Die glaubenslehre der Ahlu Sunnah

Die Asha'irah und Maturidiyyah


Al-Sawad al A’dham – Al-Hakim As-Samarqandi (260-342 n.H.)

Dank sei Allah dem Herrn der Welten. Gegrüßt sei der letzte der Gesandten, dem Propheten Muhammad (Frieden und Segen seien über ihm), seine Nachkommenschaft und seine Gefährten.

Wenn ihr jetzt nach der Rechtsschule vom Gesandten Allahs fragen solltet, so ist dies wie er es sagte: ‘‘Der Pfad der Rechtschaffenen‘‘. Denn er sagte, dass die Gefolgschaft von Moses nach ihm sich in einundsiebzig Gruppierungen spaltete. Siebzig der Gruppierungen wurden zu Nichte und nur eine konnte sich erretten. Die Gefolgschaft von Jesus hat sich in zweiundsiebzig Gruppierungen geteilt, einundsiebzig wurden zur Nichte und nur eine errettete sich. Und meine Gefolgschaft wird sich in dreiundsiebzig Gruppierungen teilen. Von diesen werden zweiundsiebzig zu Nichte und eine errettet sich. Es wurde gefragt:‘‘Welche Gruppe ist diese?‘‘ Und er antwortete: ‘‘Dies ist die Sawadul A’dham‘‘. Und des weiteren sagte der Gesandte Allahs, der Friede und Segen sei über ihm:‘‘Wer sich von der Gemeinde trennt, der hat den Bund des Islam abgelegt.‘‘

Die Klarstellung von Sawadul A’dham jedoch, ist in dreiundsechzig Punkten aufzeigbar:

