“ So sagen wir: „Wieso haben jene diesbezüglich nicht geschwiegen, wie auch der Prophet – Gott segne ihn und seine Familie und schenke ihm Heil! – diesbezüglich geschwiegen hat?“ Sollten sie dann erwidern: „Weil ʿAmr b. Dīnār, Sufyān b. ʿUyayna und Jaʿfar bin Muḥammad – möge Gott mit ihnen allen zufrieden sein – und dieser und jener sagten, dass der Koran weder Schöpfer, noch Geschöpf sei.“ So wird ihnen erwidert: „Wieso haben also jene nicht geschwiegen und gesagt, was der Gesandte Gottes – Gott segne ihn und seine Familie und schenke ihm Heil! – nicht sagte?“ Wenn sie diese Aussage nun auf die Prophetengefährten oder einen gewissen Teil unter ihnen zurückführen, so ist dies bloße Sturheit, denn auch hier würden wir ihnen entgegnen: „Wieso haben sie nicht geschwiegen, wo doch der Prophet diesbezüglich nichts gesagt hat und nicht sagte: ‚Erklärt jenen, der dies sagt, zum Ungläubigen!‘?“ Wenn sie sodann sagen: „Doch die Gelehrten müssen doch Antworten auf neu auftretende Fragestellungen geben, da die Unwissenden auf sie angewiesen sind.“ So sagen wir: „Und eben das ist es, worauf wir hinaus wollten! Wieso also habt ihr die systematisch-theologischen Diskussionen verboten, wo ihr sie doch sofern ihr wollt selbst führt – jedoch nur, bis ihr argumentativ in die Ecke getrieben werdet, denn sodann sagt ihr: ‚Uns wurde verboten, über derlei Themen zu sprechen!‘ Und immer dann, wenn es euch beliebt, imitiert ihr blind jene die vor euch waren, ohne Argumente oder Beweise – und dies ist Handeln nach Gelüsten und Willkür.“
(Quelle: Risalat istihsan al-hawd fi ilm al-kalam, Darul Mashari: 1415/1995)
Und der Imam al-Bayhaqi überlieferte mit einer authentischen Kette:
قَالَ ابْنُ وَهْبٍ حَدَّثَنَا مَالِكٌ أَنَّهُ دَخَلَ يَوْمًا عَلىَ عَبْدِ اللهِ بْنِ يَزِيْدَ بْنِ هُرْمُزٍ فَذَكَرَ قِصَّةً ـ ثُمَّ قَالَ : وَ كَانَ ـ يَعْنِي ابْنَ هُرْمُزٍ ـ بَصِيْرَا بِالْكَلاَمِ وَ كَانَ يَرُدُّ عَلىَ أَهْلِ اْلأَهْوَاءِ وَ كَانَ مِنْ أَعْلَمِ النَّاسِ بِمَا اخْتَلَفُوْا فِيْهِ مِنْ هَذَا اْلأَهْوَاءِ
Ibn Wahab sagte: „Malik sagte uns, dass er eines Tages zu (seinen Lehrer) Abdullah bin Yazid bin Hurmuz kam, dann erwähnte er eine Geschichte, danach sagte er (Imam Malik): Er – d.h. Ibn Hurmuz – war scharfsinnig im Kalam und er antwortete auf die Sekten und er war von den meist Wissenden bezüglich den verschiedenen Irrlehren. (Al-Bayhaqi, Shu‘ab al-Iman)
In der obigen Aussage lobt Imam Malik radhiyallahu ‘anhu eindeutig seinen Lehrer Abdullah bin Yazid bin Hurmuz aufgrund seiner Kenntnisse in den Kalam Wissenschaften. Dies zeigt uns dass das Erlernen der Kalam Wissenschaften nichts Verwerfliches ist.
Shaykh al-Islam Zakariyya al-Ansari (823-926 n.H.) sagte:
ومِن فروضِ الكفايةِ علْمُ الكلام , أي تعلُّمُه لردِّ المبتدعةِ
“(Der Verfasser Ismail bin al-Muqri sagte) Einer von den Fardh Khifaya ist das Erlernen der Kalamwissenschaften. (Die Erklärung von Shaykh al-Islam Zakariyyah al-Ansari): Also um auf die Leute der Erneuerung zu antworten, ist das Erlernen dieser Wissenschaften (Fardh Khifayah).“ (Asnal Matalib: 4/181)
Und die Aussagen der Salaf wo sie über den Kalam schlecht reden so beziehen sich diese auf den Kalam der Atheisten und der Sekten wie die Mu’tazilah, Qadariyyah, Karramiyyah usw.
