Die glaubenslehre der Ahlu Sunnah

Die Asha'irah und Maturidiyyah


Erklärung der Sura al-Mulk Vers 16 {ءأمنتم من في السماء}

Thema:
Âyah 16 der Sûrah al-Mulk :
{ءأمنتم من في السماء}
’A’amintum man fi s-Samâ’
Die Bedeutung könnte übersetzt werden mit:
„Glaubt ihr in Sicherheit zu sein, vor demjenigen, im Himmel“.

Scheinargument der Verkörperlicher:

Die Anhänger der Irrlehre der Verkörperlichung und Vergleichung Gottes behaupten, dass diese Âyah ein Beweis dafür sei, dass Allâh sich in oberer Richtung, an einem Ort über dem Thron aufhalten würde, erhaben ist Allâh über ihre Aussagen. Sie behaupten fälschlicherweise, dass die zuvor erwähnt Âyah, einen Beweis für sie darstelle.

Widerlegung:

Vorwort

Allâh, der Erhabene, ist unabhängig von Ort und Zeit, denn Er existierte vor Ort und Zeit, ohne Ort und Zeit.
Erhaben ist Allâh darüber, sich in einer Richtung aufzuhalten, von einem Ort beinhaltet zu sein oder sich in allen Orten aufzulösen. Was auch immer du dir vorstellst, Allâh ähnelt dem nicht, da Er nichts und niemandem ähnelt. Und wer auch immer Allâh eine Bedeutung von den Eigenschaften der Geschöpfe zuschreibt, der ist ungläubig.

Detaillierte Antwort:

Zum Verständnis der Âyât des Qur’ân, ist es unter anderem vorausgesetzt, der arabischen Sprache mächtig zu sein, da ansonsten jeder entsprechend des Levels seiner Unwissenheit in der arabischen Sprache, über die Bedeutung des Qur’ân sprechen könnte, wie er will.

So sagte Mudjâhid (Schüler von Ibn ʿAbbâs, dem Tardjumân des Qur’ân) diesbezüglich: „Es ist niemandem erlaubt, der an Allâh und den Tag des Jüngsten Gerichts glaubt, etwas über die Bedeutung des Qur’ân zu sagen, wenn er kein Wissen über die Sprache hat“. Überliefert von dem Hâfidh as-Suyutî S. 231 in „al-Itqân fi ʿUlûm al-Qur’ân“.
Daraus ergibt sich, dass wir auf die Bedeutung der Wörter zu achten haben und zu schauen haben, was die Araber davon verstehen. Außerdem haben wir zu schauen, wie ist das Verständnis der Araber von diesen Wörtern und gibt es Beweise, dass dem Propheten und seinen Gefährten diese Bedeutung bekannt war und diese Wörter entsprechend dieser Bedeutung verwendet wurde.

Betrachten wir nun das Wort „Samâ´“, anders als im Deutschen, kommt das Wort Himmel und das Wort Hoheit, im Arabischen vom selben Wortstamm. Das Wort „Sumû“ bedeutet Hoheit und „Samâ´“ kann sowohl Himmel, als auch Hoheit bedeuten.

Dieses ist etwas allgemein bekanntes unter den Arabern und in den Wörterbüchern der arabischen Sprache nachzulesen, falls das einem, aufgrund der Unwissenheit in der Sprache, entgangen ist.

Unter anderem wurde dieses erwähnt in den beiden Büchern, die zu den bedeutendsten Wörterbüchern der arabischen Sprache zählen „Tâdj al-ʿÂrûs“ von dem Hâfidh az-Zabidî und „Lisân al-ʿArab“ von Ibn Mandhûr.

Hier ein Auszug aus „Lisân al-ʿArab“ von Ibn Mandhûr:

السُّمُوُّ الارْتِفاعُ والعُلُوُّ تقول منه سَمَوتُ وسَمَيْتُ مثل عَلَوْت وعَلَيْت

As-Sumû bedeutet: Die Erhabenheit und Hoheit. Von daher sagst du „Samautu und Samaytu“ wie „Ich habe mich erhöht“.

Az-Zadjâdj, der berühmte Sprachgelehrte der Salaf, sagte:

وقال الزجاج السماءُ في اللغة يقال لكلّ ما ارتَفع وعَلا قَدْ سَما يَسْمُو

Samâ´: In der Sprache kann zu allem gesagt werden, was sich erhöht und Hoheit hat „Samâ“ „Yasmû“.

Damit zeigt sich, dass die Bedeutung von Hoheit für „Samâ´“, in der arabischen Sprache feststeht.

Mit dieser unbestreitbaren Tatsache konfrontiert, versuchen die Anhänger der Verkörperlichung, obwohl sie zuvor behauptet hatten, dass dieses Wort nur eine Bedeutung habe und diese Âyah demzufolge ein klarer Beweis für sie wäre, den Anschein zu erwecken, dass diese Bedeutung von „Samâ´“ weit hergeholt wäre und es keine Verwendung dafür unter den Arabern im alltäglichen Gebrauch geben würde.

Und diese Behauptung ist eine weiterer arglistiger Täuschungsversuch der Verkörperlicher, denn ʿÂ’ischah, die Ehefrau des Propheten, Salla l-Lâhu ʿAlayhi wa Sallam, sagte über Zaynab:

هي التي كانت تساميني

„Sie pflegte mich zu erheben“.

Wollen die Verkörperlicher sagen, dass ʿÂ’ischah keine Ahnung von der arabischen Sprache hätte und es ungültig sei diese Wörter mit der Bedeutung von Hoheit zu verwenden? Wenn sie das tun, dann haben sie ihrer eigenen Aussage widersprochen, in der sie behaupten dem Verständnis der Salaf zu folgen.

Wenn sie nun zugeben, dass ʿÂ’ischah, RaDiya l-Lâhu ʿAnha, Recht hat mit den verwendeten Wörtern, wollen sie dann etwa behaupten, dass sie die Hoheit des Ortes gemeint habe? Wollen sie wirklich behaupten, dass ʿÂ’ischah, RaDiya l-Lâhu ʿAnha, gesagt habe, dass Zaynab sie an hohe Orte hochgehoben habe? Ich denke die Dummheit einer solchen Behauptung ist klar ersichtlich und es Bedarf keiner weiteren Worte um zu zeigen, dass ʿÂ’ischah, RaDiya l-Lâhu ʿAnha, nicht die Hoheit des Ortes meinte.

Damit haben wir einen klaren Beleg, für die Verwendung dieses Wortes, durch die Ehefrau des Propheten, ohne dass damit die Zuschreibung eines Ortes oder eine Richtung verstanden wurde.

Ein weiteres Beispiel dafür ist das Gedicht des Gefährten an-Nâbighah al-Djaʿdî, welches er vor dem Propheten, Salla l-Lâhu ʿAlayhi wa Sallam, sagte:

بَلَغْنَا السَّمَاءَ مَجْدَنَا وَجُدُودَنَا وَإِنَّا لَنَرْجُوا فَوْقَ ذَلِكَ مَظْهَرَ

„Unsere hohen Ränge haben den Himmel erreicht und wir erhoffen uns darüber hinaus das Paradies“.

Hier ist ein weiteres Beispiel, dass mit dem Himmel nicht der Ort gemeint ist, sondern die Hoheit. Der Prophet hat an-Nâbighah nicht widersprochen, er hat nicht gesagt, dass es sprachlich falsch wäre. Und er hat auch nicht von diesen Worten verstanden, dass an-Nâbighah den Ort und die Richtung gemeint hätte.

Wir haben damit nachgewiesen, dass die Verwendung des Wortes „Samâ´“ mit der Bedeutung von Hoheit, im alltäglichen Gebrauch war unter den Gefährten und sie davon nicht die Hoheit des Ortes und der Richtung verstanden haben.

