Die glaubenslehre der Ahlu Sunnah

Die Asha'irah und Maturidiyyah


Über die Qadam und die Ridschl aus dem Buch „Al-Asmaa‘ wa-Sifaat“ von Imam al-Bayhaqi (gest. 458 n.H.)

Der Imam und Hadithgelehrter Abi Bakr b. Al-Hussayn b. Ali Al-Bayhaqi sagt in seinem Buch Al-Asmaa wa-Sifat (die Göttlichen Namen und Attribute):

1. Abu ‚Abdi Allah Muhammed b. Abd Allah Al-Hafiz überlieferte uns mehrmals von AbdAllah Al-Hussayn b. Al-Hassan b. Ayyub At-Tussi und Abu Hatim Muhammed b. Idris Ar-Razi beide sagen: Adam b. Abi Iyyas Al-Askalani überlieferte uns von Shayban b. Abd Ar-Rahman von Qatada von Anas Ibn Malik, Allahs Wohlgefallen auf ihm, er berichtete:  Der Prophet Allahs (SallAllahu alayhi wa sallam) sagte: Die Hölle wird  solange sagen: Gibt es noch mehr? bis der Herr der Erhabenheit, Segensreich und Erhaben sei Er, seine Qadam hineinsteckt. Da wird sie sagen: Das ist genug. Das ist genug, bei Deiner Erhabenheit. Dann wird sie sich zusammenziehen. Und es wird solange (freie) Orte im Paradies geben, bis Allah Leute erschafft, die diese Orte bewohnen. 

Dieser Hadith ist von Imam Al-Bukhari in seinem Sahih durch den Überlieferungsweg von Adam überliefert. Imam Muslim erwähnte es durch einen anderen Überlieferungsweg und zwar durch Shayban. Sulayman überlieferte es von Qatada und er sagte in einem der zwei Überlieferungswortlaute: „bis der Herr der Welten seine Qadam hineinsteckt“, und in der zweiten Überlieferung sagte er: „bis Allah darauf seine Qadam tut“.

Sa’id b. Abi ‚Urwa und Aban b. Zayd Al-Attar haben es beide von Qatada überliefert und sie sagten im Hadith: „Der Herr der Welten“.

2. Shu’ba überlieferte es von Qatada, wie Muhammed b. Abd Allah Al-Hafiz uns berichtet hat, von Abu Bakr Muhammed b. Ahmad b. Balawayh von Abd Allah b. Ahmad b. Hanbal von Ahmad b. Hanbal von Ubayd Allah von Harmi b. Imarah von Shu’ba von Qatada von Anas b. Malik, er erzählte, der Prophet (SallAllahu alayhi wa sallam) sagte: Man wird (Leute) in die Hölle hineinwerfen und sie wird ständig, „Gibt es noch mehr?“, sagen, bis er seine Qadam oder sein Ridschl darauf tut, sodann wird sie sagen: Das ist genug. Das ist genug.

Das überlieferte Imam Al-Bukhari in seinem Sahih von Abd Allah b. Abi Al-Aswad von Harmi b. Imarah. 

3. Abu Tahir der Rechtsgelehrte berichtete uns von Abu Bakr Muhammed b. Al-Hussayn Al-Qattan von Ahmad b. Yusuf As-Sullami von Abd Ar-Razzaq von Mu’mar von Hammam b. Munbih, er sagte, das ist was Abu Hurayra uns berichtet hat, er erzählte, der Prophet (SallAllahu alayhi wa sallam) sagte: Das Paradies und die Hölle haben sich gestritten, die Hölle sagte: ich bekomme die Hochmütigen und Tyrannen und das Paradies sagte: Warum bekomme ich denn nur die schwachen und wertlosen und unbeachteten unter den Leuten? Dann sagte Allah, Segensreich und Erhaben sei Er, zum Paradies: Du bist meine Barmherzigkeit, ich erbarme durch dich wen ich will unter meinen Dienern, und er sagte zur Hölle: du bist meine Strafe ich bestrafe durch dich wen ich will unter meinen Dienern. Jede von euch hat ihre Bewohner. Die Hölle wird erst gefüllt, wenn Allah sein Ridschl hineinsteckt und da wird sie sagen: Das ist genug. Das ist genug. Erst dann wird sie voll und sie wird sich zusammenziehen. Allah tut keinem unrecht. Was das Paradies betrifft, so wird Allah für sie Leute erschaffen. 

Überliefert von Imam Al-Bukhari in seinem Sahih von Abd Allah b. Muhammed sowie von Imam Muslim von Muhammed b. Rafi‘ beide von Abd Ar-Razzaq. Ayyub überlieferte es von Muhammed b. Sirin von Abu Hurayra vom Propheten (SallAllahu alayhi wa sallam). In seinem Überlieferungswortlaut steht: „bis der Herr seine Qadam hineinsteckt“.