Deswegen sagte der Imam al-Bayhaqi (rahimahullah):
“Allah weiß es am besten, doch mit theologischer Rhetorik (Kalam) meinten sie nur jene der Erneuerer. Während ihrer Zeit waren nur die Erneuerer dafür bekannt, sich mit theologischer Rhetorik zu beschäftigen. Die Ahlu Sunnah jedoch beschäftigte sich nur sehr geringfügig damit, bis sie dazu verpflichtet wurden.“
Imam ash-Shāfi’i’s Student al-Muzani überlieferte:
“Ich debattierte mit einer bestimmten Person, der mir Fragen stellte, welche mich fast dazu veranlasste Zweifel an meiner Religion zu bekommen. Ich kam zu Ash-Shafi’i und erzählte ihm diese Angelegenheit. Er sagte zu mir: “Wo bist du?!“ Ich antwortete: “In der Moschee!“ Er sagte: “Nein! Du bist in einem Taran (im Roten Meer) und seine Wellen stürzen auf dich herab! Dies ist ein beliebtes Thema der Atheisten und sie ist so und so (er gab Muzani die Antwort). Dass der Diener Allah mit allem, was Er verboten hat – außer Schirk – antrifft, ist besser für ihn als Kalam!‘‘ (Imam al-Bayhaqi kommentiert diese Geschichte in seinem Manaqib wie folgt): ‘‘Dies zeigt, dass Shafi’i ausgezeichnete Kenntnisse über diese Thematik (Kalam) hatte und die Pflicht darin sah, wenn notwendig den Verzerrungen des Atheisten zu antworten. Mit Kalam, und – Allah weiß es am besten – meinte er den Atheismus der Atheisten und die Irrelehren der Erneuerer.‘‘ (Manaqib Al-Imam Ash-Shafi’i, S. 458)
Und Imam Al-Bayhaqi sagte ebenso:
وكيْف يكون كلامُ أهلِ السُّنّة والجماعةِ مذموماً عنده وقد تكلّم فيه وناظر مَن ناظره وكشَف عن تمويهِ مَن ألقى إلى سمع بعضِ أصحابِه مِن أهلِ الأهْواء شيئا مِمّا هم فيه ؟
“Und wie hätte er (al-Shafi’i) den Kalam der Ahl al-Sunna wal-Jama’a als sträflich ansehen können, wenn er ihn doch selbst befolgte, mit jenen debattierte, welche in ihm (Kalam) debattierten und die Irrtümer derer aufdeckte, die Zweifel bei manchen seiner Schüler entfachten?“ (Manaqib Al-Imam Ash-Shafi’i)
Und Hafs al-Fard einer der Mu’tazilah mit dem der Imam al-Shafi’i debattierte und besiegte, sagte selbst über ihn:
ما تكلم في هذا مثله ولا أقدر منه على هذا
‘‘Niemand, der ihm (Shafi’i) gleicht (in diesem Gebiet) noch fähiger als er darin (d.h. im Kalam), sprach darüber.‘‘
(Manaqib Al-Imam Ash-Shafi’i, S. 456)
Der Maliki Gelehrte Shihab al-Din al-Qarafi (gest. 684 n.H.) sagte:
قال لي بعضُ الشّافعية – وهو مُتَعيِّن فيهم يومئذٍ – هذا يدُلّ على أنّ مذهبَ الشّافعيّ تحريمُ الاشتغالِ بأصولِ الدّينِ . قلتُ له : ليْس كذلك ، فإنّ المُتكلِّمينَ اليومَ في عُرْفِنا إنّما هم الأشعريّ وأصحابُه ، ولمْ يدرِكوا الشّافعيّ ولا تلك الطّبقة الأولى ، وإنّمَا كان في زمانِ الشّافعيّ عَمْرو بن عُبَيْد وغيرُه مِن المعتزلة المبتدعة أهلِ الضلالةِ ، ولوْ وجدْناهم نحنُ ضربْناهم بالسّيفِ فضلاً عن الجريد ، فكلامه ذَمٌّ لأولئِك لا لأصْحابِنا … قال لي ذلك الشافعي : يكفي في ذلك الكتابُ والسّنة , قلتُ له : فمن لا يعتقِدُهما كيف تُقام الحُجّة عليه بهما ؟ فسكَت
“Einer der Befolger der Shafi’i Madhab – in seiner Zeit ein bekannter Gelehrter gewesen – hat mir gesagt: ‚Die Worte von Shafi’i (über den Kalam) weisen darauf hin, dass er das beschäftigen damit als Verboten ansah.‘ Ich sagte zu ihm: ‚Es ist nicht so wie du denkst! Denn in unserer Zeit sind jene die als Kalamgelehrten bekannt sind – Leute wie Imam Ash’ari und seine Gefährten. Sie haben weder Imam Shafi’i noch die erste Generation gesehen. In der Zeit von Imam Shafi’i waren die Erneuerer und Fehlgeleiteten Sekten wie Amr ibn Ubayd von den Mu’tazilah und andere anwesend. Wenn wir sie gesehen hätten würden wir sie nicht nur verprügeln, sondern mit dem Schwert erschlagen. Die Worte von Shafi’i sind gegen sie gerichtet (also gegen die Mu’tazilah und andere Sekten) und nicht gegen unsere Gefährten (die Ash’aris)… Der Shafi’i (Madhab) angehörigen Gelehrte sagte zu mir: ‚In dieser Thematik genügt uns der Koran und die Sunnah‘. Ich sagte zu ihm: ‚Was ist mit jemanden der nicht an diese beiden (Koran und Sunnah) glaubt, wie kann man diesen die Hujjah erbringen? (Nach diesen Worten) schwieg der (Shafi’i) Gelehrte.“
(Shihab al-Din al-Qarafi: Az-Zakhirah: 13/243-244, Beirut; Darul-Garbil Islami:1994)
Die Kalam Bücher sind gerade da um die anderen Irrelehren und die Philosophien zu widerlegen und zwar mit ihren eigenen Mitteln, da sie nicht an den Koran und die Sunnah glauben. Es waren gerade die Kalam Gelehrten die die Christen, Brahmanen, Zoroastrier, Philosophen usw. widerlegt haben.
Siehe ebenso folgende Beiträge: