Die glaubenslehre der Ahlu Sunnah

Die Asha'irah und Maturidiyyah


Al-Fiqh Al-Akbar – Die Fundamente des Glaubens von Imam Abu Hanifa

Imam Abu Hanifa sagte:

أصلُ التوحيدِ وما يصحُ الاعتقادُ عليهِ يجبُ أنْ يقولَ: ءامنتُ بالله، وملائكته، وكتبِه، ورسُله، والبعثِ بعدَ الموتِ والقدرِ خيرِهِ وشرِّهِ منَ اللهِ تعالى، والحسابِ، والميزانِ، والجنةِ، والنارِ، وذلكَ حقٌ كُلُّهُ

Die Grundlage des Tawhid (7) und woran man glauben soll: Man muss sagen: “Ich verinnerliche Iman (8) an Allah, seine Engel (9) und seine Bücher (10), an die Gesandten (11) und die Auferstehung nach dem Tode (12).Al Qadar (die Bestimmung) (13), sei sie gut oder böse, ist von Allah. Die Abrechnung, die al-Mizan (die Waage) (14), das Paradies und die Hölle, all das ist wahr. “


(7) Sheikh al-Maghnisawi: Sprachlich heißt Tawhid, dass man eine Sache als Eins erklärt. Fachspezifisch heißt es, das Wesen Allahs von allem, was sich der Verstand vorstellen kann, freizusprechen. Dass Allah eins ist, bedeutet die Ablehnung, dass Sein Wesen teilbar ist. Die Ablehnung von einem gleichartigen Wesen oder ein Teilhaber in seinem Wesen bzw. in Seinen Attributen.  (Imam al-Maghnisawi 1904, 31.)

(8) Sheikh al-Maghnisawi: Imam Abu Hanifa sagte nicht ‘‘er muss glauben‘‘, sondern er schrieb ‘‘er muss sagen‘‘ damit er zeigt, dass das Bezeugen ein Teil des Iman ist. Die Essenz des Iman ist, an die sechs erwähnten Punkte zu glauben und sie zu bezeugen, wie der Prophet (Sallallahu Alayhi wa sallam) sagte: Der Iman ist, dass du an Allah und Seine Engel und Seine Bücher und Seine Gesandten und den letzten Tag (Tag des Jüngsten Gerichts) und an al-Qadar, das Gute und das Böse davon, glaubst. (Imam al-Maghnisawi 1904,32)

(9) Imam Ali al-Qari: Sie sind ehrwürdige Diener. Sie reden nicht vor Ihm, und sie handeln nur nach Seinem Befehl. Sie sind fehlerfrei und widersprechen Allah nicht. Sie haben weder ein männliches noch ein weibliches Geschlecht. Allah hat diejenigen, welche die Engel als Töchter Allahs bezeichnet haben getadelt, indem Er sagte: ‘‘Die Engel, welche die Diener des Barmherzigen sind, machen sie zu weiblichen Wesen. Haben sie etwa zugesehen, als sie erschaffen wurden? Ihre Aussagen werden aufgeschrieben, und sie werden sich dafür verantworten.‘‘ 43:19 (al-Qari 1998, 55.)

(10) Imam Ali al-Qari: Wie etwa die Thora und das Evangelium und die Psalmen und der Quran, ohne dass man eine Zahl der offenbarten Schriften festlegt. (al-Qari 1998, 55.)

(11) Imam Ali al-Qari: Der Gesandte (ar-Rasul) ist die Person, die eine Shari’a und ihr eigenes Buch hat. In diesem Fall ist sie spezieller als ein Prophet (Nabiyy). Andere Gelehrte sehen keinen Unterschied zwischen einem Gesandten und einem Prophet. Der Glaube an alle Propheten ist aber Pflicht, unabhängig davon, ob dieser Prophet ein Buch bekommen hat oder nicht. (Ibid.)

(12) Imam Ali al-Qari: Ihr Beweis ist die Aussage Allahs:‘‘Aber am Jüngsten Tag werdet ihr auferstehen.‘‘ 23:16 und Seine Aussage: Sprich:‘‘Wer sie zuerst erschaffen hat, ruft sie wieder ins Leben. Er weiß genau über jedes Geschöpf Bescheid.‘‘ 39:79 (al-Qari 1998, 56.)

(13) Imam an-Nawawi: Die Bedeutung vom Qadar bei den Vertretern der Wahrheit (ahlu haq) ist, dass Allah die Sachen in der Urewigkeit bestimmt hat, und Er wusste, dass sie in bestimmten Zeiten, nach bestimmten Maßen geschehen werden. (Imam an-Nawawi 2004, 1/128)

(14) Sheikh al-Maghnisawi: Die Waage, ist etwas, anhand dessen man das Gewicht der Taten messen kann. Der Verstand ist aber unfähig, die Wahrheit des Mizan zu begreifen. (Imam al-Maghnisawi 1904, 106.)


واللهُ تعالى واحدٌ لا مِنْ طريقِ العددِ، ولكنْ من طريقِ أنهُ لا شريكَ لهُ، لم يَلدْ ولم يُولدْ، ولم يكنْ لهُ كفُواً أحَد. لا يُشبِهُ شيئاً مِنَ الأشياءِ مِنْ خَلقه، ولا يشبهه شىءٌ مِن خلقِهِ، لم يزلْ ولا يزالُ بأسمائه وصفاته الذاتية والفِعليّة.

Allah ist Eins, (aber) nicht in einem numerischen Sinne, sondern im Sinne, dass Er keinen Teilhaber hat (15). Sprich: “Er ist Allah, der Einzige; Allah der Unabhängige und von allen Angeflehte (16). Er zeugt nicht und wurde nicht gezeugt (17); und keiner ist Ihm gleich (18) .‘‘(19) Er ähnelt keinen seiner Geschöpfe (20) und nichts von seinen Geschöpfen ähnelt Ihm (21). Er war und ist urewig samt Seinen Namen und Attributen seines Dhat (Wesens) und seines Tuns.


(15) Sheikh al-Maghnisawi: Man kann Eins sagen und man meint damit die Hälfte von Zwei, und das ist die Bedeutung von Eins im numerischen Sinne. Man kann aber Eins sagen und man meint damit, dass Allah kein Teilhaber und keinen Gleichartigen hat. (Imam al-Maghnisawi 1904, 33.)

(16) Imam Ali al-Qari: Er braucht keinen und alles braucht Ihn. (al-Qari 1998, 60.)

(17) Sheikh al-Maghnisawi: Darin ist eine Antwort auf die Christen bezüglich der Zeugung von Jesus. (Imam al-Maghnisawi 1904, 33.)

(18) Sheikh al-Maghnisawi: Er ist kein Körper, welche man ein Maß geben kann oder den man sich vorstellen und teilen kann. Und Er ist kein Atom, bei welchem Akzidenzen eintreten und Er ist keine Akzidenz, welche bei Atomen eintritt. (Ibid.)

(19) Sure 112

(20) Imam Ali al-Qari: Denn die Existenz Allahs ist notwendig (Wadschib) und die Existenz von allem außer Ihm ist möglich (Dscha’iz). Derjenig, dessen Existenz notwendig ist, braucht keinen – und alle Sachen, die möglich sind brauchen Ihn, damit sie existieren und versorgt werden können. Allah sagt:‘‘ Allah ist der Reiche, und ihr seid die Armen.‘‘ 47:38 (al-Qari 1998, 63.)

(21) Imam Ali al-Qari: Es ist eine Bestätigung der vorigen Aussage, dieser Punkt ist von der Aussage Allahs:‘‘Nichts ist Ihm gleich‘‘ 42:11 abgeleitet. (al-Qari 1998, 64.)


أما الذاتيةُ: فالحياة والقدرة والعلم والكلام والسمع والبصر والإرادة

Die Attribute des Wesens sind: Das Leben (22), die Macht (23), das Wissen (24), die Rede (25), das Hören und das Sehen (26) und der Wille (27) .


(22) Imam Ali al-Qari: Er ist lebendig durch sein Leben, welches eine ewige Eigenschaft ist. (al-Qari 1998, 68.) Allah sagt im Quran:‘‘Allah, es gibt keine Gottheit außer Ihm, Der Lebendige (ohne Ende), Der Allverantwortliche‘‘ 2:255 und er sagt:‘‘Verlasse dich auf den Lebendigen, Unsterblichen und lobpreise Ihn. Er genügt als Kenner der Sünden Seiner Diener.‘‘ 25:58

(23) Imam Ali al-Qari: Er ist mächtig durch Seine Macht, die eine ewige Eigenschaft ist. Das heißt, wenn Er Macht auf eine Sache ausübt, dann geschieht das durch Seine ewige und nicht durch eine erworbene Macht, wie es der Fall bei den Geschöpfen ist. Er ist der Lebendige, der aus Sich Selbst Seiende und Allerhaltende. (al-Qari 1998)

Imam at-Taftazani: Der Mächtige ist derjenige, der, wenn er will, handelt und wenn er nicht will, nicht handelt. (Imam at-Taftazani 1998, 4/89.)

Das ist der Unterschied zwischen den Mächtigen, dem Ohnmächtigen und dem Gezwungenen. Der Ohnmächtige kann nicht handeln und der Gezwungene muss nur handeln, im Gegensatz zum Mächtigen.

Imam as-Sannusi: Die Allmacht und der Wille beziehen sich auf alles, was möglich ist. (as-Sannusi 2008, 128.)

Das heißt, Seine Allmacht und Sein Wille beziehen sich weder auf das Notwendige, noch auf das Unmögliche.

Ein Besipiel für das Notwendige wäre die Existenz Allahs. Man kann nicht behaupten, dass Allah Seine Existenz auslöschen kann, denn Er ist urewig und Seine Urewigkeit sowie Seine Existenz sind zwei notwendige Attribute. Die Existenz einer zweiten Gottheit ist unmöglich, deswegen kann man nicht sagen, Allah kann eine Gottheit schaffen. Denn die Allmacht Allahs bezieht sich nur auf das Mögliche.

(24) Imam Ali al-Qari: Das Wissen ist ein Attribut des Wesen Allahs. Es ist eine urewige Eigenschaft, die sich auf alle existierende sowie nicht existierende Sachen bezieht. Allah weiß alles, sowohl die möglichen Sachen als auch die unmöglichen Sachen. Sein Wissen ist nicht erworben, sondern Er war immer wissend. Allah sagt im Quran:‘‘Verfügt etwa Derjenige, Der erschuf, nicht über Wissen, während Er der Allgütige, der Allkundige ist?!‘‘ 67:14 und Er sagt:‘‘Und bei Ihm liegen die Zugänge zum Verborgenen. Keiner kennt sie außer Ihm. Auch kennt Er, was auf dem Festland und was im Meer ist. Auch fällt weder ein Baumblatt, ohne dass Er es kennt, noch eine Saat in den Finsternissen der Erde, noch etwas Feuchtes, nocht etwas Trockenes, ohne dass dies in einer deutlichen Schrift festgelegt wäre.‘‘ 6:59. Allah weiß, falls eine Sache existieren würde, wie sie gewesen wäre. ‘‘Und wenn Allah irgendetwas Gutes in Ihnen vorgefunden hätte, hätte Er sie gewiss hörend gemacht, doch (so wie Sie sind) hätten Sie sich gewiss, selbst wenn Er sie hörend gemacht hätte, in Abscheu abgewandt.‘‘ 8:23. ‘‘Und würden sie zurückgebracht, würden sie doch wiederholen, was ihnen untersagt wurde. Und gewiss, sie sind doch Lügner.‘‘ 6:28. (Imam Ali al-Qari 1998, 68 ff.)

(25) Es ist ein Attribut des Wesens. Allah ist redend durch eine urewige Rede, welche durch die Sprache zum Ausdruck gebracht wird. Jeder, der befiehlt, verbietet und etwas erzählt, fühlt in sich einen Gedanken, welcher durch den Ausdruck, die Schrift oder Zeichen geäußert wird. Das Reden ist nicht das Wissen oder der Wille. Denn man kann über etwas erzählen, worüber man kein Wissen hat oder das Gegenteil weiß und man kann etwas befehlen, was man nicht will. Dieses Reden nennt man al-Kalam an-Nafsi (Eine Rede, die im Wesen existiert). Allah sagt im Quran, erzählend über die Heuchler:‘‘und sie sagen in ihrem Inneren:‘‘Würde Allah uns doch peinigen für das, was wir sagen!‘‘ 58:8 Und in der arabischen Dichtung steht:

“Wahrlich, die tatsächliche Rede liegt im Herzen Die Zunge weist nur auf das, was im Herzen liegt, hin.“

Umar (radi Allahu anhu) sagte, wie Imam at-Tabari überlieferte: Ich habe in mir eine Rede vorbereitet.

Der Beweis für die Bestätigung der Eigenschaft des Redens im Bezug auf Allah ist der Konsens und die Mehrfachüberlieferung, dass die Propheten von Allah Offenbarungen bekommen haben. Aber die Rede Allahs besteht nicht aus Buchstaben und Lauten. Die Buchstaben und die Laute, die von den Geschöpfen abhängen nennt man auch (metaphorisch) Allahs Rede, denn sie deuten auf die urewige Rede, die in Allahs Wesen existiert, hin.

Wenn Allah eines Seiner Geschöpfe anspricht, so redet Er mit ihm durch Seine urewige Rede, auf die die Buchstaben und Wörter hindeuten. Seine Rede ist nicht erschaffen, das heißt, sie ist nicht zeitgebunden und teilbar wie unsere Rede. Die Buchstaben und Laute sind nicht Seine urewige Rede, sie sind nur ein Medium, zwischen der Rede von Allah und dem Hörer. Denn die Rede Allahs ähnelt nicht der Rede der Geschöpfe, genauso wie Seine Eigenschaften nicht den Eigenschaften der Geschöpfe ähneln.

Die Mu’tazila sagen, dass Allah keine Eigenschaft hat, die Rede heißt, sondern, dass Er eine Rede schafft, die aus Buchstaben und Lauten besteht, entweder in der bewahrten Tafel (al-Lawh al-Mahfuz) oder in Gabriel oder in dem Gesandten oder in demjenigen der in Seinem Namen redet. Die Anthropomorphisten unter den Hanbaliten sagen, dass Allahs Rede aus Buchstaben und Lauten besteht, die von Seinem Wesen ausgehen. Die beiden Meinungen sind falsch und eine Irrführung. Die beiden haben unter Rede, die Buchstaben und Laute verstanden, deswegen sind sie in die Irre gegangen. Die Mu’tazila sagen, dass Allah ewig ist, die Buchstaben und Laute jedoch zeitgebunden, so ist es unmöglich, dass Allah durch Buchstaben reden kann, deswegen haben sie gesagt, die Rede Allahs ist erschaffen und somit der Quran, und dass die Rede kein Attribut Allahs wäre, sondern ein Geschöpf. Die Anthropmorphisten stimmen auch den Mu’tazila zu, dass die Rede nur aus Buchstaben und Lauten bestehen kann, aber sie haben das nicht in Bezug auf Allah negiert, sondern sie haben gesagt, dass diese Buchstauben und Laute vom Wesen Allahs ausgehen können. So haben sie Allah mit den Geschöpfen verglichen, denn die Menschen reden auch durch Laute und Buchstaben. Mit dieser Meinung haben die Anthropomorphisten erlaubt, dass im Wesen Allahs Sachen geschehen, die nicht urewig sind. Denn sagt man ‘‘B-E-T-E‘‘, so weiß man, dass das B vor dem E existiert und das T nach dem E kommt. Das heißt, zu einem Zeitpunkt war das E nicht existent und wenn es in die Existenz eintritt, so vergeht der Buchstabe B und das ist unmöglich in Bezug auf Allah, wie schon erklärt, denn die Rede Allahs ist urewig und von der Zeit unabhängig. Die Ahlu Sunnah haben den beiden Meinungen widersprochen, indem sie unter Rede nicht die Buchstaben und Laute verstanden, sondern die innere Rede, alles, was darauf hindeutet, ist nicht die tatsächliche Rede, sondern nur ein Medium.

Imam Ali al-Qari: Imam al-Dschuwayni sagt, wenn man das Wort ‘‘ALLAH‘‘ ausspricht, so ist das Wort Allah nicht Allah selbst, sondern weist auf das urewige Wesen, welches man Allah nennt. Und so ist es mit allen Wörtern im Quran, sie sind ein Hinweis auf die urewige Rede Allahs, die nur im Wesen Allah existiert. (al-Qari 1998, 70 ff.) (Imam al-Dschuwayni 2003, 155.)

(26) Allah sieht und hört in der Ewigkeit. Sein Sehen und Sein Hören sind nicht erworben. Das Gesehene und das Gehörte jedoch sind erschaffen. Es ist wie das Wissen, Er weiß alles, bevor es geschaffen wird, genauso ist Sein Sehen und Sein Hören. Er sieht und hört alles, was es zu sehen und zu hören gibt und geben wird.

(27) Sheikh al-Maghnisawi: Der Wille Allahs ist urewig. Allah wollte bereits in der Urewigkeit, dass alles, was passiert ist und passieren wird, geschieht. Sei es im Diesseits oder im Jenseits und sei es eine kleine oder große Sache, wenig oder viel, Gutes oder Böses, Nutzen oder Schaden, Gewinn oder Verlust, Zunahme oder Abnahme, alles passiert nur mit Seinem Willen. Was Allah will, geschieht und was Er nicht will, passiert nicht. Er macht, was Er will und kein Geschöpf kann Seinen Willen zurückweisen und keiner kann Sein Urteil ändern. (Imam al-Maghnisawi 1904, 35.)

Man muss wissen, dass alle Geschehnisse (Hawadith) mit dem Willen Allahs passieren und es undenkbar ist, dass etwas im Diesseits oder im Jenseits geschieht, ohne Allahs willen. Der Beweis dafür ist die Tatsache, dass Allah der einzige Schöpfer ist ‘‘Und Allah erschuf euch und das, was ihr tut.‘‘ 39:96 – daraus erfolgt, dass Er das, was Er geschaffen hat, auch will. Es wurde auch im Quran in den folgenden Ayat festgelegt: ‘‘Und hätte Allah es gewollt, hätte Er sie doch alle in der Rechtleitung vereint, so gehöre nicht zu den Unwissenden!‘‘ 6:35 ; ‘‘Und hätte dein Herr es gewollt, bestimmt hätten alle, die auf Erden sind, alle, insgesamt, den Iman verinnerlicht. Willst du etwa die Menschen dazu zwingen, damit sie Mu’min werden?!‘‘ 10:99. (Imam al-Baqillani 2004, 114.)


وأما الفعليةُ: فالتخليقُ والترزيقُ والإنشاءُ والإبداعُ والصنعُ، وغيرُ ذلكَ من صفاتِ الفعلِ

Und die Attribute des Handelns sind: Das Schöpfen (28), das Rizq verteilen (29) [die Versorgung], aus dem Nichts schaffen (30), die Gestaltung und das Kreieren (31) sowie andere Attribute des Tuns. (32)


(28) Imam Ali al-Qari: Alles, was es in dieser Welt und in der anderen Welt gibt, ist von Allah geschaffen. Er hat die Menschen und die Dschinn sowie ihr Rizq erschaffen. Allah sagt:‘‘Allah ist derjenige, der euch erschuf, dann euch Rizq gewährte,‘‘ 30;40 (al-Qari 1998, 85.)

(29) ‘‘Und Ich erschuf die Dschinn und die Menschen nur, um Mir zu dienen. Ich will von ihnen keinerlei Rizq, und Ich will nicht, dass sie Mich speisen. Gewiss, Allah ist der wahre reichlich Rizq-gewährende, Der mit der Allkraft, der Absolut Solide‘‘ 51:56-58

(31) ‘‘Er ist der Erschaffer der Himmel und der Erde‘‘ 2:117; ‘‘Er ist Allah, der Erschaffende, der Existenzverleihende, der Formende. Ihm gehören die Schönsten Namen. Alles, was in den Himmeln und auf Erden ist, lobpreist Ihn. Und Er ist der Allwürdige, der Allweise.‘‘ 59:24

(32) Imam Ali al-Qari: Imam Abu Hanifa erwähnte nur einen Teil der Eigenschaften des Wesens und der und der Handlung, ohne die anderen göttlichen Attribute zu behandeln, weil das Wissen über die erwähnten Eigenschaften dem Gläubigen genügt, um über Allahs Existenz und dessen Eigenschaften bescheid zu wissen. (al-Qari 1998, 89.)

Imam at-Taftazani: Die Ahlu Sunnah sind der Meinung, dass die Namen Allahs nicht auf 99 zu begrenzen sind, sondern dass es viele andere Namen Allahs gibt, die in Quran und Sunnah vorkommen. (Imam at-Taftazani 1998, 4/346 ff.)

Man soll auch keine Namen, welche weder in Quran oder in der Sunnah vorkommen, noch durch einen Konsens bestätigt sind, erfinden.


لم يزلْ ولا يزالُ بصفاتِهِ، وأسماؤُهُ صفةٌ لهُ، لم يحدُثْ لهُ صفةٌ ولا اسمٌ. لم يزلْ عالماً بعلمِهِ، والعلمُ صفتُهُ في الأزلِ. قادراً بقدرتِهِ، والقدرةُ صفةٌ لهُ في الأزَلِ. وخالِقاً بتخليقِهِ، والتخليقُ صفةٌ لهُ في الأزلِ. وفاعلاً بفعلِهِ، والفعلُ صفةٌ لهُ في الأزلِ، والفاعلُ هوَ اللهُ تعالى، والفعلُ صفتُهُ في الأزلِ

Er war und ist (ewig) mit seinen Namen und Attributen. Er hat für sich selbst keinen Namen und kein Attribut geschaffen. (33) Er War seit der Urewigkeit wissend durch sein Wissen und sein Wissen ist ein urewiges Attribut. Er war seit der Urewigkeit mächtig durch seine Macht und seine Macht ist ein urewiges Attribut. Er war redend mit seiner Rede und das Reden ist ein urewiges Attribut. Er war Schöpfer durch seine Fähigkeit zu Schöpfen, und die Fähigkeit zu Schöpfen ist ein urewiges Attribut. Er war handelnd durch sein Handeln, und sein Handeln ist ein urewiges Attribut. (34)


(33) Sheikh al-Maghnisawi: Allahs Wesen sowie die Attribute seines Wesens sind urewig und nicht erschaffen. Allah hat weder einen Anfang noch ein Ende. Wäre ein Attribut Allahs erschaffen, so wäre Er unperfekt im Zeitpunkt, wo er dieses Attribut nicht hätte. (Imam al-Maghnisawi 1904, 35)

Die christliche Vorstellung von der Trinität wird durch diesen Punkt wiederlegt, denn in der christlichen Theologie ist Jesus ‘‘Gottessohn‘‘ , welcher gezeugt, nicht erschaffen ist. Der Zeugungsakt ist aber zeitabhängig, das heißt, in anderen Worten, vor der Zeugung Jesu war Allahs Wesen nicht vollständig. Durch die Ration wird klar, dass die Existenz von Gottes Sohn nach der Existenz des Vater erfolgte. Laut der islamischen Aqida ist es aber unmöglich, weil das Sein von dem, dessen Existenz notwendig ist, von nichts abhängt.

(34) Sheikh al-Maghnisawi: Hier will Imam Abu Hanifa auf die Behauptungen der Mu’tazila antworten, denn sie waren der Meinung die Eigenschaft Allahs sind sein Wesen selbst. Sie behaupteten, Allah ist Wissend und Allmächtig, aber nicht durch ein Wissen oder eine Macht, sondern von sich selbst. Das ist aber gegen den Quran und die Sunnah sowie gegen den Verstand. Denn derjenige, der weiß, hat Wissen und wer allmächtig ist, hat eine Macht. (Imam al-Maghnisawi 1904, 35 f.)


والمفعولُ مخلوقٌ، وفعلُ اللهِ تعالى غيرُ مخلوقٍ، وصفاتُهُ في الأزلِ غيرُ محدثةٍ ولا مخلوقةٍ، فمن قالَ إنها مخلوقةٌ أو محدثةٌ أو وقفَ أو شكَ فيها فهوَ كافرٌ باللهِ

Der Handelnde ist Allah und das Handeln ist ein urewiges Attribut. Das Ergebnis der Handlung ist geschaffen, der Handelsakt ist aber unerschaffen. Seine Attribute in der Urewigkeit sind keine Akzidenzen und nicht geschaffen (35). Wer sagt, dass seine Attribute Akzidenzen sind oder dass sie geschaffen sind, oder er nimmt keine Stellung dazu ein oder er hat Zweifel (36), dann ist er Kafir an Allah. (37)


(35) Da die Akzidenz nicht in der Ewigkeit bestehen kann und da Allah kein Körper ist, wo diese Akzidenzen eintreten können.

(36) Zweifel, dass die Attribute Allahs unerschaffen sind.

(37) Denn das gehört zum Kern vom Tawhid. Man darf nicht an der Urewigkeit Allahs und Seinen Eigenschaften zweifeln. Wenn z.B. jemand an der Urewigkeit der Allmacht zweifelt, ist er kein Muslim mehr, denn so bestätigt er indirekt, dass Allah irgendwann nicht allmächtig war. Oder wenn man daran zweifelt, dass Allah nicht seit der Urewigkeit Sehend oder Wissen usw. war.


و القرآنُ كلامُ اللهِ تعالى في المصاحِفِ مكتوبٌ، وفي القلوبِ محفوظٌ، وعلى الألسُنِ مقروءٌ، وعلى النبيِّ عليهِ الصلاةُ والسلامُ مُنـزَّلٌ، ولفظُنا بالقرءانِ مخلوقٌ، وكتابتُنا لهُ مخلوقةٌ، وقراءتُنا لهُ مخلوقةٌ، والقرءانُ غيرُ مخلوقٍ . وما ذكرَهُ اللهُ في القرءانِ حكايةً عن موسى وغيرِهِ منَ الأنبياءِ، وعن فِرْعَوْنَ وإبليسَ، فإنَّ ذلك كلَه كلامُ اللهِ تعالى إخباراً عنهم، وكلامُ اللهِ تعالى غيرُ مخلوقٍ وكلامُ موسى وغيرِهِ منَ المخلوقينَ مخلوقٌ، والقرءانُ كلامُ اللهِ تعالى فهوَ قديمٌ، لا كلامُهُم

Der Quran ist Allahs Rede (38), in den Büchern niedergeschrieben, in den Herzen bewahrt, und mit den Zungen gelesen, und dem Propheten herabgesandt, unser Aussprechen des Qurans, unsere Niederschrift des Qurans sowie unsere Rezitation sind geschaffen, der Quran ist (aber) unerschaffen (39). Was Allah im Quran erwähnt hat, und zwar über Moses und die anderen Propheten, alayhimu as-salatu wa-salam, über Pharao und Satan, all das ist die Rede Allahs sowie eine Benachrichtigung (von Ihm) über sie. Die Rede Allahs ist unerschaffen, die Rede von Moses und den anderen Geschöpfen ist erschaffen. Der Quran ist die Rede Allahs. Er ist urewig im Gegensatz zu der Rede der Geschöpfe. (40)


(38) Imam Ali al-Qari: Hier ist al-Kalam an-Nafsi gemeint. (al-Qari 1998, 92.)

Das heißt, die Eigenschaft, die im Wesen Allahs ist. Die innere Rede, dessen Wahrheit wir nicht begreifen können, genauso wie die anderen Eigenschaften Allahs. Wer behauptet, Allahs Rede ist auf Erden, der glaubt an die Inkarnation, genauso wie die Christen, welche behaupten, dass Allahs Wort verkörpert wurde.

(39) Imam Abu Hanifa: Wir bestätigen, dass der Quran Allahs unerschaffene Rede ist, und dass sie Seine Offenbarung und Herabsendung ist. Wir sagen nicht, der Quran ist Allah oder der Quran ist nicht Allah – vielmehr ist er ein Attribut Allahs. Er ist in den Masahif (Büchern) niedergeschrieben, in den Herzen bewahrt, und mit den Zungen gelesen aber nicht in diese inkaniert. Die Tine, das Papier, die Schrift – all das ist erschaffen, denn sie sind Handlungen der Menschen. Die Rede Allahs ist aber unerschaffen. Die Schrift, die Buchstaben, die Wörter und die Ayat sind Hinweise auf den Quran, da die Menschen sie (diese Mittel) brauchen (um die Rede Allahs wahrzunehmen). Die Rede Allahs hängt mit seinem Wesen zusammen. Die Bedeutung dieser Rede wird verständlich durch diese Mittel. Wer sagt Allahs Rede ist erschaffen, der ist Kaifr. (Imam Abu Hanifa, al-Wassiya 2004, 636.)

(40) Wortwörtlich: nicht wie ihre Rede. ‘‘ihre‘‘ bezieht sich auf die Geschöpfe.


وسمِعَ موسى كلامَ اللهِ تعالى:{ وكلَّمَ اللهُ موسى تكليماً } وقدْ كانَ اللهُ تعالى متكلماً، ولم يكنْ كلمَ موسى، وقدْ كانَ اللهُ تعالى خالقاً في الأزلِ ولم يخلقْ الخلقَ { ليسَ كمثلِهِ شىءٌ وهوَ السميعُ البصيرُ} فلما كلمَ اللهُ موسى، كلمَهُ بكلامِهِ الذي هوَ لهُ صفةٌ في الأزلِ،

Moses hat die Rede Allahs gehört, wie es im Quran steht: {und Allah richtete eine Rede an Moses} (41). Allah war redend, bevor Er mit Moses redete.(42) Er war (auch) in der Urewigkeit schaffend, bevor Er etwas geschaffen hat. {Nichts gibt es Seinesgleichen; und Er ist der Allhörende, der Allsehende}. (43) Als Er mit Moses geredet hat, so war das mit Seiner urewigen Rede, die ein urewiges Attribut von Ihm ist.


(41) Sure 4 Aya 164

(42) Imam Ali al-Qari: Wie schon erklärt, Allah war immer Redend, weil die Eigenschaft Rede seit der Urewigkeit mit dem Wesen Allahs, genauso wie die anderen Eigenschaften, besteht. Die Wahrheit dieser Rede kann man nicht begreifen, denn sie ist ein göttliches Attribut, welche den Attributen der Geschöpfe nicht ähnelt. Die Fähigkeit, Allahs Rede wahrzunehmen, wurde in Moses erschaffen, damit er diese in der Ewigkeit bestehende Rede hören konnte. (al-Qari 1998, 94.)

Wisse, dass unser Prophet (Sallallahu alayhi wa sallam) auch direkt von Allah ohne Vermittler angesprochen wurde. Während der Himmelfahrt hat er direkt von Allah eine Offenbarung bekommen ohne die Vermittlung von dem Engel Gabriel.

(43) Sure 42 Aya 11


يعلمُ لا كعلمِنا، يَقْدِرُ لا كقدرَتِنا، يَرَى لا كرؤيَتِنا، يتكلمُ لا ككلامِنا، ويسمعُ لا كسمعِنا. نحنُ نتكلمُ بالآلاتِ والحروفِ، واللهُ تعالى يتكلمُ بلا حروفٍ ولا آلةٍ. والحروفُ مخلوقةٌ، وكلامُ اللهِ تعالى غيرُ مخلوقٍ

All seine Attribute sind urewig, im Gegensatz zu den Attributen der Geschöpfe.(44) Er ist wissend, aber nicht wie wir wissen (45) , Er ist mächtig aber nicht wie unsere Macht (46) , und Er sieht, aber nicht wie wir sehen, und hört, aber nicht wie wir hören (47). Er redet, aber nicht, wie wir reden. Wir reden mittels Sprechorgane und Buchstaben. (48) Allah redet aber ohne Sprechorgane und Buchstaben. Die Buchstaben sind erschaffen, die Rede Allahs ist aber unerschaffen.


(44) Imam Ali al-Qari: Die Gemeinsamkeit zwischen den Eigenschaften Allahs und denen der Geschöpfe besteht nur im Wortlaut. Sonst ist die Wahrheit dieser Eigenschaften anders. (al-Qari 1998, 107.)

(45) Imam Ali al-Qari: Unser Wissen ist durch die Denkkraft und Vorstellung erworben und es ist wegen dem begrenzten Verstand relativ. Allah aber kennt die Wahrheit von allen Sachen bis ins kleinste Detail und Sein Wissen besteht seit der Urewigkeit und wird nie vergehen. (Ibid.)

(46) Imam Ali al-Qari: Unsere Macht ist begrenzt. Wir können nur bestimmte Sachen tun, und zwar nur, wenn Allah uns die Macht dazu verleiht. (Ibid.)

(47) Allah braucht keine Seh- oder Hörorgane, um zu sehen bzw. zu hören. Seine Wahrnehmung von allem Sichtbaren und Hörbaren ist urewig. Er sieht alles, was es zu sehen gab, gibt und geben wird, unabhängig, ob diese Sachen existiert haben, existieren oder existieren werden. Denn Seine Eigenschaften sind wie Sein Wesen unabhängig von der Zeit. Allah sagt im Quran:‘‘Gewiss, Allah ist Allhörend, Allsehend.‘‘ 58:1 ‘‘Gewiss, bereits hat Allah das Gerede derjenigen gehört, die gesagt haben: Gewiss, Allah ist arm und wir sind reich.‘‘ 3:181 ‘‘Ich bin mit euch beiden, Ich höre und sehe.‘‘ 20:46 ‘‘Oder denken sie etwa, dass Wir ihr Geheimnis und ihre heimliche Unterredung nicht hören?! Doch, mit Sicherheit!‘‘ 43:80

(48) Das ist etwas Selbstverständliches für den Verstand Benutzenden unter den Menschen. Aber der Imam betont diesen Punkt, weil es Leute gibt, die darauf beharren, dass Allahs Rede aus Buchstaben und Lauten besteht. Die Meinung von Imam Abu Hanifa ist klar in diesem Zusammenhang und gibt uns die Aqida der Salaf wider.

Imam Ali al-Qari: (Wir reden mittel Sprechorganen und Buchstaben) Das heißt, die Buchstaben benötigen einen Hals, eine Zunge, Lippen und Zähne. (al-Qari 1998, 109.

Sie sind, wie schon erwähnt von der Zeit abhängig. Das heißt, ein Buchstabe kann nicht in der Ewigkeit bestehen, denn er vergeht direkt nach der Aussprache des nächsten Buchstaben.

Abu Nu’aym überlieferte in al-Hulya, dass Imam Ali b. Abi Talib gesagt hat:‘‘Allah hat mit Moses ohne Sprachorgane oder Lippen und Zunge geredet, erhaben ist Er über die Begrenzung seiner Eigenschaften.‘‘ (Imam Abu Nu’aym 1988, 77-73.)


وهو شىءٌ لا كالأشياءِ، ومعنى الشىءِ إثباتُهُ بلا جسمٍ ولا جوهرٍ ولا عَرَضٍ، ولا حدَّ لهُ، ولا ضدَّ لهُ، ولا ندَّ له، ولا مِثلَ لهُ.

Er ist ein ”Etwas” nicht wie die anderen Dinge (49). Mit ”Etwas” ist gemeint, Er ist kein Körper, keine Substanz (50) und keine Akzidenz (51). Er hat keine Begrenzung (52), kein Gegenteil (53), kein Rivalen und nichts ist wie Er.


(49) Imam Ali al-Qari: Mit Etwas ist gemeint, dass Er mit Seinem Wesen und Seinen Attributen existiert. Aber Er ist nicht wie die anderen existenten Sachen. Allah ist anders als alles, was man sich denken kann. Mit ‘‘Etwas nicht wie die anderen Dinge‘‘ ist gemeint, Er ist in keinem Ort und Er ist über die Zeit erhaben, weil Ort und Zeit selbst Seine Geschöpfe sind. Er war in der Urewigkeit existent und mit Ihm gab es nichts. (al-Qari 1998, 117.)