Dieser Hadith wurde auch von Awf von Muhammed von Abi Hurayra von dem Propheten (SallAllahu alayhi wa sallam) überliefert, und in dieser Überlieferung steht: „dann wird der Herr seine Qadam darauf tun“.

Al-A’radsch überlieferte es auch von Abi Hurayra vom Propheten (SallAllahu alayhi wa sallam) und er sagte: „Was die Hölle betrifft so wird sie nicht gefüllt werden, dann tut er seine Qadam darauf, so wird sie sagen: Das ist genug. Das ist genug. Erst dann wird sie voll sein und sie wird sich zusammenziehen“.

4. Abu Abd Allah Al-Hafiz berichtete uns von Abu Al-Fadl b. ibrahim von Ahmad b. Salam von Muhammed b. Nafi‘ voon Muhammed b. Nafi‘ von Shababa b. Suwar von Warqa‘ von Abi Zinnad von Al-A’radsch von Abi Hurayra vom Propheten (SallAllahu alayhi wa sallam). Dann erwähnte er den selben Hadith wie den von Humam b. Munbih, nur dass er sagte: „die Unbeachteten und die mit Behinderungen“ und seine Überlieferung endet bei „sie wird sich zusammenziehen“. Überliefert von Imam Muslim in seinem Sahih von Muhammed b. Nafi‘. Die Überlieferung wurde sinngemäß von Abi Sa’id Al-Khudari vom Propheten (SallAllahu alayhi wa sallam) ohne Zuschreibung überliefert, er sagte: „Bis er darin ein Qadam steckt“ 

Abu Sulayman Al-Khattabi, möge Allah sich seiner erbarmen, sagte: Es scheint, dass diejenigen, die die Qadam und die Ridschl erwähnt haben, ohne sie Allah zuzuschreiben, es aus Furcht unterlassen haben und aus Angst eine falsche Interpretation zu treffen. Abu Ubayd, einer der großen Imame, sagte: Wir überliefern diese Ahadith und wir suchen dafür keine Erklärung.

Abu Sulayman fügt hinzu: und es steht uns eher zu, dass wir nicht die Grenze überschreiten, die die Imame vor uns nicht überschritten haben, und sie sind wissender und älter als wir und haben vor uns gelebt. Aber in der Zeit, in der wir leben, gibt es zwei Gruppierungen. Die erste Gruppe leugnet diese Überlieferungen und lehnt diese Art von Ahadith ab, und damit leugnet man die Gelehrten, die uns diese Ahadith überliefert haben. Diese Gelehrten sind die Imamen der Religion und die Träger von der Sunna, sie sind die Vermittler zwischen uns und dem Propheten (SallAllahu alayhi wa sallam). Die zweite Gruppe bestätigt diese Überlieferungen, sie nehmen es wortwörtlich, sodass sie einen Weg einschlagen, welcher zum Antropomorphismus führt. Wir lehnen diese beiden ab und wir akzeptieren keine von diesen beiden Meinungen als Methode. Wir müssen, was in diesen Ahadith vorkommt, wenn ihre Überlieferung und Wortlaut stimmen, nach den Grundlagen der Religion und der Methodik der Gelehrten interpretieren. Wir lehnen die Überlieferung nicht ab, wenn die Überlieferungswege authentisch und die Überlieferer vertrauenswürdig sind.

Abu Sulayman sagt: Mit Qadam können hier diejenigen gemeint sein, die Allah der Hölle darbringt, damit die Zahl der Bewohner der Hölle vervollkommnet wird. Alles was man darbringt heißt „Qadam“, genauso wie man alles, was man zerstört, „Hadam“ und alles was man annimmt „Qabad“ nennt. Ein Beispiel aus dem Koran ist der Vers: „anna lahum qadama sidqin ‚inda rabbihim“ (dass sie bei ihrem Herrn einen wahrhaftigen Vorrang [Qadama] haben). Das heißt, was sie vorher an guten Taten dargebracht haben. So eine ähnliche Bedeutung ist von Al Hassan Al-Basri überliefert. Diese Erklärung wird durch die Aussage im Hadith „Was das Paradies betrifft, so wird Allah für sie Leute erschaffen.“ bekräftigt. So harmonisiert man zwischen den zwei Erklärungen. Sowohl die Hölle als auch das Paradies werden zusätzliche Bewohner bekommen, bis sie die Zahl ihrer (vorbestimmten) Leute erreichen, dann werden sie voll.

Imam Al Bayhaqi sagte: Es steht in der Kopie des Buches von Abu Hassan b. Mahdi At-Tabari, welche mir Abu Nasr b. Qatada geschrieben hat, dass An-Nadr b. Shumayl über „bis der Gewaltsame sein Qadam hineinsteckt“ gesagt hat: Damit ist derjenige gemeint, von dem Allah schon wusste, dass er von den Bewohnern der Hölle ist.