Nun stellt sich die Frage, wie können die Verkörperlicher behaupten, dass dieses Wort Samâ´ in Bezug auf Menschen bezogen, keine Zuschreibung des Ortes oder einer Richtung ist, aber in Bezug auf Allâh, des Erhabenen, genau dieses gemeint wäre?

Die Verkörperlicher versuchen die Menschen von den Eigenschaften der Geschöpfe freizusprechen um sie dann Allâh zuzuschreiben, erhaben ist Allâh über ihre Aussagen.
Dieses Verhalten basiert somit auf Willkür, sie erklären die Âyât gemäß ihrer schon vorgefertigten Meinung, welche nicht auf Beweisen beruht, da sie genau über die Bedeutung dieser, arglistig getäuscht haben.

Zusammenfassend kann im Hinblick auf die zuvor erwähnten Belege gesagt werden, dass mit Samâ‘ in der Âyah 16 der Sûrah al-Mulk, nicht nur der Himmel, sondern auch die Hoheit gemeint sein kann. Und mit Hoheit, wie schon gezeigt nicht die Hoheit des Ortes, sondern die Hoheit des Wertes, der Macht und Herrschaft gemeint ist, wie wir schon zuvor gezeigt haben.

Demnach würde die Bedeutung lauten:

{ءأمنتم من في السماء}

„Glaubt ihr in Sicherheit zu sein, vor dem Erhabenen“.

Ein weitere Erklärung dieser Âyah gibt uns der Gelehrte Sayf ad-Dîn al-Âmidî (631 n.H.) und Ibn Djarîr at-Tabarî, welcher zu den Salaf gehört, al-Âmidî sagte diesbezüglich in „Abkâr al-Afkâr“ (Manuskript S.194-195), Zitat:

مع اتفاقهم جميعًا في المعنى أنه تعالى ليس بمتمكن في مكان ولا متحيز بجهة، ومن اشتغل منهم بتأويل يليق بدلائل التوحيد قالوا في قوله:{وهو الذي في السماء إله وفي الأرض إله} [سورة الزخرف/84] أراد به ثبوت الألوهية في السماء لا ثبوت ذاته، وكذي في هذا قوله:{وهو الله في السموات وفي الأرض} [سورة الأنعام/3] أي ألوهيته فيهما لا ذاته، وكذي في [هذا] قوله:{ءأمنتم من في السماء} [سورة الملك/16] ألوهيته إلا أن ألوهيته أضمرت بدلالة ما سيق من الآيات

„Alle Muslime sind sich darüber einig, dass Allâh sich an keinem Ort aufhält und sich in keiner Richtung befindet. Und diejenigen, die sich mit der Erklärung der Âyât, die in Übereinstimmung mit der Glaubenslehre des Islam ist, befasst haben, sagten bezüglich der Âyah 84 der Sûrah az-Zukhruf {وهو الذي في السماء إله وفي الأرض إله} ‚Damit ist die Bestätigung der Gottheit (d.h. die Macht etwas von der Nichtexistenz in die Existenz hervorzubringen) im Himmel gemeint, nicht die Bestätigung Seines selbst im Himmel‘. Und dieses trifft ebenfalls auf folgende Âyah zu :{وهو الله في السموات وفي الأرض} (Sûrah al-Anʿâm Âyah 3) ‚Es bedeutet die Gottheit (die Macht etwas von der Nichtexistenz in die Existenz hervorzubringen) in diesen beiden (dem Himmel und der Erde), nicht dass Er selbst in ihnen wäre‘. Und dieses trifft ebenfalls auf diese Âyah zu {ءأمنتم من في السماء} (Sûrah al-Mulk Âyah 16) ‚Es bedeutet die Gottheit (die Macht etwas von der Nichtexistenz in die Existenz hervorzubringen), da dieses aus dem Kontext der anderen Âyât in diesem Zusammenhang belegt ist’“.