Dieser Punkt ist gerade in den westlichen Gesellschaften wichtig, denn es gibt viele, die, wenn man sie fragt, ob sie an Allah glauben oder nicht, darauf antworten: Ja, ich glaube schon an ‘‘Etwas‘‘, aber nicht an Jesus. Die menschliche Natur hat Schwierigkeiten mit der Vermenschlichung Allahs. Wenn dieser Nicht-Muslim die Glaubenslehre des Islam liest, dann findet er, dass dieses ‘‘etwas‘‘, woran er glaubt, eigentlich nichts anders als Allah ist. Der Erhabene Schöpfer von Allem, welcher gänzlich anders als Seine Schöpfung ist.

(50) Denn wäre Allah ein Körper so wäre Er begrenzt und somit hätte Er eine Gestalt, da die Gestalt die Verformung der Begrenzungen eines Körpers ist.

Imam at-Taftazani: Allah existiert in keiner Himmelsrichtung, denn wäre Der, dessen Existenz notwendig ist, in einer Richtung gewesen, so müsste die Richtung auch notwendig und ewig sein. Denn es kann keinen Richtungsnehmenden ohne Richtung geben, das ist unmöglich, weil alles, außer Dem, dessen Existenz notwendig ist, erschaffen wurde. (Imam at-Taftazani 1998, 4/45.)

Und wäre Allah ein Körper, so würde Er einen Ort brauchen und wenn Er in einem Ort wäre, so würde Seine Existenz vom Ort abhängen. Der, dessen Existenz notwendig ist, braucht nichts, um zu existieren. Wenn man Allah einen Ort zuschreibt, dann müsste der Ort auch ewig sein. Wir wissen aber, dass nur Allah, der Einzige ist, der in der Urewigkeit existierte.

Manche behaupten, Allah wäre mit Seinem Wesen auf dem Thron, wenn man sie aber fragt, Ihr schreibt Allah einen Ort zu, dann sagen sie, Nein über dem Thron gibt es keinen Ort. Siehe, wie widersprüchlich ihre Aussage ist. In einem Satz bestätigen sie sowohl den Ort als auch seine Negation. Sie sagen Er ist ‘‘über‘‘, doch jeder Verstand Besitzende weiß, dass ‘‘über‘‘, sofern es nicht für den Rang oder Stellung benutzt wird, als lokale Präposition benutzt wird.

Der Glaube, dass Allah ohne Ort existiert, gerät nicht in Widerspruch mit den Ayat, in denen Istiwa erwähnt ist, wenn man Istiwa so versteht wie es Allah gebührt.

(51) Die Akzidenz ist ein Geschehnis, welches bei einem Körper eintritt, wie z.B. Die Bewegung und die Stille, oder wie die Wut und die Freude usw. Eine Akzidenz kann nicht in sich existieren, sondern sie benötigt einen Körper. Allah ist aber keine Akzidenz, denn wäre Er eine gewesen, so würde Er ein äußerliches Wesen benötigen, um zu existieren. Dieses Wesen, was zwangsläufig nicht Allah ist, müsste auch ewig sein, und das ist unmöglich. Alles im Universum, was keine Substanz ist, ist eine Akzidenz. Ein Vater z.B. ist ein Mensch mit dem Attribut Vaterschaft. Der Mensch ist die Substanz (Körper) und die Eigenschaft ‘‘Vaterschaft‘‘ ist die Akzidenz.

(52) Imam Ali al-Qari: Das heißt, Er hat keine Grenze und kein Ende. (al-Qari 1998,119.) Die Begrenzung ist ein Attribut der Körper, und es steht fest, dass Allah kein Körper ist. Seine Existenz ist absolut und unterscheidet sich radikal von der Existenz der Geschöpfe. Denn die Wahrheit des Schöpfers ist anders als seine Geschöpfe.

(53) Allah kann keinen Rivalen oder Bestreiter haben, den Er ist der einzige Allah, der einzige Schöpfer, dessen Wille sich immer durchsetzt. Er ist der Allmächtige, der Seinen Geschöpfen die Macht gibt. ‘‘Sag: Allah ist der Schöpfer allen Seins, und Er ist der Einzigartige, der Allbezwingende.‘‘ 13:16 ‘‘Allah ist Seinen Dienern gegenüber allgütig. Er gewährt Rizq, wem er will. Und Er ist der Allkräftige, der Allwürdige.‘‘ 42:19


ولهُ يدٌ ووجهٌ ونفسٌ كما ذكرَهُ اللهُ تعالى في القرءانِ، فما ذكرَهُ اللهُ تعالى في القرءانِ، منْ ذكرِ الوجهِ واليدِ والنفسِ فهو لهُ صفةٌ بلا كيفٍ، ولا يقالُ إنّ يدَهُ قدرتُهُ أو نعمتُهُ، لأنَّ فيهِ إبطالُ الصفةِ، وهوَ قولُ أهلِ القَدَرِ والإعتزالِ، ولكنْ يدُهُ صفتُهُ بلا كيفٍ، وغضبُهُ ورضاهُ صفتانِ من صفاتِهِ بلا كيفٍ.

„Er hat ein Yad und Wadsch und Nafs wie Er im Quran erwähnt hat (54). Was Allah im Quran erwähnt hat, und zwar Yad, Wadsch und Nafs, sind Attribute von Ihm ohne ein „Wie“ zu haben. (55) Man sagt nicht: Sein Yad ist Seine Macht oder Seine Gabe, denn das wäre eine Verleugnung des Attributes. Stattdessen ist Sein Yad ein Attribut von Ihm ohne ein „Wie“ zu haben (56). Sein Zorn und Wohlgefallen sind auch von Seinen Attributen ohne ein “Wie“ zu haben. (57)


(54) „Yad“ heißt wortwörtlich Hand, aber in der arabischen Sprache ist das Wort „Yad“ mehrdeutig – dasselbe gilt für „Wadsch“ (Gesicht) und „‘Ayn“ (Auge) und „Nafs“ (Seele).

(55) Denn das „Wie“ ist eine Eigenschaft der Geschöpfe.

(56) Hier lehnt Imam Abu Hanifa den Ta’wil (die Interpretation) dieser Eigenschaften, wie die Mu’tazila es verstanden haben, ab. Es ist keine totale Ablehnung von Ta’wil. Die Mu’tazila waren der Meinung, dass „Yad“ z.B. ausschließlich nur Macht oder Gabe heißen kann, da sie, wie schon erklärt, Allahs Wesen keine Eigenschaften zuschreiben. Imam Abu Hanifa vertritt die Methode der Salaf as-Salihin bezüglich solch problematischer Begriffe. Die Salaf waren der Meinung, dass man die wortwörtliche Bedeutung, welche zur Vermenschlichung Allahs führen kann, negieren und die Bedeutung des Begriffes Allah überlassen soll. Diese Methode wird Tafwid genannt.

Imam Abu Hanifa sagt: Allahs „Yad“ ist nicht wie die Hände der Geschöpfe, sie ist kein Körperglied. Vielmehr ist Er subhana wa ta’ala der Schöpfer der Hände. (Imam Abu Hanifa, Al-Fiqh al-Absat 2004, 613.)

Die späteren Gelehrten haben häufiger Ta’wil benutzt, da es in ihrer Zeit Sekten gab, die diese Begriffe wortwörtlich verstanden haben. Damit sie die ‘Aqida der einfachen Muslime beschützen, haben sie diese Wörter je nach Zusammenhang detaillierter erklärt. Der Unterschied zwischen den späteren Gelehrten der Ahlu Sunnah und den Gelehrten der Mu’tazila , die Imam Abu Hanifa in Fiqh al-Akbar erwähnte, besteht erstens darin, dass die Ahlu Sunnah nicht immer „Yad“ mit Macht oder Gabe erklären und zweitens negieren sie nicht die Eigenschaft wie die Mu’tazila. Sie leugnen nicht, dass eine Eigenschaft, die „Yad“ heißt und deren Wahrheit uns unbekannt ist, existiert.

Über die Aya: ‘‘ER sagte: „Iblis! Was hinderte dich daran, die Niederwerfung vor dem zu vollziehen, den Ich mit Meiner eigenen „Yad“ erschuf?! Hast du dich in Arroganz erhoben, oder warst du von den Hochmütigen?!“ 38:75

Imam Al Bayhaqi sagte: Man darf „Yad“ hier nicht als Körperglied verstehen,denn der Schöpfer ist Eins und besteht nicht aus Teilen, und man soll sie auch nicht mit Macht, Herrschaft oder Gabe interpretieren, denn so wird kein Privileg mehr für Adam bestehen. Es bleibt nur, daran zu glauben, dass diese Eigenschaft als Privileg für Adam mit seiner Schöpfung und nicht mit der von Satan im Zusammenhang steht. Sie steht auch, wie in anderen Ahadith überliefert ist, mit der Niederschreibung der Thora und der „Pflanzung“ der Bäume für die Bewohner des Paradieses im Zusammenhang. Wir haben aber andere Ahadith überliefert, wo man „Yad“ je nach Kontext mit Macht, Herrschaft, Barmherzigkeit oder Gabe interpretieren kann. (Imam al-Bayhaqi, al-Asma wa- Sifat 2004, 418.)

Imam Ibn Hadschar listete mehr al 25 Bedeutungen für den Begriff „Yad“ auf. Er erwähnte u.a. das Körperglied, die Macht z.B.: ‘‘Dawud, der Besitzer von Aydi“ 38:17 (Aydi ist Pl. Von ‘‘Yad“), die Herrschaft z.B.: ‘‘und dass die Gunst gewiss ALLAHs ‚Yad‘ unterliegt“ (Hier wurde Gunst mit Herrschaft interpretiert ), den Pakt z.B.: ‘‘die ‚Yad‘ Allahs ist über ihren Händen.“ 48:10, die Erniedrigung z.B.: ‘‘bis sie die Dschizya in Ergebenheit. (mit Yad geben) entrichten.“ 9:29 (Imam Ibn Hadschar 2003, 855.)

Der wahre Weg der Salaf ist der ‘‘Tafwid‘‘. Die Salaf und die späteren Gelehrten sind darüber einig, dass Begriffe wie ‘‘Yad‘‘ ‚ ‘‘Wadsch‘‘ usw. nicht wortwörtlich zu verstehen sind.

Imam ar-Razi sagt über die Aqida der Salaf: Die Zusammenfassung des Wegs der Salaf ist: Man Soll daran glauben, dass nicht die wortwörtliche Bedeutung der Mutashabih (mehrdeutigen) Begriffe von Allah gemeint ist. Man muss ihre Erklärung Allah überlassen und sie nicht erklären. (Imam ar-Razi 2001, 236.)

Imam as-Suyuti erklärt die Methodik der Salaf wie folgt: Die Mehrheit der Ahlu Sunnah, darunter die Gelehrten der Salaf und die Hadithgelehrten, sind der Meinung, man muss an diese Texte glauben, und ihre Bedeutung Allah überlassen und sie nicht eklären, mit der Negierung der wortwörtlichen Bedeutung. (Imam as-Suyuti, Al-Itqan fi-Ulum al-Quran 2003, 2/10.).

Ähnliche Darstellungen von der Methodik der Salaf wurden von Imam an-Nawawi in Sharh Sahih Muslim (Imam an-Nawawi 2004, 6/376.), von Imam Ibn Hadschar in Fath al-Bari (Imam Ibn Hadschar 2003, 2/158.) und Imam al-Badschuri in Sharh Dschwharat at-Tawhid (Imam al-Badschuri 2007, 103-106.)

Die Wahabiyya werfen den Ahlu Sunnah vor, dass wenn man die Bedeutung Allah überlässt, man indirekt bestätigt, dass es im Quran unverständliche Stellen sowie bedeutungslose Ayat geben würde, wobei aber Allah sagt: Dieser Quran ist eine vom Herrn der Welten herabgesandte Offenbarung. Damit kam der treue Geist (Gabriel) herab in dein Herz, damit du einer der Warner sein mögest in klarer arabischer Sprache. 26:192-195

Wer sowas behauptet, hat noch nicht die Methodik der Ahlu Sunnah begriffen. Denn keiner von den Gelehrten der Ahlu Sunnah hat behauptet, dass die Ayat, in denen es mehrdeutige Begriffe gibt, bedeutungslos sind. Die Salaf haben sehr wohl diese Ayat verstanden und ihre Bedeutung gekannt. Man muss zwischen der Bedeutung des Verses in Bezug auf seinen Zusammenhang und der Bedeutung von einzelnen Wörtern, die im Aya oder im Kontext vorkommen unterscheiden. Begriffe wie ‘‘Yad‘‘ , ‘‘Istiwa‘‘, ‘‘Wadsch‘‘ usw. sind verständlich in ihrem Zusammenhang. Man versteht, was Allah uns in diesem oder dem Aya sagen will. Aber diese Begriffe aus ihrem Kontext zu nehmen und sie wortwörtlich zu verstehen, das ist für wahr der Weg des Anthropomorphisten. Die Salaf haben nicht die Ayat auseinander genommen und nach den mehrdeutigen problematischen Begriffen nachgeforscht, sondern sie haben darüber geschwiegen und gesagt:‘‘Jedoch ihre (genaue) Auslegung kennt nur Allah und die im Wissen fest Verankerten, sie sagen:‘‘Wir haben den Iman daran verinnerlicht, alles ist von unserem Herrn.‘‘ 3:7.

Imam Sha’rani erwähnte in al-Yawaqit, dass die Mehrheit der Gelehrten der Aqida, der Meinung sind, dass man die allgemeine offensichtliche Bedeutung der Aya bestätigen muss. (Imam ash-Sha’rani, Al-Yawaqit wal-dschwahir fi-Bayan aqaid al-Akabir 1998, 141.)

Dies gerät nicht in Widerspruch mit der Methodik der Salaf, denn wie gesagt, die offensichtliche Bedeutung ist klar, aber manche einzelne Begriffe oder Teile einer Aya sind unklar, wenn man sie aus dem Zusammenhang nimmt.

Sie Salaf haben also nur die Bedeutung der einzelnen Eigenschaften wie ‘‘Yad‘‘ oder ‘‘Wadsch‘‘ Allah überlassen. Die Mu’tazila haben die Eigenschaften  total negiert und haben dafür endgültige Interpretationen gegeben, die Anthropomorphisten haben sie wortwörtlich verstanden und manche spätere Gelehrte der Ahlu Sunnah sowie eine kleine Zahl der Salaf haben diese Eigenschaften interpretiert ohne Negierung der Attribute und ohne zu sagen, dass diese Interpretation endgültig ist, sondern dass es nur eine Annäherung ist, um den Text besser zu verstehen oder um die Irrlehren der Anthropomorphisten und Mu’tazila zurückzuwerfen. Nun muss die Methodik des ‘‘Ta’wil‘‘ (Interpretation) erklärt werden, denn es wird darüber von den heutigen Vertretern der Wahhabiyya vieles propagiert.

Wie in der Sprachwissenschaft bekannt, kann ein Wort eine, zwei oder mehrere Bedeutungen haben. Diese Bedeutungen können ‘‘wortwörtlich‘‘ (Haqiqa) oder metaphorisch (Madschaz) sein.

Der Hadith- und Sprachgelehrte Murtada az-Zabidi sagt über den Ta’wil: Die Wahrhaftigkeit des Islam hängt von der Wahrhaftigkeit der Wunder der Gesandten ab. Dies kann nur der Verstand bezeugen. Wenn die Offenbarung also etwas bringt, das dem Verstand widerspricht, während der Verstand der Zeuge deren Wahrheit ist, so wird sowohl die Offenbarung als auch der Verstand ungültig. Wenn diese Einleitung feststeht, dann sagen wir: Jeder Begriff, welcher in der Offenbarung vorkommt und auf das Göttliche Wesen angewandt wird, sei es ein Name oder ein Attribut und welcher in Widerspruch mit dem Verstand kommt, nennt man Mutaschabih (Mehrdeutig). Dieser ist entweder mehrfach überliefert (Mutawatir) oder einfach (Ahad). Wenn diese Überlieferung von Ahad überhaupt nicht interpretierbar ist, dann sind wir sicher, dass sie nicht gemeint ist. Wenn der Text mehrfach überliefert ist, dann ist es unmöglich, dass er nicht intertpretierbar sein kann. Er muss u.a. eine offensichtliche Bedeutung haben, in diesem Fall sagen wir, dass die Bedeutung, die sich mit dem Verstand widerspricht, nicht gemeint ist. Dann, wenn der Text nur eine einzige andere Bedeutung hat, wird klar, dass die Erklärung die gemeinte ist. Wenn er aber mehr als eine Bedeutung hat, hat man in diesem Fall entweder einen absoluten Beweis, durch welchen wir eine Erklärung bevorzugen können oder man hat keinen klaren Beweis. Hier stellt sich die Frage, darf man mit eigener Ischtihad (Anstrengung um ein Urteil zu treffen) eine Erklärung bevorzugen oder darf man nicht. Die erste Methode ist der Weg der späteren Gelehrten, der zweite Weg ist die Meinung der Mehrheit der Salaf. (Imam az-Zabidi 1994, 105 f.)

Wie man sieht, trennen die Wege sich erst, wenn der Text mehrere Bedeutungen haben kann. Falls der Text nur zwei Bedeutungen hat oder falls man einen klaren Beweis hat, durch welchen man dem Text eine von den vielen Erklärungen geben kann, die für ihn zutreffen können, dann gibt es bezüglich dieser Art von Interpreatation keinen Meinungsunterschied. Der Ta’wil von verschiedenen Stellen im Quran wurde von den Salaf überliefert. Wie die Interpretationen von Sayyiduna Ibn Abbas, al-Hasan, Mudschahid, as-Suddiy, ad-Dahhak, Qatada, Sa’d b. Dschubayr, at-Tabari, Imam Ahmad und anderen .

Es bleibt zu sagen, der Methode der Salaf zu folgen ist der sichere Weg. Das heißt, nicht nach der Erklärung der mehrdeutigen Begriffen nachzuforchen. Man muss einfach glauben, dass sie auf keinen Fall Körperglieder oder Eigenschaften, wie die von den Menschen, sind und ihre Wahrheit Allah überlassen. Wir sind nicht damit beauftragt, die Wahrheit der Attribute Allahs zu begreifen. Der Ta’wil wird nur benutzt, wenn man Angst hat, in die Vermenschlichung Allahs zu geraten. Außerdem soll man nicht selber interpretieren, sondern der Interpretation großer Gelehrter folgen.