  1. Derjenige Reisende, der sich auf diesem Pfad befindet, zweifelt nicht an seinem Glauben. Und er kann nicht sagen ‘‘Wenn Allah so will‘‘ bin ich Gläubiger.
  2. Ein Muslim darf sich nicht gegen die Gemeinde auflehnen und sich ihr entgegenstellen.
  3. Egal ob es ein Gottesfürchtiger oder ein Sündiger ist, er betet hinter jedem Gläubigen und erachtet dies als richtig.
  4. So lange jemand das Verbotene nicht für erlaubt erklärt, kann er niemanden von den zu Kaaba Zugewandten wegen seiner Sünden als ungläubig bezeichnen.
  5. Kleine oder Große (Sündentäter), er betet hinter jedem das Totengebet der zur Kaaba zugewandt war und erachtet dies als richtig.
  6. Er weiß, dass das Gute und das Schlechte vom erhabenen Allah prädestiniert wird.
  7. Er kann im Unrecht niemals gegen einen Muslim die Waffe richten.
  8. Auf der Reise oder nicht, er hält das Abstreifen der – bis zu den Knöcheln wasserundurchlässigen – Pantoffeln für richtig.
  9. Er erachtet es als richtig, hinter jedem Amir das Freitagsgebet und die Festgebete zu beten.
  10. Er weiß, dass der Glaube eine Gabe von Allah ist.
  11. Er weiß, dass alle Taten die er begeht von Allah erschaffen werden.
  12. Die Bestrafung im Grab hält er für wahr.
  13. Er akzeptiert, dass das Wort Allahs kein Geschöpf ist.
  14. Er hält die Befragung von Munkar und Nakir (Die Befragungsengel die im Grab zum Verstorbenen kommen und ihn befragen) für wahr.
  15. Er glaubt daran, dass die Bittgebete und Spenden eines Lebenden für einen Toten, dem Toten nützen können.
  16. Er hält die Führsprache vom Gesandten Allahs für wahr.
  17. Er hält die Mi’radsch vom Gesandten Allahs für wahr.
  18. Er hält es für wahr, dass am jüngsten Tag die Bücher der Taten gelesen werden.
  19. Die Abrechnung hält er für wahr.
  20. Die Waage hält er für wahr.
  21. Die Brücke (As-Sirat) hält er für wahr.
  22. Er weiß, dass das Paradies und die Hölle im Moment schon erschaffen sind und in ewig nie verschwinden werden.
  23. Er weiß, dass der Erhabene Allah seine Geschöpfe unmittelbar zur Verantwortung ziehen wird.
  24. Er bezeugt, dass der Gesandte Allahs zehn Personen das Paradies verkündete.
  25. Er bezeugt, das nach dem Gesandten Allahs niemand von den Gefährten und keiner von einer anderen Gemeinde, vorzüglicher ist als Abu Bakr as-Siddiq und das seine Berechtigung für das Kalifat rechtens war.
  26. Er weiß außerdem, dass nach Abu Bakr, Omar ibn al-Khattab und danach Uthman ibn Affan und nach ihm dann Ali ibn Abu Talib die Vorzüglichsten der Menschheit sind und das deren Kalifat berechtigt – und rechtens nach der Reihenfolge – war.
  27. Er verleumdet die Gefährten nicht und er stellt sich nicht gegen sie.
  28. Ohne dies mit der Art des Menschen zu vergleichen (d.h. ohne mit der Bedeutung der Geschöpfe), akzeptiert er, dass auch Allah (auf schlechte Taten) “zürnt“ und sich (über gute Taten) “freut“.
  29. Er glaubt daran, dass für uns die Schau Allahs – ohne Modalität- wahr ist.
  30. Er akzeptiert, dass die Stufe der Propheten vollkommen höher ist als die Stufe der heiligen (Awliya).
  31. Er hält die Wundertaten der heiligen (Awliya) für wahr und leugnet sie nicht.
  32. Er glaubt daran, dass wenn Allah einen Glückseligen zum Unglückseligen acht, dies Seiner Gerechtigkeit zufolge rührt und wenn Allah jemanden vom Sündiger zum Frommen macht, dies Seiner Gnade zufolge geschieht.
  33. Er weiß, dass der Verstand der Ungläubigen, denen der Propheten und denen der (anderen) Gläubigen nicht gleicht. (d.h. dass die Propheten und Frommen Gläubigen überlegener und scharfsinniger im Verstand sind im Gegensatz zu den Ungläubigen.)
  34. Er glaubt daran, dass Allah der Erhabene als Erschaffer der Anfangslose und Ewige ist und man bei Ihm eine Situations-Veränderung nicht vorstellen kann.
  35. Er gesteht, dass Allah der Allwissende und der Allmächtige ist und ist sich absolut gewiss, dass Er Wissen und Macht besitzt.
  36. Er weiß, dass es wahr ist, dass Allah der Erhabene die sündigen Gläubigen nur soviel mit der Hölle strafen wird, wie sie sündigten.
  37. Er weiß, dass das im Exemplar Geschriebene der Qur’an ist und das es Allahs Wort ist, und er weiß, und zwar nicht im metaphorischen Sinne, sondern bei der Wahren Bedeutung, dass es kein Geschöpf ist. (Imam Abu Hanifa hat bekundet, dass die Schrift, die arabische Schrift, die wir schreiben, sowie die Laute bei der Rezitation Geschöpfe sind und die Bedeutung des Qur’an kein Geschöpf ist.)
  38. Egal ob das Volk nun versteht – ob dies nun Gut oder Schlecht ist – oder auch nicht, er weiß, dass Allah, dass tat was Er wollte und gegenwärtig dass tut was Er will.
  39. Er sieht, dass der Glaube nicht was Metaphorisches ist, sondern was Wahres.
  40. Er weiß, dass wenn jemand sich im Diesseits von jemandem Etwas annektiert hat (angeeignet hat) und sich dann nicht (vom eigentlichen Besitzer) sein Gönnen einholt, im Jenseits dann als Vergeltung der Lohn dafür von ihm genommen wird und dem (eigentlichen) Besitztümer gegeben wird.
  41. Er weiß, dass der Gehorsam und Erfolg gleich sind und der Ungehorsam gleich wie die Erfolgslosigkeit ist.
  42. Er weiß, dass der Glaube durch zwei Organe entsteht, Herz und Zunge.
  43. Er weiß, dass jemand der Allah mit dem Herzen erkannt hat, aber mit der Zunge nicht bestätigt, ein Ungläubiger ist und einer der mit der Zunge bezeugt, dieses aber nicht mit dem Herzen bestätigt, ein Heuchler ist.
  44. Er bezichtigt Allah keinen Raum und Zeit zu und auch kein kommen und gehen.
  45. Er vergleicht Allah mit gar nichts und sagt:‘‘Es gibt nichts das Ihm gleicht.‘‘
  46. Er weiß, dass es Pflicht ist, in manchen Situationen (arbeitend) erfolgreich zu sein.
  47. Er weiß, das der Glaube etwas getrenntes von der Tat (Handlung) ist.
  48. Er weiß, dass der Glaube sowohl eines Frommen und auch der des Sünders (als Glaube) gleich ist.
  49. Er hält die Wiederauferstehung nach dem Tot als wahr.
  50. Die Apokalypse (Qiyamah) weiß er als die Wahrheit.
  51. Er weiß, dass das Witrgebet mit einem Salam endet und aus drei Raq’ah (Gebetseinheiten) besteht.
  52. Er akzeptiert, dass wenn die Wudu (Teilwaschung) des Imams ungültig wird, so auch das Gebet der Gemeinde ungültig wird.
  53. Er weiß, dass von zu wenig Wasser und Wasser das nicht fließt, die Wudu (Teilwaschung) nicht erlaubt ist.
  54. Er weiß, dass derjenige, der seine Wudu (die Teilwaschung) ungültig werden lassen hat und seine Pantoffeln (Chuf) auszieht, seine Füße (am Leibe) waschen muss.
  55. Er weiß, dass es wahr ist, dass wenn die Teilwaschung ungültig wird, er noch einmal die Teilwaschung nehmen muss.
  56. Er weiß, dass der Glaube sich nicht vermehrt und auch nicht vermindert.
  57. Er weiß, dass Iblis zurzeit als er zu Allah betete, von Allah und den Engeln als Gläubiger angesehen wurde.
  58. Er sieht, dass auch solche Persönlichkeiten wie Abu Bakr und Umar in der Zeit wo sie noch nicht den Glauben annahmen und Götzen anbeteten, als Ungläubige angesehen wurden.
  59. Er weiß auch, dass die Verantwortung von denjenigen, die in den Wahrhaftigen (Haqq) verliebten, wegen ihre übermäßigen liebe nie entfällt.
  60. Er weiß, dass es Unglaube ist, die Hoffnung auf Allahs Gnade aufzugeben.
  61. Er weiß um der Wahrheit, dass die Gefahr im letzten Moment (in seiner Todesstunde) darin besteht, von dieser Welt auch ohne Glauben verscheiden zu können und fürchtet drum Allah.


6–8 Minuten