Mit anderen Worten, al-Âmidî sagt, dass diese Âyah bedeutet:
„Glaubt ihr in Sicherheit zu sein, vor demjenigen (der die Gottheit hat) im Himmel“.

Und diese Erklärung gaben auch Gelehrte von den Salaf, wie der Imâm at-Tabarî, er sagt bezüglich der Sûrah az-Zukhruf Ayah 84:

وَقَوْله : وَهُوَ الَّذِي فِي السَّمَاء إِلَه وَفِي الْأَرْض إِلَه يَقُول تَعَالَى ذِكْره : وَاللَّه
الَّذِي لَهُ الْأُلُوهَة فِي السَّمَاء

„Allâh hat die Gottheit (die Macht etwas von der Nichtexistenz in die Existenz hervorzubringen) im Himmel“.

Und er sagte bezüglich der Surah al-Anʿâm Ayah 3:

الْقَوْل فِي تَأْوِيل قَوْله تَعَالَى : وَهُوَ اللَّه فِي السَّمَوَات وَفِي الْأَرْض يَقُول تَعَالَى ذِكْرهُ : إِنَّ الَّذِي لَهُ الْأُلُوهَة الَّتِي لَا تَنْبَغِي لِغَيْرِهِ , هُوَ اللَّه الَّذِي هُوَ فِي السَّمَوَات وَفِي الْأَرْض ,

„Die Erklärung von der Âyah: (Sinngemäß) „Er ist Allâh, in den Himmeln und auf der Erde“. Die Bedeutung lautet: ‚Demjenigen, der die Gottheit (die Macht etwas von der Nichtexistenz in die Existenz hervorzubringen) hat, welche niemand anderem gebührt. Er ist Allâh, derjenige der die Gottheit hat, in den Himmeln und auf der Erde“.

Somit erklärt diese Aussage von at-Tabarî:

وَاللَّه الَّذِي لَهُ الْأُلُوهَة فِي السَّمَاء

„Allâh hat die Gottheit im Himmel“.

Und diese Aussage von at-Tabarî:

إِنَّ الَّذِي لَهُ الْأُلُوهَة الَّتِي لَا تَنْبَغِي لِغَيْرِهِ , هُوَ اللَّه الَّذِي هُوَ فِي السَّمَوَات وَفِي الْأَرْض

„Er ist Allâh, derjenige der die Gottheit hat, in den Himmeln und auf der Erde“.

Diese Âyah:

ءأمنتم من في السماء

„Glaubt ihr in Sicherheit zu sein, vor demjenigen, im Himmel“.

Und die Bedeutung würde demnach lauten:

ءأمنتم من {لَهُ الْأُلُوهَة} في السماء

„Glaubt ihr in Sicherheit zu sein, vor demjenigen, (der die Gottheit hat) im Himmel“.

Und wie man klar erkennen kann, hat niemand von diesen Âyât verstanden, dass sie eine Zuschreibung einer Richtung für Allâh bedeuten würden. Im Gegenteil, sie erklärten es zu Unglauben, wenn jemand geglaubt hatte, dass Allâh im Himmel wäre.

Lasst uns nun betrachten, was für Konsequenzen die Behauptung der Verkörperlicher nach sich zieht.

1. Allâh, der Erhabene, sagt in der Sûrah az-Zumar, Âyah 68:

وَنُفِخَ فِي الصُّورِ فَصَعِقَ مَن فِي السَّمَاوَاتِ وَمَن فِي الْأَرْضِ

Die Bedeutung lautet: Es wird in das Horn geblasen und es stirbt WER IN DEN HIMMELN IST.

Die erste Konsequenz lautet: Die Verkörperlicher behaupten, dass Allâh sterben würde und das ist Unglaube.

2. Und Allâh, der Erhabene, sagt in der Sûrah Al-Anbiyâ‘ Âyah 104:

يَوْمَ نَطْوِي السَّمَاء كَطَيِّ السِّجِلِّ لِلْكُتُبِ

Die Bedeutung lautet: An dem Tage, an dem Allâh den HIMMEL ZUSAMMENGEFALTET werden lässt, wie ein Buch.