(57) Sheikh al-Maghnisawi: Nicht wie unser Zorn und Wohlgefallen. Denn sie sind bei uns psychische Zustände, die mit dem Temperament zusammenhängen. (Imam al-Maghnisawi 1904, 42.)


خلقَ اللهُ تعالى الأشياءَ لا منْ شىءٍ . وكانَ اللهُ تعالى عالماً في الأزَلِ بالأشياءِ قبلَ كونِـها، وهوَ الذي قدّرَ الأشياءَ وقضاها، ولا يكونُ في الدنيا ولا في الآخرةِ شىءٌ إلا بمشيئتِهِ وعلمِهِ وقضائِهِ وقدرِهِ

Allah schuf die Dinge aus dem Nichts (58). Er hatte Wissen über diese Dinge in der Urewigkeit, bevor sie in die Existenz kamen. Er ist derjenige, Der die Sachen bestimmt und entschieden hat (59). Nichts passiert im Diesseits oder im Jenseits außer mit seinem Willen, Wissen, Bestimmung und Entscheidung (60).


(58) Allah sagt im Quran:‘‘Er ist der Schöpfer (aus dem Nichts/ Fatir) der Himmel und der Erde.‘‘ 42:11. Darin liegt eine Antwort auf die Atheisten und Philosophen, die glauben, dass die Materie urewig wäre. Kein Atom hat sich selbst erschaffen, und ob dieses Atom sich bewegt oder still hält, wobei diese zwei Zustände möglich sind, kann das Atom selbst nicht entscheiden, damit steht fest, dass es eine höhere Macht gibt, die zwangsläufig nicht die Natur ist, welche dies bestimmt hat.

(59) Imam Ali al-Qari: Allah hat alles mit Seinem Willen bestimmt und alles mit Seiner Weisheit entschieden. Das ist Seine Aussage:‘‘Verfügt etwa Derjenige, der erschuf, nicht über Wissen?‘‘ 67:14 (al-Qari 1998, 130.)

(60) Imam Ali al-Qari: Das heißt, alles, was im Universum passiert, sei es gut oder böse, ist von Allah gewollt. Imam Abu Hanifa sagt in dem Buch al-Wasiyya: Wir bezeugen, dass das Gute und das Böse von Allah ist. Es steht im Quran:‘‘Sag: Alles ist von Allah.‘‘ 4:78. Derjenige, der behauptet, die Bestimmung des Guten und des Bösen wäre nicht von Allah, ist Kafir. (Ibid.)

Man hört oft von Nichtmuslimen die Frage, warum es Leid auf der Erde gibt oder warum es Armut und Kriege gibt. In diesem Zusammenhang muss man berücksichtigen, dass es keine absolute Bosheit gibt. Das heißt eine Sache kann nie schlecht für die ganze Existenz sein. Alles beinhaltet eine Weisheit von Allah, die manchmal erkennbar ist und manchmal nicht. Dieses Leben ist laut islamischer Aqida vergänglich und ist kein Ort, wo man in Ewigkeit bleiben wird. Das wahre Leben fängt erst nach dem Tod an. Allah sagt:‘‘Und dieses diesseitige Leben ist nichts anderes außer Vergnügen und sinnlosem Treiben. Und gewiss, die jenseitige Wohnstätte ist doch das wahre Leben, würden sie es nur wissen!‘‘ 29:64. Gäbe es kein Leben nach dem Tode, so wäre es (laut unserer Vorstellung von Gerechtigkeit) ungerecht, dass manche reich und andere arm sind. Aber die Tatsache, dass es ein nächstes Leben gibt, wo Allah jeden zur Rechenschaft ziehen wird, und jeden nach seinem irdischen Leben fragen wird, zeigt uns, dass Reichtum oder Armut nicht die Gründe sind, warum wir auf Erden sind. Der Besitz ist nur eine Prüfung von Allah. Er ist nicht das Ziel. Wer nach den materiellen Sachen strebt und materialistisch denkt, der wird natürlich Armut als ungerecht sehen. Allah sagt:‘‘Die Ungläubigen werden durch das scheinbar schöne Leben auf Erden verführt. Sie machen sich lustig über die Gläubigen. Diese werden aber über ihnen stehen am Tag der Auferstehung. Allah gibt uneingeschränkt, wem Er will, ohne zu rechen.‘‘ 2:212 Wenn man tiefsinnig sieht, und die Wahrheit des Diesseits erkennt und nach dem Wohlgefallen Allahs strebt, erkennt man, dass sowohl Reichtum als auch Armut eine schwere Prüfung sein können. Der Reiche, wenn er den Armen nicht hilft und ein Anteil von seinem Besitz gemäß der göttlichen Offenbarung nicht gibt und sein Geld nicht durch erlaubten Quellen erhält, der hat die Prüfung genauso nicht bestanden, wie der Arme, der keine Standhaftigkeit gezeigt hat und Allah nicht dennoch für alles gedankt hat. Allah sagt:‘‘Euer Vermögen und eure Kinder sind eine Versuchung. Bei Allah allein ist großer Lohn.‘‘ 64:15 und er sagt: “ Jedes Lebewesen wird den Tod erfahren! Und Wir prüfen euch mit dem Bösen und mit dem Guten als Versuchung. Und zu Uns werdet ihr zurückgebracht“. Siehe, wie Allah das Gute auch als Versuchung bezeichnet ht. Wir sind au dieser Erde nicht um irdischen Nutzen zu ersuchen. Das Leid bleibt nur relativ. Jeder hat seine Vorstellung von Leid. Hier spielt der Glaube an Allah die wesentliche Rolle. Denn wenn jemand für Allah lebt, dann bedeutet Leid für so jemanden, dass er von Allah fern ist oder gegen Seine Gebote handelt. Man darf dies nicht falsch verstehen und denken, dass der Islam das Leben als Leid versteht, wie es ostasiatische Religionen predigen. Der Gesandte Allahs hat uns gesagt:“Lebt für das Jenseits, als ob ihr morgen sterbt und lebt für euer Diesseits, als ob ihr ewig lebt.“ (Imam as Suyuti, al-Dschami Saghir 2006,77.)

Das Verworfene ist, wenn man nur für das Diesseits lebt. Es ist nicht verboten, seine Lebensbedingung verbessern zu wollen, solange die Mittel erlaubt sind und solange man dadurch das Wohlgefallen Allahs ersucht. Aber wenn Allah seinen Diener sowohl mit Reichtum als auch mit Armut oder sowohl mit Gesundheit als auch mit Krankheit versucht, so muss der Diener immer in Ergebenheit (Islam) bleiben und die Handlung, die von ihm je nach Zustand verlangt ist, verrichten. Denn das ist fürwahr der Sinn des Lebens. Der Sinn des Lebens ist, was wir aus unserem Leben machen werden. „Und Ich erschuf die Dschinn und die Menschen nur, um Mir zu dienen.“ 51:56 „Halte deine Angehörigen zum Gebet an und befleißige dich dabei der Geduld!. Wir verlangen von dir keinen Unterhalt. Wir sind es, Die dich versorgen . Der Frömmigkeit gebührt das gute Ende.“ 20:132


وكتْبِهِ في اللوحِ المحفوظِ ولكنْ كتبُهُ بالوصفِ لا بالحكمِ. والقضاءُ والقدرُ والمشيئةُ صفاتُهُ في الأزلِ بلا كيفٍ، يعلمُ اللهُ تعالى المعدومَ في حالِ عدمِهِ معدوماً، ويعلمُ أنهُ كيفَ يكونُ إذا أوجدَهُ، ويعلمُ اللهُ تعالى الموجودَ في حالِ وجودِهِ موجوداً، ويعلمُ أنهُ كيفَ يكونُ فناؤُهُ، ويعلمُ اللهُ تعالى القائمَ في حالِ قيامِهِ قائماً، وإذا قَعَدَ عَلِمَهُ قاعداً في حالِ قعودِهِ منْ غيرِ أنْ يتغيرَ علمُهُ، أو يحدُثَ لهُ علمٌ، ولكنّ التغيُرُ واختلافَ الأحوالِ يحدثُ في المخلوقينَ.

Er schrieb das Ganze in Allawh al-Mahfuz und zwar als Beschreibung, nicht als Urteil (61) . Seine Bestimmung, Entscheidung und Wille sind urewige Attribute von Ihm, ohne ein “Wie“ zu haben (62). Allah weiß, dass das Nichtexistente, während es in der Nichtexistenz ist, nicht existiert, und Er weiß, wie es wäre, falls Er es in die Existenz bringt. Und er weiß, dass das Existierende, während es in der Existenz ist, existiert, und Er weiß, wie seine Auslöschung aussehen wird. Er weiß, dass der Stehende, während er steht, stehend ist, und wenn er sich sitzt, dann weiß Er, dass er sitzend ist, ohne das Sein Wissen sich ändert, oder dass Er ein neues Wissen bekommt. Die Änderung und die Verschiedenheit geschehen bei den Geschöpfen (63).


(61) Imam Ali al-Qari: Das heißt, Allah schrieb “ es wird so und so passieren “ und nicht“ es soll so und so passieren.“ (al-Qari 1998,132.)

Das ist eine Antwort auf diejenigen , die sagen , da Allah allwissend ist , wusste er doch schon , dass ich diese und jene Sünde machen werde, was ja heißt, ich konnte sie nicht vermeiden. Zu solchem wird gesagt, in dem Zeitpunkt, wo du diese Sünde begangen  hast, wusstest du nicht , ob du sündigen wirst oder nicht. Zweitens wusste Allah zwar, dass du sündigen wirst, aber Er hat dir nicht befohlen zu sündigen. Zwischen etwas wissen und etwas befehlen liegt  ein großer Unterschied.

(62) Imam Ali al-Qari: Das Thema al-Qada´ wal Qadar (Bestimmung und Entscheidung  bzw. Vorherbestimmung) bleibt ein Geheimnis, dessen Wahrheit bei Allah liegt. Der Prophet (Sallallahu alayhi wa sallam) sagte: „Wenn  al Qada´ wal-Qadar erwähnt werden, dann haltet an. Überliefert von Imam Tabarani und Ibn Hadschar (al-Qari 1998,140).

Das heißt, man muss glauben und darüber schweigen. Es genügt zu glauben, dass Allah Allwissend ist und dass alles, was passiert, Sein Wille ist und dass Er Gerecht ist. Seine Handlungen sind voller Weisheit und Gerechtigkeit, auch wenn sie nicht immer erkennbar sind.

(63) Diese Stelle betont die Urewigkeit des Wissens. Das heißt, Allah erwirbt kein neues Wissen. Die Zustände ändern sich bei  den Geschöpfen. Aber bei dem Wissen Allahs geschieht keine Änderung.Damit will der Imam auf manche philosophischen Strömungen seiner Zeit antworten. Die Philosophen behaupteten, dass Allah nicht die Details im Zeitpunkt ihres Geschehens kenne, sie meinten, wenn dies der Fall wäre, so müsste Allah ständig neues Wissen erwerben. Sie trennten nicht zwischen dem Wissen und dem Bewussten. Die Ahlu Sunna haben drauf geantwortet, dass die Änderung der bewussten Sachen nicht zwangsläufig das Wissen ändert. Denn bei dem Wissen Allahs, liegen die Tatsache, dass etwas existieren wird und das es jetzt existiert, auf der gleichen Ebene. Das Problem entsteht, wenn man sich ALLAHs Wissen chronologisch vorstellt. Allah ist aber erhaben über die Zeit. Sein Wissen ist eins, die Änderungen treten letztendlich nur in den Geschöpfen, die zeitabhängig sind, ein. Siehe: (Imam at Taftazani 1998,4/121 ff.)


خلقَ الخَلْقَ سليماً منَ الكفرِ والإيمانِ، ثمَّ خاطبَهُم وأمرهُم ونهاهُم، فكفرَ منْ كفَرَ بفعلِهِ وإنكارِهِ وجحودِهِ الحقَّ بخِذلانِ اللهِ تعالى إياهُ، وءامنَ منْ ءامنَ بفعلِهِ وإقرارِهِ وتصديقِهِ بتوفيقِ اللهِ تعالى إياهُ ونصرتِهِ لهُ.

Allah hat die Schöpfung frei von Kufr oder Iman geschaffen (64), dann hat Er sie (65) angesprochen (66) und ihnen (den Iman und Gehorsamkeit) befohlen und (den Kufr und Ungehorsamkeit verboten, dann haben manche den Kufr selbst gewählt, indem sie die Wahrheit leugneten und negierten, während Allah sie verließ. Andere haben durch ihr eigenes Tun und ihren Glauben (an die Wahrheit) und ihre Akzeptanz (der Wahrheit) mit der Unterstützung von Seiten Allahs den Iman verinnerlicht.


(64) Imam Ali al-Qari: Der Mensch kann sowohl sündigen als auch gehorchen. Allah sagt: “ Er ist es, Der euch erschaffen hat, aber einige unter euch werden ungläubig und andere gläubig. Allah sieht alles, was ihr macht.“ 64:2 (al-Qari 1998, 144 f.)

(65) Scheikh al-Maghnisawi: Wenn sie geschlechtsreif und Verstand besitzend sind. ( Imam Al-Maghnisawi 1904,44.)

(66) Imam Ali al-Qari: Durch die Propheten und Gesandten. (al-Qari 1998, 145.)


خرجَ ذريةَ ءادمَ عليهِ السلامُ من صُلبِهِ على صُوَرِ الذَّرِ، فجعَلَ لهم عقلاً. فخاطبَهُم وأمرَهُم بالإيمانِ ونهاهُم عن الكفرِ فقالَ:{ ألستُ بربِكُم}؟ فأقروا لهُ بالربوبيةِ فكانَ ذلكَ منهُم إيماناً، فهُم يولدونَ على تلكَ الفطرةِ، ومنْ كفرَ بعدَ ذلكَ فقدْ بدّلَ وغيّرَ، ومَنْ ءامنَ وصدّقَ فقدْ ثبتَ عليهِ وداومَ. ولم يُجبِرْ أحداً من خلقِهِ على الكفرِ ولا على الإيمانِ. ولا خلقَهُم مؤمناً ولا كافراً، ولكنْ خلقَهُم أشخاصاً، والإيمانُ والكفرُ فعلُ العبادِ، يعلمُ اللهُ تعالى مَنْ يكفرْ في حالِ كفرِهِ كافراً فإذا ءامنَ بعدَ ذلكَ علمَهُ مؤمناً في حالِ إيمانِهِ، من غيرِ أنْ يتغيرَ علمُهُ وصفتُهُ.

Er ließ die Nachkommen Adams aus seiner Lende hervorgehen (67). Sie waren in Form von Partikeln, die Allah vernünftig machte, dann sprach Er sie an und befahl ihnen den Iman und verbat ihnen den Kufr, dann stimmten sie Seiner göttlichen Herrschaft (Rububiyya) zu (68). Diese Zustimmung war ein Iman von ihnen, und sie kommen auf diese Welt mit dieser Fitra (69). Wer danach Kufr begeht, der hat (diese Fitra) gewechselt und geändert. Wer Iman und Glaube verinnerlicht hat, der hat sich (an diese Fitra) festgehalten und verharrte darin. Er hat keinem Seiner Geschöpfe den Kufr oder Iman aufgezwungen (70). Er hat sie wieder als Mu’min, noch als Kafir geschaffen, sondern Er hat sie als Individuen kreirt (71). Der Iman und der Kufr sind Handlungen der Diener. Allah weiß, dass der Kufr Betreibende, während er im Kufrzustand ist, Kafir ist. Wenn er (später) Iman verinnerlicht, dann weiß Er, während er im Imanzustand ist, dass er Mu’min ist. Er liebt ihn, ohne dass sich sein Wissen und Seine Attribute ändern (72).


(67) Imam Abu Hanifa weist hier auf den Urvertrag hin. Allah sagt im Quran: Und (erinnere daran), als dein Herr von den Kindern Adams, aus ihren Rücken ( Becken) ihre Nachkommenschaft entnahm und sie gegen sich selbst Zeugnis ablegen ließ: “ Bin Ich etwa nicht euer Herr?!“ Sie sagten:“ Doch mit Sicherheit! Wir bezeugen es. “ Also damit ihr am Tag der Auferstehung nicht sagt : „Gewiss, wir waren demgegenüber achtlos“ 7:172 Der Urvertrag hat, laut der bekanntesten Meinung der Gelehrten, neben dem Berg ´Arafa stattgefunden. Dies wurde von Sayyiduna Ibn Abbas überliefert. Alle Menschen haben schon bezeugt, dass Allah der einzige Herr ist. Die Propheten und Gesandten wurden zu uns gesandt, damit sie die Menschheit an diesen Vertrag erinnern.

(68) Manche behaupten, es gäbe drei Arten von Tawhid und zwar der Tawhid Rububiyya (das Bezeugen, dass es nur einen Schöpfer gibt) und der Tawhid von Uluhiyya (das Bezeugen, dass nur Allah anbetungswürdig ist) und der Tawhid der Asmaa wa-Sifat (das Bezeugen, dass Allah keinen Teilhaber in Seinen Namen und Eigenschaften hat). Diese Einteilung war bei den Salaf unbekannt. Es wurde nie vom Propheten (Sallallahu alayhi wa sallam) überliefert, dass er zu den neuen Muslimen gesagt hätte, sie müssen diesen und jenen Tawhid verinnerlichen. Diese Einteilung wurde von Ibn Taymiyya konzipiert und später von seinem Schüler und der modernen Strömüng der Wahhabiyya aufgenommen. Sie meinen, dass die Polytheisten in der Zeit des edlen Propheten (Sallallahu alayhi wa sallam) den Tawhid von Rububiyya schon verinnerlicht haben , aber sie haben andere angebetet und somit  kein Tawhid von Uluhiyya bezeugt. Diese Behauptung  widerspricht aber der oben zitierten Aya. Imam ad-Dadschwi sagt: Denn wäre das Bekenntnis der Rububiyya nicht ausreichend und hätten die Polytheisten tatsächlich den Tawhid der Rububiyya bestätigt, was ihnen laut Definition Ibn Taymiyyas dennoch nichts nützte, dann wäre es sinnlos (Allah bewahre), dass Allah uns Seine Rububiyya bezeugen ließ, und es wäre somit auch sinnlos, dass die Kuffar sagen werden: Gewiss, wir waren demgegenüber achtlos. Laut ihrer (der Wahhabis) Behauptung, hätte Allah den Wortlaut diese Vertrages ändern sollen, sodass feststeht, dass die Kinder Adams den Tawhid von Uluhiyya bezeugen sollten, da der Tawhid von Rububiyya nicht ausreichend ist. Man könnte dies noch weiter ausführen. Es genügt jedoch, festzustellen dass sie Allahs Rububiyya bezeugten. Würden Rububiyya und Uluhiyya nicht zusammengehören, so hätte Allah sie den Tawhid der Uluhiyya zusätzlich bezeugen lassen. (Imam ad-Dadschwi 2008,6.)