Abu Sulayman sagt: Manche Gelehrten haben Ridschl ähnlich erklärt. Er sagt damit (mit Ridschl) ist die Vervollkommnung der Zahl der Gruppe, die in die Hölle kommen soll, gemeint. Die Araber nennen eine große Gruppe von Heuschrecken „Ridschl“ genauso wie sie eine Gruppe von Gazellen „Sarb“ und die Gruppe von Straußen „Khayt“ und die Gruppe von Eseln „Aanah“ nennen. Und auch wenn es ein spezieller Begriff für die Gruppe der Heuschrecken ist, so kann man es metaphorisch als Vergleich für die Gruppe der Menschen benutzen. Solche Metaphern und Änderungen der tatsächlichen Bedeutung kommen oft vor, und sowas ist bei den Sprachgelehrten sehr bekannt. Abu Sulayman sagt: Es gibt eine andere Erklärung und zwar man meint mit diesen Wörtern Bedeutungen, die überhaupt nichts mit der literarischen Interpretation des Wortlauts zu tun haben. Sondern man meint mit Ridschl eine Art von gewaltsamer Abhaltung der Hölle sowie der Beruhigung ihrer Heftigkeit. Man sagt (auf Arabisch) über eine Sache die man vernichten will, ich habe sie unter meinem Bein oder Fuß getan. Der Prophet (SallAllahu alayhi wa sallam) sagte im Jahr von Al-Fath: „Jede Blutrache oder Vergeltung, die es in der Dschahiliyya-Zeit gab, ist unter meinen Füssen, außer das Amt der Tränkung und das Verwalten der Kaaba.“ Er (SallAllahu alayhi wa sallam) meint damit, sie sind ungültig geworden. Die Araber benutzen oft die Gliedmaße in ihren Gleichnissen und sie meinen damit nicht die wortwörtliche Bedeutung des Körpergliedes. Sie sagen z.B. über einen Mann, der etwas gesagt oder getan hat und es dann bereut, سقط في يده„Er ist in seine Händen gefallen“ oder رغم أنف الرجل „Trotz der Nase des Mannes“ sie benutzen es wenn eine Person erniedrigt ist. Oder علا كعبه „seine Brust ist Hoch geworden“, wenn ein Mann berühmt wird, oder جعلت كلام فلان دبر أذني „ich habe seine Rede hinter mein Ohr getan“ oder جعلت يا هذاحاجتي بظهر „du hast meine Sache auf einem Rücken getan“ und es gibt viele solcher Gleichnisse.

Oder wie Imru’u Al-Qays gesagt hat: فقلت له لما تمطى بصلبه … وأردف أعجازا ناء بكلكل  Dann sagte ich zu der Nacht, als sie langsam mit ihrem riesigen Rücken über mich stieg sowie mit ihrer Brust und ihren Lenden

Und wir wissen, dass dort kein Rücken, Brust oder Lenden gemeint sind, sondern es sind Gleichnisse für die Länge der Nacht und einer Übertreibung in der Beschreibung. So teilte er die Nacht in Gliedmaßen von einem Tier auf. Ridschl kann auch für das Verlangen und das aufrichtige Anstreben einer Sache benutzt werden. Man sagt: Diese Person steht in dieser Sache auf einem Fuß oder auf einem Bein, wenn er sich anstrengt eine Sache zu erreichen. Bei diesem Punkt gibt es viele Bedeutungen. Wenn man uns aber fragt, warum interpretiert ihr auf dieser Weise Wadschh und Yad nicht? Warum sieht ihr sie nicht als Gleichnisse an? Dann sagen wir: Die genannten Attribute kommen im Koran wortwörtlich vor und sie sind Lobattribute. Die Grundregel ist, dass jedes Attribut, welches im Koran oder in den Mutawatir Ahadith vorkommt, sowie in den Ahad Ahadith, welche eine Grundlage im Koran haben oder auf einer koranischen Bedeutung basieren, bestätigt wird und der Wortlaut akzeptiert wird, ohne ein „Wie“ zuzuschreiben. Und jedes Attribut, welches weder im Koran noch in den Mutawatir Ahadith vorkommt, keine Grundlage im Koran hat und durch Ahad wege überliefert wird und dessen literarische Bedeutung zum Antropomorphismus führen kann, ist zu interpretieren auf einer Art und Weise, welche das Wort tragen kann, und die den Antropomorphismus negiert. Das ist der Unterschied zwischen Qadam, Ridschl und Saq und zwischen Yad, Wadhschh und Ayn. Und durch Allah ist der Erfolg, und wir erbitten vom ihm die Rechtleitung zu der richtigen Aussage, und wir nehmen Zuflucht bei Allah vor den Fehlern, er ist der Liebevolle der Barmherzige.

Quelle: http://www.ahlu-sunnah.de/attachments/212_Qadamundridschl_bayhaqi.pdf



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