Zweite Konsequenz: Die Verkörperlicher behaupten, dass Allâh zusammengefaltet werden würde und das ist Unglaube.

3. Und Allâh, der Erhabene, sagt in der Sûrah Maryam Âyah 93:

إِن كُلُّ مَن فِي السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضِ إِلَّا آتِي الرَّحْمَٰنِ عَبْدًا

Sinngemäße Bedeutung lautet: „JEDER DER IN DEN HIMMELN IST, ist ein Diener Gottes“.

Dritte Konsequenz: Die Verkörperlicher behaupten, dass Allâh ein Diener wäre und das ist Unglaube.

4. Und Allâh, der Erhabene, sagt in der Sûrah ar-Raʿd Âyah 15:

وَلِلَّهِ يَسْجُد مَنْ فِي السَّمَوَات

Die sinngemäße Bedeutung lautet: „Für Allâh wirft sich nieder, WER IN DEN HIMMELN IST“.

Vierte Konsequenz: Die Verkörperlicher behaupten, dass Allâh sich niederwerfen würde und das ist Unglaube.

Der Imâm at-Tabarî überliefert das Verständnis der Salaf in der Erklärung der Âyah 171 der Sûrah an-Nisâ’ diesbezüglich sehr klar und unmissverständlich, wer in den Himmeln ist, der ist an einem Ort und wer an einem Ort ist, kann nicht Allâh sein:

فَكَيْفَ يَكُون الْمَسِيح اِبْنًا لِلَّهِ وَهُوَ فِي الْأَرْض أَوْ فِي السَّمَوَات غَيْر خَارِج مِنْ أَنْ يَكُون فِي بَعْض هَذِهِ لْأَمَاكِن

Die Bedeutung lautet sinngemäß:
„Wie kann nur behauptet werden, dass Jesus Gottes Sohn wäre, obwohl er auf der Erde oder in den Himmeln, nicht frei davon ist, in einigen dieser Orte zu sein?!“.

Das heißt, für die Salaf kann derjenige, der an einem Ort existiert, nicht Gott sein, da Allâh ohne Ort existiert. Ibn Djarîr at-Tabarî sagt es wortwörtlich „Allâh wird von keinem Ort beinhaltet“.

Und deshalb sagte der Imâm Abû Hanîfah in „al-Fiqh al-Akbar“:
„Derjenige, der sagt: ‚Ich weiß nicht, ob Allâh im Himmel ist oder auf der Erde‘ ist in den Unglauben gefallen“.

Weil er damit Allâh einen Ort zuschreibt. Und wer sich auch nur einbildet, dass Allâh an einem Ort wäre, der ist ungläubig.

Und deshalb sagten die Salaf, wie es der Imâm at-Tabarî in seinem „Târîkh al-Umam wa l-Mulûk“ (1/3) überlieferte:

لا تحيط به الأوهام، ولا تحويه الأقطار

„Allâh ist nicht vorstellbar und die Orte beinhalten Ihn nicht“.

Zu all dem kommt hinzu, dass selbst wenn die Verkörperlicher sagen würden, dass damit gemeint wäre, dass Allâh sich im Himmel befinden würde, es dazu führen würde, dass sie sich selbst widersprochen hätten, denn einerseits behaupten sie, dass Allâh auf dem Thron wäre und andererseits behaupten sie nun, dass Er im Himmel wäre. Zur Kenntnisnahme für die Verkörperlicher: Der Himmel ist unter dem Thron und der Thron ist über dem Himmel, ihr widersprecht euch selbst!

Damit konfrontiert bringen die Verkörperlicher nun folgende Aussage, sie behaupten, dass mit „im Himmel“, nicht wirklich „im Himmel“ gemeint wäre, sondern „über dem Himmel“ und bringen folgende Âyah als Beispiel dafür, dass das Wort „fi“ nicht nur „im“ sondern auch „über“ bedeuten kann.