(69) Die Fitra heißt alle Einprägungen, die in den Menschen eingeboren sind. Damit sind nicht nur die biologischen gemeint, sondern auch die seelischen. Der Islam geht davon aus, dass der Mensch als Muslim in die Welt kommt. Das heißt als Gottesergebener, in dessen Natur das Bezeugen der Einzigkeit Allahs liegt. Der Prophet (Sallallahu alayhi wa sallam) sagte:“ Jedes Baby kommt mit der Fitra auf die Welt, es sind seine Eltern, die aus ihm einen Juden, einen Christen oder einen Polytheisten machen“ (Imam Malik 2004,128) Und zu der Fitra gehört das Bekenntnis, welches die Menschen beim Urvertrag abgelegt haben. Die bekannteste Meinung unter den Gelehrten der Ahlu Sunnah bezüglich der gestorbenen Kinder ist, dass sie ins Paradies gehen.

(70) Imam Ali al-Qari: Das heißt Allah schafft die Gehorsamkeit oder die Widerspenstigkeit in Seinem Diener nur, wenn es Diener gewählt erworben hat. Der Gezwungene ist derjenige, der, wenn er etwas begeht, es innerlich aber verpönt. “ Dann zerteilten sie sich ihre Angelegenheit untereinander in Gruppen. Jede Partei findet Gefallen an dem, worüber sie verfügt.“ 23:53;. Allah lässt uns den Iman aus Seinem Wohlgefallen lieben und aus Gerchtigkeit lässt Er den Kafir die Widerspenstigkeit mögen und den Iman hassen. “ So führt Allah, wenn Er will, irre und leitet recht, wen Er will.“ 74:31; „Nein, sondern denjenigen, die Kufr betrieben haben, wurde ihre List schön gemacht und sie wurden vom rechten (Weg) abgehalten. Und wen Allah abirren lässt, für ihn gibt es gewiss keinen Rechtleitenden.“ 13:33 “ Und wen Allah rechtleitet, für den gibt es keinen Irreführenden. Ist Allah etwa nicht allwürdig, vergeltend?!“ 39:37 (al-Qari 1998,151 f.)

(71) Imam Ali al-Qari: Sie können beides erwerben und wählen. Der Mensch kann sowohl den Iman akzeptieren, als auch den Kufr annehmen, glaubend daran, dass dieser Weg seine Erlösung wäre.(al-Qari 1998,152.)

(72) Das heißt, der Gläubige ist seit der Urewigkeit von Allah geliebt und eine Wut über den Kafir besteht seit der Urewigkeit. Deswegen soll keiner von uns sicher sein, dass er von Allah geliebt ist, denn man weiß nicht, in welchem Zustand man sterben wird, ob als Gläubiger oder als Ungläubiger. Dasselbe gilt auch für den Kafir, man darf nicht sagen, er ist mit Sicherheit von Allah verpönt oder; dass jener Kafir nie rechtgeleitet werden wird. Der größte Kafir von Heute kann morgen ein guter Mu’min  werden, und da wird sich die urewige Liebe Allahs zeigen. “ Er ist Allah Derjenige, außer Dem es keine Gottheit gibt, der Allwissende über das Verborgene und das Sichtbare. Er ist der Allgnade Erweisende, der Allgnädige.“ 59:22


وجميعُ أفعالِ العبادِ منَ الحركةِ والسكونِ كسبُهُم على الحقيقةِ، واللهُ تعالى خالقُها، وهيَ كلُها بمشيئتِهِ وعلمِهِ وقضائِهِ وقَدَرِهِ. والطاعاتُ كلُها ما كانتْ واجبةً بأمرِ اللهِ تعالى وبمحبتهِ وبِرِضائهِ وعلمِهِ ومشيئتِهِ وقضائِهِ وتقديرهِ، والمعاصي كلُّها بعلمِهِ وقضائِهِ وتقديرِهِ ومشيئتِهِ لا بمحبتِهِ ولا برضائِهِ ولا بأمرِهِ

Alle Handlungen der Diener, sowohl die Bewegung, als auch die Ruhe, sind in der Wirklichkeit sein (des Dieners) Verdienst. Allah schafft diese Handlungen und sie geschiehen mit Seinem Willen, Wissen, Bestimmung und Entscheidung (73). Die Gehorsamkeit ist zur Pflicht geworden durch den Befehl Allahs, mit seiner Liebe (75) und Seinem Wohlwollen (76) und (sie geschieht) mit Seinem Wissen, Seinem Willen, Seiner Bestimmung und Seiner Entscheidung. Die Widerspenstigkeit geschieht mit Seinem Wissen, Seiner Bestimmung, Seiner Entscheidung und Seinem Willen, jedoch weder mit Seiner Liebe (77) und seinem Wohlwollen (78) noch durch Seinen Befehl (79).


(73) Die Ahlu Sunna, wie schon erwähnt, glauben daran, dass alles, was existiert, von Allah geschaffen ist. Die Menschen sowie ihre Taten sind von Allah erschaffen. Aber hier muss man eine Sache klar stellen, und zwar, der Mensch wählt selbst die Handlung, die er machen will. Wenn er etwas beschließt, dann schafft Allah in ihm die Handlung, die er gewählt hat. Die Handlungen, die Allah im Menschen schafft, während dieser Mensch die jeweilige Handlung will und die Macht dazu hat, heißt in der Aqida (Kasb / Erwerb). Wenn Allah in uns eine Handlung schafft, die aber von uns nicht gewollt ist, dann heißt diese Handlung (Sifa/ Eigenschaft) Der Vernünftige unterscheidet zwischen der selbsterworbenen Bewegung   und dem Zittern. Die Bewegung als Geschöpf wird von Allah geschaffen, vom Mensch aber freiwillig erworben, das Zittern jedoch, ist zwar in uns geschaffen, aber nicht freiwillig von uns gewählt. Im Jenseits werden wir nach unserem Kasb  gefragt und zur Rechenschafft gezogen. Allah sagt im Quran:“ Fürchtet den Tag, an dem ihr zu Allah zurückgebracht werdet, dann wird jeder Seele das vergütet, was sie erworben hat. Und ihnen wird gewiss kein Unrecht angetan.“ 2:281 „Allah erlegt einer Seele nichts auf, außer was sie vermag. Ihr gebührt, was sie erworben, und ihr obliegt, was sie sich angeeignet hat“ 2:286; „An diesem Tag wird jeder Seele das vergolten, was sie erwarb. Es gibt keine Ungerechtigkeit heute. Gewiss, Allah ist schnell im Zur-Rechenschaft-Ziehen.“40:17. Allah sagte zu seinem Gesandten: „Getötet habt nicht geworfen hast nicht du, als du geworfen hast, sondern Allah hat geworfen.“ 8:17 Das heißt, Allah hat den Tod in ihnen sowie das Werfen geschaffen. Der Prophet (Sallallahu alayhi wa sallam) hat diese Handlung nur mit seinem Willen und seiner Fähigkeit dazu erworben. In der Aussage von Imam Abu Hanifa liegt eine Antwort auf die Mu’tizilla, die beaupten, dass der Mensch seine Handlungen selber schaffen kann, und auf die Dschabriyya, die meinen, dass der Mensch keinen freien Willen hat.

Imam Abu Hanifa sagt in al-Wasiyya: Da der Handelnde (der Mensch) ein Geschöpf ist, so sind seine Handlungen selbstverständlich auch Geschöpfe. (Imam Abu Hanifa, Al-Wasiyya 2004,336.). Die erworbene Handlung, hängt von dem Willen des Menschen ab und darin liegt eine Antwort auf die Dschabriyya welche meinen, dass die Handlungen der Menschen ihnen aufgezwungen sind.

(74) „Und gehorcht Allah, gehorcht dem Gesandten“ 5:92

(75) „Allah liebt die Gottesfürchtigen.“ 3:76; „Allah liebt die stets Reumütigen und die sich rituell Reinigenden.“ 2:222; „Allah liebt diejenigen, die das Gute tun.“ 3:134; „Sag: „Wenn ihr (wirklich) Allah liebt, dann folgt mir, damit Allah euch liebt und euch eure Verfehlungen vergibt.“ Und Allah ist allvergebend, allgnädig.“ 3:31

(76) Allah fand Gefallen an ihnen und sie sind zufrieden mit Ihm. Dies ist für denjenigen, der seinen Herrn Ehrfurcht erweist.

(77) „Und Allah liebt nicht die Unrecht-Begehnden. 3:57; „Wenn ihr Kufr betreibt, so ist gewiss Allah autark euch gegenüber! Und er stimmt Seinen Dienern das Kufr-Betreiben nicht zu.“ 39:7

(78) „Wenn ihr Kufr betreibt, so ist gewiss Allah autark euch gegenüber! Und er stimmt Seinen Dienern das Kufr Betreiben nicht zu.“ 39:7

(79) „Sag. „Gewiss, Allah gebietet keine Abscheulichkeit!“ Wollt ihr von Allah etwas behaupten, was ihr nicht wisst?!“ 7:28; “ Gewiss, Allah gebietet Gerechtigkeit, Ihsan (Gutes Tun) und den Verwandten gegenüber Freigebigkeit, und verbietet Verwerfliches, Missbilligtes und unrechtmäßige Aggresion. Er ermahnt euch, damit ihr euch besinnt.“ 16:90


والأنبياءُ عليهِمُ الصلاةُ والسلامُ كلُّهُم منـزّهونَ عن الصغائِرِ والكبائِرِ والكفرِ والقبائِحِ  وقدْ كانتْ منهُم زلاتٌ وخطيئاتٌ، ومحمدٌ رسولُ اللهِ صلى اللهُ عليهِ وعلى ءالهِ وسلمَ، نبيُّهُ وعبدُهُ ورسولُهُ وصفيُهُ، ولم يعبدِ الصنمَ، ولم يشركْ باللهِ طرفةَ عينٍ قطّ،

Alle Propheten, alayhim as-salatu wa-salam, sind frei von kleinen und großen Sünden, sowie frei von Kufr und Schandtaten (80). Sie (81) haben aber Fehler und Verfehlungen gemacht (82). Sayyiduna Muhammed ist der Geliebte, Diener, Gesandte, Prophet und Auserwählte Allahs sowie der von Allah Gereinigte. Er hat nie einen Götzen angebetet und ist in keinen Augenblick in Shirk geraten, und er hat auch nie eine kleine oder große Sünde begangen.


(80) Das heißt, alles, was man über sie in der Bibel erlogen hat, soll der Muslim ablehnen. Z.B. Noah wäre einmal betrunken und nackt vor den Leuten, oder dass Lot mit seinen Töchtern verkehrte, oder Salomon hätte sich vor einem Götzen niedergeworfen usw.

(81) Imam Ali al-Qari:Manche von ihnen (al-Qari 1998,171.)

(82) Aus Vergessenheit oder Unaufmerksamkeit. Ihre Fehler sind unabsichtlich. Wenn sie im Vergleich zu einer anderen Handlung begehen, welche trotzdem erlaubt ist, zählt dies manchmal als Fehler, wegen ihrem höheren Rang. Es wurde gesagt:

„Die guten Taten der Frommen sind die Fehler der Gottesnächsten.“

Manche Sufis und Kalam-Gelehrte sind der Meinung, dass die Propheten sowohl keine Sünden als auch keine Fehler begehen seien diese absichtlich oder unabsichtlich.


وأفضلُ الناسِ بعدَ رسولِ اللهِ صلى اللهُ تعالى عليهِ وعلى ءالهِ وسلمَ: أبو بكرٍ الصديقُ رضيَ اللهُ عنهُ، ثم عمرُ بنُ الخطابِ ثمَّ عثمانُ بنُ عفانَ ثم عليُّ بنُ أبي طالبٍ، رضوانُ اللهِ تعالى عليهِم أجمعين. غابرينَ على الحقِّ، ومعَ الحقِّ، كما كانوا نتولاهُم جميعاً. و لا نذكرُ الصحابةُ ( في نسخة الكوثري: ولا نذكرُ أحداً من أصحابِ رسولِ اللهِ إلا بخير)،

Der beste nach den Propheten, alayhim as-salatu wa-salam, ist Abu Bakr as-Siddiq, Umar b. Al-Khattab, dann Uthman b. Affan Dhu An-Nurayn, dann Ali b. Abi Talib Al Murtada, möge Allah mit ihnen allen zufrieden sein. Sie waren auffrichtige Diener, die an der Wahrheit festhielten und nach (ihr handelten). So wie sie waren, folgen wir ihnen allen (83). Und wir erwähnen keinen Gefährten des Gesandten Allahs mit etwas Schlechtem (84).


(83) „An den bahnbrechenden Ersten, den Ausgewanderten (Muhadschirun),den Helfern(Ansar) und den Rechtschaffenen, die ihrem guten Vorbild folgten, hat Allah Wohlgefallen, und sie haben an Allah Wohlgefallen. Allah hat ihnen Paradiesgärten bereitet, unter denen Flüsse fließen. Darin werden sie ewig bleiben. Das ist der höchste Gewinn.“ 9:100

(84) Der Gesandte Allahs sagt: „Schimpft nicht meine Gefährten“ (Sahih Muslim) Imam An-Nawawi sagt über diesen Hadith: Das Schimpfen auf die Sahaba ist eine große Sünde (Kabira), die Meinung der Mehrheit der Gelehrten ist, man soll denjenigen, der sie beschimpft, bestrafen. (Imam An-Nawawi  2004,16/72.)


ولا نكفرُ مسلماً بذنبٍ منَ الذنوبِ وإنْ كانتْ كبيرةً إذا لم يستحِلَّهَا، ولا نزيلُ عنهُ اسمَ الإيمانِ ونسمِّيهِ مؤمناً حقيقةً، ويجوزُ أنْ يكونَ مؤمناً فاسقاً غيرَ كافرٍ.

Und wir erklären keinen Muslim zum Kafir wegen einer Sünde, auch wenn sie groß wäre, solange er diese Sünde nicht als erlaubt sieht (85). Trotzdem nennen wir ihn Mu’min in der Wirklichkeit. Es ist auch denkbar, dass der Mu’min Fassiq wird, ohne Kafir zu sein. (86)


(85) Das ist der Weg von Ahlu Sunna im Gegensatz zu den Khawaridsch und den Mu’tazila.Die ersten sagen, dass derjenige, der eine große Sünde (Kabira) begeht, kein Muslim mehr, sondern ein Kafir ist. Die zweiten sind der Meinung, dass er weder ein Kafir noch ein Mu’min sondern ein Fasiq ist. Bei den Mu’tazila ist Fisq eine Stufe zwischen Iman und Kufr. Der Fasiq bleibt, laut ihrer Vorstellung, ewig in der Hölle, aber seine Strafe ist geringer als die des Kafir. Die Streitpunkt  mit diesen zwei Gruppierungen liegt darin, ob die Taten zu der Essenz des Iman gehören oder nicht. Die Mu’tazila und die Khawaridsch sind der Meinung, dass die Taten ein fester Bestandteil des Iman sind und somit wird der Iman , dann wenn sie wegfallen, auch zunichte. Siehe: (Imam al-Baydschuri 2007,55.) Die Ahlu Sunna haben an dieser Aya festgehalten: Allah verzeiht nicht, dass Ihm andere Gottheiten beigesellt werden. Er verzeiht, wem Er will, die kleineren Vergehen. Wer Allah andere Gottheiten beigesellt, ist weit abgeirrt. 4:116 Wenn man aber eine Sünde, über dessen Sündhaftigkeit ein Konsens besteht, als erlaubt erklärt, dann ist man Kafir. Wie z.B. wenn man sagt: Ich trinke Wein, weil es nicht Haram ist.

(86) Denn die Sünde schließt den Sündiger nicht aus dem Kreis des Iman, wie schon erklärt, aus. Allah sagt im Quran:“Beeilt euch,(gute Werke zu verrichten,) um von eurem Herrn Vergebung zu erhalten und ein Paradies zu erlangen, das so groß wie Himmel und Erde ist und das für die Gottesfürchtigen bereitet wurde! Das sind jene, die Spenden geben, ob es ihnen gut oder schlecht geht, die ihren Groll unterdrücken und den Menschen verzeihen. Allah liebt diejenigen, die das Gute tun. Jene, die eine schändliche Tat begangen oder sich selbst Unrecht getan haben, sollen sich Allah vergegenwärtigen und um Vergebung ihrer Sünden bitten. Wer, außer Allah, Vergibt die Sünden? Sie haben nicht wissentlich auf ihren bösen Taten beharrt.“ 2:133-135 Laut dieser Aya bleibt der sündige Mu’min trotzdem ein Mu’min.

Das Bestreichen der Ledersocken sowie die Tarawih Gebete im Monat Ramadan sind eine Sunnah. (87)

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(87) Diese zwei Punkte gehörten zwar nicht zur ‚Aqidah, sondern zum Fiqh. Der Imam hat sie aber hier erwähnt , um zu betonen , dass derjenige , der diese zwei Handlungen ablehnt, so wie manche Sekten es tun, nicht zur Ahlu Sunna gehört. Der Hadith bezüglich der Erlaubnis vom Streichen über die Ledersocken wurde von mehr als sechzig Gefährten überliefert. (Sheikh al-Islam Ibn Hadschar 2003,348.). Der Tarawih sind zusätzliche Gebete nach dem Nachtgebet, welche man im Ramadan verrichtet.

Und das Gebet kann hinter einem aufrichtigen sowie auch hinter einem pietätlosen (88) Imam unter den Gläubigen verrichtet werden.

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(88) Auf Arabisch Fasiq. Der Fasiq bei Ahlu Sunna ist ein Mu’min, welcher aber große Sünden begeht. Imam Ali al-Qari: Der Prophet (Sallallahu alayhi wa sallam) sagte:“Ihr dürft hinter  jedem Aufrichtigen sowie Pietätlosen beten.“ überliefert von Ad-Daraqutni und Imam al-Bayhaqi.(al-Qari  1998,227.)

Wir sagen nicht, dass die Sünden dem Mu’min nicht schaden (89) . Und wir sagen nicht, dass er nicht in die Hölle geht, (90) und wir sagen nicht, dass er ewig in der Hölle bleibt (91), auch wenn er ein Sündiger ist, solange er das Diesseits als Mu’min verlässt. Und wir sagen nicht, dass unsere guten Taten akzeptiert und unsere Sünden verziehen sind, wie es die Murdschi’a behaupten (92). Wir sagen vielmehr, dass wenn jemand eine gute Tat begeht, die all ihre Bedingungen erfüllt, die frei von vernichtenden Handlungen (93) ist und die nicht zugrunde geht, bis er das Diesseits als Mu’min verlässt (94) , dann lehnt Allah seine Tat nicht ab, sondern Er nimmt sie von ihm an und Er belohnt ihn dafür.

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(89) Das ist der Trennpunkt zwischen den Ahlu Sunna und den Murdschi’a. Die Ahlu Sunna, sagen nicht, obwohl sie die Taten nicht zur Essenz des Iman zählen, dass die Sünden nicht schaden, wenn man gläubig ist. Die Murdschi’a waren der Meinung, dass der Gläubige sich keine Sorgen zu machen braucht, solange er gläubig ist.

(90) Als Antwort auf di Murdschi’a

(91) Als Antwort auf die Mu’tazila und Khawaridsch.

(92) Man soll nicht mit Sicherheit behaupten, dass seine Sünden verziehen wären und seine Taten akzeptiert wären. Der Prophet (Sallallahu alayhi wa sallam) sagte beim Fastenbrechen: „Der Durst ist vergangen, und die Adern wurden befeuchtet und die Belohnung (für das Fasten) steht inshaAllah fest.“   ( Imam Nawawi, Al-Adhkar 2006,157.). Der Prophet (Sallallahu alayhi wa sallam) sagte, obwohl er derjenige ist, der seinen Herrn am besten kennt: „inshaAllah steht die Belohnung fest.“ Der Prophet (Sallallahu alayhi wa sallam) lehrte uns, dass wir nicht hundertprozentig sicher sein sollen, denn nur Allah kennt die Wahrheit unserer Herzen.

(93) Imam Ali al-Qari: Wie etwa Kufr, Hochmut und Angeberei. Allah sagt: „Und wer Kufr gegenüber dem Iman betreibt, dessen Handeln ist zweifellos nichtig, und er gehört im Jenseits zu den Verlierern.“5:5 und er sagt: „O ihr Gläubigen! Macht Eure Spenden nicht durch Kränkungen und schmerzende Äußerungen wieder zunichte! Das wäre wie einer, der sein Geld nur ausgibt, um von anderen gesehen zu werden und nicht an Allahund den Jüngsten Tag glaubt.“ 2:264 (al-Qari 1998, 232.)

(94) Imam Ali al-Qari: Damit will der Imam sagen, man soll sich im Diesseits nicht vor der Vernichtung der guten Taten sicher fühlen. (al-Qari 1998,233.)

Derjenige, der Sünden begangen hat, außer Shirk und Kufr (95), keine Tawba von diesen Sünden getan hat (96) und dann das Diesseits als Mu’min verlassen hat, ist unter dem Willen Allahs. Wenn Er will, wird Er ihn mit dem Feuer bestrafen und wenn Er das nicht will,dann wird ihm verziehen und Er wird ihn nicht mit dem Feuer bestrafen. (97)

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(95) Denn die verzeiht Allah nie, wie es im Quran steht:“Gewiss, Allah vergibt nie, dass Ihm gegenüber Schirk betrieben wird! Doch er vergibt , was (an Verfehlungen) geringer ist als dies, wem Er will. Und wer Schirk Allah gegenüber betreibt, der hst bereits eine übergroße Verfehlung erlogen.“ 4.48

(96) Denn die Tawba löscht die Sünden. Der Prophet (Sallallahu alayhi wa sallam) sagte:“Derjenige, der Tawba (Reue) zeigt, ist wie derjenige, der nie eine Sünde begangen hat“ ( Imam as-Suyuti, al Dschami‘ Saghir 2006,203.)

(97) Falls sie bestraft werden bleiben sie nicht ewig in der Hölle. Der Prophet (Sallallahu alayhi wa sallam) sagte: “ Wer aufrichtig La Ilaha illa-llah sagt, geht ins Paradies“ (Imam as-Suyuti, al Dschami‘ as-Saghir 2006,536.) und von Ihm wurde auch überliefert: Allah wird sagen, holt jeden raus, der ein Stäubchen Iman im Herzen hat. (Sheikh al-Islam Ibn Hadschar 2003,866.)

Wenn die Angeberei oder Hochmut in einer Handlung vorkommen, dann geht die Belohnung dafür zugrunde. (98)

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(98) Imam Ali al-Qari: Allah sagt: „Wer also die Begegnung seines Herrn erwartet, der soll gottgefällig gute Tat vollbringen und dem Dienen seines Herrn gegenüber keinerlei Schirk mit einem anderem betreiben.“ Der Schirk soll weder offenkundig, noch verborgen sein. Das heißt, wer mit seiner Tat die Angeberei und den Ruhm beabsichtigt, der vernichtet einerseits seine gute Handlung und anderseits sündigt er. Der Prophet (Sallallahu alayhi wa sallam) sagte: „Wer eine Tat für etwas anderes außer Allah begeht, der soll seine Belohnung woanders ersuchen, denn Allah ist Reich und braucht keinen Teilhaber in der Handlung. (al-Qari 1998,234.)

 

Die Wunderzeichen stehen für die Propheten fest (99). Die Wunder (Karamat) der Awliya sind wahr (100).

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(99) Die Mu’dschiza (Wunder) stammt aus al-‚adschs (Unfähigkeit) Gegenteil von Al-Qudra (Die Macht). Imam At-Taftazani  1998, 5/11.) Sie wird so genannt, denn sie macht den Gegner unfähig, das heißt, er kann  sie nicht nachmachen. Imam At-Taftazani erklärt die Mu’dschiza wie folgt: Es ist eine übernatürliche Handlung, welche die Herausforderung bezweckt und unwiderlegbar ist. ( Imam At-Taftazani  1998, 5/11.) Imam An-Nasafi sagt darüber: Es ist eine außergewöhnliche Handlung im Diesseits, die dazu dient, die Wahrhaftigkeit eines Propheten zu bestätigen, die man nicht widerlegen kann. (Imam an-Nasafi  1986,236.) Man betont die Herausforderung und die Bestätigung der Wahrhaftigkeit im Bezug auf die Mu’dschizat, damit man die Karamat und die Verführungen der Gottesfeinde ausschließt. Die zweite Betonung liegt auf der Unwiderlegbarkeit, denn wäre sie zu widerlegen und nachzuahmen, dann wäre sie kein Beweis für die Wahrhaftigkeit.

Die übernatürlichen Sachen sind bei Ahlu Sunna denkbar und nicht gegen den Verstand. Denn, wie schon erklärt , Allah ist der einzige Schöpfer und Verwalter. Alles, was existiert und geschieht, ist von Allah erschaffen. Die Ursachen sowie die Wirkungen und Nebenwirkungen sind alles Geschöpfe von Allah. Das physische Gesetz sowie alle Zusammenhänge in der Natur sind nicht notwendigerweise gültig, sondern sie geschehen dauernd, weil Allah sie ständig schafft. Das Feuer brennt nicht, weil es in sich brennt, sondern weil Allah das Brandgefühl im Menschen ständig erschafft, wenn  die Haut in Berührung mit dem Feuer kommt. Diesen Prozess nennen die Gelehrten „Al-‚ada“ ( Die Gewohnheit). Es ist keine Negierung des physischen Gesetzes, sondern vielmehr eine andere Definition dessen. Die Regel ist nicht etwa bindend, sondern Allah erschafft mittels einer Handlung diese oder jene Wirkung. Allah kann aber, wenn Er will, das Brandgefühl undandere Nebenwirkungen des Brandes ungeschaffen lassen. Wie im Fall von Sayyiduna Ibrahim As., wie es im Quran steht: Sie sagten: „Sie riefen aus:“Verbrennt ihn und beschützt eure Gottheiten, wenn ihr tatsächlich vorhabt, etwas zu unternehmen!“ „O Feuer“, erging Unser Befehl, „Sei kühl und friedfertig gegen Abraham!“ 21:68-69

(100) Der Waliyy (Der von Allah Unterstütze oder Bewahrte) wird manchmal auch mit Freund Allahs oder Gotteskenner übersetzt. Der Waliyy, sagt Imam Al-Qari, ist derjenige der ALLAH und seine Eigenschaften kennt, der die Gebote verrichtet, die Verbote meidet, der sich von den Gelüsten und Gieren sowie Zeitverschwendung entfernt. (al-Qari 1998, 237.)

Die Wunder der Awliya nennt man Karamat, und sie haben zwei Bedingungen. Erstens müssen sie bei jemanden , der Gottesfurcht hat sowie der die Sharia folgt , vorkommen. Zweitens, diese Person  darf nicht das Propehtentum für sich beanspruchen. So unterscheidet man zwischen dem wahren Propheten, dem Folger eines Propheten und einem Scharlatan. Die Karama eines Waliyy ist in sich ein Wunderzeichen der Propheten, dann würde diese Person nicht der Botschaft des Gesandten folgen, dann würde sie solche Zeichen nicht erleben können. Der Beweis für die Karamat sit der Quran, die Sunna, der Verstand und die Mehrfachüberlieferung. Was den Quran betrifft, so erzählte uns Allah von den Wundern, welche Maria, die Bewohner der Höhle, der Diener von Salomon, Dhul-Qarnayn, sowie andere erlebt haben und sie waren keine Propheten. Was die Sunna betrifft, so erzählte uns der Prophet (Sallallahu alayhi wa sallam) von Dschuraydsch dem Mönch (Bukhari/Muslim). von den drei Männer, die in der Höhle eingesperrt waren ( Muslim) sowie von dem kleinen Kind, welches die Zauberei verlassen hat. (Bukhari/Muslim). Was den Verstand betrifft, so gilt in diesem Zusammenhang dasselbe, was man schon über die Wunder der Propheten erzählt hat. Was die Mehrfachüberlieferung betrifft, so wurde von zahlreichen Sahaba und späteren Gelehrten viel davon überliefert.

Imam Ali al-Qari:Die Mehrheit der Gelehrten der Ahlu Sunna ist der Meinung, dass alles, was bei einem Propheten als Wunderzeichen vorkommen kann, bei einem Waliyy als Karama geschehen kann. (al-Qari 1998,237.).

Es bleibt zu erwähnen, dass Karamat keine Beweise in sich sind, wie bei den Propheten. Man soll auch nicht nach Wundern streben oder sie verlangen, denn sie sind nicht der Zweck, sondern Allah lässt sie bei wem Er will unter seinen Dienern als Unterstützung für diese Person vorkommen. Unsere Gelehrten sagen: Al-Istiqama a’zamu Karama „Wahrlich  die größte Karama it die strikte Befolgung der  Gebote und Verbote“. Einmal wurde ein Sheikh nach einer Karama gefragt, dann sagte er: Seht ihr nicht diese Karama, seine Schüler aber verneinten es. Er erwiderte: Wir sündigen täglich und trotzdem hat Allah die Erde unter uns nicht beben lassen, ist das denn kein Wunder?

Imam al-Dschunayd sagte: Wenn du sogar jemanden fliegen siehst, dann lass dich nicht von ihm verführen, bevor du sicherstellst, wie er mit den Geboten und Verboten (der Shari’a) umgeht. (Imam Ash-Sha’rani, Tanbih al-Mughtarrin 2003,20.)

Die ungewöhnlichen Taten, welche die Feinde Allahs vollbringen, wie Satan, Pharao und der Antichrist und welche in den Überlieferungen erzählt wurden, die passiert sind oder passieren werden, nennen wir weder Wunderzeichen noch Wunder, sondern wir nennen sie “eine Erfüllung eines Wunsches“. Dies ist so, weil Allah die Wünsche Seiner Feinde erfüllt, um sie zu verlocken und (später) zu bestrafen. So bekommen sie noch mehr Selbstüberhebung und werden mehr Kufr und Unrecht betreiben. All das ist möglich bei Allah. (101)

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(101) Der Maßstab in diesem Zusammenhang bleibt die Shari’a. Wer den Geboten folgt und dann Wunder erlebt, solcher wird von Allah durch solche Zeichen geehrt. Wer aber ständig sündigt und sich weit von der Aufrichtigkeit und dem wahren Glauben entfernt, der wird von Allah gerechterweise verführt. Allah sagt: „Und diejenigen die Unsere Ayat ableugnen, diese werden Wir der Versuchung aussetzen da, wo sie es nicht wissen.“ 7:182 und Er sagt:“Und als sie das vergessen haben, womit sie ermahnt wurden, haben Wir ihnen die Türen zu allen (angenehmen) Dingen geöffnet. Doch nachdem sie dann mit dem Spaß hatten, was ihnen zuteil wurde, haben Wir sie unerwartet zugrunde gerichtet, sogleich waren sie regungslos niedergeschlagen.“ 6:44.

Imam Ali al-Qari:Wisse, dass derjenige, der fälschlich des Prophetentum beansprucht, niemals Wunder vollbringen kann, denn sonst würde es keinen Unterschied mehr zwischen ihm und dem wahren Propheten geben. Wer aber die Göttlichkeit beansprucht, der kann außergewöhnliche und übernatürliche Sachen begehen, wie der Pharao oder der Antichrist, da in diesem Fall der gesunde Verstand nicht in die Verwirrung geraten kann, denn der Verstand weist deutlich darauf hin, dass solche Person ein Geschöpf ist, egal, wie viele übernatürliche Sachen sie vollbringt. (al-Qari 1998,243 f.)

Allah war schaffen bevor Er (etwas) schuf und Rizq verteilend bevor Er das Rizq gab. Allah wird im Jenseits gesehen. Die Mu’minun werden Ihn mit ihren Augen im Paradies sehen (102). Ohne eine Ähnlichkeit mit der Schöpfung und ohne ein “Wie“ zu haben (103). Zwischen Ihm und Seinen Geschöpfen wird es keine Distanz geben. (104)

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(102) Imam Ali al-Qari: Man wird Allah mit der Sehkraft des Auges im Jenseits wahrnehmen. Allah sagt im Quran:“Es sind an diesem Tag“ das heißt am Jüngsten Tag „strahlende Gesichter,“, glückliche, strahlende Gesichter, „die zu ihrem Herrn aufschaue.“ 75:22. Das heißt, sie werden Ihn mit den Augen sehen, und zwar ohne ein „Wie“, ohne Richtung und ohne Distanz. Wer seinen Herrn sieht, schaut nicht zu anderen zurück. Allah sagt auch: „Gewiss, nein! Gewiss, sie“ das heißt, die Kuffar, „sind an diesem Tag von ihrem Herrn doch abgeschirmt.“ 83:15. Das bedeutet, sie werden im Gegensatz zu den Mu’minin, welche durch die Sicht zu Allah nah sind, von Allah getrennt sein. Der Prophet (Sallallahu alayhi wa sallam) sagte, wie es in den beiden Sahih Sammlungen steht: “ Ihr werdet euren Herrn, wie ihr den Mond in einer Vollmondnacht seht, schauen, und zwar ohne, dass ihr an einem Ort gesammelt werdet (la Tudammun bzw. la Tudamuna). In einer anderen Überlieferung steht: ohne, dass der eine dem anderen bei der Sicht übervorteilt wird. Dieser Hadith ist sehr bekannt. Er wurde mehrmals in den beiden Sahih Sammlungen sowie in anderen Hadithwerken überliefert, und zwar von mehr als 21 Prophetengefährten.(al-Qari 1998,244 f.)

(103) Imam Ali al-Qari: Das heißt eine Sicht , die mit der Erhabenheit Allahs im Einklang ist, die frei von Anthropomorphismus ist. (al-Qari 1998,245.)

(104) Das ist die Meinung von Ahlu as-Sunna wa-l-Dschama’a. Imam al Bayhaqi überlieferte von seinem Scheikh Imam Abu Tayb Sahl, als er ihnen den Hadith bezüglich der Sicht überlieferte. Er ist erhaben über die Richtung. Der Vergleich zwischen der Sicht des Mondes und der Sicht von Allah ist, um die Sicht zu bestätigen, nicht um die. Gesehnen zu vergleichen. (Imam al-Bayhaqi, al-I’tiqad 1999,136 f.).

Imam Ali al-Qari:Diese Schau wird auf eine ungewöhnliche Art und Weise geschehen. Die Gegenüberstellung (des Gesehenen mit dem Auge) wird nicht erforderlich sein. Wie Imam Bukhari und Imam Muslim es vom Gesandten Allahs überlieferten: „Macht eure Reihen gerade, ich sehe euch hinter meinem Rücken“. (al-Qari 1998,247.) Der Prophet Saw. konnte seine Gefährten sehen, obwohl sie hinter seinem Rücken waren. Das ist ein Beweis dafür, dass Allah die Sicht direkt in uns erschaffen kann, ohne dass das Gesehene sich in einer Richtung befindet.

Der Iman ist die Bestätigung und der Glaube (105). Der Iman von den Bewohnern des Himmels und der Erde nimmt weder zu noch ab, wenn es um das geglaubte geht (106). Er nimmt ab und zu, wenn es sich um die Gewissheit und Bewahrheitung handelt (107). Die Mu’minun sind gleich, was den Iman und Tawhid angeht (108), aber ungleich in den Taten (109).