In der Âyah 71 der Sûrah Taha wird über den Pharao berichtet, dass er sagte:

وَلأُصَلِّبَنَّكُمْ فِـي جُذُوعِ النَّـخْـلِ

Die Bedeutung lautet: Ich werde euch auf den Palmenstämmen kreuzigen.

Die Antwort darauf lautet, dass sie sich selbst widerlegt haben, aus zweierlei Gründen:
– Erstens haben sie zugegeben, dass man diese Âyah nicht mit „im Himmel“, nach dem Außenschein verstehen darf.
– Ihr Erklärungsversuch widerlegt sie, denn wenn sie die Aussage des Pharao nehmen, welche sie nehmen um zu behaupten, dass Allâh über dem Himmel wäre, haben sie auch folgendes über den Pharao ebenfalls zu nehmen:

Âyah 4 der Sûrah al-Qasas:

{ إِنَّ فِرعَونَ عَلا فِى الأَرضِ}

„Der Pharao hat sich auf der Erde erhoben“.

Und da damit keine örtliche Erhebung gemeint ist, ist auch ihre Erklärung mit örtlicher Hoheit in Bezug auf Allâh falsch und sie müssen es mit Hoheit der Macht, Herrschaft, Bezwingen oder des Wertes erklären.

Und ebenfalls kam über den Pharao in Âyah 127 der Sûrah al-Aʿrâf, als Bericht über ihn, dass er sagte:

{وإنا فوقهم قاهرون}

„Wir sind die Bezwinger ÜBER IHNEN“.

At-Tabarî sagte dazu:

يقول: وإنا عالون عليهم بالقهر، يعني بقهر الملك والسلطان. وقد بينا أن كل شىء عال بقهر وغلبة على شيء، فإن العرب تقول: هو فوقه.انتهى

„Der Pharao sagte: Wir sind ÜBER IHNEN MIT DER BEZWINGUNG. Gemeint ist die Bezwingung durch die Herrschaft und Macht. Und wir haben schon gezeigt, dass alles was mit der Bezwingung über etwas anderem ist, die Araber darüber sagen: Er ist über ihm“.

Wenn die Verkörperlicher also die Aussage des Pharao als Erklärung nehmen wollen, dann müssen sie auch die andere Aussage des Pharaos nehmen und zugeben, dass mit „ÜBER“ die Bezwingung, Herrschaft und Macht gemeint ist, nicht der Ort und die Richtung. Oder wollen sie an einige Verse glauben und anderen gegenüber ungläubig sein?

Was ebenfalls über die Bedeutung dieser Âyah von den Gelehrten gesagt wurde, ist:
Dies ist eine Drohung an die Muschrikîn von Makkah, dass Djibrîl sie bestrafen würde, so wie er es schon mit dem Volk des Propheten Lût getan hat. Djibrîl nahm mit einer Feder von seinen Flügeln, eine Landfläche, in der Nähe des sogenannten Toten Meeres, welche die vier Städte des Volkes Lût beinhaltete, und hob sie heraus. Dann hob er sie hoch, drehte sie um und schlug sie auf die Erde. Dies ist die Bedeutung von „Glaubt ihr in Sicherheit zu sein, vor demjenigen, im Himmel“. Dies ist was der Imâm ar-Râzî in seinem Tafsîr und der Imâm al-Haramayn al-Djuwaynî sagten, nämlich dass es der Engel ist.

Was diese Erklärung bestätigt, ist der Hadîth des Gesandten Gottes, Salla l-Lâhu ʿAlayhi wa Sallam, in dem er sagt, dass die von Allâh erschaffenen sieben Himmel, so sehr mit den Engeln gefüllt sind, dass es keine Vierfingerbreite in ihnen gibt, außer dass dort ein Engel im Gebet steht oder sich in der Verbeugung oder der Niederwerfung befindet. Der Gesandte Gottes ﷺ sagte, so wie es von at-Tirmidhî überliefert wurde:

“ ما في السماءِ موضعُ أربعِ أصابع إلا وفيهِ ملَكٌ قائِمٌ أو راكعٌ أو ساجدٌ“.