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(105) Scheikh al-Maghnisawi: Der Iman ist die Bezeugung mit der Zunge und der Glaube im Herzen, dass Allah eins ist und keinen Partner hat, dass Er mit Eigenschaften des Wesens und der Handlung ausgezeichnet ist und dass Sayyiduna Muhammed (Sallallahu alayhi wa sallam), der Prophet und Gesandte Allahs ist, welcher mit einem Buch und einer Schari’a gesandt wurde. Die Bestätigung mit der Zunge allein reicht nicht für den Iman aus, weil sonst die Heuchler auch Mu’minin wären. Dasselbe gilt auch für das Wissen, denn wäre das Wissen allein ein Iman, dann wären die Leute der Schrift auch Mu’minin. Wobei Allah über die Heuchler sagt: „Und Allah bezeugt:“ Gewiss, die Heuchler sind doch Lügner.“ 63:1 Und bezüglich der Leute der Schrift sagte Er: „Diejenigen, denen Wir die Schrift zuteil werden ließen, kennen es/ihn , wie sie ihre Kinder kennen“ 2:146. Wer sich zu der Gemeinschaft von Sayyiduna Muhammed (Sallallahu alayhi wa sallam) zählen will und er bezeugt mit der Zunge, dass es keinen Gott außer Allah gibt und dass Muhammed (Sallallahu alayhi wa sallam) sein Gesandter ist und an die Bedeutung dieser Aussage mit dem Herzen glaubt, dann ist er Mu’min, auch wenn er noch nicht die Pflichten und Verbote kennt. Wenn zu ihm gesagt wird, dass die fünf Gebete am Tag eine Pflicht  für ihn sind, und er dann an das Pflichtsein dieser Gebete glaubt, so ist er fest in seinem Iman; wenn er (das Pflichtsein) ablehnt, ist er Kafir. Dasselbe gilt für alle anderen Gebote und Verbote die durch einen klaren nicht interpretierbaren Beweis aus dem Quran, aus der Sunna, aus dem Konsens oder aus dem Qiyas (Analogieschluss) der Rechtsgelehrten feststeht. (Imam Al-Maghnisawi 1904,58.)

Imam Ali al-Qari: Die Mehrheit der Gelehrten ist der Meinung, dass der Iman der Glaube im Herzen ist. Das Bezeugen durch die Zunge ist eine Bedingung, damit die Gesetze hier im Diesseits angewandt werden können, da der Glaube etwas Verborgenes ist, welches ein äußerliches Zeichen braucht. Wer mit seinem Herzen geglaubt hat, der ist Mu’min bei Allah, auch wenn er nach den Maßstäben des Diesseits kein Mu’min ist. Das Gegenteil gilt auch für denjenigen, der nur mit seiner Zunge (den Iman) bestätigt hat, aber nicht mit dem Herzen, wie im Fall des Heuchlers. (In diesem Fall ist er Kafir bei Allah, Mu’min nach den Maßstäben des Diesseits. Mit Mu’min ist gemeint, er wird wie ein Mu’min behandelt, er hat dieselben Rechte und Pflichten.) Das ist die gewählte Meinung von Imam Abu Mansur al Maturidi. Die Offenbarung stimmt mit dieser Meinung überein, wie die Aussage Allahs: „Diese sind diejenigen, in deren Herzen Er den Iman festschrieb“ 58:22 oder die Aya: “ während sein Herz voller Iman ist.“ Oder die Aya: “ Doch der Iman ist noch nicht in eure Herzen eingedrungen.“ Sowie die Aussage des Propheten (Sallallahu alayhi wa sallam) zu Usama, als er (im Krieg) einen Mann, der La IlahaIlla Allah bezeugt hat, tötete: “ Hast du etwa seine Brust geöffnet um zu sehen, ob er Wahrhaftig oder Lügner ( bei seiner Bezeugung) war. Dies wurde von Imam Bukhari, Imam Muslim, Imam Ibn Madscha, Imam an Nasa’i, Imam at-Tirmidhi und Imam Abu Dawud sowie anderen überliefert. (al-Qari 1998,244 f.)

(106) Sheikh al Maghnisawi: Das heißt, dass der Iman der Engel und der Iman der Menschen und der Dschinn weder zu -noch abnimmt, weder im Diesseits noch im Jenseits und zwar in Bezug auf das, was das Geglaubte betrifft. Wenn eine Person sagt, dass sie Iman an Allah und an alles, was von Allah gekommen ist, hat, und dass sie Iman an den Gesandten Allahs und an alles, was er (Sallallahu alayhi wa sallam) gebracht hat , verinnerlicht, so hat diese Person an alles, woran man Iman haben soll, geglaubt. Wer aber nur an einen Teil glaubt, z.B. er würde an Allah, Seine Engel, Seine Bücher, und Seinen Gesandten glauben, aber nicht an den letzten Tag, so ist er Kafir. Oder wenn jemand an Allah und seinen Gesandten geglaubt, aber die anderen Propheten verleugnet hat, so ist er ebenfalls Kafir. Es gibt keinen Unterschied zwischen demjenigen, der nur an einen Teil von dem , was geglaubt werden soll, glaubt und dem, der an nichts glaubt. (Imam Al-Maghnisawi 1904,58 f.)

(107) Imam at-Tahawi: Der Glaube ist, im Ursprung, für jeden ein und der selbe; und die Vorzüglichkeit ( einiger Menschen über andere) besteht im Grad der Gottesfurcht (al-taqwa) und der Überwindung, niederen Verlangens (mukhalafat al-hawa). (Imam at-Tahawi 2006,30.)

(108) Sheikh al-Maghnisawi: Die Mu’minun sind, wie schon erwähnt, gleich, was den Iman bezüglich des Geglaubten betrifft. Sie sind gleich im Tawhid, das heißt, die Negierung des Partners in der Göttlichkeit Allahs, in seiner Herrschaft, im Schöpfen, in Seiner Unvergänglichkeit, in Seiner Urewigkeit und in Seiner Einzigartigkeit. Wer die Partnerschaft nur in manchen Eigenschaften im Bezug auf Allah negiert, ist Mushrik und kein Muwahhid. Aus diesem Aspekt nimmt der Tawhid weder zu noch ab. Was aber das Nachahmen und die Beweise betrifft, so nimmt er zu und ab. Der Tawhid von jemanden, der die rationalen Beweise benutzt, ist nicht wie der Tawhid von den Gotteskenner (al-‚arifu), der die Stufen der Mukashafat und Muschahadat sowie die göttlichen Erkenntnisse und die religiösen Wissenschaften erreicht hat. Der Iman ist aus diesem Aspekt auch nicht gleich. ( Imam Al-Maghnisawi 1904,59 f.)

(109) Imam at-Taftazani: Die Taten gehören aus verschiedenen Gründen nicht zu der Essenz vom Iman:

Der erste Grund: Wir haben bereits erwähnt, dass der Iman der Glaube bedeutet und es gibt keinen Bewis aus der Offenbarung, dieser (sprachlichen Bedeutung) widerspricht.

Der zweite Grund: Die Offenbarung und der Konsens besagen, dass der Glaube, wenn man die Strafe (vor dem Tode) sieht , nichts bringt. Man nennt diese Art von Iman, Iman der Hoffnungslosigkeit. Und keiner bestreitet, dass in diesem Fall der Glaube und dessen Bezeugung gemeint sind, da es ( in diesem Fall) keine Zeit für die Taten gäbe.

Der dritte Grund: Die Texte ( aus dem Quran); welche besagen, dass die Gebote und Verbote erst, nachdem der Iman ( dem Angesprochenen) zugeschrieben wird, kommen, wie z.B.: “ Ihr , die den Iman verinnerlicht habt! Das Siyam ( rituelle Fasten) wurde euch geboten“ 2:183

Der vierte Grund: Die Texte (aus dem Quran), welche besagen, dass der Iman und die Taten zwei unterschiedliche Sachen sind, wie die Aussage Allahs: „Gewiss, diejenigen, die den Iman verinnerlicht, gottgefällig Gutes getan“ 2:277 oder „Und wer vom gottgefällig Guten tut, ob Mann oder Frau, und Mumin ist“4:124 oder “ Und wer zu Ihm als Mumin kommt, wobei er gottgefällig Gutes tat“ 20:75. Der Prophet (Sallallahu alayhi wa sallam) wurde nach den besten Taten gefragt, er sagte: Ein Iman, welcher kein Zweifel beinhaltet, ein Dschihad ohne Verrat sowie eine gottesgefällige Pilgerfahrt.

Der fünfte Grund: Die Ayat, welche darauf hinweisen, dass der Iman und die Sünden (bei derselben Person) existieren können. Wie z.B.: „Diejenigen, die den Iman verinnerlicht haben und ihren Iman nicht mit Übertretung vermischen,“6:82 oder die Aya: „Und diejenigen , die den Iman verinnerlicht, aber keine Hidschra (Die Auswanderung nach Medina) unternommen haben.“ 8:72 oder die Aussage Allahs:“ Und sollten zwei Gruppen von den Mumin sich bekämpfen…“ 49:9 oder die Aya: „als dein Herr dich aus deiner Wohnstätte mit der Wahrheit herausführen ließ, während eine Gruppe von den Mumin gewiss dem doch abgeneigt war.“ 8:5

Der sechste Grund: Der Konsens darüber, dass der Iman eine Bedingung für die gottesdienstlichen Aktionen (ibadat) ist (und die Bedingung gehört zwangsläufig nicht zum Bedingten). (Imam At-Taftazani 1998, 5/ 194 ff.)

Der Islam bedeutet sich den Befehlen Allahs hinzugeben und sich ihnen zu unterwerfen. Aus der sprachlichen Sicht gibt es einen Unterschied zwischen dem Islam und dem Iman (110). Aber es kann keinen Iman ohne Islam und keinen Islam ohne Iman geben. Sie sind wie die Rückseite mit der Innenseite (111). Der Din ist ein Wort, welches den Iman, Islam und alle Gesetzgebungen beinhaltet (112).

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(110) Imam Ali al-Qari:Der Islam ist die innerliche Hingabe sowie die äußerliche Unterwerfung unter Allahs Befehle. Aus der sprachlichen Sicht gibt es einen Unterschied zwischen dem Islam und dem Iman. Denn der Iman bedeutet in der Sprache „der Glaube“, wie es im Quran steht: „Und du wirst uns sowieso keinen Iman schenken, egal wie wahrhaftig wir sind“ 12:17, das heißt, du wirst unserer Geschichte nicht glauben. Der Islam ist die allgemeine Hingabe, wie es in der Aussage Allahs steht: „und für Ihn praktizieren den Islam“ das heißt, hingeben „alle, die in den Himmeln und auf der Erden ist-gehorsam“ das heißt, die Engel und die Muslime“ oder wider Willen?!“ 3:83 das heißt die Kuffar beim Sterben. Demgemäß wird der Iman für die innerliche und der Islam für die äußerliche Hingabe benutzt, wie die Aya darauf hinweist:“Die Wüstenaraber sagten: „Wir verinnerlichen den Iman.“ Sag:“ Ihr habt den Iman nicht verinnerlicht, sondern sagt : Wir wurden Muslime.“ Doch der Iman ist noch nicht in eure Herzen eingedrungen.“ 49:14 und wie  darauf der Hadith von Dschibril hindeutet, als er zwischen dem Iman und Islam unterschieden hat. Er hat den Iman nur für den Glauben benutzt und den Islam für die Bezeugung sowie die Verrichtung der Handlungen der Tugendhaften. (al-Qari 1998,263 f.)

(111) Imam Ali al-Qari: Aus der Perspektive der Scharia kann es keinen Iman ohne Islam geben, das heißt es kann keine innerliche Hingabe ohne äußerliche Ergebung existieren, wie es der Fall bei den Leuten der Schrift oder bei Abi Talib, als er zum Islam gerufen wurde, der Fall war oder wie sich Satan verhielt, als er von Allah getadelt wurde. Man muss die beiden (Islam und Iman) vereinen. “ Es kann auch keinen Islam ohne Iman geben “ – diese Aussage ist eine Bestätigung der vorigen und weist darauf hin, dass der innerliche Glaube der äußerlichen Hingabe zuvorkommen kann, wie es der Fall bei manchen Mu’minin unter den Leuten der Schrift ist, oder, dass die äußerliche Hingabe dem Glauben vortreten kann, wie es mit manchen Heuchlern passierte, welche aber am Ende den Weg der Mu’minin einschlugen. (al-Qari 1998,264.)

Man kann nicht über jemanden, der nicht glaubt, aber dennoch die Gebote und Verbote des Islam einhält, behaupten er wäre Muslim, oder über jemanden, der zwar glaubt, aber die Gebote und Verbote in der Schari’a negiert, er wäre ein Mu’min. Aus diesem Aspekt sind der Islam und der Iman gleich, da sie zum selben führen.

(112) Imam Ali al-Qari:Wenn man das Wort „Din“ verwendet, dann meint man damit den Glauben, die mündliche Bezeugung sowie die Akzeptanz der Gesetze der Propheten, wie es aus der Aussage Allahs „Und wer einen anderen Din außer dem Islam erstrebt, dies wird sicher von ihm nicht angenommen,“ 4:85 zu verstehen ist oder aus der Aussage Allahs: „Gewiss, der (annehmbare) Din bei Allah ist der Islam“ 4:19 und aus der Aussage Allahs: „Er erwählte euch und erlegte euch keine Unannehmlichkeit im Din auf.“ 22:78 sowie aus der Aussage Allahs: „… und euch den Islam als Din zugestimmt.“ 5:3. (al-Qari 1998,265.)

Man erkennt Allah wie Er zu erkennen ist, und zwar wie Er Sich Selbst im Quran bezeichnet hat, mit all Seinen Attributen (113). Keiner kann Allah wie es Ihm gebührt, dienen. Aber man dient Ihm, wie Er es in seinem Buch und der Sunnah Seines Propheten befohlen hat (114).

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(113) Der Prophet (Sallallahu alayhi wa sallam), sagte: „Wir die Propheten, unserer Din ist einer“ (Sahih al-Bukhari) das heißt, seine Essenz, und zwar der Tawhid und was damit zusammenhängt. Was die Gesetzgebung betrifft, so sind sie je nach Prophet unterschiedlich, Allah sagt: „Für jeden von euch haben Wir eine Schari’a und eine Lebensweise bestimmt.“5:48

Imam Ali al-Qari: Das heißt wir kennen nicht die Wahrheit des göttlichen Wesens, sondern Allah ist nur so erkennbar, wie der Mensch es begreifen kann. (al-Qari 1998,266.)

(114) Imam Ali al-Qari:Der Diener kann nicht ständig Allah erwähnen und danken, wie Allah im Quran darauf hingewiesen hat: „Und würdet ihr die Gaben Allahs aufzählen wollen, würdet ihr sie nie umfassend erfassen können.“ 14:34 Das heißt, ihr werdet sie nicht aufzählen können, geschweige  denn (Ihm) dafür danken und sie für die Gehorsamkeit gegenüber Allah verwenden. Darum wurde gesagt, dass die Aussage Allahs: „Ihr, die den Iman verinnerlicht  habt! Handelt Taqwa gemäß Allah gegenüber wie Ihm gegenüber Taqwa gemäß gehandelt werden soll“ 3:102 durch die Aya: “ Also handelt Taqwa gemäß Allah gegenüber, wie ihr könnt,“ 64:16 abrogiert (mansukh) wurde, weil die Handlung gemäß der Taqwa, wie sie Allah gebührt können nicht einmal die reinsten Geschöpfe vollführen, wie es der Fürst der Gesandten (Sallallahu alayhi wa sallam), erklärt hat, und zwar:“ Gehorsam gegenüber Allah zu sein  und Ihm nie zu widersprechen, Ihm dankbar gegenüber zu sein und nie die Undankbarkeit zu begehen und Ihn immer zu erwähnen und ihn nie zu vergessen. (al-Qari 1998.268.) Der letzte Hadith ist von Imam al-Hakim in al-Mustadrak überliefert, welcher ihn dort als Sahih einstuft.

Die Mu’minun sind in der Erkenntnis, der Gewissheit, dem Vertrauen, der Liebe, der Angst, der Hoffnung und im Iman gleich. Sie sind, außer im Glauben an diese Sachen ungleich (was die Verwirklichung dieser Eigenschaften betrifft) (115).

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(115) Das heißt jeder Muslim soll solche Eigenschaften haben, jedoch ist die Verwirklichung dieser Eigenschaften je nach Person unterschiedlich. Die Ungleichheit hängt von der Gehormsamkeit gegenüber Allah ab.

Allah ist wohltätig Seinen Dienern gegenüber und gerecht. Er kann aus Huld eine vervielfacht größere Belohnung geben, als der Diener tatsächlich verdient. Er kann auch wegen einer Sünde bestrafen, und zwar aus Gerechtigkeit (116), und Er kann aus Gnade verzeihen (117).

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(116) Scheikh al-Maghnisawi:Alle Handlungen von Allah sind gerecht, weil Er mit Seinem Eigentum handelt. Die Ungerechtigkeit ist, wenn man mit dem Eigentum der anderen handelt. (Imam Al Maghnisawi 1904, 63.)

(117) Allah sagt: „Und Allah vervielfacht, wem Er will.“ 2:261 und Er sagt: „Wer ein Einziges Gutes vollbingt, bekommt dafür das Zehnfache (an Belohnung), doch wer die Schlechtigkeit vollbringt, dem wird dafür mit dem Gleichem vergolten. Und ihnen wird kein Unrecht angtan.“ 6.160 und Er sagt: „Und was euch an Unglück traf, ist wegen dem, was ihr eigenhändig erwarbt. Und Er vergibt vieles.“ 42:30 und: „Gewiss, Allah vergibt nicht , dass Ihm gegenüber Schirk betrieben wird . Doch Er vergibt, was geringer ist als dies, wem Er will. Und wer Schirk Allah gegenüber betreibt, ist bereits weit in die Irre gegangen“ 4:116

Die Führsprache der Propheten, alayhim as-salatu wa-salam, am Tag der Auferstehung ist wahr. Die Führsprache unseres Propheten für die sündigen Muslime und die Leute der Kaba’ir (118) unter ihnen, welche die Strafe verdienen, ist wahr und steht fest (119).

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(118) Jede Sünde, über die ein Tadel und eine Drohung seitens Allahs oder Seines Propheten  Saw. existiert, gilt als Kabira (Große Sünde). Die Ahlu Tasawwuf sagen, jede Sünde ist eine Kabira, wenn man sie aus der Perspektive der Gerechtigkeit Allahs betrachtet und jede Sünde ist nichts wiegend, wenn man sie aus der Perspektive  der Barmherzigkeit Allahs sieht. Es gibt verschiedene Aufzählungen der großen Sünden, die von den Sahaba überliefert sind. Die bekanntesten sind: Schirk begehen, ungerecht töten, ehrbrechen, das Entfliehen beim Aufeinandertreffen der Armeen, die Unwahrheit erzählen, der lügnerische Schwur, die Widerspenstigkeit gegenüber den Eltern, die Zauberei, die Zinsnahme

Sayyiduna Ibn Abbas ra. wurde gefragt: sind die großen Sünde sieben? Er erwiderte, sie seien nahezu 700, jedoch gibt es keine große Sünde, wenn man Allah um Vergebung bittet und es gibt keine kleine Sünde, wenn man sie ständig tut (und es nicht bereut). Überliefert von Imam al-Qurtubi in seinem Tafsir (4:31)

(119) Imam Ali al-Qari: Zu den Beweisen für die Schafa’a kann man zählen:“und bitte um Vergebung für deine Verfehlung und für die Mumin-Männer und Mumin-Frauen!“ 47:19 und „So nützt ihnen nicht die Fürbitte der Fürbittenden.“ 74:48 Darunter versteht man, dass sie den Mu’minin nützen wird. Dasselbe gilt für die Fürsprache der Engel, wegen der Aussage Allahs: „An dem Tag, wenn der Ruhh und die Engel in Reihe stehen, sie sprechen nicht außer demjenigen, dem der Allgnade Erweisenden erlaubt, und Richtiges sagt.“ 78:38, sowie die Fürsprache der Gelehrten, der Awliya‘, der Schuhada‘, der Armen, der Kinder und der Geduldigen.(al-Qari 1998 276 f.)

Das Wiegen der Taten am Tag der Auferstehung durch die Waage ist wahr (120). Al-Hawd vom Propheten ist wahr (121). Die Vergeltung am Tag der Auferstehung zwischen den Gegnern durch die guten Taten ist wahr. Und dass, wenn sie keine guten Taten haben, sie dann von den schlechten Taten (ihrer Gegner) bekommen, ist wahr und möglich (122).

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(120) Allah sagt:“Und das Wägen (der Taten) an jenem Tag wird wahrhaftig sein. Diejenigen, deren Gewogenes dann schwer wiegt, diese sind die wirklichen Erfolgreichen.“ 7:8-9 „Und Wir stellen die Waagen der Gerechtigkeit am Tag der Auferstehung auf. Dann wird keiner Seele etwas an Unrecht zugefügt. Und würde es (das Vollbrachte) das Gewicht eines Senfkorns haben, würden Wir es berücksichtigen. Und Wir genügen als Rechnende.“ 21:47

(121) Imam Ali al-Qari: Der Teich des Propheten (Sallallahu alayhi wa sallam). im Jenseits. Allah sagt im Quran: „Gewiss, Wir gaben dir Al-Kawthar“ 108:1. Die Korankommentatoren haben al Kawthar mit Teich und Fluss erklärt und zwischen beiden gibt es keinen Widerspruch, weil es ein Fluss im Paradies ist, dessen Teich am Stehplatz (Mahschar) am Tag des jüngsten Gerichtes ist. (al-Qari 1998,283.)

(122) Der Gesandte Allahs (Sallallahu alayhi wa sallam) sagte (Überliefert in Sahih Muslim): „Wisst ihr, wer der Nichts Besitzende ist ? Die Gefährten antworteten: Der Nichts Besitzende ist derjenige, der kein Dirham und kein Eigentum hat. Der Gesandte Allahs Saw. erwiderte: Wahrlich, der Nichts Besitzende ist derjenige, der am Tag der Auferstehung mit seinen Gebeten, Fasten, Almosen kommt, jedoch hatte er (im Diesseits) diese Person beschimpft und jene Person verflucht, das Geld von diesem mit Unrecht genommen, den da getötet und den da geschlagen. So wird von seinen guten Taten genommen, den da getötet und den da geschlagen. So wird von seinen guten Taten genommen und den von ihm zu Unrecht behandelten Personen gegeben, wenn seine gute Taten auslaufen, wird von den Sünden dieser Personen genommen auf ihn übertragen, dann wird er in die Hölle geworfen.“ Imam al-Mazuri sagt diesbezüglich: Dieser Hadith widerspricht nicht der Aya: „Und keine Seele erwirbt etwas, außer für sich selbst, und keine verfehlende Seele trägt die Verfehlung einer anderen.“ 6:164, weil was mit solcher Person geschehen wird, sind nur die Früchte von seinen Handlungen und seiner Ungerechtigkeit im Diesseits.

Das Paradies und die Hölle sind heute (schon) geschaffen. Sie vergehen nie (123). Die Hur sterben nicht (124). Die Bestrafung Allahs sowie Seine Belohnung sind ewig.

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(123) Imam Ali al-Qari:Imam Abu Hanifa sagt in al-Wasiyya: Das Paradies und die Hölle sind wahr und sie sind erschaffen und weder sie, noch ihre Bewohner werden vergehen, weil Allah über das Paradies sagt:“ … für die Gottesfürchtigen bereitet wurde!“ 3:133 und über die Hölle sagt:“… für die Kafir vorbereitet wurde.“ 2:24. Allah hat sie für die Belohnung und Bestrafung erschaffen. Imam Abu Hanifa schrieb im selben Buch: Die Bewohner des Paradieses und der Hölle sind ewig. Über die Bewohner des Paradieses sagt Allah:“… diese sind die Weggenossen der Dschanna. Darin bleiben sie ewig.“ 2:82 und über die Bewohner der Hölle: „… diese sind die Weggenossen des Feuers. Darin bleiben sie ewig.“ 2:39 (al-Qari 1998,290.)

(124) Die Hur sind die Gattinen der Bewohner des Paradieses.

Allah leitet aus Gnade Recht, wen Er will. Und führt in die Irre aus Gerechtigkeit, wen Er will. Seine Irrführung ist Sein Verlassen. Die Erklärung von Verlassen ist: Dass Er Seinen Diener nicht unterstützt bei den Sachen, die Ihn zufrieden stellen, und das ist eine Gerechtigkeit von Ihm, genauso wie die Strafe des Verlassenden, wegen seiner Widerspenstigkeit. Es ist nicht erlaubt zu sagen, dass der Satan durch Zwang und Nötigung den Iman von dem Mu’min Diener wegnimmt, wir sagen vielmehr, dass der Diener den Iman verlässt, dann entwendet ihn der Satan von ihm (125).

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(125) Weil Allah sagt: „Gewiss, über Meine Diener hast du keine Verfügung,“ 15:42. Der Diener verlässt den Iman freiwillig, sei es wegen den satanischen oder triebseelischen Einflüsterungen. Erst wenn er sich vom Iman loslöst, entwendet ihn der Satan von ihm. Erst dann wird Satan Macht über ihn verfügen und das ist die Erklärung der Aussage Allahs:“… außer über diejenigen von den Abirrenden, die dir folgen.“ 15:42 sowie die Aya:“Wer von ihnen dir folgt, den werde Ich in der Hölle bestrafen und die Hölle mit euch allen füllen.“ 7:18

Die Bestrafung von Munkir und Nakir ist wahr, sie geschieht im Grab (126). Die Rücksendung der Seele zum Leib im Grab ist wahr. Das Zusammenpressen des Grabes und die Strafe in ihm sind wahr. Es wird alle Kuffar sowie manche sündige Mu’minin treffen (127).

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(126) Imam Ali al-Qari:Diese Zwei Engel werden den Begrabenen fragen, wer sein Herr ist, was sein Din ist, und wer sein Prophet ist. (al-Qari 1998,293 f.)

(127) Allah sagt über die Familie von Pharao:“das Feuer. Sie werden ihm morgens und abends ausgesetzt. Und an dem Tag, wenn die Stunde anbricht:“ Lasst Pharaos Leute zur qualvollsten Peinigung eintreten.“ 40:46  Allah redet über die Bestrafung  durch das Feuer vor der Strafe der Stunde, was bestätigt, dass es im Grab auch eine Strafe gibt. Mit dem Grab ist die Zwischenwelt (al-Barsakh) gemeint. Imam al Bayhaqi sagt diesbezüglich: Dass die Partikel des Menschen auseinanderfallen, macht die Bestrafung im Grab, wie es in den authentischen Berichten steht, nicht unmöglich, er ist, wie Allah will, für wen Er will, bis wann Er will. Möge Allah uns davor bewahren.(Imam al-Bayhaqi, al I’tiqad 1999,292.) Wenn man sagen würde:“manche werden doch verbrannt und als Asche in der Luft zerstreut, ertrinken oder werden von Tieren gefressen.“ Dann lautet die Antwort, wie Imam al-Bayhaqi erklärte: Dass die Seele zu jedem Partikel (Atom) zurückgesandt wird, dass jeder Partikel gefragt wird und jedes Partikel bestraft wird ist nicht unmöglich im Verstand (Imam al Bayhaqi, al-I’tiqad 1999, 292.) Es ist aber auch denkbar, dass die Befragung und die Bestrafung nur mit der Seele geschieht oder dass ein einziges Partikel übrig bleibt, welches als Objekt der Bestrafung verwendet werden kann.

Alle Attribute Allahs, welche die Gelehrten auf Persisch erwähnen, kann man so sagen außer Yad auf Persisch. Es ist auch erlaubt “Das Angesicht Allahs“ zu sagen aber ohne Vergleichung und ohne ein “Wie“ zu haben (128).

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(128) Imam Baha‘ ad-Din al Hanafi:Man darf nicht Yad auf persich benutzen, weil dadurch würde man Allah ein Gliedmaß zuschreiben, weil in der persichen Sprache die Hand nicht als Metonymie benutzt wird, im Gegensatz zu Wadschh (Gesicht), welches af persich auch als Metonymie für die Existenz ALLAHs oder die Schönheit Allahs im Sprachgebrauch der Perser benutzt wird. (Imam Baha‘ ad-Din 2003, 413) Diese Regel gilt auch für die anderen Sprachen.

Die Nähe und Entfernung zu Allah ist nicht im Sinne von Länge oder Distanz, sondern im Sinne von Ehre und Ehrlosigkeit. Der Gehorsame ist nah, ohne ein “Wie“ zu haben. Der Ungehorsame ist fern, ohne ein “Wie“ zu haben. Die Nähe, Entfernung und Annäherung beziehen sich auf den Diener. Dasselbe gilt für die Nähe (zu Allah) im Paradies und für das Stehen vor Ihm, ohne ein “Wie“ zu haben.

Der Quran ist  auf den Gesandten Allahs herabgesandt worden und auf den Blättern niedergeschrieben. Die Ayat des Quran sind als Allahs Rede von gleicher Vorzüglichkeit und Wertschätzung, es gibt aber manche (Ayat), die die Vorzüglichkeit der Lesung und des Inhaltes haben, wie die von al-Kursi (2:256) da das Erwähnte in ihr die Majestät Allahs und seine Attribute sind. So hat sie die beiden Vorzüge beinhaltet, und zwar der Vorzug der Lesung und der des Inhaltes. Andere Ayat haben nur die Vorzüglichkeit der Lesung, wie die Geschichte der Kuffar. Die Erwähnten haben keinen Vorzug, denn es sind die Kuffar.

Die Namen und Attribute Allahs sind ebenfalls von gleicher Wertschätzung und Vorzüglichkeit, es gibt keine Unterschiede zwischen ihnen.

Qasim, Tahir, Ibrahim waren Söhne vom Gesandten Allahs, Fatima, Ruqayya, Zaynab und Umm Kulthum waren alle Töchter des Gesandten Allahs, möge Allah mit ihnen zufrieden sein (129).

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(129) Der Prophet (Sallallahu Alayhi wa sallam) hatte drei Söhne und vier Töchter. Der erste von ihnen ist Qasim. Er (Sallallahu Alayhi wa sallam) hat ihn vor der Zeit  des Prophetentums bekommen und nach ihm wurde er Saw. benannt, sodass man den Propheten (Sallallahu Alayhi wa sallam) Abu al-Qasim nannte. Der zweite Sohn ist Tahir, welcher wie Qasim sehr früh in Mekka starb. Den letzten Sohn und zwar Ibrahim hatte er in Medina von Maria, der Ägypterin bekommen, jedoch starb er auch als Baby. Was die Töchter betrifft, so hatte er Zaynab, Fatima, Ruqayya und Umm Kulthum. Zaynab kam auf die Welt, als er dreißig Jahre alt war. Die zweite ist fatima al-Batul. Sie war das beliebteste Kind des Propheten Saw. Er (Sallallahu Alayhi wa sallam) sagte: „Fatima ist ein Stück von mir, wer sie hasst, hasst mich auch.“ (Sahih al-Bukhari) In einer Überlieferung (Sahih Muslim) steht: Genügt es dir nicht, die Beste der Frauen in allen Welten zu sein in der Version von Imam Ahmed:“Die Beste unter den Frauen des Paradieses“. Die einzige Nachkommenschaft des Propheten (Sallallahu Alayhi wa sallam) ist von der Linie Fatimas, und zwar von ihren beiden Söhnen Hassan und Hussain. Sie starb sechs Monate nach dem Tode ihres Vaters (Sallallahu Alayhi wa sallam) Ruqayya und Umm Kulthum waren beide Frauen von Uthman b. ‚Affan. Als Ruqayya starb, hat ihm der Propheten (Sallallahu Alayhi wa sallam) seine andere Tochter zur Frau gegeben, deswegen nennt man Sayyiduna Uthman Dhu-n-Nurayn, das heißt „Der mit den beiden Lichtern“, damit sind die segensreichen beiden Töchtern des Propheten (Sallallahu Alayhi wa sallam) gemeint.

Wenn jemand etwas in den Einzelheiten der ilm at-tawhid nicht versteht, dann soll er zunächst glauben, das das, was bei Allah richtig ist, wahr ist, bis er einen Gelehrten findet, den er dann fragen muss. Er darf die Suche nach der Antwort nicht verzögern, und es wird nicht geduldet, wenn er (im Zweifel) verharrt. Wenn er verharrt, dann ist er ein Kafir (130).

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(130) Scheikh al-Maghnisawi: Wenn der Mu’min etwas von den Detailfragen nicht versteht, was die Lehre des Tawhid und die Attribute Allahs betrifft, so soll er zuerst an das, was bei Allah allgemein richtig ist, glauben, indem er z.B. sagt: „Was Allah meint, ist wahr“ oder Ich habe an das, was bei Allah richtig ist, geglaubt“. Das soll fürs Erste reichen, bis er einen Gelehrten trifft, der sich mit den Fragen des Tawhid und den Attributen Allahs auskennt, den er fragen kann. So eine Person soll nicht die Suche nach der Antwort dessen, was er nicht verstanden hat, verzögern. (Imam Al-Maghnisawi  1904,70.)

Scheikh al-Maghnisawi: Falls man drauf verharrt und nicht nach einer Antwort suchen will, und wenn der Zweifel bei einer Grundlage des Iman besteht, dann ist man Kafir, weil Zweifel in den Grundlagen nicht erlaubt sind. Wenn man den allgemeinen Iman verinnerlicht, wie erklärt, dann bleibt man Mu’min. Allah sagt: „So stelle es durch Wissen fest, dass es gewiss keine Gottheit außer Allah gibt“ 47:19 und Er sagt:“So fragt die Leute von Adh-dhikr (des Wissen u.A.), wenn ihr selbst nicht wisst.“ 16:43 Vgl. (Imam Al-Maghnisawi 1904, 70.)

Die Überlieferung von al-Miradsch ist wahr, wer sie ablehnt ist ein Mubtadi (131). Das Auftreten von al-Masih ad-Dadschal und Ya’dschudsch wa-Ma’dschudsch, der Aufgang der Sonne aus dem Westen, die Herabkunft von Jesus, aus dem Himmel, sowie alle anderen Zeichen des Tages der Auferstehung, die in den authentischen Überlieferungen erzählt wurden, sind wahr und werden geschehen (132).

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(131) Imam Ali al-Qari: Wer die Himmelsfahrt des Propheten (Sallallahu Alayhi wa sallam) leugnet, ist Mubtadi‘, aber kein Kafir, im Gegensatz zum Verleugner der Nachtreise von Mekka nach Jerusalem, da das erste Ereignis in der Sunna, welche aber nicht die Stufe von Mutawatir erreicht hat, überliefert ist und das zweite im Quran vorkommt. (al-Qari 1998,322.)

(132) Zu den großen Zeichen der Stunde gehört das Erscheinen des Antichristen, der die Menschheit in die Irre führen wird. Seine Heimsuchung ist so ernst, dass sogar der Prophet (Sallallahu Alayhi wa sallam) pflegte, Zuflucht bei Allah vor dem Dadschdschal (Antichrist) zu ersuchen. Dieser Irrleiter wird aber ein Ende haben, und zwar durch den Propheten Jesus As., welcher noch auf die Erde kommen wird. Das Erscheinen von dem Volk Ya’dschudsch wa-Ma’dschudsch und das Aufgehen der Sonne von Westen gehören auch zu den großen Zeichen, welche sowohl im Quran, als auch in der Sunna stehen.

Allah leitet recht, wen er will, zu seinem geraden Weg (133).


(133) Ende des Kommentars.Möge Allah uns von den Rechtgeleiteten sein lassen. Wa-salla Allahu’ala Sayyidina Rasuli-l-lah wa-‚ala alihi wa-Sahbihi adschma’in. amin.

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