Die Bedeutung lautet: „Es gibt im Himmel keine Vierfingerbreite, außer dass sich ein Engel im Gebet befindet, stehend oder in der Verbeugung oder in der Niederwerfung“.

Dieser Hadîth zeigt zwei Dinge auf:
– Die Himmel sind die Wohnstätten der Engel und sie sind gefüllt mit ihnen. Somit sind die Engel gemeint, falls auf denjenigen oder diejenigen im Himmel hingewiesen wird.
– Es ist kaum Platz übrig im Himmel, keine Vierfingerbreite zwischen ihnen. Wagen es die Verkörperlicher etwa zu sagen, dass Allâh sich zwischen den Engeln im Himmel aufgelöst hätte? Das wäre Unglaube.

Und wir fragen uns bezüglich der Verkörperlicher, was behaupten sie? In welchem Himmel befände Er sich ihrer Behauptung nach?

Wenn sie sagen im ersten Himmel, dann haben sie behauptet, dass die Füße des Propheten ʿÎsâ, welcher im zweiten Himmel ist, über Allâh wären. Wenn sie sagen im zweiten Himmel, dann haben sie behauptet, dass die Füße der Engel im dritten Himmel, über Allâh wären. Wenn sie sagen im vierten fünften oder sechsten Himmel, dann hätte es dieselbe Konsequenz. Und wenn sie sagen im siebten Himmel, dann haben sie behauptet, dass die Füße der Wildân, welche im Paradies sind, über Allâh wären. Was auch immer sie sagen würden, es würde zu abscheulichen Konsequenzen führen.

Und zum Abschluss dieses Themas, noch ein schönes Zitat von dem Imâm ar-Râzî, welches die Unwissenheit der Verkörperlicher bloßstellt. Der Imâm ar-Râzî (604 n.H.) sagte in seinem „Tafsîr al-Kabîr“ (Band 5/ Teil 30/ S.61), Zitat:

واعلم أن المشبهة احتجوا على إثبات المكان لله تعالى بقوله: { ءامِنتم مَّن فِى ٱلسَّمَاء } ، والجواب عنه أن هذه الآية لا يمكن إجراؤها على ظاهرها باتفاق المسلمين، لأن كونه في السماء يقتضي كون السماء محيطاً به من جميع الجوانب، فيكون أصغر من السماء، والسماء أصغر من العرش بكثير، فيلزم أن يكون الله تعالى شيئاً حقيراً بالنسبة إلى العرش، وذلك باتفاق أهل الإسلام محال،

„Wisse, dass die Anhänger der Vergleichung Gottes mit den Geschöpfen, die Âyah { ءامِنتم مَّن فِى ٱلسَّمَاء } „Glaubt ihr in Sicherheit zu sein, vor demjenigen, im Himmel“ als Beweis betrachtet haben, um Allâh einen Ort zuzuschreiben. Die Antwort lautet, dass es nicht möglich ist, diese Âyah nach dem Außenschein zu nehmen, darüber gibt es Konsens unter den Muslimen. Denn wenn Er im Himmel wäre, würde dieses voraussetzen, dass der Himmel Ihn umfassen würde, von allen Seiten (Allâh ist kein Körper, weder ein großer Körper noch ein kleiner Körper, jedoch zeigt ar-Râzî die Konsequenzen ihrer Behauptung auf). Dieses würde bedeuten, dass Er kleiner als der Himmel wäre. Der Himmel ist jedoch viel kleiner als der Thron, dieses würde bedeuten, dass Allâh etwas Winziges bezogen auf den Thron wäre. Und so etwas ist in Übereinstimmung aller Muslime, unmöglich.

Quelle: https://www.facebook.com/dieWaechter.desGlaubens?fref=ts



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